RestaurantTester.at
Home Mein Profil Lokal Guides Events Lokal eintragen

Trippolts - Zum Bären - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 28. Februar 2011
Experte
amarone1977
315
75
30
5Speisen
4Ambiente
4Service
6 Fotos1 Check-In

Achtung, großes Kino...

Sagen wir's mal so, im Lavanttal herrscht abgesehen vom Alten Schacht in St. Stefan so etwas wie ein gastronomisches Vakuum. Wenn da nicht Vater und Sohn Trippolt wären, die mitten in diesem Vakuum ständig daran arbeiten, ihr Restaurant "Zum Bären" immer besser und besser zu machen.

Neulich brachten die beiden ein Buch heraus, die "Bärenküche", zu weiteren Ehren brachte man es kürzlich mit einer Auszeichnung für ausgezeichnete Kaffeekompetenz.
Die beiden begnügen sich also nicht, gut zu sein, sondern loten ständig aus, was sich noch verbessern lässt, beeindruckend vor allem, nach vielen Jahren harter Arbeit immer "kulinarisch neugierig" zu bleiben.

Das Lokal selbst ist stilsicher eingerichtet, man fühlt sich aber Gott sei Dank nicht wie in einem barocken Gourmettempel.
Service: Frau und Mutter Trippolt unterstützt das Duo in der Küche mit unaufgeregt ruhiger, aber aufmerksamer Präsenz, die zweite Dame im Service bringt die Gänge immer zur richtigen Zeit.
Die Weinauswahl glasweise bleibt recht bescheiden, keine wirklich großen Weine, dafür müsste man schon die ganzen Flaschen ordern, nicht leicht, wenn man zu viert is(s)t und einer fahren muss. Hier empfiehlt es sich, nach dem Mahl einfach einen Stock weiter oben zu übernachten.

Das Essen: Man ordert à la carte oder eines der beiden Menüs, momentan (Februar) den "kurzen Winter" (60 Euro plus Gedeck) oder den "langen Winter" (77 Euro plus Gedeck). Gleichwertige Gänge lassen sich problemlos austauschen.
Zuerst mal muss man sagen, dass das Brot hausgemacht ist. Der Gruß aus der Küche ist ein raffiniert gebeiztes Stück Fisch auf einer Kombination aus süßem Gelee und einer Art Topfencreme (der genaue Name ist mir jetzt entfallen), sehr edel, wenn auch nur ein kleines, aber verspieltes Häppchen.

Der erste Zwischengang: "Honig-Trevisiano und Wachtelbrioche". Sehr anregende Kombination, das Wachtelfleisch ist unendlich zart und würzig, der süß-bittere Trevigiano-Radicchio passt super dazu. Die mit Himbeeressig-Öl marinierte Entenleber war an jenem Abend bereits aus, dafür gab es mehr von der Wachtel. Auch gut.

Der zweite Zwischengang war ein kleiner, großer Hauptdarsteller: "Gefüllte Ochsenschwanz-Tascherl im milden Wacholder-Duett, Orangenschalen und Zuckerpreiselbeeren". Die Geschmackskombination aus bestem Ochsenschwanzfleisch, dem Schäumchen und den Preiselbeeren lässt Jubel aufbrausen ;-)

Danach kam ein kleiner süßer Zwischengang, ein cremiges Halbgefrorenes von der Zitrone, unterlegt mit Orangenschale. Vielleicht eine Spur zu süß, trotzdem ein Beweis dafür, dass Süßes auch zwischendurch passt. Der Gang dürfte "eingeschoben" worden sein, weil sich in der Küche anscheinend irgendetwas leicht verzögerte, obwohl die Wartezeit alles andere als zu lang war.

Hauptgang: "Kurz gebratenes Styriabeef-Hüferl im Zweigelt-Pfeffer mit Rosmarin-Ricotta-Gnudi und Sellerie-Erdäpfel". Exzellente Fleischqualität, die kleinen "Topfenknödel" passen überraschend gut zum Fleisch, tolles "Beißerlebnis", es fehlt nur noch ein etwas besserer Blaufränker zum Hauptgang. Jammern auf hohem Niveau...

Das Dessert: "Süßes von zarter Bitterschokolade mit Vanille-Bananen, knuspriges Moccagebäck und Karamelleis." Eine cremige Symphonie: die Kombination aus Vanille, Banane, Kaffee und Schokolade finden sich hier harmonisch vereint wieder.

I-Tüpferl auf dem I-Tüpferl: Schokolade-"Gusto" zum Schluss. Der Espresso lässt halb Italien alt aussehen, die zuvor erwähnte Auszeichnung ist also berechtigt. Noch eine Überraschung zum Schluss: der Grappa kommt aus der weststeirischen Schilchergegend und übertrifft an Milde und Unverfälschtheit so manchen guten Italiener.


Fazit: Hier werken zwei begnadete, vor allem aber intelligente Köche, die nicht nur für bunte Kreativität am Teller sorgen, sondern auch genau wissen, was geschmacklich außergewöhnlich gut zusammenpasst.
Unerreicht aufwändige Zubereitung der Speisen, die keinesfalls minimalistisch dimensioniert sind. Satt wird man allemal. Selbst die Schokolade ist hausgemacht, das Brot sowieso. Die Vielfalt am Teller löst freudiges Kopfschütteln aus und verursacht fast schon Zweifel daran, ob sich diese Idealismus-Demonstration für einen Gastronomen überhaupt rechnet. Beeindruckend!

Wer es "gut und günstig" haben will, bekommt im Hause Trippolt auch die Möglichkeit, mittags dreigängig um gut 12 Euro zu essen. Das ist schon fast konkurrenzlos, man muss aber auch anmerken, dass selbst der Abendmenü-Preis angesichts des Dargebotenen alles andere als abgehoben ist.

Tipp: sich in der Nähe einquartieren, Gegend erkunden, fürstlich essen und trinken und danach nur mehr umfallen müssen...

Wie ich bereits sagte: ganz großes Kino!

Was meinst du zu dieser Bewertung?
Hilfreich?Ja8Gefällt mir4Lesenswert5

Kommentare (2)

am 28. Februar 2011 um 18:36

Danke, das war aber auch ein Fest... :)
Benoten ist nicht einfach, man merkt eh immer wieder, welche Diskussionen oft dabei herauskommen....

Gefällt mir
Experte
315
75
am 28. Februar 2011 um 18:33

amarone1977 - Kompliment; ausgezeichnet berichtet.
erfreulich auch dass aus ihrer Bewertung sehr klar der Unterschied zwischen einem einfachen Gasthaus und einem Toprestaurant in Noten zum Ausdruck kommt

Gefällt mir
12
4
Trippolts - Zum Bären
Hauptplatz 7
9462 Bad St. Leonhard
Kärnten
Speisen
Ambiente
Service
49
34
41
5 Bewertungen
Trippolts - Zum Bären - Karte
Zum Lokal »
Zum Lokal »
Home|Sitemap|Neue Lokaleinträge|Neu anmelden|Lokal eintragen|Hilfe|AGB & Datenschutz

Copyright © 2008-2016 RestaurantTester.at
Cookies helfen uns, Ihnen eine bessere Erfahrung auf dieser Website zu bieten.
Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Mehr Info
OK