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Zum Nussgartl - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 8. September 2016
Update am 10. September 2016
Experte
adn1966
80
48
22
5Speisen
4Ambiente
5Service
8 Fotos1 Check-In

Zum Nussgartl also. Beim Stöbern auf ReTe blieb ich bei den Bewertungen des Nussgartls hängen. Gute Wiener Beislküche, angeblich sensationelle Schnitzel, gleichwohl in Riesenportionen serviert, was mich eigentlich immer gleich etwas skeptisch stimmt. Riesenportionen bei gleichzeitig guter Produktqualität zu moderaten Preisen rausservieren ist eigentlich ein Widerspruch in sich, ein Ding der Unmöglichkeit, eine Quadratur des Kreises. Qualitativ hochwertige Riesenschnitzel. Die runde Ecke. Dunkel war’s, der Mond schien helle ... – alles Oxymora. Vorweg: ich wurde eines Besseren belehrt.

Das nächste Vorurteil: die Brigittenau, der 20. Hieb. Nicht falsch verstehen, ich hab nichts gegen diesen Bezirk, habe ich doch die ersten 18 Jahre meines Lebens dort verbracht. Aber satisfaktionsfähige Restaurants? An den Fingern einer Hand abzuzählen. Mraz und Sohn wäre ein Finger, das Lokal trotzt der Gastro-Wüste wie eine Kaktusblüte. Aber sonst?

Ein Besuch der Homepage machte dann doch neugierig. Sympathisch und übersichtlich gestaltet, wenn ich auch nicht ganz verstehe, warum a) keine Speise- und Getränkekarten zu finden sind und b) es keinen Reservierungslink oder eine Emailadresse gibt). Was es aber gibt, ist ein Link zu einer W24 Reportage, in der das Nussgartl nachgerade über den grünen Klee gelobt wird. Und in der auch der überaus sympathische Besitzer zu Wort kommt und seine Philosophie einer „g’raden“, verfeinerten, Wiener Beislküche erklärt. Interessant. Wollen wir? Wir wollen. Also schnell einen Tisch im Garten reserviert, (die Reservierung wurde sehr freundlich entgegengenommen), dann mit der Liebsten, unserer Freundin D. und ihren Kindern ab in die Vorgartenstraße.

Ein schöner Tisch war für uns im Garten unter dem Nussbaum reserviert, wir wurden sehr freundlich begrüßt, und beide KellnerInnen, eine sehr nette Dame und ein junger Mann, waren den ganzen Abend lang überaus freundlich zu uns. Kompetent beratend, aufmerksam im Service und mit der richtigen Portion Schmäh, der zu einem Wiener Beisl einfach dazugehört.

Die nächste Auffälligkeit: der Garten war kurz nach unserem Kommen bereits knackevoll. Mittwoch, wohlgemerkt. In der Vorgartenstraße 80, nicht am Graben oder in der Kärntner Straße. Und nettes Publikum, sympathische Menschen, gute Stimmung. Die Karte ist übersichtlich, gut strukturiert, es gibt eine gute Auswahl an Weinen und die Klassiker der Wiener Küche (Schnitzel, Fledermaus, Szegediner Gulasch, und vieles mehr). Auch Desserts (Palatschinken, Somlauer Nockerln), wobei ich mir wirklich die Frage stelle, wer nach einer Hauptspeise im Nussgartl noch ein Dessert schafft.

Die Weinberatung unseres Kellners war hervorragend. Es gab nicht mehr alle Bouteillen, die auf der Karte aufgeführt sind (ab Samstag ist Betriebsurlaub), aber wir folgten seiner Empfehlung für einen guten Roten Veltliner (Winzer ist mir entfallen) und ein süffiges Cabernetscherl vom Scheiblhofer. Soda für alle, Cola für die (in diesem Punkt leider unbelehrbaren) Kids und los geht’s.

