RestaurantTester.at
Home Mein Profil Lokal Guides Events Lokal eintragen

Schloss Wilhelminenberg - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 24. September 2015
Experte
bubafant
283
71
29
4Speisen
4Ambiente
4Service
22 Fotos1 Check-In

Brunchen in Wien.
Kann doch kein Problem sein, oder?
Zu einer Challenge wird es, wenn man mehr als am Samstagmorgen am heimischen Esstisch und weniger als ein Sektfrühstück um eine dreistellige Euro-Summe haben will. Meist wird nur der Sonntag angeboten, und überdies sind viele Termine sofort belegt. Umso überraschender, dass der Versuch in der Savoyenstraße dann sofort von Erfolg gekrönt ist. Kryptischer Nachsatz des sehr netten Kellners bei der telefonischen Reservierung – wir haben auf der Terrasse leider nichts mehr frei. Egal, Terrasse haben wir selbst, es geht uns ums Essen. Damit haben wir schon einen Stein im Brett. Die Sonntagstermine (auch Feiertags) wechseln zwischen traditionell, Barbecue und Jazz. EUR 35,- inkl. Gedeck, von 11:30 bis 14:30 Uhr.

Ich denke, die Location ist bekannt, natürlich auch wegen der Ereignisse, die medial breit getreten wurden (Stichwort Kinderheim), wir selbst haben unsere Erfahrungen anlässlich der Suche nach einem netten Platz für unsere Hochzeitsgäste gemacht, als man allen Ernstes eine enorme Summe als Umsatzgarantie wollte. Aber mittlerweile wird auch hier der Ball flacher gehalten.
Die Anfahrt aufs Bergerl erfolgt über eine enge, steile Straße, Parkplatzmöglichkeiten sind ums Schloss ausreichend, man kann auch auf das Gelände fahren, dort darf man als Essens-Gast auch parken.

Das Gebäude ist schon imposant, es ruht tief in seiner Mitte und thront am Bergrücken. Das Publikum an diesem Jazzbrunch-Termin bewegt sich zwischen franserter Jean und hautengem Glitzer-Cocktailkleidchen. Nach dem großen Windfang, der schon als Riesenwintergarten durchgehen würde, öffnet sich eine Art Lobby, in der das Buffet aufgebaut ist. Unterteilt in Vorspeisen, Salate, warme Speisen in den Aluwannen, eine Dessertecke samt Mini-Eistruhe, sowie eine Station, wo vom großen Tier runter geschnitten wird.

Daran anschließend der erste größere Essraum mit der Bar. Wir werden empfangen und können, da wir wie immer bei den ersten sind (…), einen Tisch aussuchen, auch einen in dem Zwischenraum zwischen festen Gebäude und Terrasse. Dort zieht es uns hin, ein Zweiertisch an der Hauswand. Besser hätten wir es gar nicht aussuchen können, hier gefällt es uns. Ein schmaler Bereich, hoher Raum, wie eine Altbauwohnung offen nach drei Seiten, daran im Anschluss ist die Terrasse fix wie ein Partyzelt überdacht und mit dunklem Parkett ausgelegt. Der Übergang zum Haus ist mit einem Art Flokatiteppich kaschiert, was der Jean kein Problem bereitet, das Paillettchenkleidchen samt Stilettos trägt allerdings zu unserer Erheiterung bei. An diesem Tag hat jedoch jeder unfallfrei sein Essen bis zum Tisch gebracht. Die halbe Terrasse ist auf einer Seite von einer großen Gesellschaft belegt, gegenüber ist die Jazz-Beschallung aufgebaut. Durch die offenen Arkaden dringt die Musik gerade in der richtigen Lautstärke zu uns.

Wir werden vom hauptsächlich jungen Servierteam gut betreut. Man ist aufmerksam, vom Anbieten eines Aperitifs, Einstellen und Auffüllen der Karaffen mit Leitungswasser (ohne Verrechnung), Nachfragen, ob alles in Ordnung ist und ob es schmeckt, Abservieren der leeren Teller und Beratung bei der Weinauswahl. Die arrivierten Kollegen haben ein Auge auf sie und greifen manchmal mit helfender Hand und leitenden Worten ein.

Am Tisch findet man neben Tuch in warmen Farben, die nötige Erstversorgung mit Stoffserviette, Besteck und Gläsern eine Karte mit dem Speisenangebot und einem Auszug aus der Getränkekarte (Aperitif, etwas Wein, Bier, Mineralwasser, alkoholfreie und warme Getränke). Bei wirklich jeder Speise (und wenn der Gang aus mehreren Teilen besteht, dann bei jeder Einzelkomponente) ist die Buchstabengalerie der Allergene angeführt. Bei aufkommender Langeweile nicht uninteressant, ich erfahre, dass im Schinken Sellerie und im Zwiebelrostbraten und dem Surschopf Schwefeldioxid enthalten sein kann. Wer bis dahin noch kein Allergiker ist …

