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Winisan - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 25. Februar 2016
Experte
adn1966
80
48
22
4Speisen
4Ambiente
5Service
8 Fotos2 Check-Ins

Japan + Heuriger?

Hört man diese beiden Worte denkt man wohl zuerst an Busgruppen japanischer Touristen, die in Grinzing den angeblichen Succus Wiens (Schnitzel, Veltliner und Wienerlieder) vorgesetzt bekommen. Wer käme schon auf die Idee, diese Worte zu „japanischer Heuriger“ zu kombinieren, und was, bitte, dürfte man sich dann darunter vorstellen?

Nun, es gibt ihn seit kurzem, den ersten japanischen Heurigen in Wien, erdacht hat dieses nicht unschräge Konzept Wini Brugger, umtriebiger Kärntner und Asienspezialist unter Österreichs Topköchen, der nach vielen Jahren in Asien z.B. im „Indochine 21“ mit einer Fusion von asiatischer und französischer Küche für Furore gesorgt hat. Nach seiner Zeit im Indochine verbrachte er viel Zeit in Asien und entdeckte in Japan die Yakitori – Lokale für sich, einfache Lokale, die Spieße, vor allem vom Huhn (Yakitori bedeutet wörtlich „Grillhähnchen“), aber auch von Fisch und Rind in einfachem Ambiente servieren. Er beschloss, dieses Konzept nach Wien zu bringen und, voilà, das Wini San war geboren, Wiens erster japanischer Heuriger mitten im Achten, in der ehemaligen „Alten Backstube“ in der Lange Gasse 34. Es soll eine Verbindung zwischen der urigen Atmosphäre eines Heurigen mit der Yakitori Küche schaffen, Sashimi und Gemüse in Tempurateig inklusive. Interessant, wenngleich nicht leicht vorstellbar.

Gestern waren die Liebste und ich, zusammen mit 4 Freunden im Wini San, und durften dieses neue Konzept hautnah erleben. Das Fazit vorweg: ein toller Abend, ein wahrlich eigenwilliges Konzept, kulinarisch ein echter Hochgenuss.

Die Alte Backstube ist ein klassisches Biedermeierhaus, mit vielen, lang gezogenen, etwas verwinkelten Gewölben und einem tollen Innenhof, der hoffentlich im Sommer als Garten genutzt wird. Das Ambiente (viel dunkles Holz, große Tische, sehr gemütlich) suggeriert tatsächlich, dass man ein typisches Wiener Beisl oder einen Stadtheurigen betreten hat, niemals würde man vermuten, in Kürze feinste japanische Küche serviert zu bekommen.

Man betritt das Wini San durch einen Vorraum, der offenbar eher für Gäste bestimmt ist, die nur etwas trinken möchten, weiter geht’s an einer kleinen Küche und einer großen, offenen Küche vorbei, in der Wini Brugger zu Werke geht, in die heurigenartigen Speiseräume. Wir werden freundlich empfangen und eine junge Dame, die uns den ganzen Abend freundlich, charmant und kompetent betreut hat, reicht uns die Karten. Und schon ist der Kontrast zum Ambiente perfekt, man wurde in der Sekunde quasi von der Josefstadt nach Japan gebeamt. Hot Sashimi vom Barsch, Schwarzer Kabeljau mit Ssamjang Sauce und Daikon, Chili Hot Pot mit Shrimp und Koriander, Karfiol Tempura mit Yuzu-Sake-Creme und viele andere, höchst interessante japanische Gerichte lachen einem entgegen. Und natürlich der Haupt-Act des Lokals, die Yakitori Küche, die auf der Karte unter „Yakitori Bar“ firmiert. Hier wird das ganze Huhn zu Spießen aus den einzelnen Teilen verarbeitet, es gibt Spieße mit Leber, Spieße mit Herz, Spieße mit Haut, Spieße mit Oberschenkel, - you get the picture.

Wir eröffnen mit einem sensationellen 2015er Veltliner vom Gritsch aus Spitz/Donau, - weintechnisch sind wir also in einem Topheurigen, - einige von uns nehmen erst einmal ein japanisches Bier, leicht und sehr süffig. Wir entscheiden uns für zwei große Vorspeisenplatten, um die gesamte Vielfalt kosten zu können. Nach nicht allzu langer Wartezeit kommen zwei große, längliche und idente Holzplatten daher (Japan goes Brettljause), auf der sich folgende Vorspeisen befinden: Sashimi vom Lachs, herrlich zart und von tadelloser Qualität. Sashimi vom Barsch, nicht minder gut. „Wini’s Caesar Salad“, einige Salatherzen, herrlich würzig mariniert. Sicherlich einer der Besten, die ich je gegessen habe, ein Schüsselchen mit einem sehr guten Pilzsalat und zwei Schüsseln mit Sojabohnen, die man selbst auslösen muss. Karfiol im Tempura-Teig, vorzüglich. Dazu werden kleine Schüsseln hausgemachter, japanischer Mayonnaise, Soyasauce mit Wasabi, sowie eine Chili-Sauce gereicht. Das Besteck (auch Stäbchen) gibt’s in kleinen Metallköchern, die, ganz Heurigen-style, am Tisch stehen.

Die Vorspeisen waren vorzüglich, ohne wenn und aber. Das kulinarische Grundgesetz für gutes Essen wurde hier perfekt erfüllt: erstklassige Produkte treffen auf hohe Kochkunst. So simpel, und doch so oft verfehlt.

