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DOOR No. 8 Restaurant - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 6. Mai 2016
FiletAT
2
1
3Speisen
4Ambiente
2Service

Lob von allen Seiten hat uns in das Door No 8 gebracht. Und die Neugier, das in der internationalen Küche nicht weniger als Heilsbringer gelobe Sous Vide-Verfahren auszuprobieren. Die Vorstellung, dass mein Steak viele Stunden sozusagen im Billasackerl vor sich hin gart anstatt anständig von der Flamme geküsst zu werden, ist zugegeben äußerst ... gewöhnungsbedürftig. Ich versuche aber, meine Vorurteile im Zaum zu halten und die Neugier die Überhand gewinnen zu lassen.

Also rein in den Hinterhof - und hinunter in das Door No 8. Der Empfang ist freundlich, das Ambiente wirkt sofort einladend - nur der etwas chaotisch und unkoordiniert wirkende Empfang sorgt für erste Kratzer im Lack.

Am Platz bestellen wir Manhattans als Aperitif - die waren vorzüglich und machten wie erwartet so richtig Appetit. Zur Überbrückung wurde dann zum Glück auch bald Baguette mit Basilikumpesto gereicht ... es war leider der erste Tiefschlag. Während das Pesto noch in Ordnung war - das Baguette erinnerte bestenfalls an Aufbackware aus der Diskonter-Tiefkühlabteilung, das man dann auch noch kalt verzehrt.

Ich gebe zu: das Door No 8 hat es schwer, da mein letzter Besuch dem Dstrikt Steakhouse galt, das wie immer in jeder Hinsicht überzeugen konnte - und auf das wunderbare, warme Zwiebelbrot, das man dort gereicht bekommt, mag bald etwas im Vergleich alt aussehen - aber nein, so sehr ich mir auch einrede, vielleicht nur selbst an zu hohen Erwartungen zu scheitern - das Baguette schmeckt mit jedem Bissen mehr nach Aufbackware.

Das war der erste Fehlschlag, der in einem Restaurant, das auf diesem Level spielen möchte, einfach nicht passieren darf. Leider zeichnete sich sehr schnell der nächste ab: das Service. Wir fanden es für das (Preis-)Niveau schon etwas seltsam, dass 2 Minuten nach unserer Aperetif-Bestellung ein anderer Kellner die gleiche Bestellung aufnehmen wollte - ja, das kommt schon mal auch in besseren Häusern vor. Aber es ist kein gutes Zeichen. Dass bis zur Essensbestellung keine weiteren Getränkebestellungen aufgenommen wurden, wenn bei uns nur zwei Manhattans am Tisch stehen, hat die Skepsis weiter erhöht. Zumindest eine Nachfrage, ob wir ein Wasser möchten, hätte ich erwartet. Aber gut, selbst ist der Mann: wir rufen, wir bestellen - und bekommen nichts. Nach 10 Minuten rufen wir einen anderen Kellner und haben nach sicher weit über 30 Minuten erstmals ein Wasser am Tisch stehen.

Es sollte so weitergehen - aber der Reihe nach: zur Vorspeise gab es ein Beef Tatar - halten wir uns nicht lange mit dieser weiteren Enttäuschung auf: es war bestenfalls Durchschnitt, man kann bei einem Besuch im Door No 8 getrost die Finger davon lassen, ohne etwas zu versäumen.

Daher schnell weiter zum Hauptgang - dafür sind wir schließlich hier: für im Wasserbad und in Plastik eingeschweißt gegarte Filet-Steaks von der glücklichen Neuseeland-Kuh, die dann noch kurz auf den 1.000-Grad-Grill dürfen, um auch nach Steaks auszusehen.

Um die Spannung hochzuhalten zögern wir den Höhepunkt des Abends aber noch ein wenig mit einem weiteren Ausflug zur Servicewüste des Door No 8 hinaus: da hier so gar nichts wirklich von sich aus funktioniert, werden wir nervös, ob wir den Wein noch rechtzeitig zum Steak serviert bekommen werden - entgegen des uns geäußerten Wunsches hat noch niemand eine Weinkarte vorbeigebracht. Auf Nachfrage funktioniert es dann wieder - nur um dann für 15 Minuten wieder keinen Kellner zu sehen, der unsere Bestellung aufnehmen würde.

Es kommt, wie es kommen muss: die Steaks werden serviert, und wir haben noch nichtmal einen Wein bestellt. Kaum noch erinnern können wir uns an den Zeitpunkt, als wir noch überlegt hatten, ob man uns eine Verkostung von 2 oder 3 Weinen ermöglicht - es ist lange her und wir haben längst andere Probleme. Überhaupt einen Wein zu bekommen, nämlich. Egal welchen. Ich muss also dem servierenden Kellner im Weggehen nachrufen, er möge doch bitte unsere Weinbestellung aufnehmen und möglichst sofort ausführen - immerhin das hat dann innerhalb von 2 Minuten funktioniert. Ein schöner und entspannter Start in den Hauptgang sieht anders aus.

Also - der Hauptgang. Sie sind da, die Sous Vide-Steaks. Aussehen tun sie vorzüglich. Medium wurden sie bestellt, sie sind allerdings etwas mehr auf der medium-rare-Seite gelandet. Ist ok, aber war einer der Vorteile von Sous Vide nicht, die Garstufe punktgenau treffen zu können? Immerhin: außergewöhnlich zwart ist es tatsächlich, das Fleisch. Und schmecken tut es auch durchaus gut. Aber ich kann mir nicht helfen: dass die Steaks noch auf einen 1.000-Grad-Grill kommen, mag dafür sorgen, dass im Wasserbad gegartes Fleisch zumindest nach Grillen *aussieht*, es mag auch dem geneigten Tim-Taylor-Fan beeindrucken, wenn mit solchen Zahlen um sich geworfen wird - aber Grillaroma kann ich in den Steaks kaum eines finden.

