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Gulasch & Champagne - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 20. April 2016
Experte
Gastronaut
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29
3Speisen
3Ambiente
3Service

Das Küchenkonzept des „Gulasch & Champagne“ ist eigentlich sehr leicht erklärt: Hier wird praktisch nichts frisch gekocht, sondern bestenfalls nur erwärmt. Das namensgebende Gulasch köchelt irgendwo in einer nicht sichtbaren Küche, auf der Theke befinden sich zwei kleine Warmhalte-Vitrinen mit Leberkäse und im Unsichtbaren werden diverse Würste warmgehalten oder gebrüht. Dazu gibt es noch gekochtes Fleisch wie Rinderzunge und Hüferlscherzl. Das einzige Gericht, das dann doch „frisch“ gemacht wird, sind „Pommes Allumettes“. Klingt beeindruckend frankophon, sind aber auch im besten Fall nur dünne Pommes frites.

Unsere erste Speise war eine sogenannte „Schweinerei“ bestehend aus sämtlichen nicht-flüssigen Fleischsorten des Hauses: Frankfurter, Debreziner, Rindszunge, Pferde- und Rindsleberkäse, Cotechino und und und. Dieser Alptraum aller Vegetarier wird standesgemäß mit frisch gerissenem Kren, scharfem Senf und einem Gebäck-Körbchen serviert.
Dieses Gebäck-Körbchen ist einem Ringstraßen-Hotel unwürdig gewesen, denn die in der Mitte aufgeschnittenen Semmeln hatten die Konsistenz von Aufbackware vom Morgenbuffet. Und auch die Frankfurter und Debreziner waren eindeutig viel zu kurz im Brühwasser und hatten leider im kleingeschnittenen Zustand viel zu wenig Biss. Der Rest der „Schweinerei“ war aber ein großartiger Genuss, bei dem es wirklich Spaß gemacht hat, sich durch dieses halbe Schwein zu kosten: saftig, knackig, samtig, würzig, spannend... so köstlich kann zerstückeltes Schwein schmecken. (Das Bisschen Pferd möge mir jetzt dieses Vernachlässigung verzeihen)

Als nächstes war bereits das namensgebende Gulasch dran, dessen kleine Portion um wohlfeile 5,5 Euro wirklich ausreichend groß ist. Das Fleisch darin ist so zart, dass es bereits bei zu intensiver Betrachtung zerfällt und der dazugehörende Saft war sämig und rund abgeschmeckt. Natürlich gibt es im ersten Bezirk gleich mehrere Locations mit einem intensiveren und somit auch besseren Gulasch, aber ganz bestimmt nicht zu dem Preis. Auch wenn es uns angeraten worden ist, dieses Gulasch mit Champagner zu probieren, bleiben wir lieber bei einem frischgezapften Kozel. Champagner zum Gulasch klingt zwar akustisch ganz nett, macht aber olfaktorisch und gustativ überhaupt keinen Sinn. So, jetzt habe ich diese Worte auch einmal untergebracht.

Der seltsamste Posten der Karte ist mit Abstand die vegane Mayonnaise. Denn in einem Lokal, in dem Fleisch mit Fleisch serviert wird, gibt es praktisch nichts, auf das man eine vegane Mayonnaise geben könnte. Auf die Frage, wofür es diese Mayonnaise überhaupt gibt, wurde uns gesagt, dass man auch eine Alternative für Veganer haben wollte, sollten ganze Gruppen von Fleischessern über das „Gulasch & Champagne“ herfallen und die armen Veganer zu Verhungern drohen. Konkret könnten die Veganer sich die vegane Mayonnaise auf die schon angesprochenen Pommes Alumettes schmieren. Schon aus purer Neugier mussten wir diese jetzt einfach auch probieren.

Nach einer ungewöhnlich langen Wartezeit – weil frisch frittiert – kamen diese Pommes Alumettes dann also daher, und hätte mir niemand gesagt, dass es sich hierbei um Pommes Alumettes handelt, hätte ich die Pommes Alumettes für stinknormale Pommes frites gehalten. Ja, ich weiß, ich bin ein Banause. Aber auch geschmacklich hat es sich hierbei um nichts anderes als etwas dünnere Pommes frites aus dem Fritter gehandelt. Dazu gab es nicht nur die vegane Mayonnaise, sondern auch die nicht-vegane Variante und überraschend veganes Ketchup.

