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Weinhof zur Sandgrube - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 27. September 2015
Experte
bubafant
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2Speisen
2Ambiente
2Service
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Zurück in die Zukunft mit Marty McFly.
Wieder ein Lokal, wo man wirkliche tausende Male schon vorbei gefahren ist.
Das Verkehrsschild ‚Achtung Betriebsausfahrt‘ veranlasst schon lange niemanden mehr, vom Gas zu gehen.
So schade, denn optisch gibt der Weinhof so einiges her. Großes Anwesen an einem Hang entlang. Vor allem die Terrasse sieht so nett aus. Holzgerüst mit Weinranken und eine Unmenge an Blumen. Kürzlich hat man die Fassade renoviert und den Namensschriftzug neu nachgezogen, so dass man wirklich sicher war, dass sich hier ein Restaurant befindet. Zwei eher lieblos an den Rand der Landstraße geschobene Schiefersteher boten wochenlang denselben Text, meist nur ein Wort, wie z.B. Pizza, Wild oder Sturm. Der Internetauftritt bestätigt es schlussendlich, dass man hier tatsächlich Essen bekommt, vor wirbt man für/um größere Gruppen. Also gehen wir an einem Samstag auf volles Risiko und besuchen mittags die Sandgrube.

Auf dem Gelände gibt es ausreichend Stellplätze für Autos, allerdings gibt es um 13:00 Uhr nur ein weiteres Fahrzeug. Gleich nach dem Aussteigen kläfft uns ein mehr als altersschwacher Hund kurz an, im Windfang sieht es sehr nett dekoriert aus, viele Weine der familieneigenen Kellerei in Jois werden präsentiert. Gleich darauf wieder ein Flashback, ein Poster eines sportelnden Familienmitglieds, so etwas habe ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen.
Noch nicht ganz davon erholt, holen einem nach dem Öffnen der Gaststube wieder volle die 70er80erJahre ein.
Der Kellner steht in der massiven, dunklen Holztheke und kümmert sich um die Zapfanlage. Ich denke, dass er gegrüßt hat, aber willkommen haben wir uns nicht gefühlt.

Ein Blick in die Runde. Wo setzen wir uns ob der Fülle an freien Plätzen denn jetzt hin. Wo habe ich Rückendeckung, gleichzeitig gutes Licht beim Fenster, einen tollen Panoramablick ins Lokal und genug Versteckmöglichkeit für dezente Fotos. Ihr kennt das.
Es wird eine Ecke beim gekippten Fenster, denn es hundelt leider ein bissl, und ich bin Allergiker. Das erste Gesellschaftsspiel beginnt mit dem Treffen der Sitzpolsterln auf der rutschigen Rundumbank. Die kostbaren Stücke kommen in die Ecke. Gleich neben uns dürfte der Stammtisch in einer Nische beheimatet sein, mit formvollendeter Herbstallee in Form einer Fototapete. Daran schließt nahtlos einer der großen Kunstbäume an. Auf einer Buffetinsel raufen sich Kunstblumen mit Menage und Dekovögel um den besten Platz. Im nahtlosen Übergang zum Raucherbereich, der sich einfach rechts von der Theke befindet hängen Fischernetze mit maritimen Plastikklumpert an der Decke und an den Wänden.
Pfuhhh. Aber vielleicht ist das ja jetzt wieder modern. Man weiß es nicht.

Und jetzt heißt es warten, denn die drei zu zapfenden Getränke für den anderen belegten Tisch dauern sehr lange. Und falsch vermutet, auch beim Rückweg zur Theke werden wir noch ignoriert. Wir werden ‚bestraft‘, aber wofür eigentlich ?
Zwischenzeitlich bewundern wir die Menage auf unserem Tisch. Ich denke lange darüber nach, aber das hat es selbst in meiner Kinderzeit nicht gegeben. Vielleicht etwas fürs Nostalgiemuseum. Das Flascherl mit der der Knorr Würze ist mit Sicherheit noch aus der Zeit der Restauranteröffnung Mitte der Siebziger. Das Holzgestell schon ziemlich abgewetzt, aber alles penibel sauber.
Der Kulinarik-Gott hat dann Erbarmen und wir kriegen doch noch die Speisekarte. Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber dieser Kellner hat irgendwie nicht verstanden, dass man in seinem Beruf mit Mitmenschen interagieren muss und kein ‚Fräulein Rottenmaier‘ sein soll.

Die Speisekarte ist auch sehr klassisch, in Leder gebunden, die Seiten mit Lederpassepartout und alles in etwas klebriger Folie. Zumindest einen Farbdrucker dürfte es im Haus geben. Das Angebot dann doch ambitioniert, denn allein sieben (!) Suppen werden angeboten, kalte Vorspeisen, darunter auch ein Shrimps-Cocktail, für den kleinen Hunger gibt es Eierspeisen, Toast, Würstel und Gulasch. Eine Seite mit den Hauptspeisen, sehr fleischlastig mit Klassikern wie Schnitzel in vielen Variationen, Cordon Bleu, Kotelette, Steak, Braten und einige Puten-, sowie Fischgerichte. Ergänzt durch die Rubrik für die Kleinen und Beilagen. Die Preise moderat.

