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Sa, 25. Juni 2022
In der Umgebung

Essen in Niederösterreich

Essen in Niederösterreich

Niederösterreich bietet eine große Vielfalt an Gastronomie.
Vom kleinen urigen Beisl bis zur hochdekorierten Haubenküche.
Vom verborgenen PopUp-Bistro bis zu langjährig eingesessenen Wirten.
Aufsteiger und Absteiger.

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4 Lokale·Update: 7. Okt 2021·0 Kommentare

1. Neunläuf

2 Bewertungen
Wienerstraße 4
2193 Wilfersdorf/Hobersdorf

In diesem Guide weil

Wenn man erstmal das Neunläuf gefunden hat ;-), kann man dort viel Zeit verbringen. Auszuprobieren gibt es genug.

Meine Bewertung (24. Aug 2021)

SpeisenAmbienteService
Wenn man sich – und das soll jetzt nicht despektierlich klingen - aus der Provinz in die noch tiefere Provinz bewegt, ist es manchmal wirklich nich... MehrWenn man sich – und das soll jetzt nicht despektierlich klingen - aus der Provinz in die noch tiefere Provinz bewegt, ist es manchmal wirklich nicht einfach, ein ordentliches Gasthaus zu finden, geschweige denn ein Restaurant.
Bei der Recherche auf die Gastwirtschaft Neunläuf gestoßen, über den Namen lässt sich das fast nicht einschätzen, aber meine e-mail-Reservierungsanfrage wird innerhalb einer halben Stunde bestätigt – was soll also passieren, die Online-Speisekarte macht auch einen guten Eindruck.

Das Navi führt uns durch die Ebenen mit den vielen Windrädern und an der Gastwirtschaft angekommen, merkt man sofort, die gibt’s schon länger, das Ensemble ist historisch-organisch gewachsen, ein Zubau duftet nachgerade noch nach dem frischen Holz. Ausreichend öffentliche Parkplätze inklusive einer E-Tankstelle, sowie ein Abteil für Fahrräder.

Der Eingang ist zwar leicht zu finden, allerdings dahinter kein geschäftiges Leben, wir fragen sogar Einheimische, ob das tatsächlich der Eingang ist, dann dahinter weiter, die großzügig geschnittenen Räume sind nicht zugängig (Sperrkordel), weil die Action heute nur im idyllisch eingebetteten Innenhof stattfindet. Hier öffnet sich ein Garten mit Altbaumbestand und Liegestühlen, sowie einem Kinderspielplatz, eine etwas zu nüchtern geratene Terrasse um das Haus und dann der Star – ein alter Stadel, komplett renoviert, teilweise seitlich geöffnet und mit Schiebetüren versehen. Einfach nur ankommen und wir werden freundlich-routiniert an den reservierten Tisch gebracht. Praktische, aber dennoch bequeme Bestuhlung, weißes Tuch am Tisch, Blümchen, originelle Tischnummerierung erleichtert das Registrieren.

Wir erhalten gemeinsam mit unserer persönlichen Speisekarte im Kuvert auch noch ein paar Informationen zu den tagesaktuellen Speisen. Im Großen und Ganzen deckt sich das Angebot mit der Homepage, neben einer klassischen Auswahl wird auch noch ein Menü „Weinviertler Gelassenheit“ in drei Gängen um 40,- (inkl. Weinbegleitung 10,- mehr) angeboten.

Gereifter Wildschinken | Hausspeck |Himbeerzwiebel - EUR 10,20
Serviert auf einem großen Holzbrett mit eingelassener Schiefertafel, nichts von der Stange, sicher extra angefertigt. Darauf zwei gar nicht so kleine Hauferl mit dem dunkleren Schinken und den etwas helleren Speck. So hauchdünn geschnitten, wie noch selten erlebt, dadurch natürlich fast der doppelte Genuss, die Scheiben zergehen auf der Zunge (die Berkel steht im Innenbereich am Gang). Kein starker Wildgeschmack, eher fein abgestimmt. Die im Himbeersud eingelegten Zwiebel eine gute Ergänzung samt dem guten, knusprigen Weißbrot.

