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Tofu & Chili - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 19. März 2016
Experte
BruderBernhard
38
8
19
4Speisen
3Ambiente
3Service

Wasser in den Rhein, Eulen nach Athen, Hühner ins Paradies.

Neues kann ich nicht beitragen zum Tofu & Chili, und das ist gut so. Heute habe ich es also noch geschafft, am letzten Tag, vor der nächsten Wien-Reise. Ich kann höchstens versichern, dass trotz des winzigen Lokals dort kaum mit Platzproblemen zu rechnen ist. Während meiner Anwesenheit hat sich das Lokal einmal umgewälzt, alle Tische sind neu besetzt worden. Und es musste niemand abgewiesen werden, höchstens musste eine Gruppe mal kurz warten, bis die zwei Nudel-mit-Gabel-Esser am einen Tisch von selbst merkten, dass sie jetzt nach dem Speisen höflicherweise ihren Platz abgeben sollten, dies ist kein Kaffeehaus, wo man noch lange bei einem Tee....

Bestens gebrieft durch meine Vortester, im Notizblock eine Liste mit den empfohlenen Gerichten, würdigte ich die 08/15-Karte keines Blickes und fragte sofort nach den Biang Biang Mian, oder dem Lammfleisch mit Schwarzkümmel, entschied mich für Letzteres, nachdem ich erfahren hatte, dass es beides Hauptspeisen sind. Dazu fragte ich nach dem kalten Rindfleisch in Scheiben mit Kuttelfleck, er fragte noch den Schärfegrad ab - ich gab Zeichen, dass sie alles geben sollten, und harrte bei einem kleinen süss-scharfen Krautsalat alles Weitere ab.

Das Rindfleisch entsprach meinen Erwartungen. Das Fleisch selber entsprach dem, was auch die anderen Sechuan-Köche servieren, mit viel grünem Koriander, Erdnüssen und mir bisher nicht bekannten schwarzen Krachsamen - meiner Treu, fast als ob die schwarzen Kerne des Sechuanpfeffers dort noch verwertet worden wäre. Aber das wäre sehr erstaunlich, es muss etwas anderes gewesen sein, was ich noch nie gehabt. Werde dem in meinem Kochlabor mal nachgehen.

Eine sehr schöne Schärfe, die Lippen brennen, die Stirne schwitzt. Scharf ist es, ohne Zweifel, Sechuan aber nicht, vermute ich mal. Ich sehe und spüre eigentlich wenig vom eigentlichen Sechuan-Pfeffer oder den sonst unübersehbaren Chili-Stücken. Aber das ist jetzt laienhafte Beckmesserei einer Langnase, ohne jeglichen Belang, denn zusammen mit dem Grüntee ist die Speise köstlich, Der Grüntee hat mir übrigens noch nirgends so gut geschmeckt. Ob's die Menge war, wohl ein Dreiviertelliter, oder die Schärfe des Rinds, ich weiss es nicht.

Das Lammfleisch musste ich einfach bestellen, weil ich musste rausfinden, was der Reiz daran sein soll. In meinem Gefrierfach wartet nämlich noch eine Lammhälfte der Verwertung, die vom Türkenladen an der Ecke ziemlich grob zerfetzt statt professionnell zerteilt worden ist. Nun sehe ich Licht! Im Grunde muss man Fett und Sehnen nicht wirklich fürchten, sind sie nur klein genug zerfetzt, denn sie entwickeln beim langen langen Kauen einen sehr intensiven Geschmack, werden immer kleiner, während immer wieder richtiges Fleisch zwischen die Zähne nachgelegt wird. Ich spasse nicht, muss man erleben. Auf alle Fälle blieb kein Rest im Teller zurück, obwohl nicht alles als zart durchging!