Am Anfang gab’s einen kleinen Lapsus, anstelle der bestellten Kaspressknödelsuppe wurde eine Leberknödelsuppe gebracht. Unsere Kellnerin entschuldigte sich sehr charmant, wollen wir nicht so sein, eine Leberknödelsuppe ist ja auch was Gutes. Die Suppe äußerst kräftig mit einem Riesending von Leberknödel und reichlich Suppengemüse. Garniert mit einem Berg von Schnittlauch. Alles offenbar hausgemacht, eine echte, ehrliche Suppe war das. Der Knödel, wenn auch für meinen Geschmack zu groß, sehr flaumig und geschmacklich ausgezeichnet. Das Gemüse ebenfalls sehr, sehr gut. Sicherlich eine der besten Leberknödelsuppen, die ich bisher serviert bekommen habe

Bühne frei für die Hauptspeisen:

Wir waren ja durch die Rezensionen auf ReTe vorgewarnt, Riesenportionen und so, Alufolie zum Mitnehmen der Speisen, die man nicht aufessen kann, etc. Bloß, was in den nächsten Minuten an unseren Tisch serviert wurde, übertraf selbst unsere Erwartungen/Befürchtungen:

Das Nussgartlschnitzel. 4 (!) mittelgroße Schnitzel türmten sich auf dem Teller. D. wurde blass und war in diesem Moment froh, als Beilage nur den Kartoffelsalat gewählt zu haben. Die Schnitzel waren eine Sensation. Die Panier kann man nur als perfekt bezeichnen. Würzig, knusprig, nicht fettig, das Fleisch dünn, aber nicht „Figlmüller – dünn“, zart, nicht trocken und tadellos im Geschmack. Der Kartoffelsalat hinkte qualitativ hinterher, obwohl hausgemacht, fehlte ein wenig der Pfiff, die Würze. Aber immer noch good enough.

Das Beuscherl für mich. Eine Gott sei Dank nicht übergroße Portion Beuschl in einem eleganten, weißen Teller, in dessen Mitte ein relativ großer, hausgemachter Semmelknödel thronte. Etwas Saft’l um den Knödel, wieder sehr viel Schnittlauch auf dem Knödel (der Nussgartl-Koch scheint wirklich Schnittlauchfan zu sein). Platz eins meiner gegessenen Beuschl belegt immer noch Herr Hohensinn, das Nussgartl schaffte es zwar nicht, ihn vom Stockerl zu stoßen, gesellte sich aber zu ihm aufs Stockerl. Locker ein Platz 2, eher sogar ebenbürtig auf Platz 1, egal, jedenfalls ein Beuscherl, wie es sein soll. G’schmackig, genau richtige Säure, zart, - perfekt.

Schweinsbraten mit Knödel und Eierschwammerlsauce für S., eines der Kids. S. ist 13, sieht aus wie 10, der Schweinsbraten war etwa halb so groß wie sie. Gut, das ist natürlich übertrieben. Aber riesengroß war er trotzdem. Zwei (!) sehr große Scheiben Braten, reichlich Bratensauce und ein wahrlicher Berg Eierschwammerlsauce. Der Braten sehr zart, gut im Geschmack, die Sauce sehr gut. Ich verstehe schon, es ist Schwammerlzeit, ich persönlich finde die Schwammerlsauce zum Schweinsbraten „too much“, sie erschlägt ihn ein bisschen. Und in Kombination mit der Menge Braten wird das Ganze noch einmal um gefühlte 5000 Kalorien üppiger.

Grammelknödel mit Sauerkraut für T., die zweite Tochter von D. Eine stattliche, aber nicht übergroße Portion. Die Grammelknödel verdrängen meinen GraKnö – Favoriten, den Pfarrwirt, in der Sekunde vom ersten Platz. Diese Grammelknödel sind die Besten, die ich jemals gegessen habe. Das Kraut nicht minder gut. Auch hier: Schnittlauch in Mengen. Frisch geschnitten, aber echt ein bisschen viel.

Last, but not least: der Liebsten Sulmtaler Backhendl. Ein stattliches Körbchen mit ausgelöstem, panierten Hendl. Die Panier wie bei den Schnitzeln perfekt, das Hendl sensationell zart. Damit schafft das Nussgartl den Hattrick und verdrängt auch unseren Backhendlfavoriten, den Stadtwirt, glatt vom ersten Platz.