Gefüllte Teigtascherl | Pilze | Bauerntopfen | eingelegte Karfiolröschen - EUR 10,40
In der Schale werden drei eher kleine Teigtascherln serviert, die Pilzfülle ist kaum gewürzt, auch der krümelige Topfen eher von der milden Seite. Über all dem wurde ordentlich geputzter und fein marinierter Pflücksalat drapiert – die Karfiolröschen haben nur ihren Eigengeschmack, kann keine Säure oder andere Aromen ausmachen.

Gekochtes Rindfleisch | G’reste | Semmelkren | Schnittlauchsauce | Apfelkren – EUR 15,80
(von der Klassiker-Karte)
Ein wirklich klassisches Gericht, wo man alles richtig aber auch alles falsch machen kann. Hier ist alles richtig. Nette Präsentation im urigen Geschirr, das Fleisch ist so zart, dass das Besteck wie durch Butter fährt, erstklassige Qualität. Auch gibt es auf diesem Teller keine Julienne, die doch manchmal zu lebensbedrohlichen Erstickungsanfällen führen kann (…), die bunten Rüben wurden in klassische Räder geschnitten, passt. Die Beilagen stimmig abgeschmeckt, das macht echt Freude.

Filet von der Goldforelle ‚Gut Dornau‘ | Senfgurke | Polentataler – EUR 20,40
(Gustostückerl, weil die Küche auch noch anders kann)
Das Senfgurkengemüse ist der Hälfte nach in Scheiben geschnitten und badet auch in einer Senfsauce, da sind zum Schluss doch noch sehr viele Senfkörner auf dem Teller. Getrocknete Cherrytomaten bringen den perfekten Gegenpart im Geschmack. Der Fisch ist perfekt. Knusprig gebraten, aber nicht durchgedörrt, innen noch saftig, garniert mit Pyramidensalz, damit kann man mich immer und jederzeit gewinnen. Die Polentataler auch mit einer ordentlichen Bratkruste außen und innen noch so ganz leicht cremig-flaumig.

Sauerrahm-Weintrauben-Törtchen | Traubengelee – EUR 9.80
Dünner Biskuit-Boden, darauf mit einem Dessertring geformt, ein Rahm-Törtchen, beide Zutaten gemeinsam auf der Gabel, da braucht es gar keine Garnierung. Das Traubengelee ist kräftig in der Farbe und auch im Geschmack, ebenso mit Förmchen in Form gebracht, ein paar Trauben, lila Feen-Staub und ein Chip on top. Mhhmmm.

Schneenockerl | Vanilleschaum | Marille – EUR 9,80
Da ist sie wieder die Erwartungshaltung. Keine Ahnung, was ich mir unter einem Schneenockerl wirklich vorgestellt habe, vielleicht ein Vanille-Schneenockerl. Hier ist aber das Eiweiß in der puren Version am Teller, leicht gezuckert, mit Schoko-Kakao-Staub-Brösel dekoriert. Der Vanilleschaum wird extra im Gläschen gereicht und begleitet von Marillen-Röster. Jeweils etwas von der Marille, vom Vanilleschaum und dem Nockerl auf dem Löffel geschichtet, bekommt man eine Vorstellung, was sich der Koch gedacht hat, womit er seine Gäste verwöhnen könnte. Ich entschuldige mich beim Nockerl, es hat wahnsinnig gut geschmeckt.

Fazit:
Obwohl an diesem Nachmittag noch eine etwas größere Hochzeitsgesellschaft zur Tafel angesagt war und ihre Vorboten auch schon vor Ort waren, lässt man das die anderen Gäste nicht spüren. Der Holzboden ist manchmal ein Spielverderber, wenn jemand mit forschem Schritt vorbei geht, wackelt der Tisch etwas, man kann sich darauf einstellen.

Es befinden sich unter anderem auf der Karte: Hanf-Drehnudeln, Eis von der Eismanufaktur Harlekin, Käse vom Gwandtlhof, Paradeiser-Risotto, Blunz’nspitz und Beuscherl.
Eine Empfehlung ohne Bedenken, allerdings unbedingt mit Reservierung, sonst landet man auf der kahlen Beton-Terrasse.

