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Mo, 20. Jänner 2020

Das kleine Paradies - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 12. Jänner 2020
MichaelA2
30 Bewertungen
2 Kontakte
Tester-Level 12
2Speisen
4Ambiente
1Service

Nach längerer Zeit trafen wir wieder ein paar Freunde zum Essen und haben uns fürs kleine Paradies entschieden, was mich persönlich extrem gefreut hat: Stand die Neueröffnung doch schon längst auf meiner Bucketlist ganz oben, ich habe es bis dato nur schlicht und ergreifend nicht geschafft, einen Tisch zu ergattern. Die Erwartungen waren entsprechend groß, die Vorfreude ebenso.
Pünktlich um 19:30 trafen wir ein und ich muss sagen der erste Eindruck des Lokals war überwältigend: Nicht zu unrecht sagt man dem kleinen Paradies nach, eines der hübschesten Neueröffnungen in Wien zu sein. Das ehemalige Schreibmaschinengeschäft bietet eine elegante Fassade die es so vielleicht kein zweites Mal in Wien gibt. Auch der Eingangsbereich und der komplette Gastraum wissen zu gefallen: Recht einfache Tische (Holzplatte, Metallgestell, fertig), eine Art Linoleumboden, wunderschöne Lampen, die beeindruckende Bar, manche Tische in der ehemaligen Auslage. Es ist schwer zu beschreiben, es wirkt aber extrem schön. Hier wurden die Erwartungen schon mal nicht enttäuscht!
Unser Tisch für 8 Personen hatte eher die Größe für 12 Personen, gerade auch die Art und Weise wie aufgedeckt war (nicht die 8 Personen auf dem Tisch verteilt sondern eher nur der halbe Tisch eingedeckt) brachte anfangs etwas an Verwirrung, wir haben uns dann aber so aufgeteilt, wie es für uns gepasst hat. Als Gruß aus der Küche / Willkommensdrink gab es einen Hollunder Kombucha, ja genau, dieses leicht an Essig erinnernde, vergorene Getränk, an dem sich unserer Erfahrung nach hauptsächlich das nordamerikanische Volk erfreut. Eine fruchtige, frische Begrüßung in charmant, alten Stamperlgläsern. Los gings für uns außerdem mit einem Glas Rosé Cremant – herrlich fruchtig und frisch, ich konnte nicht anders als noch eines zu nehmen.
Danach widmenten wir uns auch sogleich der Speisekarte: Diese war eher spärlich bestückt, ein paar Vorspeisen, zwei Zwischengänge sowie ein paar Hauptgänge mit Beilagen. Etwas verwirrt hat uns die Idee, dass die Hauptspeisen zum Teilen gereicht werden können, nach Nachfrage aber auch nicht mussten. Wie groß die Portionen denn seien wollten wir wissen. „Manche größer manche kleiner – oder auch nicht“, war die wenig hilfreiche Antwort. Hier begann sich zum ersten Mal etwas Unbehagen hinsichtlich des Service zu regen, man wusste auch nicht was heut denn Fisch des Tages sei oder was die Gerichte im Detail waren. Schade, aber okay: Auch kein Beinbruch. Ich entschied mich dann für:
Linsensalat
Eine hübsche Vorspeise: mit einem schönen Ring angerichtet (optisch ein klein wenig wie ein Beef Tartare), geschmacklich mit Limettenmayonnaise und geräucherter Melanzanicreme auch schön abgestimmt (gerade viel genug Säure, schön würzig aber ohne den Linsen ihren geschmacklichen Freiraum zu nehmen) und auch die Portion ordentlich groß. Ich betone das deswegen, weil ich im Vorfeld schon einige Beschwerden bezüglich Größe der Portionen vernommen habe, das kann ich nicht bestätigen – und ich bin eher ein starker Esser. Meine Frau hatte übrigens geschmorte Karotten mit Krenschaum und Petersiliewolken. Gut, aber doch etwas enttäuschend, weil das Gericht erstens kalt und zweitens dann geschmacklich recht banal war.