Chapeau, Nussgartl, drei erste Plätze bei einem Testessen. Das verdient Respekt.

Abschließend schaffte ich gerade noch einen (sehr guten) Espresso, der Abend schlug sich mit insgesamt € 160,- inkl. Trinkgeld (Suppe, 5 Hauptspeisen, zwei Bouteillen Wein, Soda, Kaffee und 2 Cola) zu Buche, für die gelieferte Menge quasi nichts, aber weit wichtiger, für die gelieferte Qualität sehr, sehr fair kalkuliert.

Ein paar Worte noch zur Menge: natürlich haben auch wir nahezu die Hälfte der gebrachten Speisen mitgenommen, zu schade wäre es, dieses gute Essen wegzuwerfen. Ich hab sowieso ein Problem damit, Essen oder Lebensmittel wegzuschmeißen, insofern bin ich mit den im Nussgartl servierten Portionsgrößen nicht so glücklich. Die Qualität und der Geschmack der Speisen wären wirklich Alleinstellungsmerkmal genug, der nette Garten und vor allem der gute Service würden, glaube ich, reichen, um das Lokal auch ohne Riesenportionen voll zu kriegen.

Berge an Essen auf den Tellern haben viele Nachteile: man isst deutlich mehr, als man eigentlich wollte, speziell wenn die Speisen so gut schmecken, fühlt sich dann aber wie gerädert und mit einem Mühlstein im Magen. Nicht jeder wird die Speisen mitnehmen, also wird ziemlich sicher vieles weggeworfen, was einfach schade ist. Und schließlich haftet XL-Portionen immer ein wenig der hautgout der minderen Qualität an, die man versucht, durch Quantität zu kompensieren.

Bei dieser Qualität der Gerichte, diesen Geschmackserlebnissen, dieser bodenständigen und doch verfeinerten Wiener Beislküche, in der klassische Gerichte offenbar mit Liebe hausgemacht werden, kann das Nussgartl auch mit etwas kleineren Portionen punkten.

Einen Punkt Abzug gibt's beim Ambiente, der Garten ist mangels Beleuchtung recht dunkel. Z.B. Windlichter am Tisch wären eine gute Idee.

Für uns war es jedenfalls eine ausgesprochen positive Überraschung. Ein tadelloses, gemütliches, gutes Wirtshaus, und das im 20. Schön.

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Kommentare (20)

am 24. September 2016 um 13:18

Ab 27. September.
Di - Fr 11:00 -14:30 und 17:00 - 23:00 geöffne
Sa und Feiertag 11:00 - 16:00 geöffnet
So und Mo Ruhetag
(Info laut Facebook)
Gruß hbg338

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388
56
am 11. September 2016 um 05:20

@magic und hbg338: So wie bei Link ;-)

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92
38
am 10. September 2016 um 17:32

Magic du sprichst mir aus der Seele. Bei uns ist es meine Frau, die nicht so flexibel ist wie ich. Soviel am Abend essen ist auch nicht unbedingt meins.

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388
56
am 10. September 2016 um 16:49

Schade, wenn er die Zeiten nicht ändert, denn Sa wäre der einzige Tag wo mein Mann und ich gemeinsam essen gehen können.

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63
50
am 10. September 2016 um 15:24

Schade wenn der Samstag nicht mehr ist.

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388
56
am 10. September 2016 um 14:31

Bei JEDEM meiner Besuche war das Lokal / der Gastgarten voll.

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234
28
am 10. September 2016 um 14:27

Dass sie das ganze Wochenende geschlossen haben, hat mich auch gewundert, aber für diese Geschäftsvariante hat sich der Nussgartlwirt nun einmal entschieden. Am Mittwoch war der Garten jedenfalls voll, vielleicht sind die Stammgäste eher After-Work-Besucher?