Die 1.000 Grad sind ein Alibi. Und für so manchen wohl ein optisches wie gedankliches Placebo. Bei mir wirkt es nicht - ich finde die Steaks war sehr zart und auch sehr gut, allerdings auch auf ihre eigene Art. Meiner Vorstellung eines perfekten Steaks entspricht es nicht. Trotzdem ist es insgesamt einer der wenigen positiven Aspekte des Abends.

Was bleibt zu berichten? Sowohl die Auswahl als auch die Qualität der Beilagen ist durchwachsen, wobei ich nur die Qualität in die Bewertung einfließen lasse. Blattspinat mit Blauschimmelkäse ist für mich die selstamste Idee einer Steak-Beilage seit langem, auch ansonsten werde ich mit der Auswahl kaum warm. Was bleibt, sind die Pommes mit Trüffelöl (sehr gut, aber der Parmesan wie im Dstrikt fehlt definitiv), das Parmesan-Risotto (eine Fadesse, geschmacklich näher an einem Milchreis) und der Ofenkartoffel - über dieses Ding erspare ich mir jeden Kommentar.

Die Saucen-Auswahl ist ähnlich uninspiriert wie die Beilagen ... neben der Pfeffersauce bleibt bestenfalls noch eine Sauce béarnaise für meinen Geschmack - die ist allerdings richtig gut.

Eine Nachspeise muss es für den Gesamteindruck auch noch sein. Die Koordination Kaffee und Nachspeise funktioniert erwartungsgemäß wie in 95 % aller anderen Restaurants in Österreich nicht (darf ich nochmal als lobende Ausnahme das Dstrikt erwähnen, da wird sogar danach gefragt). Es liegen locker 5 Minuten dazwischen. Immerhin ist der Espresso gut.

Die Nachspeisen hingegen ... die Crème brûlée ist ok, allerdings mit einem etwas zu intensiven Ei-Geschmack. Eine Katastrophe dagegen der Cheescake: ja, sicher, es mag an der Vorlage vom großartigen Cheescake im Dstrikt liegen, aber ich behaupte: selbst der Cheescake beim McDonalds spielt eine Klasse höher. Es ist überhaupt eine selstame Kreation von einem Cheescake: nicht im geringsten cremig, weder Boden noch Rand knusprig, es ist eher eine selstame, runde Topfenschnitte ohne Blätterteig.

Bei den Speisen schrammt das Door No 8 für mich nur deshalb an einer mäßigen Bewertung vorbei, weil immerhin die Steaks, der eigentliche Grund des Besuchs, durchaus gut waren. Ansonsten gibt es vom Door No 8 kulinarisch wenig positives zu berichten.

Eine echte Enttäuschung war das Service - alle waren freundlich und zuvorkommend, aber von Professionalität war keine Spur. Unkoordiniert, unaufmerksam und wohl auch ungeschult. Dass man sich beim Ausgang die Jacken auch noch selbst aus 50 anderen raussuchen darf, ist dann nur noch die Krönung eines wirklich nicht professionell aufgezogenen Gastronomiebetriebs. So jung ist das Door No 8 jetzt auch nicht mehr, dass man das alles noch unter Startschwierigkeiten verbuchen könnte.

Damit verbleibt für mich das Fazit, dass das Door No 8 als Alltags-Restaurant durchgehen würde, aber auf dem Niveau, auf dem es spielen möchte, nichts verloren hat. Für eine zweite Chance sehe ich bei der Anzahl an Fehlschlägen eigentlich keinen Grund.

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Kommentare (2)

am 22. Juli 2016 um 01:56

Hallo spartany85 - schön, dass es bei deinem Besuch besser gelaufen ist. Nur zum Vergleich: die Chefin ist bei uns eher sinnlos in der Gegend rumgestanden, hat uns nicht persönlich begrüßt obwohl sie einen Meter weg gestanden ist und anpacken haben wir sie nie gesehen, nur gelegentlich beim Tratschen. Während unseres Aufenthalts war sie nicht einmal bei uns um sich nach unserem Befinden zu erkundigen. Beim Verlassen des Restaurants durften wir unsere Jacken selbst suchen, verabschiedet hat uns niemand, im letzten Moment kam unsere Kellnerin noch nachgelaufen und hielt uns immerhin die Tür auf. Schöner wäre gewesen, jemand hätte bemerkt, dass wir mit unseren Jacken Verstecken gespielt haben (hingehängt haben wir sie nicht selber, und hatten daher keine Ahnung, wo sie sind). Gratis-Rausschmeißer gab es auch keinen für uns.

Die Anzahl an Fehlschlägen bei uns lässt mich leider weiterhin glauben, dass im Falle des Door No 8 die guten Tage eher die Ausnahme sind und nicht die schlechten. Wenn es sich ergibt, gebe ich ihm aber vielleicht noch einmal eine Chance.

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am 30. Juni 2016 um 13:49

Ich bin vor kurzem mit zwei Freunden im Door No 8 gwesen und muss sagen, dass ich durchaus überzeugt wurde. Sowohl das Essen - gut die Vorspeise ist überteuert - als auch der Service waren absolut in Ordnung. Jetzt scheint kleine Startschwierigkeiten gegeben zu haben aber mittlerweile würde ich den Begriff "Servicewüste" nicht benützen. Ich habe einen ausführlichen Artikel geschrieben, zu finden auf: Link
Das Door No 8 gehört wohl nicht zu den besten Steakhäusern in Wien, aber verstecken braucht es sich auch nicht.

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DOOR No. 8 Restaurant
Neubaugasse 8
1070 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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