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Zum Guten Hirten - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 27. September 2015
Experte
adn1966
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4Speisen
4Ambiente
5Service
5 Fotos1 Check-In

Sonntag – 10 km Spaziergang mit der Liebsten – Hunger! Und wie. Nach diesem ausgiebigen Verbrennen von Kalorien steht der Sinn nach Deftigem. Gute Gasthausküche muss her, und schnell. Nach kurzem Brainstorming fällt uns die Hirtin ein – „Zum guten Hirten“ in Himberg, ein nettes Lokal, das wir zuletzt vor mehr als zehn Jahren besucht hatten, und das nun nach der Übernahme durch die sehr engagierte Hirtin auch von uns ausprobiert werden will. Also ab nach Himberg.

Rein äußerlich hat sich das Lokal seit unserem letzten Besuch nicht allzu viel verändert. Ein frei stehendes Gebäude, das Wort „Gutshof“ comes to mind, mit großzügigem Parkplatz und einem sehr netten Garten. Der Garten wirkt sehr gepflegt, im Sommer lässt sich’s hier sicherlich nett sitzen, leider sind die Temperaturen heute dafür nicht geeignet. Eyecatcher ist ein riesiger Grill an einem Ende des Gartens, sicherlich eine nette Sache für den Sommer, ist hiermit vorgemerkt.

Obwohl wir zu einer Non-Zeit kommen (knapp 16:00) hatten wir sicherheitshalber reserviert, eine sehr freundliche Dame hat unsere Reservierung entgegengenommen.

Wir werden im Schankraum, der durch viel Holz besticht, von einem sehr netten Kellnerduo begrüßt und nehmen an einem schönen Ecktisch Platz. Sehr gemütlich, sauber, dezente grüne Deko an den Fenstern. Die Tische sind zweckmäßig mit Tischtuch und Menage eingedeckt, ein gemütliches Gasthaus, so far.

Unmittelbar, nachdem uns die Karten gereicht wurden, kam auch schon die Frage, ob man uns schon etwas zu Trinken bringen könne, die Frage wurde allerdings sofort mit einem „oder schauen Sie in Ruhe zuerst“ ergänzt. Die Kurve gut gekriegt, ich mag es, zuerst zumindest einen Blick in die Karte werfen zu dürfen, was an Getränken angeboten wird.

Es wird ein Soda – Himbeer für die Liebste und ein kleines Bier für mich. Freundlich und schnell serviert, während wir noch die Karte studieren. Ebenso freundlich erklärt man uns, es gäbe abseits der Karte noch Erdäpfelsuppe, Rindfleisch mit Kürbisgemüse und Krautrouladen, ein Gericht, das es in einer sehr schmackhaften Variante auch in Bulgarien gibt, womit das Interesse der Liebsten natürlich sofort geweckt ist.

Auf der Karte finden sich so ziemlich alle bekannten Klassiker der österreichischen Küche, von Frittaten- bis Leberknödelsuppe, Schnitzel, Leber, Zander und natürlich Schweinsbraten. Eine durchaus reichhaltige, übersichtliche und dennoch ansprechende Karte, preislich durchaus auf Gasthof-level.

Wir bestellen: einen kleinen, gemischten Salat vorab für die Liebste, ich möchte die Suppe mit hausgemachtem Leberknödel probieren. Danach die Krautrouladen für die Liebste, für mich, ganz klassisch und sonntäglich der Schweinsbraten mit Kraut und Knödel.

Die Vorspeisen kamen nach gefühlten 30 Sekunden, so etwas habe ich in der Geschwindigkeit ehrlich noch nicht erlebt.

Die Suppe kam in einem weißen Porzellansuppentopf daher, eine sehr brave, durchaus kräftige Rindsuppe, mit sehr, sehr guten Stückchen von Karotten und gelben Rüben und einem wirklich exzellenten, offenbar hausgemachten Leberknödel, der zu meiner Freude ein sehr flaumiger Vertreter seiner Art war. Ich mag’s nicht, wenn ein Leberknödel von sehr fester Konsistenz ist, das Ding wird dann einfach zu mächtig im Magen. Nein, dieser Knödel war sehr, sehr flaumig und fein, tadellos. Die Suppe war würzig, heiß und geschmacklich sehr gut.