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80
48
am 10. September 2016 um 14:12

In der Provinz zu meiner Jugendzeit hätte man einen Wirt, der am Wochenende zusperrt, gefragt, ob er leicht wo ang'rennt sei. Dafür war es sehr schwierig, am Montag ein offenes Lokal zu finden. Da verabredeten sich anscheinend die Kellner mit den Friseurinnen. ;-)

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92
38
am 10. September 2016 um 13:18

Das Update der Öffnungszeiten hat ein wenig gedauert, ist aber jetzt auf ReTe richtig dargestellt.

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80
48
am 10. September 2016 um 13:17

Lt. HP Di - Fr und auch nicht durchgehend. 11:00 bis 14:30 und 17:00 bis 23:00 Uhr (Warme Küche bis 21:00 Uhr)

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80
48
am 10. September 2016 um 13:08

@hbg338 und neugierig, wenn meine Informationen stimmen, dann ist das mit den Winteröffnungszeiten Geschichte. Offen ist nur mehr DI - FR, des Mittags und am Abend.

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234
28
am 10. September 2016 um 12:50

Wenn ich bei neugierig mit meiner Bewertung die Neugier auf das Lokal geweckt habe, freut mich das.

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80
48
am 10. September 2016 um 11:10

neugierig verzeih den Tippfehler beim Namen.

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56
am 10. September 2016 um 10:50

@neugirig: Im Herbst-Winter hat das Lokal andere Öffnungszeiten. Ich war auch immer Samstag dort. Ein Besuch lohnt sich.

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388
56
am 10. September 2016 um 10:12

Eine Bewertung die neugierig auf das Lokal macht...
Aber bei den Öffnungszeiten als Wochenendwiener aussichtlos...

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70
6
am 9. September 2016 um 04:37

Gut essen im 20. Bezirk: Zwischenbrückenwirt.
Grammelknödel: Für mich ist der Ringsmuth (beim Hauptbahnhof) die Referenz.

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48
22
am 8. September 2016 um 19:29

Danke, Stammersdorfer!

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80
48
am 8. September 2016 um 17:53

Großartiger Bericht!
Das nächste mal wohl auf ein Beuschel und Grammelknödel, dann gehen die Schomlauer (hoffentlich) auch noch......:-)
Gruß vom 331er

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234
28
am 8. September 2016 um 15:53

Stimme Dir vollkommen zu, StephanS. Ich nehme nie was mit, auch gestern gaben wir alles unserer Freundin mit, ich mag das nicht. Ich esse lieber eine kleine oder zumindest überschaubare Portion in einem Restaurant, die Chance, dass ich am nächsten Tag Gusto auf das Gleiche habe, ist gleich Null.

Wg. Pantscherei: ich hab vergessen, in meiner Bewertung zu erwähnen, dass (auf unsere Bestellung hin) sofort Extrateller gebracht wurden. Sonst wäre das einfach nicht gegangen.

Was mich halt echt wundert: die Qualität der Speisen und das Handwerk sind wirklich sensationell. Warum man dort auf XL macht, verschließt sich mir.

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80
48
am 8. September 2016 um 15:00

Mir sind solche Riesenportionen ein Gräuel: Mitnehmen tu ich prinzipiell nichts (ich mag halt keine angefangenen, erkalteten Portionen weiteressen...auch aufgewärmt nicht...), weghauen ist natürlich auch ungut und wie Du schreibst ist man dann im Endeffekt doch zuviel. Außerdem finde ich so Riesenhaufen an Essen auf Tellern unästhetisch - da vergeht mit gleich vor dem ersten Bissen der Appetit.
Wenn sich 4 Schnitzel türmen, denke ich an Viehfütterung. Und wie isst man "getürmte Schnitzel" halbwegs manierlich. Selbiges beim Schweinsbraten: So wie der auf dem Bild angerichtet ist, kann das nur eine grausliche Pantscherei auf dem Teller geben. Wenn schon so viel serviert werden muss, dann doch bitte auch Platten, von denen man sich dann nach Bedarf runternimmt.

Viel charmanter kenn ich das aus der Schweiz: Normale, eher kleine Portionen - und bei Bedarf wird gerne und kostenlos ein Nachschlag serviert.

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Zum Nussgartl
Vorgartenstraße 80
1200 Wien
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