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DINNER IN THE DARK - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 4. Dezember 2010
SarastroCulinario
53
21
10
3Speisen
-Ambiente
5Service

Ich nehm es mit Hansi Dujmic (DEW MiTCH) - und sage nur -
i bin da ausgeliefert (zwar nicht jede Nacht) - aber zumindest in diesem Falle im absoluten Dunkel - ein Erlebnis, welches ich mit einer wunderbaren Frau hatte - und es nicht missen möchte - trotz all meiner/unserer Ängste unseres Unbehagens - und dieser wertvollen Erfahrung - ausgeliefert zu sein - NICHTS absolut nichts zu sehen - und doch einen Abend zu geniessen wie er Seinesgleichen sucht....

Dinner in the Dark:
4-gängiges Menü inkl. Sektempfang und Cocktail, zzgl. Getränken während des Essens 69,--
Dauer: 2,5 bis 3 Stunden

Wie alles begann:
Ich bin immer auf der Suche nach dem Besonderen - und gerade dieses Besondere findet man sicherlich bei Dinner in the Dark.

Gegoogelt hatte ich es - und meine Begleitung war gleich Feuer und Flamme ob der Idee....

Wie es tatsächlich abläuft:
Im Vorverkauf die Karten besorgt, das geht schnell und einfach und dauert nicht mal 4 Minuten ....

Der Abend an sich:
Wir kamen an in der Erdbergstrasse 10 - neugierig, und auch gespannt wie es sein würde - bekamen mal ein Glas Sekt in die Hand und durften uns vorab die Speisekarte in Kurzform ansehen - also nicht was wir essen sondern nur Fleisch, Fisch oder Vegetarisch wurde zur Auswahl angeboten - und die Getränke - ob Wein, Bier, Mineral etc . - wurde im Foyer noch sehend bestellt....

...dann ging es die Stiegen runter in einen Raum vor der Lichtschleuse - mit uns waren sicherlich 10-12 Paare, die so wie wir freudig gespannt der Dinge harrten die da auf uns zukä/(om)men, aber ganz ehrlich unter uns Betschwestern - DAS was auf einen zukommt - kann man sich nicht ausmalen - es muss erlebt werden....

Into the Dark:
Also ab durch die Lichtschleuse: Völlige Dunkelheit - nicht mal die Hand vor Augen - welche Mann, also ich, und Frau (wie sie mir später gestand) mit weit aufgerissen Augen nach nur einem Milifünkchen Licht suchend - den blinden Kellner an der Hand nehmend - wurden wir von diesem zu unserem Tisch geführt - nichts - absolut nichts sehend...

Wir nahmen also Platz an diesem Ort - an dem man uns die nächsten 2-3 Stunden kulinarisch und mit 4 Sinnen (also ohne zu sehen) verwöhnen wollte...

Erste Reaktionen:
Ich suchte und versuchte mich zurechtzufinden in der absoluten Dunkelheit - mit weit aufgerissenen Augen - die schon schmerzten weil sie nicht das tun konnten was sie normalerweise tun - sehen...

Der Tisch:
... war ein Tisch für 2 Personen - linker Hand eine Schale mit Zitronenwasser, vor mir das Gedeck - ich konnte die Gabel, das Messer, den Löffel und DessertGabel und -Löffel ertasten - versuchte mich vernunftbegabt einzurichten - und mir die Position aller auf dem Tish befindlichen Dinge zu merken - nicht so einfach für einen "Sehenden" ohne Licht...

Mein Gegenüber schien die selben logistischen Tätigkiten auszuüben - jedoch ganz Frau, nahm sie alsbald meine Hand um sich etwas Vertrautes anzueignen - eben meine Hand...

Mann/Frau bricht Tabus:
Wann würde der geneigte Leser den Kellner/die Kellerin angreifen in einem normalen Lokal unter normalen Umständen?

Also ich sicher nie...
Hier ist es von essentieller Wichtigkeit sich zu berühren, zu fühlen wo die Teller, das Besteck, die Gläser etc sind - es ist wichtig sich zu fühlen ....

Phase1:
Nach der ersten Aufregung und dem "Sich zurechtfinden" kam die Erste Herausforderung - wir hatten Wein bestellt, und Mineralwasser - der Wein wurde im Weinglas gebracht, welches mir der Kellner - (er ist Blind) in die Hand gab - mich dabei berührte um zu fühlen wo meine Hand denn sei - dann kam er mit einem Glas und einer kleinen Flasche Mineralwasser - meine erste Aufgabe war es also SELBST einzuschenken - normalerweise kein Problem - ohne zu sehen nur im Tastverfahren eine Erfahrung - ich positionierte meine Getränke so, dass sie neben der Schale mit Zitronenwasser hörbar klingeling abgestellt waren, und dass der Kellner dann nicht beim Servieren etwas umschmeissen konnte - wie hilflos man in dieser Situation ist....

also das Einschenken glückte dankt Finger im Glas und auf der Flaschenöffnung...

