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Oskars - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 25. April 2016
Experte
bluesky73
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2Speisen
3Ambiente
2Service
16 Fotos2 Check-Ins

Wienwochenende. Wir reisen am frühen Abend an und entscheiden uns der Einfachheit halber, gleich im hoteleigenen Restaurant, dem "Oscars“ zu Abend zu essen. Den Tisch reservieren wir vorsichtshalber im Vorfeld. Wir sind nach dem Check in pünktlich wieder in der Lobby und gehen von dort aus direkt durch den offen gestalteten Übergangsbereich weiter in den Gastraum.

Der ist relativ nett gestaltet, der hintere Bereich ist an diesem Abend geschlossen. Das Serviceteam besteht aus einer jungen Dame und einem jungen Herrn – der liest uns quasi auf seinem Weg in die Küche auf und nimmt uns in Empfang. Wir klären kurz die Formalitäten und können uns einen von zwei freien Tischen aussuchen.

Der Gastraum ist vorwiegend schwarz/weiß gestaltet, Teppich und Decke tragen aufregende Muster, über dem langen Hochtisch in der Mitte des Raumes hängen drei schwarze Lüster. Es sitzt sich relativ bequem an der Wand, lediglich der Abstand zum Nachbartisch ist sehr knapp bemessen und an den bröseligen Hinterlassenschaften früherer Gäste am Boden sollte man sich nicht stoßen.

Das Fräulein aus dem Service scheint für uns zuständig zu sein, denn sie bringt uns nach einer gewissen Wartezeit die groß dimensionierten Karten. Der erste Blick verwirrt, denn man wird förmlich erschlagen von der vielen Information – übersichtliche Gestaltung sieht anders aus. Es werden mehrere Themenmenüs angeboten, wobei jedes Gericht in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch niedergeschrieben ist. Links und rechts sind dann noch allerlei Sprüche und Infos zu Inhaltsstoffen angeführt und perfekt ist die Reizüberflutung. Die Auswahl fällt nicht leicht, letztendlich entscheiden wir uns jeweils für eines der Menüs in der dreigängigen Version - ich mit der Vorspeise, Fr. bluesky mit der Suppe. Wir bestellen gleichzeitig je ein Glas Wein und Wasser – das Fräulein aus dem Service hat die Absicht, sich alles zu merken, denn notiert wird nichts.

Der Tisch ist nett vorbereitet. Über der schwarzen Tischdecke liegt ein weißer Tischläufer, jeder Platz hat sein goldenes Tischset, Gläser und Besteck sind bereits eingedeckt. Gute zehn Minuten später bekommen wir zwei Sorten Brot und aufgeschlagene Bärlauchbutter sowie den Gruß aus der Küche. Der besteht aus einem dunklen Stanitzel, gefüllt mit Frischkäse und einer geschmorten Cocktail-Tomate und wird sehr innovativ in einem Holzpflock steckend serviert. Geschmacklich hinterlässt der Happen einen guten Eindruck und lässt Vorfreude aufkommen.

Bis zur Vorspeise vergehen wieder lange 15 Minuten, dann ist es aber soweit. Fr. bluesky beginnt mit der Butternusskürbissuppe mit Kürbiskernstaub und Kernöl (Euro 5,90) aus dem vegetarischen Menü. Die Suppe wird im extrem breitkrempigen Teller serviert, ist geschmacklich sehr gut und sämig.

Die Präsentation meiner Vorspeise verwirrt mich auf den ersten Blick. Es ist weniger die Schieferplatte, auf der „Der Wienerwald“ bestehend aus Wildschweinschinken, Pilzen, Kräuterschwamm, Pumpernickel und Nüssen serviert wird, denn die mehr als überschaubare Menge. Für den Preis von Euro 13,80 hätte ich mir etwas mehr als drei Blatt Schinken, drei Nüssen, drei Spalten Pilzen und einem neutral schmeckenden, grünen Schwamm gewünscht.

Es sind zwar nicht enorm viele Gäste anwesend, aber für zwei Servicemitarbeiter scheint es von der Auslastung her gerade grenzwertig zu sein. Der junge Mann ist zwar hin und wieder für längere Zeit verschwunden, macht aber wenn er da ist keinen schlechten Job. Unsere Dame verbringt sehr viel Zeit am Gast, plaudert, philosophiert, scherzt…mancher mags, ich mag es nicht besonders. Vorallem bleibt damit weniger Zeit für das, wofür sie eigentlich da ist – für den Service.

Wir warten eine endlos erscheinende halbe Stunde, bis es mit dem Hauptgang weitergehen soll. Rotes Rübenrisotto, Belperknolle, schwarzer Sesam, Afilakresse (Euro 16,50). Der schwarze, tiefe Teller ist ein gelungener Kontrast zum roten Risotto, das Gericht ist generell sehr nett arrangiert. Geschmacklich ist Fr. bluesky sehr positiv überrascht, die Kombination der einzelnen Komponenten schmeckt sehr gut, das Risotto ist auf den Punkt zubereitet. Auch ich warte auf meinen Hauptgang….serviert wird eine Suppe.