Die Zutaten sind von ausgesuchter Qualität, beim Würzen könnte man noch die eine oder andere Prise oder Löffelchen mutiger sein, vielleicht liegts aber bei mir auch am Alter …

Man nimmt nur Bargeld – das finde ich persönlich bei diesem Preisniveau nicht angebracht, unsere Frage nach Kartenzahlung wurde aber charmant vereint mit: wir können Geschirr waschen, Onlinebanking oder wieder kommen 😉, das kostet dem Service die volle Punkteanzahl.
Gereifter Wildschinken | Hausspeck |HimbeerzwiebelGefüllte Teigtascherl | Pilze | Bauerntopfen | eingelegte KarfiolröschenSemmelkren | Schnittlauchsauce | Apfelkren

2. Joseph

1 Bewertung
Lagerstraße 2
2460 Bruckneudorf

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Was mit einem einzelnen Vornamen so simpel klingt, eröffnet eine Vielfalt von Versuchungen.

Meine Bewertung (6. Aug 2021)

SpeisenAmbienteService
So muss es sich anfühlen, wenn man jemanden Verlorengeglaubten wiederfindet. Eines unserer Lieblingslokale hat geschlossen, die Gerüchteküche war ... MehrSo muss es sich anfühlen, wenn man jemanden Verlorengeglaubten wiederfindet.
Eines unserer Lieblingslokale hat geschlossen, die Gerüchteküche war enorm. Fakt – vorbei – schade. Innerhalb Jahresfrist hat uns facebook einen Beitrag in die timeline geschoben – ist das nicht ? nein, oder ? – tatsächlich einer der ehemaligen Eigentümer hat einen Neuanfang gewagt und geschafft. Mitten in der Zeit, wo keiner genau wusste, wie es mit der Gastronomie weiter geht. Chapeau.

Das Ambiente ist wirklich ein Träumchen, die Terrasse wird beherrscht von einer riesigen Platane, die bereits Sisi Schatten spendete. Wo selbst die Äste zu Ende sind, gibt es Schirme. Eingefasst mit einem Holzboden, die Möblierung reicht von modern bis rustikal, man ist flexibel und kann schnell eine Tafel zusammenstellen.
Im Außenbereich verwendet man kein Tischtuch, das Geschirr ist trotzdem vom feinsten
Parkplätze sind an der Hausfront entlang ausreichend vorhanden.

Der Anspruch ist ‚Hausmannskost zu Ende gedacht‘. Es geht um Nachhaltigkeit, regionale Produzenten und artgerecht gehaltenes Vieh, sowie natürlich um den Bio-Anspruch.
Am Wochenende kann man sich eine Brunch-Box gegen Vorbestellung abholen, derzeit werden 2 Varianten angeboten, die neben den Klassikern auch Hummus, Chia-Pudding, Avocado, Nüsse, Obst enthalten. Wir hatten zu Ostern eine Box für zwei, von der locker 4 Personen satt geworden wären, Kostenpunkt rd. 45,-. Kleinere Kreationen vom Frühstück gibt es auch (13,50), sowie auch eine Art Baukastensystem zum Selberzusammenstellen.
Die Bierkarte ist nicht uninteressant, Produkte von den Brauereien Schwechat, Ehrentrautmannsdorf, dem bezirkseigenen Prugg und Weihenstephan aus Bayern.

Von Ostern gibt es nur die Bilder, da selbsterklärend, von unserem letzten Besuch folgendes zu berichten:

Buntes Paradeiser Carpaccio (6,60)
Die dünn geschnittenen Paradeiser-Scheiben bilden die Basis für den Schafs-Frischkäse, fein garniert mit Wild- und anderen Kräutern, sowie Oliven und Kräuter Pesto, serviert mit Olivenbrot. Eine sehr zarte Speise, es drängt sich kein Geschmack in den Vordergrund, sehr harmonisch. Gerade richtig unterstützend gewürzt. Enttäuschung nach dem letzten Biss, dass der Teller leer ist.

Bio-Zwiebelrostbraten mit Braterdäpfeln (19,50)
Das richtige Gericht für einen Mann, da liegt ordentlich was am Teller: eine Beiriedschnitte vom Waldviertler Blondvieh, klassisch mit knusprig gebackenen Röst- und gedünsteten Zwiebeln und Essiggurkerln, sowie ausreichend Sauce. Es wird still nebenan und mann genießt offenbar.