Während das Ketchup nach Ketchup schmeckte und die Mayonnaise nach Mayonnaise, erinnerte die vegane Mayonnaise auf Sojabasis an einen mit Wasser verrührten leichten Frischkäse ohne Anker für Geschmacksknospen. Alleine mit etwas Knoblauch vermischt wäre das Teil vielleicht als „Vegane Aioli“ durchgegangen, aber pur ist dieses Sößchen leider kein Highlight. Ich bin ein sehr fantasievoller Mensch, aber das Szenario, dass eine Gruppe Fleischesser hier die „Schweinerei“ verschlingt, während der Veganer der Gruppe glücklich mit seinen dünnen Pommes frites und der veganen Mayonnaise ist, überschreitet leider mein Vorstellungsvermögen. Noch dazu sind Vegetarier und Veganer in der Regel dominantere Charaktere in Gruppen und würden dafür sorgen, dass gleich in ein Lokal gegangen wird, in dem sie mehr als nur Pommes frites bekommen.

Auffallend war in Lokal auch die überlaute Austropop-Beschallung, die nicht gerade gesprächsfördernd ist. Aber keine Sorge, es werden hier nicht nur Ambros, Fendrich und Danzer gespielt, sondern eh auch die Jungstars wie Wanda, wie uns versichert wurde. Darüber überaus beruhigt, wollten wir noch wissen, warum man sich denn für diese Art der Untermalung entschieden hat, und die Antwort war, damit sich die Gäste auch dann nicht alleine fühlen, wenn sie alleine kommen. Diese Musik versetze einen in bessere Zeiten und vielleicht will man ja auch mitsingen.
Ich persönlich fühle mich bei einer zu lauten Austropop-Beschallung tatsächlich in meinen Gesprächen behindert und würde außerdem sofort das Lokal verlassen, wenn neben mir ein alleine sitzender Gast beginnen würde laut zu singen...

Insgesamt verstehe ich das Konzept offenbar zu wenig. Dass es der tollste an diesem Indoor-Würstelstand sein soll, dass man hier sowohl am Tisch als auch am Örtchen Platz nehmen kann, kann ja wohl bitte kein echtes Kriterium sein. Die Würste und Fleischhappen sind aber - wenn richtig erwärmt – tatsächlich köstlich und auch das Gulasch braucht sich absolut nicht zu verstecken, schon gar nicht zu dem Preis! Aber die Sachen mit den frankophonen Fritten, der Dauerbeschallung und dem Hang zum teuren Champagner (14 Euro pro Glas) entziehen sich wirklich meiner Logik. Ich bin aber wie gesagt auch nur ein Banause!

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Kommentare (7)

am 21. April 2016 um 11:41

Das heißt, sollte auch noch Mehl dabei sein, kann man guten Gewissens sagen, sie schmecke nach A und F. ;-)

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Experte
92
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am 21. April 2016 um 10:25

Die vegane Mayonnaise ist auf Sojabasis und verdient die Bezeichnung "Mayonnaise" bestenfalls in Sachen Konsistenz...

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428
45
am 20. April 2016 um 18:26

Aber wie macht man Mayonnaise ohne Ei? Funktioniert das oder ist da ordentlich Chemie drinnen?

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50
am 20. April 2016 um 18:26

Aber wie macht man Mayonnaise ohne Ei? Funktioniert das oder ist da ordentlich Chemie drinnen?

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63
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am 20. April 2016 um 17:58

Mein Interesse an veganer Mayonnaise hält sich in Grenzen. Lite Mayonnaise ist schon schlimm genug. ;-)

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92
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am 20. April 2016 um 17:17

Frage 1: WIE macht man vegane Mayonnaise?
Frage 2: Heißt das, dass es Leute gibt, die am stillen Örtchen schmausen?

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63
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am 20. April 2016 um 09:02

"Unwürdig" mit dem Dativ ist des Gastronauten unwürdig.

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Gulasch & Champagne
Schubertring 10-12
1010 Wien
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