Die Kellnerin bemerkt, dass etwas nicht stimmt und wir versuchen aufzuklären, dass wir beide ein Dreigang-Menü bestellt haben und jetzt eigentlich die Hauptspeise dran ist. Sie scheint nicht auf Anhieb zu verstehen, diskutiert mit uns, meint aber dann, dass die Küche wohl einen Fehler gemacht hat – für mich liegt der Fehler eher nicht in der Küche. Um nicht noch länger hungrig warten zu müssen esse ich die gelbe Rübencremesuppe mit Speckstaub, Rübe und Chip (Euro 5,90). Geschmacklich ist sie interessant, meine ursprüngliche Entscheidung, sie nicht zu bestellen war aber richtig.

Eine weitere Viertelstunde später ist es dann soweit und meine Hauptspeise wird serviert. Rinderrücken „Sous vide“, Polentakrustel, Vanillebirne, Pak Choi, Jus (Euro 24,80). Ob das Fleisch wirklich mittels Sous Vide zubereitet worden ist…ich wage es zu bezweifeln. Dafür ist es für meinen Geschmack ein wenig zu fest im Biß. Der Pak Choi schmeckt wie erwartet, ist allerdings etwas zu labbrig geraten. Das Polentakrustel entpuppt sich als normale Schnitte, die nochmal sehr vorsichtig angebraten wurde, in Kombination mit dem geschmacksintensiven Jus aber gut ist. Alles in allem ist das Gericht keine Offenbarung.

Die Stimmung ist nun natürlich ein wenig getrübt – einerseits aufgrund der endlosen Wartezeiten, andererseits über die Servicefehler und es sollte an diesem Abend nicht besser werden. Das Fräulein bemerkt wohl die leichte Anspannung und serviert uns tituliert als Zwischengang einen Schnaps. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, denn wir beide sind keine Schnapsfans und können diese Geste leider nicht schätzen.

Wie könnte es anders sein – auch bis zur Nachspeise dauert es wieder eine halbe Stunde - es ist inzwischen nach 22 Uhr. Überraschend serviert der Küchenchef selbst die beiden Gerichte und entschuldigt sich wegen der langen Wartezeit. Ein netter Zug, optisch sind die Nachspeisen auch wieder attraktiv arrangiert – wir sind auf dem Weg der Versöhnung.

Abschluss meines „Signatur Menüs“ bildet eine Klimtschnitte mit Heidelbeersorbet, Amarettostaub, Minze (Euro 8,90). Präsentiert wird wiederum auf der schwarzen Schieferplatte, das Sorbet ist sehr sauer, mit dem süßen Amarettostaub aber gut zu kombinieren. Die Klimtschnitte besteht aus einem extrem trockenen, bröseligen Boden, der mich an ein Keks erinnert. Die Cremeschichten sind ok, haben aber gegen den kompakten Boden keine Chance.

Fr. bluesky freut sich auf ihr weißes Walnusssoufflé mit Birnen-Yuzu-Sorbet und Gel, Muscovadostaub (Euro 8,90). Das Sorbet erfrischt, auch das Soufflé schmeckt zu Beginn passabel. Je mehr man sich aber tieferen Schichten nähert, umso klarer wird, dass hier nicht ganz zu Ende gebacken wurde. Ähnlich einem Schokokuchen mit flüssigem Kern hat auch das Soufflé einen flüssigen Kern – es ist schlicht und ergreifend nicht durch.

Ernüchtert von der mehrheitlich bescheidenen Leistung bitten wir um die Rechnung – fairerweise muss man anmerken, dass sich ein Glas Wein und eine Nachspeise letztendlich nicht auf der Rechnung befunden haben.

Zum Fazit: Das Oskars liegt im Erdgeschoß vom Hotel am Konzerthaus. Das Design ist ungewöhnlich, ein wenig dunkel. Wir haben das Service an diesem Abend als nicht sehr professionell empfunden, vorallem die junge Dame verbringt viel Zeit mit Gesprächen und Diskussionen mit Gästen, die bestellten Speisen wurden offenbar leider falsch an die Küche weitergegeben. Die Gerichte glänzten lediglich durch klingende Bezeichnungen, die Präsentation war teilweise gut ausgeführt. Geschmacklich gab es bei jedem Gang zumindest einen totalen Reinfall. Die Optik ist leider nicht alles – das Oskars empfiehlt sich in dieser Form leider weder für einen Folgebesuch, noch bleibt es positiv in Erinnerung.

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Kommentare (1)

am 25. April 2016 um 13:14

Windschwein: Link ;-)

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Oskars
Am Heumarkt 35-37
1030 Wien
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