Geschmortes Zanderfilet mit gebratener Erdäpfelroulade (21,20)
Vom Seewinkler Zander sind zwei ordentliche Filets am Teller, auf der Haut zart knusprig gebraten, kaum gewürzt. Der Geschmack-Bumms kommt durch den darunter-liegenden Rahm-Spinat samt Zwiebel, der in einem Knoblauch-Fond geschmurgelt hat. Die Erdäpfelroulade wurde längs in Scheiben geschnitten und diese angebraten – boaah – carbs können soooo gut sein …

Topfen Limetten Mousse (5,80)
Vom Koch neu auf die Karte gehievt, sind wir quasi die ‚Probeverkoster‘ 😊
Das Mousse wird als Nocken auf den Teller gebracht, begleitet von täuschend ähnlich aussehenden Kokos-Schaum-Türmchen. Und alles badet in einem Erdbeer-Rhabarber-Ragout garniert mit Fruchtspiegeltropfen und kleingeschnittenem Obst.
Das Ensemble zergeht auf der Zunge und die Zitronennote im Topfen harmoniert sehr gut mit der leicht säuerlichen Version des Ragouts. Zusammen mit einem Espresso von der Rösterei Alt Wien ein perfekter Abschluss für einen gelungenen Lunch.

Fazit:
wir waren zwar noch nicht wirklich im Innenbereich, werden aber demnächst diesen nutzen, da es Events gibt, wo zu einem mehrgängigen (Überraschungs)menü Weine von Winzern aus dem Umfeld aufgetischt werden. Und natürlich werden wir dann auch den Hotelbetrieb in Anspruch nehmen – safety first.
Beim Service sind wir voreingenommen, und auch tatsächlich hervorragend bedient worden, gebe die volle Punktzahl, kanns ja nicht ändern.
Das Geschirr ist genau meines – Steingut in gedeckten Farben, möge es lange unbeschadet dienen.
Von uns eine klare Empfehlung, das Motto der Hausmannkost wird gelebt, allerdings sehr modern interpretiert. Auf der Karte findet sicher jeder etwas, sei es Tatar, Zwiebelrostbraten, Zanderfilet oder Eier Nockerl aus der klassischen Nische, oder alternativ Paradeiser-Carpaccio, steirische Gebirgsgarnelen, Couscous samt ausgefallenen Saucen und selbstgemachten Broten.
Preislich – für die Gegend – vielleicht etwas gehoben, obwohl auf Nachfrage die Auslastung gut ist (besser kann es immer sein). Der Einheimische ist froh, wieder ein nettes Lokal im Ort zu wissen.
Geschmortes Zanderfilet mit gebratener ErdäpfelrouladeBuntes Paradeiser CarpaccioTopfen Limetten Mousse

3. Kurz mal da

1 Bewertung
Mostgasse 9a
2440 Gramtneusiedl

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Innovative Küche mit guten Grundzutaten, gekonnt vermengt

Meine Bewertung (7. Okt 2021)

SpeisenAmbienteService
Ereignisse werfen ja ihren sprichwörtlichen Schatten voraus. Das blaueF spült eine Neueröffnung in die Timeline. Mhhmm. Man kennt den Ort – wo bi... MehrEreignisse werfen ja ihren sprichwörtlichen Schatten voraus.
Das blaueF spült eine Neueröffnung in die Timeline.
Mhhmm. Man kennt den Ort – wo bitte soll da ein Lokal sein/entstehen?
Jetzt berichten auch schon die Printmedien davon und als der Kurier die Neueröffnung als eines der Top 5 unter den Lokalen, die Lust auf Essen im Grünen machen in seine Wochenendbeilage aufnimmt, werfen wir die Recherchemaschine an. Sehr gefinkelt – das Gemeindezentrum von Gramatneusiedl ist also die Location, es ist ein Popup-Projekt von Andreas Kurz, der im Loca in der Wiener Innenstadt kochte. Der Name ist also auch Programm, geplant auf ein Jahr. Wenn es klappt, soll daraus allerdings eine Dauereinrichtung werden, und man kann schon vorwegnehmen, es wird weiter investiert, da es wirklich schnurrt.

Parkmöglichkeiten gibt es ausreichend, der – natürlich – zweckmäßige und daher schmucklose Bau des Gemeindezentrums wurde mit viel freundlichen Farben aufgemöbelt, sonnengelbe Schirme, Liegestühle, Outdoor-Lounge-Bereich bis hin zur Sandkiste, an der Hausfront entlang die Tische auf der Terrasse. Gut, in den Innenraum haben wir nur gelugt, das nennt sich Mehrzweckhalle mit Schank.

