RestaurantTester.at
Home Mein Profil Lokal Guides Events Lokal eintragen

Gustl kocht - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 10. Jänner 2016
Experte
bubafant
283
71
29
4Speisen
4Ambiente
4Service
14 Fotos1 Check-In

In der Oktober-Stadtspionin wird 'Gustl kocht' vorgestellt. Wirtshausküche mit kräftigem Osteuropa-Einschlag.
Gustl kocht. Klingt so zärtlich wie Peter Cornelius' "der Kaffee ist fertig". Anfang Zwanzigsechzehn ist es dann so weit. Da auf der Homepage ein russisches Weihnachtsmenü für die Tage unseres Terminwunsches angeboten wird, reservieren wir sicherheitshalber. Geöffnet ist täglich von acht bis Mitternacht.

Schon beim Annähern seitens der Erdbergstraße erkennt man bereits von außen: das schaut gemütlich aus. Warmes Licht schimmert auf die Straße, keine Vorhänge und riesige Fensterscheiben. Gleich nach einem kleinen Windfang samt Filzdeckenvorhang steht man mitten vor der Theke. Dahinter der erste Blick in die große Küche. Seitlich der Theke befindet sich die KuchenTortenTheke.
Wir warten einen winzigen Moment, und dann gehört uns auch gleich der gemütliche Tisch im Winkerl mit bequemer Eckbank.

Ein paar Worte zur Einrichtung. Auf den ersten Blick mag es 'alt übernommen' wirken, bei näherer Betrachtung zeigt sich sofort: alles neu. Mit Stil und Konzept. Leicht rustikale Sitzmöbel. Auch bei der Theke samt Regal dahinter gediegenes Holz. Bei den Räumen um den Eingang herum gibt es keine Trenntüren, ein kleiner Extraraum ist mit einer Tür abgetrennt. Der gemütlichste Raum ist der beim Ausgang aus der Küche. Ein ordentlicher gemauerter Ofen, ein in die Wand eingelassenes Bücherregal. Seeeehr gemütlich. Ganz tolle die Idee mit den Leuchten über der Theke, riesige Schirme, in denen nach unten die Gläser hängen.
Der Weg zum WC ist weder beschildert, noch behindertengerecht. Einen Stock tiefer via Stufen die herrlichen Sanitärräume. Ebenso rustikal wie im Stock darüber mit netter Lichtgestaltung und den richtigen Einzelheiten, wie z.B. Haken an den richtigen Stellen. Auch der Zugang zu Vereinsräumen befindet sich hier.

Das Speisenangebot ist unterteilt in Frühstück (Pakete mit Namen Gustl, Prag und Wien, sowie a la carte), Mittagsmenü (je zwei zur Auswahl, einmal mit Fisch oder Fleisch, einmal auf Gemüsebasis, zwei- oder dreigängig), Tages- (Shopska Bruschetta, Mangalitzaschmalzbrot, Borodinskij Brot, Altwiener Krautfleckerl, Pörkölt, sibirische Pelmeni, Pierogi, sowie Rostbraten altpolnische Art oder Kümmelbraten) und Abendkarte (Paprika-Pilz Tatar, gegrillte Leber, Chachapuri, ein georgisches Fladenbrot, Hüftsteak-Salat, Fisch oder ein Schweinsbratenpaket). Bei unserem Besuch noch ein Extrablatt für das Weihnachtsmenü. Lt. Eigenwerbung alles Bio.

Wir starten mit etwas Wärmendem an diesem trüben Nebel Tag.
Kürbissuppe mit Buchweizen-Korianderschnitte (EUR 4,50)
Tja, der einzige Gang, der nicht so wirklich überzeugt. Weder optisch, noch geschmacklich. Die Präsentation wirkt etwas unbeholfen – Suppe, Brot und etwas Kernöl drüber. Auch ist das Brot bereits aufgeweicht, aber trotzdem ein solider Start.

Ukrainischer Borschtsch mit Kalbfleischpastetchen und Sauerrahm (EUR 4,80)
Ich hatte Borschtsch ‚rot in Erinnerung‘. Rot von den Rohnen. Die sucht man hier vergeblich. Es dürfte ein regionales Rezept sein, denn der Hauptanteil besteht aus Kraut. Dazu etwas Karotten und Zwiebel. Ausreichend gedünstet und butterweich mit leichtem Biss. Auch ist der Gemüseanteil geringer als gewohnt (der Löffel wäre nicht stehen geblieben), das ist nicht unangenehm. Denn es gibt ja noch die Pastete. Drei Scheiben davon mit einer extrafeinen Fleischfülle, sowohl faschiert, als auch raffiniert abgeschmeckt. Gemeinsam mit dem Rahm ein einziges Mhhhm-Vergnügen.

Bei der Hauptspeise fällt uns die Wahl nicht schwer – es soll ein Pierogi-Wareniki-Piroschki-Paket her (EUR 12,90).
Es gibt die Teigtaschen, die regional leicht variieren, natürlich auch einzeln, was hier sehr gefällt, serviert in einer Etagere (kennen wir nur vom Pogusch).

Pierogi mit Kraut-Zwetschken-Fülle und angebratenen Pilzen
Das saftgie Kraut in der Füllung ist dominant, die Frucht kommt nur dezent durch. Richtig rund wird ein Bissen auf der Gabel erst mit einem Stück von den Pilzen (hier wird löblicherweise auch der Stengel verkocht) und etwas vom Safterl. Gar nicht gallig, schwer, nein eher luftig locker. Das habe ich nicht erwartet.