Nun erfasste ich bzw WIR das erste Mal die Stimmen im Raum - laut leise, lachen und hysterisches Geplapper war zu vernehmen - GUT - den anderen geht es also so wie mir /uns... die Hand meiner Begeliterin kam rüber tastete nach meiner - Sicherheit ja sie/er ist da... dauernd tasteten meine Hände nach den Grenzen des Tisches, mutig fingen wir an die Umgebung mit den Händen zu ertasten, neben uns und um uns war ein schwarzes Nichts....

der Erste Gang....
Nun kam der Kellner - mit dem ersten Gang....
ich ertastete das Essen - fing an zu verstehen warum es eine Schale mit Zitronenwasser gab - die Hände sind das A und O in dieser Situation - Speck, ja es war Speck cross und ein Spieß Mozarellakügelchen und Kirschtomaten, sowie hmmm was war das Spargel? Melanzani?, Zuccini, Pomodore? Schinken? Croutons? ... egal einfach kosten und durch dachte ich.... alles sehr geschmacksintensiv....

dann kam Gang Nummer 2:
Suppe - also Gaspaccio - kalte Tomatensuppe - das war einfach Löffel - wo war der?? - ah ja hier irgendwo - tast tast tast - genau und dann ..... ja es geht - mann kann ohne zu sehen .... essen...

die Hände wandern zwar immer in den Zitronenwassertopf links neben den Getränken - aber OK - .... kann mich sowieso niemand sehen - die ersten Gedanken - schiessen einem durch den Kopf - und was wenn die Infrarot oder Nachtsicht Kameras haben?? und man nachher seine UN-Taten zu sehen bekommt - NEIN - niemand kann ich sehen - also auch mein Dame gegenüber nicht.....

OK die Suppe/ das Gaspaccio war erledigt - keine Schäden an Gewand und mir bisher....

Kurze Pause:
nun kamen die ersten "Spiele" die Kellner brachten diverse Gegenstände um sie zu ertasten - hmmmmm was ist denn das?? Meine Begleitung und auch ich versuchten diverse Gegenstände zu erraten nur mit unserem Tastsinn - was es ist - sei nicht verraten um den Novizen die uns folgen möchten den Spass nicht zu rauben....

dann kam ein Memory Spiel mit Geräuschen, diverser Behälter sind mit unterschiedlichen Füllungen bestückt, immer 2 - sodass nach dem Memory Prinzip je 2 zugeordnet werden können....

und nun kam auch noch das Riechen dran.... wie verkümmert doch unsere Nasen sind -. Cola, Weihrauch, Kokos, Vanille, Erdbeere etc etc zu erreichen - manchmal ist es ganz einfach - nur bei Cola - wer soll da draufkommen....

Irgendwie kam nun das Gefühl auf - ICH WILL HIER RAUS - ABER kneifen NEIN - da muss Mann durch....

Die Hauptspeise:
wir hatten den Fisch gewählt - suuuuper Ideeeeeee...
dazu gab es (wie fieß) Erbsen und Karottengemüse....
Versuchen sie zivilisiert Karotten und Erbsen mit Messer und Gabel zu essen bzw einen Fisch, den sie nicht sehen zu zerteilen -

DIE FINGER MÜSSEN ALSO RAN - und das nicht zu knapp, sei es den Fisch anzugreifen um ihn zu zerteilen, die Erbsen auf den Löffel - zu schieben, die Gabel haben sie nach 1 Minute wegegelegt...

also nach getaner Arbeit - die Finger wieder in der Zitronenwasserschale reinigen - und zum ersten Mal dachte ich über die Speisen nach - ihre Zubereitung, Würze ezc.... Alles war viel intensiver - Mein Eindruck oder ??? Nein!!!

Meine Begelitung bestätigte diese Erfahrung....

Immer wieder das Anfassen des Kellners beim Zurückgeben der Teller... etc.... alles das wird ganz normal...

Die Nachspeise:
Also es war Eis - mit diversen Chocolade Varianten und Früchte - alles sehr intensiv - Mann/Frau hatte sich an das Schmecken und riechen gewöhnt - es ist alles viel intensiver .... Dann bestellten wir Cafe und - konnten diesen in weiter Entfernung schon riechen.... und dann natürlcih sehr intensiv schmecken....

welch ERFAHRUNG....
Nach der Nachspeise und em Cafe kam der Clou - eine Ansage der Kellner - man könne nun die Getränke die nicht inklusive sind im Dunkel bezahlen .... HÄH bitte wie .... #ich kramte in meiner Brieftasche, ok da bin ich Profi und weiß fast immer wieviel ich eingesteckt habe aber in absoluter Dunkelheit bezahlen - wie soll das gehen....