Das vorab gebrachte Hubertusbräu ist gut gezapft, wohl temperiert und rinnt süffig runter.
Dann warten wir wieder zur Abwechslung. Diesmal auf die Suppen.
Leberknödelsuppe (EUR 2,80)
Gedacht habe ich es mir schon, der erste Versuch bestätigt es: mikrowellentechnisch brennheiß gemacht. Die Suppe war vielleicht einmal gehaltvoll, sie ist mit Wasser gestreckt und weist auch kaum mehr Fettaugerln auf. Der Knödel ist für meine Vorliebe zu weich und an der Außenkruste zu letschert. Geschmacklich kann er leider auch nichts. Da rettet auch der Schnittlauch nichts mehr.
Kürbiscremesuppe (EUR 3,50)
Tataa – wir kommen aus den 80ern nicht raus. Die Suppe legiert mit den typischen Punkterln. Auf der anderen Seite des Tisches gibt es zwar mehr Geschmack, aber der ist nicht meiner, irgendwie alt, abgestanden. Und obenauf dieser unsägliche zerronnene Schlagoberssee. Darüber ein paar Tropfen Kürbiskernöl und zerkleinerte Kürbiskerne.
Die Suppentasse ist noch dazu abgeplatzt.

Gebackene Leber mit Salat (EUR 8,50)
Ich spiele ‚Extrateller‘ und bestelle statt den grünen Blättern einen Erdäpfelsalat und noch extra Pommes. Das ist wenigstens kein Problem und verursacht nicht einmal ein Zucken im Gesicht des Kellners.
Diese Leber belegt in meiner Rangliste den schlechtesten Platz ever, ever, ever.
Drei Stück liegen aufgefächert am Teller. Die Panier schlägt leichte Wellen. So weit, so gut. Schon beim ersten Reinschneiden steigt die Assoziation mit Schuhsohle auf. Die Schnittfläche ist dunkel, kein leicht rosa Kern. Die ganze Leber ist der Kern, war das Schwein ein Alkoholiker? An den Rändern ist sie derart verhärtet, dass sie sich kaum schneiden lässt. Also gehe ich zu Stück zwei über. Da ist der Anfang besser, aber in weiterer Folge ein Spiegelbild von vorhin. Das dritte Stück lässt sich etwa drei Bissen lang bezwingen. Dann gebe ich auf, ich bekomme auch so gewisse Bilder nicht aus dem Kopf. Also widme ich mein Mittagessen dem Erdäpfel in den zwei wunderschön geschwungenen Schalen. Die Pommes ganz frisch, Hülle knusprig und leicht angebräunt, innen ein flaumiger Kern. Der Salat genau, wie ich ihn mag, mit rotem Zwiebel und das Dressing keine schwere Majo, sondern eher ein Mix aus Jogonaise und Joghurt. Da hat jemand die 80er verlassen. In Summe aber dennoch ein Desaster.

Holsteinschnitzel mit Spiegelei, Gemüse und Pommes (EUR 12,90)
Meine Begleitung hat eindeutig die bessere Karte erwischt. Zwei ordentlich gebratene Stücke Fleisch, ohne Flachsen. Die Pommes sind dieselben wie meine, das Spiegelei gut gelungen mit weichem Kern, und es bleibt auf den Fleischstücken liegen. Die Gemüsestücke scheinen mir aus der Tiefkühltruhe genommen zu sein, leicht englisch angerichtet, aber in Ordnung. Die Schwere Kräuterbutter und der Dosenpfirsich mit den Preiselbeeren – wie heißt es so schön, wer sich an die 80er erinnern kann …

Abserviert wird bedeutend rascher, und der Kellner schafft sogar ein bissl Krisenmanagement. Er fragt nach, ob etwas nicht in Ordnung gewesen sei oder es mir nicht geschmeckt hat. Auf die Auskunft, dass die Leber hart gewesen sei, bietet er sogar an, ob man mir etwas anderes zubereiten soll. Nein, danke.
Ich hatte genug. Im wahrsten Sinn des Wortes. Und auch nicht so viel Zeit und Muße, um auf ein neues Essen zu warten, abgesehen davon, hätte mich nichts in der Karte aus der Reserve locken können.

Fazit: Sehr schade. Ich unterlasse jegliches Bashen auf jemanden, der offensichtlich schon angezählt in den Seilen hängt. Wie der Betrieb mit einer Gruppe funktionieren soll weiß der Wirt hoffentlich. Vielleicht ist das aber sein Geheimnis und seine Stärke, dass er nach Anmeldung die entsprechende Ware und Personal zur Verfügung hat.
Ansonsten sollte es jeden Kaufmann zu denken geben, wenn an einem Samstag-Mittag die zahlenden Gäste an einer Hand abzuzählen sind.

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Kommentare (1)

am 28. September 2015 um 10:52

"...mit formvollendeter Herbstallee in Form einer Fototapete....Auf einer Buffetinsel raufen sich Kunstblumen mit Menage und Dekovögel um den besten Platz..."
Hammer! :D

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Weinhof zur Sandgrube

2440 Reisenberg
Niederösterreich
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