Der Salat der Liebsten war, - brav. Eigentlich ein klassischer, kleiner Beilagensalat, Erdäpfelsalat, Karotten, Gurken, Kraut und etwas grüner Salat. Grundsolide zubereitet, geschmacklich gut, die Produkte frisch, man könnte hier vielleicht ein klein wenig mangelnde Kreativität bemängeln. Aber ja, es ist ein bodenständiges Gasthaus, und der Salat war – eh brav - , ein Gasthaussalat, wie ich ihn auch schon tausendmal als Beilage gegessen habe. Ein bisschen mehr Einfallsreichtum, der ein oder andere kreativ zubereitete Vorspeisensalat wäre sicherlich eine Bereicherung.

Weiter ging’s in ähnlichem Tempo. Unmittelbar, nachdem unsere Vorspeisen abserviert worden waren, kamen auch schon die Hauptspeisen.

Die Krautrouladen der Liebsten, zwei Stück, mit etwas Rahm oder Crème Fraiche garniert, in einer sämigen Sauce und mit Erdäpfeln. Geschmacklich laut Liebster sehr gut, speziell die Erdäpfel. Die Rouladen selbst waren gut, wenn gleich das Aha-Erlebnis leider ausblieb. Die Füllung war sehr kompakt und mit etwas zu viel Reis versehen. Hier müssen wir allerdings insofern fair bleiben, als dieses Gericht im Südosten Europas etwas anders zubereitet wird, und wir beide diese Zubereitungsart bevorzugen. Im Gegensatz zur österreichischen Art (auch bei gefüllten Paprika) wird z. B. in Bulgarien das Faschierte zuerst mit Kräutern, Zwiebeln und Gewürzen angeröstet, dann in die Rouladen oder Paprika gefüllt, und dann im Rohr gegart. Erdäpfel dazu sind gut, eine gebundene Sauce wäre gar nicht nötig.

Mein Schweinsbraten kam in Form von zwei Schnitten Schopfbraten daher, mit etwas Kraut und einem Semmelknödel. Knödel machen kann der Koch offenbar, der Semmelknödel stand in Flaumigkeit und Geschmack dem Leberknödel um nichts nach. Gutes Natursaft’l, das Kraut zart und gut im Geschmack, für mich etwas zu brav. Ich mag’s saurer, mit mehr Charakter. Das Fleisch dünn aufgeschnitten, sehr zart und geschmacklich sehr gut.

Zwischenzeitlich wurde von beiden Kellnern immer wieder nachgefragt, ob alles in Ordnung sei, auch der Aschenbecher wurde brav nach jeder Zigarette geleert.

Abschließend gab’s für mich noch einen Ristretto (Julius Meinl), mangels Verfügbarkeit eines Grappa in Begleitung eines Marillenschnapserls. Der Kaffee war gut, wenn auch für einen Ristretto einen touch zu lang, der Schnaps ausgezeichnet. Die Frage nach einer Nachspeise mussten wir verneinen, schließlich sollte die Wanderung vor unserem Besuch in der Kalorienbilanz zumindest ansatzweise positiv überbleiben.

Der Besuch schlug sich mit gerundeten 40,- zu Buche, ein durchaus günstiger Preis für die gebotene Leistung.

Unser Fazit: brave, grundsolide Gasthausküche in einem netten Ambiente bei einer tadellosen Serviceleistung. Das Küchentempo ist schlichtweg unglaublich und es gibt nicht einen Fehler, den man konkret bemängeln könnte. Luft nach oben gibt es, mir fehlt das „Wow“ Erlebnis, das ich vielleicht bei unserem nächsten Besuch erfahren werde.

Keine Frage, es ist ein gutbürgerliches Gasthaus, kein Haubentempel, und ich vermisse auch keine überkreativen Experimente, das mag ich gar nicht. Ein bisschen mehr Kreativität und Mut, ein bisschen mehr Charakter und Handschrift, ein bisschen den Pfad des Braven verlassen, das täte dem Lokal durchaus gut.

We’ll be back, spätestens im Frühsommer, im Garten.

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Kommentare (1)

am 28. September 2015 um 10:35

Saubere Landung, buon appetito :)

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Zum Guten Hirten
Gutenhof 12
2325 Himberg
Niederösterreich
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