Man lernt die Welt der Blinden zu verstehen, es gibt Schablonen erklärte mir die Kellnerin als sie meine Scheine nahm und gegenrechnete - mir rausgab und sich verabschiedete.....

Nun kam das FIESESTE an diesem Abend ....

Sie dürfen nun die anderen Gäste beuchen, tanzen und sich frei bewegen..... SUUUUUUUUUUUUUUPER -

PLÖTZLICH eine Hand in meinem Gesicht ... und die Worte....

Nein das ist nicht mein Mann der hat einen Bart, ich griff meiner Begleiterin ungeniert auf den Hintern - mit den Worten - ah den kenn ich *fg* sie hat sicherlich gelächelt - nur ich konnte es nicht sehen....

Dann in der Unruhe der Bewegung - die Ansage bitte kommen sie alle zum Ausgang - und da ist es nicht wie im Kino, dass Lichter angehn NEIN - ES bleibt Dunkel ABSOLUT....

Wieder eine Hand auf mir - NEIN ich bins nicht .... oder bist das DU????

Langsam werden alle Gäste wieder durch die Lichtschleuse in die Welt der Sehenden verfrachtet - dort trifft man dann auch zum ersten Mal sehend die Keller/Innen - meine Begleitung und ich hatten vorher ausgemacht, wie wir unsere Kellner wahrgenommen haben - das Ergebnis sehenden Auges - war verblüffend nahe an unserer Annahme....

Das Ende des Abends:
Nun konnten wir uns wieder an die Welt des Lichts gewöhnen, auch die von uns konsumierten Speisen und die zu ertastenden Gegenstände waren nun zu sehen - welch Überraschung - hmmmmm

Danach noch bei einem AbscheidsCOCKTAIL und einer Zigarette, der Erfahrungsaustausch mit den anderen Gästen, den Kellern und der VeranstalterCREW....

Fazit: Ein Erlebnis - der besonderen Art - ESSEN GUT, ALLES GUT - aber nix für Nervenschwache Leute.....

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Kommentare (5)

am 18. Mai 2013 um 18:31

Ich hatte eben ein Leseproblem.

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Experte
63
50
Unregistered am 18. Mai 2013 um 18:13

was für ein schwachsinn magic. ist doch keine Stigmatisierung!! Hallo das nennt man arbeitsplatzbeschaffaung???? und was ist so schlechtes dran??? warum nicht einmal in die welt in eines Behinderten eintauchen?? es nimmt einen die Angst es lässt einen fragen stellen die man sich so nie getraut hätte zu stellen. Man ist behinderten immer sensilbel gegenüber, ich zumindest, ich finde es toll und es hat mir viel gebracht in ihre Welt zu tauchen. wann hat man die Gelegenheit neue erkenntinse zu bekommen??? Und die behinderten in dem Fall die Blinden würden es nicht machen wenn es ihnen nicht gefallen würde. oder geben sie ihnen den job den sie wollen und können??? das ist anderes thema oder?? Regt mich voll auf. Wie viele Firmen kennen sie die behinderte beschäftigen?? die meisten zahlen lieber die Strafe dafür das sie es nicht tun. so schauts aus. und ich habe bekannte die haben ein blindes kind und die haben das Essena auch gemacht um einen einblick zu bekommen in die Welt ihrer Tochter. Ist ganz was schlechtes oder?? Man kann es echt übertreiben.

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Unregistered
Kein Tester
Emanuel am 28. Juni 2012 um 22:15

Die Stigmatisierung behinderter Menschen beginnt genau an dieser Stelle, wo andere Menschen glauben ihre Meinung darüber äußern zu müssen, wie diese Gruppe vermeintlich etwas erlebt oder nicht erlebt. Bei einem Projekt wie Vier Sinne steht schließlich der Gast mit seiner verbleibenden Sinnes-Wahrnehmung im Mittelpunkt, weder die angebotenen Speisen noch der blinde Mitarbeiter mit seiner Sehbeinträchtigung. Einfach erleben - es für sich selbst spüren und es zulassen Mensch zu sein - unter Menschen.

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Emanuel
Kein Tester
am 3. Februar 2012 um 02:28

Natürlich werde ich hier wieder einmal anecken ... bin ich ja schon gewohnt (aber ich kann ganz gut damit leben) ... aber ich finde solche "Aktionen" voll krank!
Wenn es wenigstens sehende Kellner mit Nachtsichtgeräten wären!
Aber in diesem Fall sehe ich es so, dass es für die blinden Kellner eine Demütigung, die nicht notwendig ist, ist!

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Experte
63
50
am 29. Mai 2011 um 20:57

Eine wunderbare Beschreibung eines außergewöhnlichen Erlebnisses!!!

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6
DINNER IN THE DARK
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