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Wiegand am Friedrichshof - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 17. Oktober 2015
Experte
kuechenmeister
193
27
25
4Speisen
4Ambiente
5Service

Seinen Ursprung hatte der Friedrichshof als landwirtschaftliches Mustergut, gegründet vom namengebenden Erzherzog Friedrich Ende des 19. Jahrhunderts. Den älteren Semestern unter uns ist er wohl eher als Sitz der Kommune Otto Mühls geläufig. Landwirtschaft und gesellschaftspolitische Utopien sind Geschichte, heute wohnen hier auf dem rund 25 Hektar großen, parkähnlichen Gelände rund 200 Leute in Wohnungen und Einfamilienhäusern und zudem beherbergt der Friedrichshof ein einfaches, aber nettes Seminarhotel und ein Restaurant, dass von den wohlmeinenden Testern des Gault Millau immerhin mit zwei Hauben bedacht wurde.

Der Friedrichshof liegt nicht besonders romantisch mitten in einem Wald von Windrädern direkt neben der Ostautobahn. Die nächste Ausfahrt allerdings ist weit und unser Navi führt uns in wirren Irrwegen kreuz und quer nach Gols, durch Wein- und Obstgärten und wenig vertrauenserweckende, mit Fahrverbotsschildern ausgestattete Feldwege schließlich zum großen Parkplatz vor dem Haus. Aus Wien kommenden Gästen sei gesagt: Abfahrt Mönchhof, links, nur 100 Meter später nach dem Queren der Autobahn wieder links, dann 5 km geradeaus und Sie sind da. Und wenn Ihr Navi anderer Meinung ist, können Sie es getrost ignorieren.

Wir treffen zu Mittag ein. Das Lokal ist noch leer, aber es wird sich bald füllen. Recht nobel sieht es aus, definitiv einige Kategorien über dem Hotel. Stilvoll gedeckt, Schieferteller, grüne Wassergläser, dunkle Holzstühle, ledergepolsterte Bänke, wechselweise Backstein und Verputz, viel Rotwein als Dekoration.

Der Kellner ist ein älterer, aufmerksamer und freundlicher Vollprofi aus dem benachbarten Ungarn und betreut uns das ganze Essen hindurch perfekt.

Die Speisekarte macht Appetit. Zwei große Menüs werden geboten, eines in fünf Gängen für uns Carnivoren, ein weiteres in sechs Gängen rein vegetarisch. Letzteres mit so verlockenden Angeboten, dass selbst ich versucht wäre, hier kurzfristig einen Fasttag auszurufen. Hausgemachte Paradeiserravioli mit Trüffeln und Spinat beispielsweise können schon verlocken. Wir sind allerdings mittags hier und wollen uns anschließend noch bewegen können, also bestellen wir á la Carte.

Der Kellner bringt ein wenig Gebäck, dazu gesalzene Butter, eine köstliche Oliventapenade und ein kleines Rexglas mit einer hellgrünen Creme, die sich als hausgemachter Wasabi entpuppt. Mäßig scharf und ganz nett.

Wir starten mit einer großartigen Trüffelschaumsuppe mit pochiertem Ei. Einfach ein Traum, ausgesprochen großzügig getrüffelt, cremig – würzig, herrlich. Und einer tadellosen, sehr kräftigen, dunklen Rindsuppe mit Fleischstrudel.

Danach lassen wir eine Vorspeise zur Hauptspeise mutieren: Kalbstartare mit Gänseleber und Karfiol. Der Karfiol wird in kleinen, gebackenen Röschen serviert, das Kalbstartare wirkt frischer, leichter als sein gewohntes Rindfleischpendant, ist recht zwiebelig und für sich genommen sehr gut. Es will aber nicht recht mit der Gänseleber harmonieren, die einmal als mit Sherry verfeinertes Parfait, einmal kurz gebraten auf der hübschen Schieferplatte liegt. Isst man die Gänseleber, vergeht die Lust aufs Tartare und umgekehrt. Die Kombination aus für sich genommen ausgezeichneten Einzelkomponenten kann uns nicht überzeugen.

Die gebackenen Steinpilze sind exzellent. Bester Rohstoff, gekonnt zubereitet. Sie haben noch Biss und munden hervorragend. Auf die Schnittlauchsauce als Zuspeise hatte ich mich gefreut. Ich liebe diesen Wiener Saucenklassiker, diese aus entrindeten Semmeln, etwas Milch, Eidotter, Öl und natürlich Schnittlauch zubereitete mollige Köstlichkeit. Leider werde ich enttäuscht. Was man mir hier auftischt ist Sauerrahm mit Schnittlauch drin. Glatte Themenverfehlung, meiner Ansicht nach.

Zum Abschluss karamellisierte Birne mit Schokolade und Vanilleeis. Ein tadelloses Dessert.

Fazit: Trotz einiger Kritik, man isst hier sehr gut. Aber so gut, wie die Haubenklassifikation erwarten ließe, auch wieder nicht.

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Kommentare (2)

am 17. Oktober 2015 um 22:58

@dajonny Das ist leicht erklärt. Im Friedrichshof werden die gebackenen Steinpilze in einer kleinen Fritteuse serviert - ohne Öl, erfreulicherweise. Überhaupt hat man es in dem Lokal nicht so mit schnöden Tellern. Da wäre vielleicht auch der eine oder andere Schnappschuss für Link dabei ;-)

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Experte
193
27
am 17. Oktober 2015 um 21:09

wie kommt man eigentlich zu dem Foto mit der Friteuse (Steinpilze) - sagt man da einfach ich will in die Küche fotografieren?

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8
1
Wiegand am Friedrichshof
Römerstraße 2
2424 Zurndorf
Burgenland
Speisen
Ambiente
Service
40
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3 Bewertungen
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