Die Speisekarte wird gereicht, und sofort nach dem Getränkewunsch gefragt, das überlegen wir noch, eine Unart, aber bitte. Wir sind auf der Heimfahrt eines Kurzurlaubes (😉) und haben für diesen Sonntagmittag das Überraschungsmenü auf dem Radar (drei Gänge € 38,-, sechs Gänge € 48,-). O-Ton Homepage: was ist das Menü? Nicht fragen, einfach genießen! Genauso mögen wir das.

Wir bleiben beim Plan mit dem Überraschungsmenü und so kommen

Mozzarella mit Tomate
Verschiedene Tomatensorten, geviertelt und halbiert mit zwei Kugeln Mozzarella drauf. Fast schon so ein Hybrid mit einer Burrata, d.h. ganz leichte Cremigkeit im Inneren. Verfeinert mit etwas Kräuteröl und Kresse.
Ein Gericht, das immer schmeckt, lebt halt sehr von der Qualität der Produkte ab, die ist hier in Ordnung. Dazu gereicht wird Weißbrot in Scheiben, serviert in einem weißen Papiersackerl. Sieht man in letzter Zeit immer öfter, wenn die Sackerl auch öfter verwendet werden, finde ich es eine gute Alternative zu Körbchen.

Gebratene Blunze
Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte man mich mit einer Blunze echt vergrämen können. Aber die Altersmilde rückt so einiges zurecht.
Die Ursprungs-Blunze muss ordentliche Ausmaße haben, denn das Radel, dass hier rausgebraten wurde, ist doch recht groß. Sehr knusprig auf beiden Seiten geraten, der typische würzige Geschmack, verfeinert mit eigenen Kräutern, da steckt sicher die Handschrift des Kochs dahinter. Als Beilage gibt es eine Mischung aus gedünsteter Marille und Kraut. Jeweils von allem auf eine Gabel – ein Gedicht.

Steak
Wir werden zwar nicht nach dem Gargrad gefragt, dann wäre ja ein Teil der Überraschung vorweggenommen worden, aber wir mögen medium, darum ist das Steak für uns richtig gebraten. Danach noch in Stücke geschnitten und auf einem herrlichen Trüffelpüree drapiert. Ich weiß Trüffel – überbewertet, aber hier der kongeniale Counterpart zum Fleisch. Noch ein bissl Karotte und Jus. Auch hier gilt, alles auf eine Gabel – und genießen. Ein Zeichen, dass der Koch weiß, mit welchen Aromen er spielen kann.

Milchreis als Dessert
Also, Milchreis versetzt einen sofort in die Kindheit zurück. Auch hier mit etwas Zimt und einigem Kakao verfeinert. Der Star auf dem Teller ist aber mit Sicherheit die Marille, einerseits als gedünstete Frucht und daneben als Sorbet. Sehr fruchtig-frisch.
Gemeinsam mit einem Espresso eine Abrundung einer an sich schon sehr runden Sache.

Fazit:
Der junge Mann im Service ist anfangs mega-ambitioniert, zuvorkommend und macht auch einen entspannten Eindruck, fragt nach zeitlichen Abständen beim Servieren der einzelnen Gänge. Im Laufe unseres Aufenthalts wandelt sich das enorm, er wendet sich während eines Gespräches einfach ab und geht an einen Nebentisch, er wirkt desinteressiert und wir kommen uns wie Bittsteller vor. Mutmaßlich merkt der Chef das, denn die letzten Gänge werden von ihm ausserviert. Die Bemerkung des Kellners bei der Verabschiedung war ziemlich tiefe Schublade, ich wiederhole sie hier nicht, sie ging auch nicht gegen uns, sondern gegen seine Arbeitsstelle und das gehört nicht hierher. Darum die 3 für das Service.

Es gibt auch eine kleine Karte für zwischendurch, die originell gestaltet ist, wie z.B. ‚Verbesserung des Gamma GT‘ (=Hühnerleber mit Wassermelone, Brioche und Lavendel), oder ‚Es zählen die inneren Werte‘ (=Kalbsrahmbeuschel mit Serviettenknödel). Sonntagvormittag gibt es Frühschoppen mit Weißwurst, Chili-Käsekrainer, Brezen und Wildgulasch.

