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Alto Südtiroler Trattoria - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 14. März 2016
Experte
Gastronaut
428
45
29
4Speisen
4Ambiente
4Service

Bei unserem Besuch im Alto starteten wir mit einem Teller „Südtiroler Antipasti“. Auch wenn dort - also in Südtirol - niemand dazu so sagen würde, war dieser Teller ein gelungener Einstieg mit Speck, geräuchertem Karree, Bergkäse, Graukäse und Lardo. Alles urig. Alles köstlich. Bis auf zwei Aufstriche, die wir beim besten Willen nicht verstanden haben: Erdäpfelkas und Rote Rüben-Aufstrich. Die beiden waren zwar insgesamt nicht schlecht, haben aber mit der Südtiroler Küche in etwa so viel zu tun wie Matjesfilets und Orangenmarmelade.
Serviert wurden die Antipasti mit selbstgebackenem Schüttelbrot und sogenanntem Vinschger Paarl, bei uns auch als „Vinschgerl“ bekannt. Beide Brotvarianten schmeckten eigentlich erdig und interessant, nur fehlte in beiden Fällen die richtige Menge Anis. Würde man zusätzlich zu den Körnern im Teig diesem noch eine geriebene Menge an Anis zusetzen, wären wir genau am Punkt.So hatte das Schüttelbrot mehr von getoastetem Roggenbrot…

Es folgte das Nationalgericht der nördlichsten italienischen Provinz: Schlutzkrapfen mit Parmesan und brauner Butter. Diese Cousins von Ravioli werden in der klassischen Variante mit Spinat und Topfen gefüllt, wobei es bei den Füllungen genauso viele Rezepte wie Wirtshäuser in Südtirol gibt. Die Alto-Version ohne Spinat war ungewohnt, aber insgesamt herrlich. Nur Salz hat ein wenig gefehlt…Überraschend war auch die Knödel-Variation: Der traditionelle Speckknödel war ein flaumiger Traum. Und das ist deswegen ungewöhnlich, weil dieser Semmelknödel mit Speck vor allem auch davon lebt, dass er fest und kompakt ist. In früheren Zeiten wurde diese Knödel den Arbeitern in den Bergen mitgegeben, damit sich in einer kurzen Pause ein Süppchen kochen könnten. Und zu flaumige Knödel würden sich ja in einer Suppe auflösen…Geschmacklich einwandfrei war auch der – viel kompaktere – Käseknödel. Etwas mehr Salz hätte auch hier nicht geschadet, und vielleicht sogar ein intensiverer Käse. Der Graukas von der Vorspeisen-Platte wäre ja da gewesen. Verwundert hat uns nur ein schöner Batzen Pilzsauce als Knödel-Begleiter. Die Champignons waren zwar an sich absolut in Ordnung, hatten nur unserer Meinung nach nichts mit den Knödeln zu tun. Auf Nachfrage bei Rene Steindachner meinte dieser zu den Pilzen „Das ist mein Küchenchef Meinrad Neunkirchner! Natürlich will er auch seine eigenen Ideen in die klassischen Speisen einbringen!“ Das ist zu akzeptieren, vor allem auch weil es schön zu wissen ist, dass der ehemalige Küchenchef des „Freyenstein“ wieder wohlauf und in seinem Element ist.

Die Pizza spielt im „Alto“ auch eine wichtige Rolle. Zum einen, weil sie seit dem „Francesco“ ja eines der Steckenpferde von Rene Steindachner ist, zum Anderen auch um die Bandbreite des Lokals auch für die jüngeren Gäste zu öffnen. Die Klassiker mit weißem Mehl sind allesamt vorhanden, spannend aber die Südtiroler Varianten aus Roggenteig. Von den Spezialpizzen kosteten wir von den Sorten „Alto“ mit Bergkäse, getrockneten Tomaten, Weintrauben und Schinkenspeck (sehr gut!) und „Rosengarten“ mit Graukäse, Rucola und Lardo (fantastisch!). Auffallend war aber, dass beide Roggenpizzen geschmacklich mehr in Richtung Flammkuchen als in Richtung Pizza gehen.

Stolz ist man hier auch auf die fleischigste Speise der Karte, einem Südtiroler Bio-Rind in Rotwein-Thymiansauce mit Schupfnudeln und Kohl. Ein so zartes, intensives, saftiges und vor allem auf den Punkt (medium rare) gebratenes Stück Kuh habe ich sogar in den besten Steaklokalen der Stadt schon lange nicht mehr bekommen. Hut ab! Das Kohlgemüse dazu war zwar wieder ein gefühlter Fremdkörper aus der Ideenwerkstatt von Meinrad Neunkirchner, für sich genommen aber wirklich gut. Und die Schupfnudeln hätten zum einen wieder etwas mehr Salz vertragen, zum anderen auch einen kleinen Schupfer durch eine bebutterte Pfanne. Aber das ist jetzt echt Meckern auf allerhöchstem Niveau!

Als Nachspeise wurde uns der Kaiserschmarrn mit Apfel und Karamell ans Herz gelegt. Eigentlich bin ich ja nicht der allergrößte Nachspeisen-Tiger, aber dieses Dessert hat mich wirklich umgeworfen. Eine so perfekte Harmonie aus flaumig, knackig, süß und herzhaft habe ich noch nie erleben dürfen. Ich bleibe zwar ein Nachspeisen-Verweigerer. Werde aber hier zukünftig eine Ausnahme machen.

Insgesamt ist das „Alto“ eine echte Bereicherung für die Wiener Restaurantszene. Rene Steindachner und Meinrad Neunkirchner schaffen es mit einer Mischung aus Tradition und Innovation den Geschmack Südtirols nach Wien zu holen. Ja, es gibt noch kleine Kinderkrankheiten (bitter mehr Mut beim Salzen!) und zurzeit auch noch kein Südtiroler Bier. Aber das wird noch. Und ich bin mir sicher, dass ich das „Alto“ demnächst zu meinen absoluten Wiener Lieblingslokalen zählen kann!

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Kommentare (4)

am 14. März 2016 um 19:33

Wir waren gestern dort und es hat uns auch sehr überzeugt, wir werden gerne wiederkommen!

Gefällt mir2
Experte
67
17
am 14. März 2016 um 16:08

Danke & gern geschehen!

Gefällt mir
Experte
428
45
am 14. März 2016 um 15:58
Experte
85
16
am 14. März 2016 um 15:58

Ich bin zwar mehr als satt im Moment, aber deine Bewertung hat mir richtig Guster gemacht. Danke davor, hab sie sehr gerne gelesen!

Gefällt mir1
Experte
85
16
Alto Südtiroler Trattoria
Dornbacherstraße 88
1170 Wien
Speisen
Ambiente
Service
37
40
32
3 Bewertungen
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