Nun zu den Hauptspeisen: Nächste Runde Veltliner vom Gritsch (immerhin sind wir ja beim Heurigen), für die Liebste die Misosuppe, der Rest einigt sich auf Spieße von Leber, Oberschenkel, Brust, Hühner-Meatballs und Gemüse. Dazu, weil sie tatsächlich so sensationell waren, noch zwei Portionen Lachs-Sashimi. Und auch zwei Portionen Tigergarnelen, die mit japanischem Whisky flambiert werden. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Auch hier ist die Wartezeit kurz, die Spieße werden in der Mitte des Tisches eingestellt und jeder von uns erhält kleine, japanische Teller, um alles verkosten zu können. Der Service punktet nach wie vor mit Charme und erklärt die einzelnen Speisen beim Servieren.

Die Misosuppe der Liebsten katapultiert sich aus dem Stand auf den ersten Platz der von uns konsumierten Misosuppen, eine echte Geschmacksexplosion, die am Gaumen statt findet. Die Spießchen sind klein, pro „Hühnerteil“ zwei Stück, zart und saftig, würzig und fein mariniert. Auch die Gemüsespießchen sind fein und geschmacklich hervorragend. Gleiches gilt für die Garnelen, für die Sashimi sowieso.

Zeit für Kaffee und Dessert: 6 x kleiner Espresso werden bestellt, dazu drei Nachspeisen: das Signature – Dessert, ein Bananen-Brot-Pudding mit japanischem Whisky, eine Mother-Fuko Cheese Cake (dieses Dessert könnte man sogar rappen), sowie einer „WiniSan Schokoladeträne“, einem Mousse au Chocolat in Tränenform. Die Desserts werden jeweils in großen, hölzernen Behältern serviert, die wie übergroße Löffel aussehen. Sehr ansprechend.

Beim Kaffee schwächelt Herr Brugger zum ersten Mal, der Espresso ist nicht wirklich heiß und für einen „Ristretto“ viel zu dünn. Bei den Desserts sticht der an eine Bananenschnitte anmutende Bananen-Brot-Pudding hervor, der Winner der Desserts. Die Cheese Cake ist interessant, ähnelt allerdings etwas mehr einem Linzer Auge und hat mit einer klassischen Cheese Cake nicht allzu viel gemein. Das Mousse ist gut, hinkt in Punkto Intensität des Geschmacks den anderen Desserts aber etwas hinterher.

Für Speis und Trank werden am Ende pro Person 75,- inklusive Trinkgeld fällig, absolut angemessen für Menge und Qualität der Speisen und Getränke, immerhin haben wir den Weinbestand vom Gritsch um 3 Flaschen reduziert. Zum Abschluss gibt’s noch einen Sake aufs Haus. Das Wini San bleibt auch bei den Zahlungsmodalitäten puristisch, schon auf der Homepage wird darauf hingewiesen, dass nur Bargeld akzeptiert wird. Das Lokal ist rauchfrei, im Innenhof gibt es allerdings die Möglichkeit, zwischen den Gängen zu rauchen.

Das Konzept ist schräg, aber genauso gewollt. (Zitat Wini Brugger, mit dem ich mich dann noch ein wenig unterhalten konnte. Ein freundlicher Mann, der Herr Brugger, keinerlei "Celebrity" - Allüren, gefällt mir.).Die Fusion zwischen uriger Heurigenatmosphäre und japanischer Küche funktioniert, obwohl ich mir das nicht vorstellen konnte. Es war ein gemütlicher Abend in urigem Ambiente, mit exzellentem Wein und wirklich fantastischer, japanischer Küche, einzig der Kaffee verhindert die Höchstnote.

Wir werden sicher wiederkommen, das steht fest.

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Kommentare (11)

am 26. Februar 2016 um 11:09

Danke adn1966!

So lasst uns gemeinsam das Brot brechen und Wein trinken!

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9
5
am 26. Februar 2016 um 09:02

@ohja: Ego te absolvo. :-)

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Experte
80
48
am 26. Februar 2016 um 08:44

@ magic: mea culpa mea maxima culpa; als ich beim Lesen zum Absatz mit den Kosten kam - bin ich alsgleich runter zu den anregenden Fotos gesprungen - d.h. ich hab' die letzten zwei Absätze nicht mehr gelesen!

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9
5
am 25. Februar 2016 um 20:57

ADN- Fanfare! Keep on!!! :-D

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3
2
am 25. Februar 2016 um 20:54

adn zu neuen kulinarisch-literarischen Höhenflügen, wohl bekomm's!
:-)

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Experte
315
75
am 25. Februar 2016 um 18:42

@ohjah: Nein, es ist ein Nichtraucherlokal. Im Innenhof gibt's aber einen windgeschützte Möglichkeit mit Aschenbechern. Man muss nicht auf der Straße stehen.

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80
48
am 25. Februar 2016 um 17:15

@ohjah: Nochmals lesen bitte!

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Experte
63
50
am 25. Februar 2016 um 16:15

Wunderbar beschrieben - Danke sehr!

Darf man dort Rauchen?

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9
5
am 25. Februar 2016 um 15:22

Interessant, auf der Speisekarte werden "besoffene" Garnelen angeboten, eine Spezialität der chinesischen Küche.

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Experte
58
16
am 25. Februar 2016 um 12:33

Wirklich eine feine Sache, ich kann den Besuch nur empfehlen. Wirkt am Anfang etwas eigen - Heurigenambiente und japanische Küche, hat aber überzeugt.

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Experte
80
48
am 25. Februar 2016 um 12:28

Da rinnt einem das Wasser im Mund zusammen!!
Wollten ihn schon besuchen, nur hatte er an dem Abend leider keinen Platz mehr für uns......

Gefällt mir2
Experte
234
28
Winisan
Lange Gasse 34
1080 Wien
Speisen
Ambiente
Service
41
40
34
3 Bewertungen
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