Eine Empfehlung kann ich nur für die Sommermonate aussprechen, indoor müssen wir erst ausprobieren, da gibt es vielleicht bald ein update.
In der Nähe ist noch eine tolle Patisserie Willkommen bei N°11 - Patisserie & Eissalon in Gramatneusiedl (nachhaltignaschen.online) und für die Weiterbildung empfiehlt sich ein Besuch im fußläufig entfernten Museum Marienthal (Stichwort Marie Jahoda).
Gebratene Blunze | Marille | KrautSteak | Trüffelpüree | Karotte | JusMozzarella | Tomate

4. Wellen.Spiel

2 Bewertungen
Franz Zellerplatz 1
3500 Krems an der Donau

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Man sollte einmal da gewesen sein, wenn schon nicht wegen des Essens - dann zumindest wegen des Ambientes

Meine Bewertung (3. Sep 2021)

SpeisenAmbienteService
Am Wellenspiel kommt man in Krems nicht vorbei. Es gehört gemeinsam mit dem Genussspiel im Einkaufszentrum Mariandl, dem Schauspiel in St. Pölten u... MehrAm Wellenspiel kommt man in Krems nicht vorbei. Es gehört gemeinsam mit dem Genussspiel im Einkaufszentrum Mariandl, dem Schauspiel in St. Pölten und der Konditorei Raimitz in Stein zum Imperium. Das jüngste Kindl von Otto Raimitz ist das Marktspiel in der Kremser Landstraße. Irre was man aus einer geschlossenen Bankfiliale im wahrsten Sinn des Wortes herausstemmen kann.

Die Lage ist nahezu perfekt, an der Donaulände gelegen, man kann das Treiben auf und neben dem Wasser beobachten, Kreuzfahrtschiffe, Schlepper und Privat-Bötchen ziehen vorbei, während man bei Sonnenschein auf, der mit großen Schirmen beschatteten Terrasse sitzt, bei Nässe oder Kälte im Innenbereich, der durch große Glasfronten Schutz bietet. Nachteilig ist die Rückseite, wo einem gleich die Verkehrshölle samt Kreisverkehr erwartet; Parkplätze gibt es öffentliche, aber doch etwas entfernt. Reservierung ist empfehlenswert, sonst muss man mit Liegestühlchen und Beistelltisch an der Seite des Wellenspiels vorliebnehmen – für Getränke allemal ausreichend.

Es ist unter der Woche mittags, trotzdem haben wir reserviert, was auch gut war. Wir werden nach den G-Formalitäten am Empfangs-Tresen in einem Höllentempo zum Tisch geleitet, dass man die Servierkraft fast aus den Augen verlieren kann – so viel zur Größe der Terrasse, wo wir unseren zugeteilten Tisch in Beschlag nehmen, direkt an der Glasfront. Die dottergelben Schirme tauchen alles in etwas morbides Licht, wenn die Sonne scheint, blendet es trotz allem, ist es wolkig, möchte man die Nachttischlampe anknipsen. Ein Kellner bringt und Clipboards mit Formularen und Kugelschreiber. Alle am Tisch müssen zuerst die Büroarbeit erledigen, das geht viel besser, erstens digital und dann kann eine Person alle Gäste erfassen. Erst danach bekommen wir die Speisekarten, auch auf einem Klemmboard mit Gummizügen in den Ecken, das zweite Blatt drunter muss man feinmotorisch herauspuhlen, das dritte Blatt ist - leer – sehr belustigend …

Man versucht Internationalität zu vermitteln: Elsässer Flammkuchen, Bruschetta Caprese, Backhendlsalat, Avocado-Lachsbowl, Wiener Schnitzel, Steak, Miesmuscheln, Moussaka.
Wochentags noch ein Menü von 11:30-14:00 Uhr um rund EUR 10,- mit einer Suppe, wie z.B. Schweinefilet mit Bandnudeln, Paprikahendl; das zweite Wahlgericht ist vegetarisch und einen EUR billiger, so etwa Gemüsestrudel, Gemüsegröstl, Moussaka etc.; Freitag scheint Pasta-Tag zu sein.