Traditionell bleiben wir etwas länger bei den Vorspeisen.
• Schinken-Spezialitäten mit Melone und Grissini – sowohl Schinken, als auch Melone sehr dünn aufgeschnitten, Alltime-Klassiker in bester Qualität.
• Räucherfischvariationen mit Oberskren und Dillsenfsauce – Lachs, Makrele und Forelle, teilweise ordentlich dicke Würzkrusten, handelsüblicher Senf.
• Glaciertes Gemüse – Paprika, Zucchini, Paprika, zum Teil mit Wellenschliffmesser geschnitten, zum Teil mit noch sehr viel Biss.
• Auswahl von Terrinen und Sülzchen mit Sauce Cumberland und Paprikavinaigrette, z.B. Rindfleischsulz mit sehr vielen kleinen mageren Fleischstückchen und winzig gewürfeltem Gemüse, wie Karotten und gelbe Rüben.
Jour-Gebäck
• Kräftige Rindsuppe mit Schinkenschöberl – extrem dunkle und gehaltvolle Suppe mit Kräutern, die Schöberl wirken wie gewickelt mit ausreichend Schinkenstückchen darin
• Eierschwammerlsuppe mit Croutons – die Suppe mit klein gemachten, fast pürierten Schwammerln sehr gut im Geschmack, mit viel Fantasie schmeckt man Waldboden, fast zu sehr eingedickt, die Schwarzbrot-Croutons können nicht einsinken und saugen sich auch leider nicht voll.

Und weiter geht’s in der Hauptspeisenabteilung.
• Lachsfilet in Estragonsauce – der Fisch kurz angebraten und dann in der Sauce fertig gegart – auf den Punkt, so gehört das und mögen wir, die Sauce ist eher fad geraten, sowohl farblich, als auch geschmacklich.
• Gefüllte Teigtaschen in Pilzrahmsauce – ein kleines Highlight, fein gewürzte Faschierfülle in der Tasche, keine einzige ist aufgeplatzt, hier die Eierschwammerl im Ganzen mit feinem Safterl, ein gutes Zusammenspiel, harmoniert gut.
• Polentalaibchen – hier vermute ich Convenience, ist aber nicht schlimm. Da schon eher, dass sie nicht gut abgetupft worden sind und etwas fett daherkommen.
• Ausgelöstes Backhendl in Kürbispanier – ein kleiner Happen. Das Stück Hendl, auf den Punkt gegart, zart und saftig. Die knusprige Panier mit Kürbiskernstücken mitten drin, allerdings auch außen rum.
• Petersilerdäpfel – 0815-Beilage, die aber nicht wirklich gelungen ist, mehliger Kern und speckigerer Rand, mutmaßlich die falsche Erdäpfelsorte.

Zum kleinen Braunen als Ausklang:
• Topfenknöderl in Butterbrösel mit Zwetschkenröster – der Knödel durchgehender Teig, obwohl so angekündigt, erwartet man sich unweigerlich, dass eine Frucht o.ä. im Inneren schlummert. Der Zwetschkenröster sehr gut, richtig, mollig, dick eingekochte Früchte mit fast schon weihnachtlichen Würzaromen, vermute mitverarbeitete Apfelstücke.
• Variationen Kuchen und Schnitten; Minicremeschnitte - von der saftigen Cremeschichte durchweichte Teigplatten klappen nicht auf, wenn man hineinsticht, irgendwie ist die Glasur auch nicht so picksüß, sehr gut; Sacherwürfel – besteht halt aus so viel Schokolade, liegt aber an mir, der gehört so.
• Mascarpone-Mohnmousse – angerichtet im hippen Gläschen, das Mousse fast zu kompakt geraten, der Mohn bringt kaum Geschmacksaspekte, die Mascarpone überdeckt alles. Der obenauf schwimmende Fruchtsirup entschärft die Situation nicht, da kann auch die Brombeere nichts mehr retten.

Nicht verkostet, aber dennoch vorhanden:
Antipasti in Olivenöl mit Schafkäse, Shrimpscocktail in Curryrahm mit Ananas, Salatbuffet, Gedünsteter Zwiebelrostbraten, Butterreis, Ratatouille, Surschopf mit Sauerkraut und Serviettenknödel, Schokobrunnen mit Früchten, österreichische Käsespezialitäten.

Fazit: Die Speisen-Leistung pendelte zwischen guten drei und schwachen vier. Die Vorspeisen auf sehr gutem Niveau, Hauptspeisen großteils ebenso. Schwächen bei den Beilagen und Saucen. Die Desserts relativ süß. Da es sonst in der Sommerzeit kaum möglich ist, zu brunchen, tendiere ich zur höheren Bewertung. Wir hatten ein sehr gutes und entspannendes ‚Frühstück‘ in angenehmer Umgebung. Und wie das so ist, kommt man beim Anstehen zum Buffet ins Plaudern, und ich habe zwei Tipps abgegriffen, die demnächst an die Reihe kommen werden. Etwas befremdlich allerdings war der Schemel neben der Tür, mit der Möglichkeit, den Musikern Trinkgeld in ein Körbchen zu spendieren. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist absolut in Ordnung, das Ambiente sollte man einmal gesehen haben, der Blick ‚nach und über Wien‘ ist sehenswert, sogar vom WC-Fenster aus (…).

Was meinst du zu dieser Bewertung?
Hilfreich?Ja17Gefällt mir15Lesenswert12

Kommentare (1)

am 24. September 2015 um 16:00

Übrigens gibt es eine Bushaltestelle direkt davor (Busse von S45 Ottakring aus).

Gefällt mir
Experte
92
38
Schloss Wilhelminenberg
Savoyenstraße 2
1160 Wien
Speisen
Ambiente
Service
36
41
36
4 Bewertungen
Schloss Wilhelminenberg - Karte
Zum Lokal »
Zum Lokal »
Home|Sitemap|Neue Lokaleinträge|Neu anmelden|Lokal eintragen|Hilfe|AGB & Datenschutz

Copyright © 2008-2016 RestaurantTester.at
Cookies helfen uns, Ihnen eine bessere Erfahrung auf dieser Website zu bieten.
Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Mehr Info
OK