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Hill - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 16. Juni 2016
MichaelA2
10
1
8
4Speisen
4Ambiente
5Service

Schon lange wollten wir das Hill besuchen, haben wir bisher doch durchwegs gute Sachen gehört, allein wenn man eher innerstädtisch wohnt, ist es ins Hill doch ein „brader Weg“. Gestern dann endlich im Zuge unseres schon traditionellen und quartalsmässigen Gourmet-Jour Fix mit Freunden war es dann so weit.
Mehr oder weniger pünktlich gegen 19:30 angekommen fiel zuerst auf: Der Eingang recht unscheinbar in einem recht kleinen aber wie ich finde hübsch anzusehenden Häuschen. Der Empfang sehr unaufdringlich und professionell, das Ambiente wie ich finde sehr gemütlich, alles eher auf Wirtshaus getrimmt, Atmosphäre sehr entspannt. Der Tisch war für uns 6 ausreichend groß, das Lokal an sich war nicht sehr voll, die Tischdeko recht unaufdringlich. Der relativ kleine Garten sah auch recht hübsch aus, war dann aber doch zu frisch.
Als Aperitif entschied ich mich für einen Campari Soda, eines meiner Lieblingsaperitifs im Sommer, gute Mischung, mit noch einer Karaffe extra Soda zum verdünnen, Zitronenscheibe, sehr gut, aber da kann man ja wahrlich nichts falsch machen. Ansonsten wurde bei uns am Tisch dann noch Champagner und Rosé-Sekt getrunken, habe leider beim Angebot nicht aufgepasst, daher weiß ich nicht mehr dazu, dürfte aber geschmeckt haben.
Als kleinen Beginn gab es dann einen Teller mit Butter, Olivenöl, Kapern in Salzkruste (klangen jetzt spannender als sie waren) und ein paar Scheiben Rohschinken. Dazu ein Brotkorb mit unterschiedlichen, frischen Brotvarianten. Soweit, so gut.
Wir entschieden uns dann für eine wie ich finde spannende Menüvariante: Ein viergängiges Überraschungsmenü mit einem besonderen Twist: In (fast) jedem Gang gab es unterschiedliche Gerichte in der Mitte des Tisches platziert, jeder hat sich dann genommen, was er wollte. Ein sehr interessantes Konzept, das ich in der besseren Gastronomie so noch nicht erlebt habe. Hatte etwas sehr Geselliges und zusätzlich den Vorteil, dass man sehr viele Dinge probieren konnte. Aber wir waren uns auch einig, dass das vielleicht nicht Jedem gefallen muss und dass es vielleicht nicht für jede Gruppe geeignet ist, ich glaube nicht, dass ich es für ein Geschäftsessen beispielsweise gute fände. Wir fanden es aber eine wunderbare Idee und gab dem Abend wirklich den besonderen Touch.
Nun aber zu den Gängen:
Als Vorspeise wurden uns 4 Speisen gebracht: Ein Salat von grünem Spargel, sehr frisch abgeschmeckt, nichts was man noch nicht gegessen hätte, aber gut. Außerdem kam eine (für uns 6 wirklich ausreichend große) Portion Beet Tartare, garniert mit etwas Lardo. Das Beef Tartare war eher klassisch zubereitet, ich weiß, das ist wirklich Geschmackssache, aber ich bin halt eher Fan von würziger Zubereitung, hier hat mir dann einfach auch etwas Senfnote, der Lardo dazu war gut, hätte ich aber nicht gebraucht. Dritte Speise war dann Kaninchen gebraten in einem Teig aus dünnen Teigfäden (irgendwie ähnlich Baklava), ein wirklich traumhafter Gang: Das Fleisch perfekt gebraten, extrem saftig, die Panier / Teighülle sehr knusprig dazu, für mich der beste Vorspeisengang. Als vierter Teller kam dann kleine Stücke gebratener Saibling in einem sehr geschmackigen Gemüsesud mit kleinen Karotten. Der Fisch wunderbar am Punkt gebraten mit knuspriger Haut, der Sud wirklich sehr intensiv im Geschmack, perfekt um ihn mit dem restlichen Brot aufzusaugen, auch ein perfekter Gang.
Im Anschluss gab es dann einen Gang für jeden von uns gleich: Ein kleine Suppenschüssel mit dünn aufgeschnittener Entenbrust, Erdäpfelpüree und Eierschwammerl, aufgegossen dann mit einem Erdäpfelsud. Die Zutaten zusammen allesamt sehr gut, in der Kombination aber irgendwie schwer einzuordnen: War es Suppe mit extrem dichter Einlage? Oder eher Die Entenbrust mit Beilagen und etwas viel Saft? Seis drum: Geschmacklich sehr gut!