Die Schärfe war hier nicht so ausgeprägt, auch weniger Sojasauce oder Salz war spürbar, dafür war der Geschmack des Kreuzkümmels sehr im Vordergrund. Ich mag den und verwende ihn selber gerne in meiner Küche. Schwarze Bohnensauce gab die Grundlage und grosse Stücke Schalotten sorgten für eine angenehme Süsse. Die Menge an Fleisch und Schalotten war beeindruckend, da wurde nicht mit Zwiebeln als billiger Füller geschummelt, wie ich es auch schon mal erlebt habe, im Aming Dim Sum Profi, leider. Nein, ein vorbildliches Gericht. Dazu ein ziemlich gewöhnlich anmutender Reis, ohne jeglichen Eigengeschmack, von langweiliger Konsistenz. Aber das war vielleicht besser so, bei Parfumreis esse ich immer zu viel und bin dann noch vollgefressener als jetzt schon.

Beim Zahlen, 22 € für alles, konnte ich kaum mehr Bapp sagen, es langte noch grad für die Frage, ob's bei ihnen auch Mapo Tofu gibt. Gibt's. Aber das muss jetzt jemand anders versuchen, mein Aufenthalt ist damit für diese Vorosterzeit zu Ende.

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Kommentare (14)

am 20. März 2016 um 14:37

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guggst du hier...

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Experte
152
83
am 20. März 2016 um 11:54

Ist das dann koreanische Küche, oder die Kochkultur von Exilchinesen? Ich weiß, dass Wiener Koreaner bei vielen Sachen (sogar Allerweltsspeisen wie kalten Nudeln ;-) ) glauben, Europäer könnten unmöglich so etwas mögen.

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92
38
am 20. März 2016 um 08:39

ein Hoch dem Hochgenuss!

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38
8
am 20. März 2016 um 07:58

noch mal in Nahaufnahme

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152
83
am 20. März 2016 um 07:56

BB, sollte es dich einmal nach Korea verschlagen...hier gibt ganze Strassenzuege und Stadtbezirke, die fuer ihre Schweinedarmlokale beruehmt sind ;)

Gefällt mir3
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152
83
am 19. März 2016 um 19:54

Wunderbar geschrieben!

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48
22
am 19. März 2016 um 19:32

Huch! "Bei DER Käsekrainer..."

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38
8
am 19. März 2016 um 18:27

Beim Käsekrainer bin ich unterdessen sogar schon so sattelfest, dass ich letzthin den eindeutig verkohlten, den er mir, dem Touri, unterjubeln wollte, ich hab's genau gesehen, wie er den aus der Spezialecke hervorholte, dezidiert reklamieren und Austausch verlangen konnte, was er mir respektvoll gewährte.

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38
8
am 19. März 2016 um 18:21

@vielesser: für überraschungen bin ich eigentlich immer gut! Hu Lu Tou ist auf der Todo-Liste, die Schafsbegründung steht im Bericht.
@neugierig: Käsekrainer sind mir unterdessen lieb, vor allem die scharfen! Und im Tornister habe ich jetzt Pasteten vom Radatz, der wo die Käsekrainer fabriziert, für das Picknick im Railjet morgen.

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Experte
38
8
am 19. März 2016 um 16:25

Schöner Bericht wie immer...
Hast du dich zu guter Letzt auch über die Käsekrainer getraut?

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Experte
70
6
am 19. März 2016 um 16:21

@BB bin etwas überrascht, dass Du kein Darmgericht gewählt hast ;) Hu Lu Tou (Schweinedarm mit Tofu, siehe langnan) wäre doch etwas für Dich, oder?

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27
18
am 19. März 2016 um 16:12

Tu es nicht! Die Entzugserscheinungen sind furchtbar! Besonders an den Orten, wo es BBM nicht gibt!

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Experte
152
83
am 19. März 2016 um 16:01

SSW, der Virus breitet sich aus - sie stehen zu oberst auf meiner Todo-List!

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Experte
38
8
am 19. März 2016 um 15:57

Ich leide an BBMS (Biang Biang Mian Sucht). Ansteckend und unheilbar!

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152
83
Tofu & Chili
Linke Wienzeile 18
1060 Wien
Speisen
Ambiente
Service
39
25
37
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