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the Room – Sofiensäle - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 13. September 2015
Experte
bubafant
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71
29
3Speisen
3Ambiente
2Service
11 Fotos1 Check-In

Ich weiß, wo ich war, als die Türme in New York einstürzten. Gleiches gilt auch für den berühmten Steher im Pariser Tunnel, den Start der Columbia, die Bergung von Lassing usw. usw.
Und: Ich kann mich genau erinnern, als die Sofiensäle brannten. Das ist nun schon über 14 Jahre her und noch so gegenwärtig. Tagelang konnte kein ‚Brand aus‘ vermeldet werden, und jahrelang stachen die übrig gebliebenen Brandreste in den Himmel, wie ein Stachel in einer Wunde. Aufgrund des Denkmalschutzes, finanzieller Fragen und Streitigkeiten dauere es 10 Jahre, bis ein Wiederaufbau in Angriff genommen wurde. 2013 wurden Teile des sanierten Originalbestandes, ein Hotel und ein Fitnesscenter (…) eröffnet. Und ein Restaurant. Dieses gab es lange Zeit allerdings nur in Form einer Homepage.

Ein regelmäßiges daran Vorbeifahren weckte die Lust, das Restaurant denn doch endlich zu besuchen. Der Internetauftritt in seiner Schlichtheit vermittelt gediegene Exklusivität, und das Reservieren wird einem nahe gelegt.
Also reserviert und an einem lauen August-Abend zur Tat geschritten.

Während der Ferienzeit ist es kein Problem, in der Nähe einen Parkplatz zu finden. Direkt in der Marxergasse befindet sich der Gastgarten, nett mit Grünpflanzen vom Stadtverkehr getrennt. Aber irgendwie ist nicht ersichtlich, wo der offizielle Eingang ist. Also doch durch die Eingangstür, die sich das Restaurant unverkennbar mit dem Fitnessstudio teilt, denn uns kommen Adiletten en masse entgegen. Die Beschriftung im Inneren ist auch nicht wirklich toll, aber der Geräuschkulisse nach, findet man rechter Hand den Zugang zum Restaurant. Der Innenbereich mit dunklem Boden, hellen Sitzmöbeln, Wänden und Deckengestaltung mit Lichtpunkten. Die Sessel fast durchgängig als Barhocker mit Armlehnen ausgeführt, an hohen Tischen. Wir werden in den Gastgarten weiter gebeten, dort sind aktuell ganze zwei Tische besetzt. Aha, das meinte man also, wenn man nicht pünktlich kommt und sich nicht rührt, wird der Tisch vergeben. Die Frage ist wirklich berechtig: an wen? In Summe wirkt der Gastgarten sehr nüchtern, bloße Tische und Schalensessel aus Kunststoff mit Flechtsitz und Längsstäben im Rücken.

Nach dem Platz nehmen passiert einmal ca. eine Viertelstunde nichts, danach erhalten wir die Speisekarte. Bereits online etwas geschmökert, gibt es keine Überraschungen. Täglich wird von 8:00 bis 16:00 (!) Uhr Frühstück angeboten, werktags zwischen 11:30 und 14:00 Uhr ein Wahl-Business-Lunch, und dann schließlich noch die Abendkarte. Was überrascht: Norbert Bader, ehemals Taverne am Sachsengang, ist hier Küchenchef mit seinem Leitspruch in der Karte: Essen ist ein Bedürfnis, Genießen eine Kunst. Sonntags bietet man von 10:00 bis 16:00 Uhr einen Brunch an (EUR 18,- und mit EUR 2,- mehr mit Prosecco).

Und auch schon gleich beim Aufnehmen der Getränkebestellung muss ich leider diskutieren, da ich mein antialkoholisches Getränk nicht in einem Halbliter-Glas haben darf, da es angeblich keines gibt. Das anschließende Servieren neben einem Halbliter-Bierglas ist für mich reiner Hohn.

Wir freuen uns auf die Vorspeise, eine vegane Mango-Kaltschale mit mit Kokosespuma (EUR 4,90) und sind schon wieder etwas unrund und unangenehm überrascht, dass es so lange dauert. Das soll das Werk einer Restaurantleitung mit 20 Jahren Erfahrung (© homepage) sein ? Gut, es steht nicht dezidiert erwähnt, worin die Erfahrung besteht … eine gute halbe Stunde ist aber auf jeden Fall zu viel.

Dadaaa – der Kellner bremst sich zwischen uns ein – mit der Hauptspeise.
?
Ich muss schon wieder aufmüpfig sein und frage, ob wir die Kaltschale d a n a c h bekommen werden. Ungläubiger Blick aus großen Augen – davon weiß die Servierkraft aber schon überhaupt nix. Ein paar beklemmende, unangenehme Sekunden Schweigen. Dann fängt sich der Kellner mit der tiefsitzenden Schürze und hebt an, ob wir auf die Vorspeise bestehen würden. Naja, junger Mann, was würden sie denn mit der Hauptspeise machen – also: auf alle Fälle bekommen wir eine frische Variante. Das kann ich nicht verantworten, und weil es eigentlich eh egal ist, darf er uns die beiden Teller einstellen:

