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Fischerwirt - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 7. März 2016
Experte
bluesky73
258
31
29
2Speisen
3Ambiente
3Service

Fast hätte ich ihn vergessen, den Genusspass 2015, der mir als Geschenk zwei nette Abende in einem von 15 ausgewählten Lokalen bescheren sollte. Die vier Gutscheine können entweder einzeln, oder auf einmal eingelöst werden – ich nehme natürlich Fr. bluesky mit und löse Gutschein Nr. 1 und 2 am letzten Samstagabend im Fischerwirt in Gratwein ein.

Wie im Begleittext des Gutscheines empfohlen reserviere ich rechtzeitig unter Angabe des Stichwortes einen Tisch. Das Gespräch verläuft ein wenig gehetzt, meine Wunsch-Uhrzeit muss ich meinem telefonischen Gegenüber fast aufzwingen, sonst wäre das Gespräch wohl ohne dieses nicht ganz unwichtige Detail beendet worden.

Am früheren Abend treffen wir in Gratwein, nördlich von Graz an unserem Ziel ein. Direkt vor dem Lokal, das gefühlt ein wenig außerhalb liegt finden sich ausreichend Parkplätze. Das Gebäude selbst scheint sehr groß zu sein, zusätzlich zum Restaurant betreibt man ein Hotel. Über zwei Stufen geht es nach oben in einen Vorraum, von dem aus über eine Treppe der Hotelbereich zu erreichen ist, wir gehen ein Stück weiter den Gang entlang, bis wir links den Eingang zum Gastraum finden. Drinnen angekommen begrüßt uns abgestandener kalter Rauch und ein Herr in Straßenkleidung.

Auf meine Reservierung hin angesprochen schickt er uns ins sogenannte „Gwölb“ ins Untergeschoß – dort sei ein Tisch für uns reserviert. Wir sind nicht ganz unglücklich, denn der erste Gastraum wäre nicht nach unserem Geschmack gewesen. In einer scharfen Kurve nach rechts geht es durch eine Glastüre über eine steile Treppe nach unten. „Legére mit Flair“ lautet das Motto – wir sind gespannt.

Unten angekommen zeigt sich ein überraschendes Bild. Nach einem kleinen, weiß gehaltenem Vorraum kommt man in einen ungewöhnlich gestalteten, mit Neon-/Schwarzlicht beleuchteten Barbereich. Hinter der geschwungenen Theke stehen zwei Herren aus dem Service, die uns begrüßen. Auch hier findet man meine Reservierung und wir werden von dem jüngeren der beiden zu unserem Tisch begleitet. Da stehen wir nun in unseren Mänteln – auf die Frage nach der Garderobe wird mir der Weg retour in den Eingangsbereich gewiesen, self service ist angesagt.
Am Tisch zurück hat Fr. bluesky bereits eine Karte mit dem speziellen Gutscheinmenü in der Hand, der junge Mann steht brav daneben und wartet auf meine Rückkehr von der Garderobe.

Der Tisch ist nett und stimmig eingedeckt, lediglich die Papierservietten wollen nicht ganz gefallen.
Die Speisenabfolge liest sich teils interessant, teils ein wenig uninspiriert – der Menüpreis, der mit unserem Gutschein abgedeckt ist wird mit Euro 25,80 angeführt.

Der junge Mann offeriert einen Aperitif, ich wünsche mir lieber die Weinkarte, die ich auch gleich danach überreicht bekomme. Vier Weiss- und drei Rotweine werden offen angeboten – Fr. bluesky sucht sich den Sauvignon Blanc von Peter Skoff (Euro 3,90) aus und ich ein Achterl Weissburgunder (Otmar Trunk; Euro 3,70). Beide Weine werden durch den älteren der beiden Kellner in kleinen Glaskännchen gebracht und die Hälfte davon eingeschenkt.
Der Gastraum macht teilweise einen unfertigen Eindruck, so als ob man versucht hatte, mit dem Einsatz von möglichst geringen Mitteln ein Konzept umzusetzen. An der Decke montierte weiße Stoffbahnen sollen ein romantisches Flair zaubern, verwirren aber eher. Zwischen den beiden Hauptgasträumen ist eine kleine Lounge mit interessant gestalteten Stühlen eingerichtet. Wirklich schön ist der separate Extraraum, der auch den Weinkeller darstellt.

Unser Zweiertisch steht unmittelbar neben einem weiteren Tisch, an dem Gäste bereits bei der Hauptspeise sind - die beiden Tische sind durch einen mannshohen weißen Paravent getrennt.