Wareniki mit Leberfülle und abgeschmalzt mit Speck
Das Abschmalzen hat gute Röstaromaspuren hinterlassen, wie auch die verbliebenen Speckwürfelchen. Der Lebergeschmack ist dezent und überzeugt auch bei meiner Begleitung und Co-Tester, der kein Leber-Liebhaber ist. Die Fülle ist sehr dicht, und so kommt das etwas üppigere Sößchen gerade richtig zum Tunken.

Gebackene Piroschki mit Fleisch-Ei-Fülle und Sauerrahm und Dill
Der Teig wirkt wie gebrochen an der Oberfläche und ist wie ein Fischrücken am Teller drapiert, mitten im Dill-Rahm. Diese Fülle ist die dezenteste von der Würzung. Natürlich das faschierte Fleisch, aber das Ei kann ich nicht ausmachen.
In Summe ein sehr gelungener Querschnitt.

Ob der 'Leichtigkeit' der Hauptspeisen haben wir noch Laune auf ein Dessert, natürlich etwas zum Thema passendes, aber nur eine Portion für zwei. Und wir haben weise entschieden, denn das Dessert hat es dann wirklich in sich gehabt.
Zwetschken-Galaretka – dickes Kompott mit Schokoladenobers und Eierlikör (EUR 7,80)
Schon mit der Präsentation haben wir nicht so gerechnet. Wie ein großer Eisbecher im hohen Glas. Na bumm. Optisch geschichtet wie ein Tiramisu. Darin, vor allem am Grund des Glases, eingelegte Zwetschken-Hälften, obenauf eine Art Schokomousse und köstliche dunkle Kekse, die schon etwas vom Eierlikör angenommen haben.
Sehr dicht, sehr kalorienreich, aber das Ausprobieren musste einfach sein, Schokoladenkuchen, Palatschinken, Cremen und Eis bekommt man überall anders auch.

Fazit: Der chinesische Kuchen wird im Original mit mehr als 100 (!) Eiern gemacht, hier "nur" mit sechzig. Unvorstellbar für mich. Diese Information haben wir am Nebentisch aufgeschnappt, der Kellner ist streckenweise sehr zugänglich, für die restliche Zeit ein astreiner Professor Börne (aka Jan Josef Liefers). Immer auf der Höhe des Gastes, zeigt mit dem Zeigefinger auf einen, wenn er die Kontaktaufnahme wahrgenommen hat, aber noch etwas erledigen muss, immer einen kleinen Schmäh parat, der uns sehr gut gefallen hat.
Die Speisen-Performance ist sehr gelungen, obwohl wir vermeintlich deftige Hausmannskost gewählt haben, wurde das meiste mit leichten Saucen serviert, einzig das Dessert schlägt etwas aus dem Rahmen.
In das Ambiente habe ich mich verliebt, man ist es ja gar nicht mehr gewöhnt, dass sich jemand etwas bei einer Lokalgestaltung denkt, hier zieht sich der rote Faden eines Konzeptes von der Eingangstür bis zu den Sanitärräumen im Keller.
Der Renner sind die Etageren, die werden am laufenden Band aus serviert. Es ist auch eine gute Gelegenheit, einmal etwas fast ohne Risiko auszuprobieren. Wir kommen bestimmt wieder.
Klare Empfehlung. Hingehen, ausprobieren, wohlfühlen.

Was meinst du zu dieser Bewertung?
Hilfreich?Ja19Gefällt mir17Lesenswert13

Kommentare (3)

am 11. Jänner 2016 um 09:56

Da muß ich mich Anita anschließen, gehen des Öfteren hin, da vor allem mit Kind perfekt aufgrund des extra Spielbereiches, aber das Speisen haben wir nach 3 Versuchen vorerst bleiben lassen, da fehlte durchgängig Würze und auch an frische hat nichts überzeugt.
Aber vielleicht sollte man der Küche tatsächlich noch eine Chance geben und es war nicht reines Glück das Bubafant an diesem Tag hatte.

Gefällt mir1
6
3
am 11. Jänner 2016 um 09:44

So unterschiedlich können die Erfahrungen sein, auch wir haben die pierogi wareniki piroschki auf der Etagere bestellt! Durchwegs geschmacklos und der Teig war dick und ausgetrocknet! Vielleicht ein schlechter Tag, Lokal finde ich sehr schön!

Gefällt mir1
Experte
67
22
am 10. Jänner 2016 um 21:04

Oh ja... uns hat schon das Mittagsmenü (erst ein Besuch) sehr zugesagt - dank deinem Bericht wird's jetzt wohl irgendwo zwischen Pörkölt und Pierogi mit angebratenen Pilzen werden.
To do ;-)

Gefällt mir1
Experte
315
75
Gustl kocht
Erdbergstraße 21
1030 Wien
Speisen
Ambiente
Service
29
38
33
3 Bewertungen
Gustl kocht - Karte
Zum Lokal »
Zum Lokal »
Home|Sitemap|Neue Lokaleinträge|Neu anmelden|Lokal eintragen|Hilfe|AGB & Datenschutz

Copyright © 2008-2016 RestaurantTester.at
Cookies helfen uns, Ihnen eine bessere Erfahrung auf dieser Website zu bieten.
Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Mehr Info
OK