Zum Hauptgang kam dann einerseits ein großes Stück Beiried, noch im Ganzen in der heißen Pfanne brutzelnd, das dann direkt am Tisch aufgeschnitten wurde. Also Fisch wurde ein im Ganzen gebratener Seesaibling serviert und auch direkt am Tisch filetiert. Das Fleisch war mit einer zarten Fettkruste, dadurch sehr saftig, vom Garpunkt sehr schön rosa. Der Fisch wurde sehr gekonnt zerlegt und geschmacklich auch sehr gut mit schön festem Fleisch. Dazu wurden mehrere Töpfchen mit Beilagen gereicht: Blattspinat (leichte Knoblauchnote und noch schön bißfest), Erdäpfelpüree (schöne Konsistenz und auch geschmacklich gut, wenn auch unaufregend), etwas Sauce Hollondaise (sehr gut und weniger fett als erwartet), weiße Spargelspitzen mit Erbsen (sowohl Erbsen als auch Spargel sehr, sehr guten Biß, in etwas Butter geschwenkt), Eierschwammerl (mit etwas Petersilie, schön gebraten). Die Menge war für uns 6 mehr als ausreichend, sowohl Fleisch als auch Fisch sicher nicht superkreativ, aber ein einfaches und sehr gut zubereitetes Mahl.
Nachdem sich jetzt schon gewisses Sättigungsgefühlt eingestellt hat, konnten wir den nun folgenden Digestif gut gebrauchen: Ich habe mich für eine Rote Williams entschieden (mir ist leider der Produzent entfallen), die eine sehr schöne Frucht hatte und nicht allzuviel Schärfe. Nachdem wir alle unseren Wunsch Schnaps bestellt hatten meinte unser Kellner, dass der Chef heute zwar nicht da ist, er aber drauf bestehen würde uns auf diese Runde einzuladen, ein richtig feiner Zug wie ich finde und wahrlich nicht üblich.
Als Dessertvariation gab es dann eine Auswahl an Sorbets (Guave, Maracuja, Limette. Geschmacklich sehr gut, für ein Sorbet fast schon cremig, überraschend gut), kleine Schokotartes mit eingelegten Kirschen (war das Highlight bei uns am Tisch, ich persönlich konnte die Aufregung nicht ganz nachvollziehen, bin jetzt aber auch kein klassischer Schokotiger) und schlussendlich dann der berühmte Topfenschmarrn in der Pfanne serviert mit Apfelkompott: Sehr, sehr fluffig, schöne Rahmnote, trotzdem genügend Süße, könnte ich mir gut auch als Hauptgang vorstellen!
Ein Wort zum Service: Man muss natürlich dazu sagen, dass das Restaurant kaum besetzt war, der für uns zuständige Herr hat uns aber wirklich perfekt und sehr charmant betreut. Die Weinempfehlungen waren allesamt sehr gut (Ein Tement Sauvignon Blanc Ottenberger, danach ein JOIS Cuvée Altenburger und schließlich noch eine Flasche Cuvée Xur von Werner Achs). Wir haben uns jedenfalls sauwohl und toll betreut gefühlt, hier hatten wir absolut nichts auszusetzen.
Preislich war das Überraschungsmenü mit € 72,00 sicher nicht billig, aber im Anbetracht der Leistung wie ich finde durchaus gerechtfertigt. Die Weinpreise waren fair kalkuliert und der Schnaps ging wie gesagt aufs Haus.
Fazit: Wir hatten einen sehr gelungen Abend und haben uns sehr wohl gefühlt, das Konzept eines gemeinsamen Menüs in der Mitte des Tisches hat uns sehr gefallen (ist sicherlich Geschmackssache), die Speisen waren allesamt eher bodenständig, handwerklich top zubereitet und geschmacklich sehr gut, ein großes Lob für das Service. Wir werden uns ganz sicher nochmals auf die weite Reise an den Rand des 19. Bezirkes machen und das Hill besuchen.

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Kommentare (1)

am 17. Juni 2016 um 04:40

Konzept ungeeignet für ein Geschäftsessen? Frag einen Chinesen. ;-)

Gefällt mir1
Experte
92
38
Hill
Sieveringer Straße 137
1190 Wien
Speisen
Ambiente
Service
43
39
43
13 Bewertungen
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