Crispy Chicken Burger – EUR 13,80
Die Wahl fällt auf einen Burger, weil da unserer Meinung nach, die Preisgestaltung noch in Ordnung ist (einen Wassermelonen-Fetasalat mit Pinienkernen und Oliven um EUR 11,90 bekommt man at home ohne große Anstrengung für die Hälfte zuwege). Pommes sind dabei, das steht aber nirgends.
Den Burger-Gusto dürften mehrere haben, denn es dauert nicht einmal einen Abstecher in die Sanitärräume, und die Burger stehen am Tisch.
Wirklich hervorragend, da sind richtig ordentliche Hühnerschnitzel verarbeitet worden. Nicht auf Zeitungspapierdicke geklopft, sondern ein dickes Filet, umhüllt von einer knusprig-krachenden Panier, mit fehlt wieder mal ein bissi Salz. Der Sesam-Bun, Cheddar und die Salatbegleitung sind unaufgeregt. Die Chili-Mayonnaise fällt nicht auf, soll heißen – wenig und nicht scharf, die Avocado etwas lieblos zermatscht.

Bei der Sauce (extra je EUR 1,40) wurde uns empfohlen: ‚nehmt’s anfoch von oin, mir stöns auf a Tablett‘ - gut, machen wir so.
BBQ – rauchiger Gout, großer Ketchup-Anteil
Guacamole – ich liebe Avocado, hier fehlt Salz und Säure. Im Burger auch Avocado – aber alles meins😊
Cocktail – Cocktailsauce, wie sie im Buche (in der Flasche?) steht.
Chimichurri – Knoblauch war hier definitiv keiner drinnen, die Kräuter haben’s grün gemacht, aber viel zu viel Öl, da noch dazu nach oben gestiegen ist.
Aioli – kann man wenig falsch machen, hat sehr gut geschmeckt.
Laut Karte allesamt selbst gemacht. Bei zweien habe ich meine Zweifel.

Im dem klassisch-neumodischen Gitter-Körbchen mit Stiel werden zwei Sorten Fries serviert, klassische Pommes und etwas größere Schnitz mit Schale. Nicht gesalzen und auch – mutmaßlich verordnungsbedingt – keine Streuer am Tisch. Trotzdem haben sie gut geschmeckt.

Nachdem wir auch unser Soda-Mix-Getränk Marille-Rosmarin (EUR 3,80) ausgetrunken haben, das sehr erfrischend war, ich aber schon etwas gefälliger dekoriert gesehen haben, gönnen wir uns noch zum kleinen Espresso (EUR 2,70)

Crème Brûlée von der Tonkabohne mit Himbeeren und Bitterschokolade (EUR 7,90)
Serviert in einem Steingut-Pfännchen. Mit Zucker wurde hier wahrlich nicht gespart. Und der Brenner hat ganze Arbeit geleistet, denn der Deckel ist echt hart, beim Reinstechen klappt die Glasur links und rechts neben der Gabel hoch, wie man es leiwand nur von der Sachertorte kennt. Echte Vanille(schoteninhalt) ist verwendet worden, man sieht die Pünktchen. Ich persönliche hätte weder das, zugegebenermaßen perfekte, Himbeereis und auch nicht die Krümelei gebraucht. Eine gute Crème Brûlée steht alleine am besten da, leider gab es als zweite süße Alternative nur einen Schokoladenbrownie mit Ananassorbet, Olivenöl und Meersalz (EUR 8,50).

Fazit:
Wenn man die – doch schon Jahre zurückliegende – Bewertung von Besserwisser zur Betrachtung heranzieht, hat das Wellenspiel doch an Qualität verloren.

Obwohl wir prominent am Terrassenausgang sitzen, werden wir für mehr als eine halbe Stunde – nachdem wir unsere Burger gegessen haben - komplett vergessen. Das passiert leider öfter, Hauptsache, es haben alle schnell was am Tisch. Beim Gang zur Toilette werde ich auch Zeuge eines offen ausgetragenen Streites unter dem Personal, auch das macht man nicht coram publico. Wir sind aber hartnäckig und verlangen nochmals nach der Karte, die bekommen wir nicht, weil wir nach unseren Wünschen gefragt werden. Die Antwort, was man als süßen Abschluss bietet, kommen genau die beiden Desserts aus der Karte – wie originell.

Ich bin froh, dass wir uns einerseits nichts Höherpreisiges (Lachsforelle, Rinderfilet oder Steak) bestellt haben und andererseits, dass ich jetzt weiß, dass ich bisher nichts versäumt habe, nicht beim Wellenspiel gewesen zu sein.
Crispy Chicken BurgerGuacamole - Aioli - Chimichurri  - Cocktail - BBQCrème Brûlée bei bedecktem Himmel

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