Zum Hauptgang hab ich mich fürs Steak vom Herzzapfen entschieden, dazu gab es als Beilage verbrannter Karfiol sowie Erdäpfelpüree mit Erdäpfelchips. Und ich sage es gleich vorweg: Das Gericht war eine einzige Enttäuschung. Das begann bei der Fleischqualität die meiner Ansicht nicht alles andere als perfekt war (etwas zäh, teils Flachsen) und vom Garpunkt auch nicht gepasst hat. Ich hatte „medium“ bestellt, das war möglicherweise beim Abholen auch so, bei mir am Tisch ist es (nach dem ewigen Beilagen Karussell) dann aber definitiv eher well done angekommen. Schlimmer noch ein Bekannter: er hat sein Steak „medium to rare“ bestellt, auch bei ihm eher „well done“. Die Bemerkung des Servicepersonals dazu? „Dann tauschen Sie doch einfach mit wem Anderen, wo es ihnen besser gefällt“ – ohne Worte… Aber gut: Dem Punkt „Service“ werde ich mich sowieso noch gesondert widmen. Nun zu den Beilagen: Der verbrannte Karfiol war gut, mit ein paar Kapern dekoriert und einer nicht ganz definierbaren Creme, Portion auch in Ordnung. Das Erdäpfelpüree war ein – nun ja – Erdäpfelpüree. Die Konsistenz sehr, sehr fest (mir zu fest) und auch sonst ohne Twist oder Extra Touch. Eigentlich recht langweilig.
Meine Frau hatte übrigens geschmorte Sellerie, ein paar Stücke Sellerie mit den Beilagen „weiße Bohnen mit Lardo“ (auch sehr feste Konsistenz, extrem würzig durch den Lardo) und „Karotten im Stroh“ (naja, einfach halt geschmorte Karotten aus dem Ofen, nicht schlecht, aber sehr banal)
Auf das Dessert hab ich dann verzichtet, da mich gar nichts angesprochen hatte, aber auch hier dürfte der Reaktion zufolge nichts überragend gewesen sein, lediglich das Pavlova meiner Frau war richtig gut.
Jetzt aber wie bereits angekündigt zum Service: Eines vorab, das Service war immer sehr bemüht und freundlich, das möchte ich gar nicht abstreiten. Auch ist das kein Vorwurf gegenüber den Personen, sondern eher der Geschäftsleitung, da diese offenbar nicht in der Lage ist das richtige oder genügend Personal auszuwählen. Aber für mich war die Serviceleistung eine der Schlechtesten, die ich jemals erlebt habe. Und das nicht durch Unfreundlichkeit, das könnte man noch auf die Laune an dem Tag schieben oder an einzelnen Personen festmachen, hier scheint das eher ein systematisches Problem sein, die Mitarbeiter waren schlicht überfordert und / oder zu wenige ausgebildet. Wenn jemand auf einem Tisch mit acht Leuten, die Speisen auf einem Zettel mitschreibt und beim Wiederholen der Speisen trotzdem 5 Fehler macht, ist er möglicherweise nicht fürs Service geeignet. Gleiches gilt, wenn jemand es nicht schafft eine Weinflasche mit einem Korkenzieher zu öffnen (wir haben uns dann angeboten es selbst zu machen) oder wenn es 10 Minuten dauert, bis sämtliche Beilagen aus der Küche geholt und auch richtig zugeordnet sind (die Steaks waren bis dahin natürlich durch und kalt). Oder der Vorschlag das Steak einfach mit dem Nebenmann zu tauschen, wenn mir der Gargrad nicht gefällt (klingt erstmal frech, war von ihm aber definitiv nicht bös gemeint sondern klang für ihn wie eine super Idee…) oder den halb vollen Teller unter der Nase wegziehen. Gewartet haben wir auf eine Flasche Wein gefühlte Ewigkeiten, Kaffee mussten wir fast schon beim Hauptgang bestellen („Wir putzen die Kaffeemaschine jetzt dann“) und jeder einzelne hatte keinen blanken Schimmer von der Karte und den Speisen. Und da rede ich noch gar nicht, dass wir de facto nicht begrüßt wurden und den Tisch selbst suchen mussten. Service kann für soviel entschädigen – oder eben wie in dem Fall das komplette Erlebnis kaputt machen.
Was bleibt ist ein enttäuschender Abend, in den wir doch soviel Hoffnung gesetzt hatten. Die Speisen waren nicht schlecht (bis auf die Steaks, vielleicht kann man das hier aber einfach auch nicht, dann darf es aber auch nicht auf die Karte) aber auch nicht überragend und teils sehr banal trotz vollmundiger Ankündigung in der Karte. Die Weinkarte sehr überschaubar ohne Highlights dafür fair bepreist. Die Preise für die Speisen sehr an der oberen Schmerzgrenze (Steak mit 2 Beilagen knappe 40) und das Service wie schon beschrieben unterirdisch schlecht. Ja klar: Ambiente ist spitze, das allein reicht aber leider nicht, dass wir noch einmal kommen werden. Schade, für uns war es viel, aber kein Paradies – nicht mal ein winzig kleines.

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Kommentare (2)

am 13. Jänner 2020 um 19:04

Klingt echt traurig, offenbar schönes Lokal, gute Idee, schlechter Service (weil ungeschult und mangels passender Prozesse) macht alles kaputt. Schade!

Gefällt mir2
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Experte
119
52
am 12. Jänner 2020 um 20:12

Da bin ich ja froh seit Beginn keinen Tisch bekommen zu haben. Wohne nicht weit davon weg und habe das schöne Lokal seit Jahren bewundert.

Gefällt mir1
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Experte
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Das kleine Paradies
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