The Room Burger (EUR 12,50)
mit Jungzwiebel, Röstzwiebel, Thousand Island Dressing, Cheddar Cheese und Pommes
Obwohl ich kein ausgewiesener Burger-Fan bin, haben mich die Alternativen John Harris Salat, Schinkenfleckerl, Gnocchi, Tafelspitz und Wiener Schnitzel leider auch nicht gerade vom Hocker gerissen.
Serviert wird alles gemeinsam auf einem Teller, der Burger, die Pommes mit der Fettpapier-Zeitung, die ich schon länger kenne und einem kleinen Gläschen mit Schraubdeckel, darin die Sauce. Das Fleisch außen gut angebraten, innen noch leicht rosa. Auf der Unterseite der zerflossene Käse, obenauf Röllchen vom Frühlingszwiebel und auch gleichzeitig die Röstzwiebel. Im Deckel des Burgers ist ein Löchlein – womöglich, dass er bei all dem Topping schließt, denn ein kleiner Rand als Scharnier bleibt dran. Ich lasse das Oberteil übrig, irgendwie ergibt es sich nicht, dass man ihn schlüssig mitessen kann.

In Gedanken formuliere ich schon meine Bewertung samt Rating, als der Kellner, der die Bestellung aufgenommen hat, sich beim Abservieren formvollendet entschuldigt und anfragt, ob er uns als Wiedergutmachung auf einen Kaffee einladen darf. Gut, das ist ein Angebot, dass wir mit dem Wiederbringen der Speisekarte annehmen.

Zum gut gelungen kleinen Braunen entscheiden wir uns für
Cheesecake mit spicy Marillensauce (EUR 4,60)
Auch hier dauert es wieder etwas länger und meine Vermutung, dass der Kuchen warm sein wird, bestätigt sich, aufgewärmt in der Mikrowelle und dann etwas angezuckert. Am Boden leicht etwas sitzengeblieben, aber geschmacklich völlig in Ordnung. Der Marillenröster mit Minze als Dekoration und etwas aufgeschärft passt gut dazu.

Mittlerweile haben sich ein paar weitere Gäste (Stammgäste, Sportler und Touristen) in den Gastgarten gesellt, allesamt über den Einstieg über die Pflanzentröge. Trotzdem ist nicht einmal die Hälfte belegt, und im Innenraum plaudert nur die Service-Crew.

Fazit: Das Ambiente ist sehr gelungen. Der Innenbereich naturgemäß mehr als der Gastgarten neben der Straße. Die Speisekarte ist nicht zu überladen, aber mit dem gleichzeitigen Abdecken von Frühstück, Brunch, Mittags- und Abendkarte samt Getränken leicht unübersichtlich. Vorbildlich ist die Auszeichnung der Allergene.
Schade ist, dass man den historischen ‚Boden‘ nicht mehr eingebracht hat.
Das Essen war in Ordnung, nicht mehr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der zuvor jeweils exzellente Sachsengänge fabriziert hat, hier glücklich ist. Wenn ja, nehme ich es zurück.
Der Service ist unter jeder Kritik. Junge Männer, die – ach was sind wir nicht lässig und cool – sich die Bestellung nicht merken können, sehr gespreizt zwischen den Tischen herumwedeln sind nicht meine Vorstellung von: kein Gästewunsch bleibt unerfüllt (© Speisekarte).

Ich habe mir schon wieder einmal viel zu viel erwartet, oder ich bin ob der Fülle meiner Lokalbesuche schon total verdorben. Aber das war nix. Ich kann in Hinkunft beruhigt daran vorbeifahren, mit dem Wissen, der Schein alleine …
\_( ツ )_/

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Kommentare (4)

am 4. November 2015 um 12:55

Hmmm.... normalerweise schreibe ich nie Kommentare irgendwo dazu, weil das einfach nicht in meiner Natur liegt – aber bei diesem Text, kann ich nicht anders. Ich finde 1. dass sich da jemand ziemlich gut vorkommt 2. Kann ich dieser Kritik nicht zustimmen. Also ich würde nicht sagen, dass ich ein Stammgast in „the Room“ bin, aber ich bin regelmäßig dort. Ich kann nur sagen, dass das Service immer sehr freundlich und zuvorkommend ist. Wir waren erst letzte Woche wieder zu 6 dort, das Restaurant war gut besucht und wir mussten noch nie länger als in jedem anderen Restaurant warten. Zur Speisenqualität kann ich nur sagen, dass die Gerichte außerordentlich gut schmecken! Das Thunfischsteak ist nicht zu toppen, genauso wie das Lammfilet oder der Wolfsbarsch.

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am 13. September 2015 um 18:18

bubafant, wenn ich deine Speisenbewertung/beschreibung so lesen, da müsste der Ex-Sachsengang-Bader das kochen verlernt haben....

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Experte
300
58
am 13. September 2015 um 18:13

... ja laurent, ich leide mir dir ...

ob er wirklich selbst kocht?
Ich weiß es nicht. Und denke auch eher nicht.
Vielleicht wirft ein anderer Tester einen Blick in die Küche :-)

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Experte
283
71
am 13. September 2015 um 18:08

ja, ja; der Amuse-Gueule-Mittwoch jeden ersten Mittwoch im Monat am Sachsengang; das war große Norbert Bader-Show; unvergessen die 10 Sachsen-Gänge unter dem Motto Essen ist ein Bedürfnis, Genießen eine Kunst

Kocht Herr Bader wirklich selbst?

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Experte
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58
the Room – Sofiensäle
Marxergasse 17
1030 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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39
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