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Di, 10. Dezember 2019

Haas Beisl - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 9. Juni 2019
Menue1
22 Bewertungen
5 Kontakte
Tester-Level 11
4Speisen
4Ambiente
3Service

Ich gebe es zu: „Ich lebe gerne in Wien.“ Und ein Grund dafür sind u.a. Lokale wie das Haas Beisl, das es schon seit einer gefühlten Ewigkeit in unveränderter Form gibt. Gut, der Schanigarten an der stark befahrenen Margaretenstraße ist nicht einladend, aber mich stört das nicht. Ich bin sowieso lieber drinnen im Lokal.

Bei der Lokalbeschreibung kann man sich getrost auf die guten und genauen Rezensionen von Stammersdorfer & hbg338 verlassen, mit einer Ausnahme: geraucht darf nur noch im vorderen Bereich werden und wie der Kellner meinte wird das Haas Beisl bald ein komplettes Nichtraucherlokal werden.

Wir haben telefonisch reserviert, das ist angesichts der Lokalgröße angeraten, aber während unseres Aufenthaltes gab es immer wieder (Touristen-)Gäste, die es einfach versuchten einen Platz zu ergattern. Es gibt das Phänomen, dass irgendwie mehr Leute in ein Lokal reinpassen als es tatsächlich Plätze gibt. Auch das muss man beherrschen und der routinierte Kellner weist keinen Gast ab – ein Profi.

Wir haben im vorderen Schank-Bereich Platz genommen. Am Nebentisch vier tarockierende ältere Herren, die vornehmlich durch Schweigen auffallen. Hin und wieder dringen halblaute Ansagen oder ein, wahlweise ärgerliches Grummeln oder erfreutes Lachen – je nachdem wie das Spiel war - zu uns rüber. Die glatten Resopaltische eignen sich hervorragend zum Kartendippeln. Getränke werden zum Schutz der Karten, auf die Bank gestellt, genauso wie der Aschenbecher. Das Geld (im Centbereich) liegt auf dem Tisch. Es geht um nicht viel, aber nur um die Ehre spielen ist auch fad.

Wir sind mittlerweile vollständig und auch die letzte Freundin wird nach ihrem Getränkewunsch gefragt. ¼ Obi pur bitte. Die schlagfertige Antwort des Kellners darauf „pur? Das hab ich schon lang nicht mehr gehört. Obi pur.“.
Wir bestellen Zwiebelrostbraten, Leber geröstet und Kalbskopf gebacken mit Erdäpfel-Mayonnaise-Salat und müssen nicht allzu lange warten bis die Teller vor uns stehen. Mein Rostbraten ist sehr gut, das dünne Fleisch noch rosa, die Erdäpfel dürften in der Pfanne gebraten worden sein nur die Zwiebeln sind mir zu trocken. Ich kann sie aber im reichlich vorhandenen Saft wieder „hydrieren“.
Auch die anderen Gerichte waren gut, der Lebersaft wurde besonders gelobt und den Erdäpfelsalat habe ich selbst gekostet – exzellent! gute kompakte Erdäpfel, die Marinade sämig und perfekt abgeschmeckt nicht zu mayonnaiselastig aber deutlich spürbar. Dazu gab es gemischtes Bier (Kaiser Doppelmalz und Schwechater Hopfenperle) sehr dunkel gemischt, aber so ist das eben wenn das Augenmaß das Mischverhältnis bestimmt.
Auch die Kartenspieler haben ihr Spiel unterbrochen und zu Essen bestellt. Jetzt schweigen sie, weil sie essen. Nur die Zeit zwischen dem Abservieren und der Neuaufnahme des Spiels wird mit einem Gespräch über die vergangenen guten bzw. schlechten Blätter und was man daraus machte gefüllt.

Unsere Unterhaltung ist angeregt und dann stellt sich wie immer die Frage nach der Nachspeise – diesmal ist es leicht, es gibt Äpfel im Schlafrock mit Zucker und Zimt.
Der Teller kommt und ich habe mir in meiner GIer gleich einmal die Zunge anständig verbrannt – aber gut war’s trotzdem. Der Teig knusprig die Äpfel noch mit Biss und ein Staubzuckerstreuer zu Selbstdosierung wird auch gleich gebracht. Habe ich auch schon länger nicht mehr in der Hand gehabt. Zusätzliche Gabeln werden auch gleich mitgeliefert, in der Annahme, dass ich teilen würde. Na ja, notgedrungen habe ich was abgegeben.
Zum Abschluss gab es noch einen Pfiff und ein 1/8 pur, das der Kellner, mit der Bemerkung, dass er leider kein passendes Glas hätte, in einem Weinglas brachte.

Dass ich vom Haas Beisel begeistert bin, ist glaube ich klar geworden, nicht nur weil mir das Essen schmeckt, sondern weil auch das Umfeld passt. Die Gäste sind ausgewogen durchmischt, alt & jung, Einheimische & Touristen, Stammgäste die nicht lästig sind, und ein Kellner mit einem guten aber nicht aufdringlichen Schmäh.

PS: Wer jetzt Lust aufs Haas Beisl bekommen hat, muss sich bis September gedulden – es wird renoviert und das schreibe ich angesichts so mancher erlebter Einrichtungsgeschmacksverirrung - mit einem mulmigen Gefühl.

PPS: Stammersdorfes Kritikpunkt „…Nur fällt ihnen leider nicht auf, wenn man vor leeren Gläsern sitzt.“ stimme ich zu. Angesichts unseres Platzes im Schankbereich kein allzugroßes Problem.

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Kommentare (1)

am 9. Juni 2019 um 09:19

Tolle Bewertung! Kartenspieler sind für mich ein Indiz für ein bodenständiges Lokal. Sieht man leider nur mehr sehr selten. Eine Renovierung hier sehe ich auch mit gemischten Gefühlen.

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Haas Beisl
Margaretenstraße 74
1050 Wien
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