Es dauert nicht lange bis die Vorspeise serviert und dabei erklärt wird: „Ildefonso aus Räucherlachs und Büffelmozzarella, Zucchinicarpaccio, Tomatenvinaigrette“. Der Teller ist bunt gestaltet, drei kleinere und ein größeres Stück Lachs-Mozzarella Ildefonso finden sich neben ein paar Büscheln Vogerlsalat und der sehr essiglastigen „Vinaigrette“. Ein Grissini liegt quer obenauf, das Gericht ist prinzipiell ok, für meinen Geschmack aber obwohl nicht groß ein wenig zu mächtig.

Beim Abservieren wird gekonnt die Frage gestellt, ob alles zu unserer Zufriedenheit war – ganz sattelfest ist der junge Mann allerdings noch nicht in seinem Tun.
Gute zehn Minuten später schreiten wir zu Gang Nummer Zwei: „Pastinakencremesuppe, Knusperstangerl“. Die Suppe ist ein wenig (zu) dickflüssig und nur mehr lauwarm, was wohl dem etwas längeren Weg von der Küche ins Untergeschoß geschuldet ist. Geschmacklich ist sie ok, bleibt aber nicht wirklich in Erinnerung. Das Knusperstangerl ist aus Blätterteig und leider nicht mehr wirklich knusprig – es dürfte schon etwas länger auf seinen Einsatz gewartet haben.

„Zart rosa gebratene Schweinsmedaillons, Talleggiosauce, Erdäpfel-Spinatknödel“. Ein schön gestalteter Teller sieht anders aus. Der See aus Käsesauce vermengt sich mit ungewöhnlich viel ausgetretenem Fleischsaft, das Filet ist zwar aufgeschnitten, das Fleisch aber nicht schön präsentiert. Der Gargrad ist leider schon etwas weiter weg von rosa. Die Knödel sind sehr weich und sättigend, geschmacklich eher lind.

Fr. bluesky probiert das „Gebratene Zanderfilet, rote Rüben-Beet, Stampfkartoffeln und Krensauce“. Ich bin überrascht, denn Sprossen in Kombination mit Zander hab ich noch nie zuvor gesehen. Der Fisch ist ok, leider finden sich massig Gräten im Filet. Die Stampfkartoffeln als Beilage sind mit sehr viel Kümmel zubereitet, und so wie die Krensauce meiner Meinung nach zu derb für den Fisch.

Wir sind etwas ernüchtert und skeptisch, ob die Nachspeise das Ruder noch herumreißen kann.
Mit der Bezeichnung „Überraschungsdessert“ hat sich die Küche alle Optionen offen gelassen und das Befürchtete tritt ein. Wir bekommen eine 0815 Kombination aus einem kleinen Glas weißem Mousse, einem Schälchen sauer marinierten Beeren und einen Gupf Schlag auf einer Malerei aus Schokosauce. Zwei Spalten Orange und eine Hohlhippe bilden die Deko. Die Mousse ist geschmacklich ok, den Rest kann man getrost vergessen.
Wir bitten zügig nach dem Abservieren um die Rechnung, neben den eingelösten Gutscheinen bleiben knapp unter zehn Euro noch offen.

Zum Fazit: Der Fischerwirt liegt nicht ganz zentral in Gratwein nahe Graz. Das Ambiente ist im oberen Stock rustikal, gutbürgerlich, im Untergeschoß wurde der nur teilweise gelungene Versuch unternommen, eine Mischung aus Bar, Lounge und Restaurant umzusetzen. Den Service empfanden wir eher durchwachsen - bemüht, aber teilweise ein wenig zu unprofessionell, phasenweise unaufmerksam. Die von uns gegessenen Speisen haben uns nicht wirklich überzeugt. Die Kombinationen am Teller waren ungewöhnlich bis abenteuerlich – wir werden wohl eher nicht mehr beim Fischerwirt einkehren.

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Kommentare (3)

am 27. April 2016 um 13:32

Die Frage ist schnell beantwortet: trotz Gutscheines eine höhere ....

Gefällt mir1
Experte
258
31
am 27. April 2016 um 13:29

Die Frage ist, welche Erwartungshaltung habe ich bei einem Gutschein-Menu mit 4 Gängen um € 25,80........

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Experte
72
10
am 8. März 2016 um 01:47

Sehr witziges Motto, 'legére' kennt der Dictionnaire ja nicht, aber Google schlägt mir eine Wortliste aus dem Bereich Paletten und Kisten vor, allerdings dort dann wieder légère geschrieben. Ich liebe diese Wirte, die hoch zielen und dann doch nur sich in den Fuss schiessen. Gemäss Definition in Aide Technique Palettes: Aus dünnen Brettern gefertigte Paletten, die deshalb weder schwere Lasten tragen noch häufig gewendet werden dürfen. Eine filigrane Sache halt.

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Experte
38
8
Fischerwirt
Bahnhofstrasse 40
8112 Gratwein
Steiermark
Speisen
Ambiente
Service
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