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Vikerl's Lokal - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 26. November 2015
Experte
adn1966
80
48
22
4Speisen
3Ambiente
2Service
4 Fotos1 Check-In

Schon lange war „Vikerls Lokal“ auf meinem Radar, viele, gute Kritiken hatte ich über dieses Lokal gelesen, auch, aber nicht nur auf ReTe, ein Juwel der klassischen und urigen Wiener Gasthausküche sei es, dennoch auf sehr hohem Niveau, und das mitten im 15.

Nun bin ich zugegebenermaßen selten in Fünfhaus, daher konnte ich dieses Restaurant noch nicht in Augenschein nehmen. Heute war’s soweit. Ein später Vormittagstermin führte die Liebste und mich in die Hütteldorfer Straße, der Hunger war groß am Ende des Termins und eine kurze Konsultation der ReTe – Suchfunktion, Lokale in der Nähe zu finden machte es klar: „Now or never“, - wann, wenn nicht jetzt? Also ab zum Vikerl.

Die Erwartungshaltung war hoch, schließlich wurde das Lokal immer wieder über den grünen Klee gelobt. Gutes Essen, bodenständige, hochwertige Wiener Küche, na bitte, ist doch so was von Meins.

Das Vikerl liegt in der Würffelgasse, einer Seitengasse der äußeren Mariahilfer, in einer, sagen wir einmal, gastronomisch nicht gerarde „prime area“. Der erste Eindruck beim Betreten des Lokals ist gut, viel dunkles Holz, dezentes Wirtshausambiente mit einer gewissen Eleganz, weiß eingedeckte Tische, viel Messing, das gut zum Ambiente passt, overall ein gepflegter und doch gemütlicher Eindruck, mit dem uns das Vikerls willkommen heißt.

Wir werden freundlich von unserem Kellner begrüßt und zu einem Tisch in einem der Nebenräume geführt. Im Schankraum sind die Tische teilweise besetzt, teilweise reserviert. Wir nehmen Platz, lassen das Ambiente erst einmal auf uns wirken und – warten. Und warten.

Längere Zeit passiert erst einmal – gar nichts.

Ich mag es zugegebenerweise nicht, wenn man gleich nach dem Betreten des Lokals nach Getränken gefragt wird, ohne vorher zumindest einen raschen Blick in die Karte werfen zu können, aber einfach nur in einem leeren Raum sitzen gelassen zu werden, ohne zumindest eine Speisekarte überreicht zu bekommen, ist auch nicht das Wahre. Also warteten wir. Und warteten. Und warteten.

Zu dieser Zeit waren etwa 4 Tische im Lokal besetzt, ein Gästeaufkommen, das unser Kellner, wiewohl allein, durchaus zu stemmen in der Lage hätte sein sollen. Nach knapp 15 Minuten stand ich einmal auf und ging Richtung Schankraum, unser Kellner sah mich und brachte uns einmal die Karten. Freundlich, aber spät. Not the perfect opening.

Nächste Überraschung: Das Speiseangebot differierte sehr stark von der auf der durchaus ansprechend gestalteten Homepage publizierten Speisekarte. Die uns gereichte Karte war relativ klein, was ja durchaus als Plus zu werten ist, lässt es doch den Schluss zu, dass hier frisch gekocht wird. Trotzdem, wenn ich schon eine Speisekarte online stelle, sollte sie aktuell sein. Ist nicht schwer und tut nicht weh.

Wurscht. Hunger.

Wir entscheiden uns für das Martinigansl mit zweierlei Kraut (ich), sowie für einen Rostbraten nach Jägerart (die Liebste). Nach Pfarrwirt (gut), Stadtwirt (unglaublich) beschließe ich, im Vikerls die Ganslsaison 2015 zu beenden. Interessant: auf der Karte finden sich auch „Gansl Fleischknödel“ - maybe next year.

Getränkemäßig belassen wir’s bei einem Reininghaus Pils (ich) und einem Mineral mit Kohlensäure (die Liebste). Unaufgeregt, ich weiß, aber es ist gerade einmal Mittag.

Nun hieß es wieder einmal – warten. Ich bin durchaus mit dem Konzept „gutes, frisch zubereitetes Essen braucht nun einmal lange“ vertraut, was mich allerdings etwas gestört hat, war, dass unser sonst durchaus netter und höflicher Kellner nicht ein einziges Mal in den knapp 30 Minuten bei uns vorbeigeschaut hat, nach Getränkewünschen gefragt hat, die Wartezeit erklärt hat, etc.

Möglicherweise, - und der Eindruck verstärkte sich im Laufe des Mittagessens -, ist es nicht nur eine Frage von „Gut Ding braucht Weile“, sondern eine Mischung von personeller Unterbesetzung und/oder nicht ganz ausgegorenen Serviceabläufen.

Mittlerweile waren wir bereits 40 Minuten im Lokal, mein Bierglas war leer, der Hunger noch größer, und unser Essen wurde serviert. Vikerls ist also obviously nicht das Lokal, in dem man schnell einmal ein Mittagessen zwischen zwei Terminen einlegen kann, ist auch in Ordnung, nur sollte man das auch gesagt bekommen. „Das Gansl dauert mindestens eine halbe Stunde“ wäre eine durchaus angebrachte Ansage.

Zu den Speisen: das Gansl kommt in Form von zwei stattlichen Stücken – Brust und Keule – daher, mit einem Erdäpfel- und einem Semmelknödel. Dazu werden, separat, drei Schüsselchen gereicht, einmal Sauerkraut, einmal Rotkraut, einmal Gansl – Sauce.

Das Gansl ist ausgezeichnet, qualitativ spielt Vikerl hier in der Top – Liga der von mir probierten Gansl – Restaurants. Tadellos knusprig, geschmacklich sehr, sehr gut, zart, aber in der Menge echt zu gut gemeint. Die Idee, zwei Knödel (beide sehr gut und hausgemacht) und zweierlei Kraut zu servieren, ist durchaus charmant. Das Sauerkraut ist für meinen Geschmack viel zu eingebrannt und hat dadurch die Säure, die ich im Sauerkraut suche, nahezu komplett eingebüßt. Das Rotkraut wiederum ist exzellent, geschmacklich hervorragend und endlich einmal nicht so überbordend süß und zimtlastig, wie es zu manchen Gansln serviert wird. Die Idee, eine Extra – Schüssel Saft zu servieren, ist wirklich gut, oft ist es doch so, dass die zum Gansl gereichte Sauce nicht reicht, dann muss man nachbestellen, - hier wurde das perfekt gelöst.

Der Liebsten Rostbraten kam in Form einer Medium gebratenen, hochwertigen Beiriedschnitte daher, in sämiger Pilzsauce, in Begleitung zweier Semmelknödel. Tadelloses Fleisch, perfekt gegart, und eine Sauce, die mit viel Speck und Steinpilzen abgeschmeckt war. Für mich ein wenig zu specklastig, doch der Liebsten hat’s sehr gut geschmeckt.

Es blieb auf Grund des nächsten Termins keine Zeit für ein Dessert, also bestellten wir die Rechnung und – eh schon wissen, - warteten. Und warteten. Laaaange. Irgendwann kam der Koch (Besitzer?) und servierte die Teller ab, und irgendwann wurd’s mir zu lange und ich ging zur Schank, um zu bezahlen. Schade.

Schade deshalb, weil das Vikerls durchaus das Potential hat, sich ob seiner guten Küchenleistung als gutes Wiener Gasthaus mit gehobener Küche in guter Qualität zu positionieren.

Ein Vergleich mit meinem „Wohnzimmer“, dem Stadtwirt im Dritten, drängt sich auf. Ähnliches Ambiente, nur größer, ähnliche Küchenausrichtung. Der Stadtwirt gewinnt dieses durchaus zulässige Duell, obwohl der Vorsprung beim Gansl äußerst knapp ausfällt.

Das Service ist’s, dort haperts, bei aller Freundlich- und Höflichkeit. Die Abläufe sind dringend verbesserungsbedürftig, die Zeit, die ausreicht, dass der Gast das Gefühl bekommt, nicht beachtet, ja geradezu vernachlässigt zu werden, ist der Stolperstein.

Die Zeit, die es dauert, bis leere Teller abserviert werden, und schließlich die Tatsache, dass man nicht nur laaaaange vor leeren Gläsern sitzt, sondern letztlich selbst zur Schank gehen muss, um die ca. 50 Euro, die für die Qualität des servierten Essens durchaus angemessen sind, zu bezahlen, ist einfach nicht akzeptabel.

Wird mich/uns das Vikerls wiedersehen? Vielleicht.

Ich bin geneigt zu sagen, eher nicht. Und das ist doch schade, bin ich doch sicher, dass die Küche viel zu bieten hätte, bloß hat sich das Gefühl, als Gast geschätzt und so bedient zu werden, dass man sich rundum wohlfühlt, leider nicht eingestellt.

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Kommentare (2)

am 1. Oktober 2016 um 17:56

Keine Ahnung, ich war nur dieses eine Mal vor 10 Monaten dort.

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Experte
80
48
am 1. Oktober 2016 um 17:35

Gibts das Lokal noch? Wenn man auf die Karte schauen will, wird man auf Facebook umgeleitet wo der letzte Eintrag vom Juni ist ?

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197
51
Vikerl's Lokal
Würffelgasse 4
1150 Wien
Speisen
Ambiente
Service
43
41
40
10 Bewertungen
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