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Trippolts - Zum Bären - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 6. September 2015
Experte
Criticus
72
10
24
5Speisen
3Ambiente
5Service
20 Fotos1 Check-In

Haubenlokale kommen und gehen. Trippolt's "Zum Bären" bleibt. In Bad St. Leonhard im kärntnerischen Lavanttal kochen Vater Josef und Sohn Josef Trippolt schon seit zig Jahren auf konstant hohem Niveau. Josef Trippolt sen., Jahrgang 1948, mit 21 Jahren schon Fleischermeister, hat 1972 das elterliche Gasthaus übernommen. Sein Bestreben, immer besser zu werden, wurde 1989 mit der ersten Haube belohnt. Josef Trippolt jun, Jahrgang 1974, hat 3 Jahre im Arlberg Hospiz Hotel gelernt und ist dann im Betrieb seines Vaters eingestiegen. 1995 haben Vater und Sohn Trippolt gemeinsam die zweite Haube erkocht. 2001 dann die Krönung: 17 Punkte und die dritte Haube ! Und 2003 wurden Vater und Sohn Trippolt von Gault Millau auch als "Köche des Jahres" ausgezeichnet. Bewundernswert, dass die Trippolt's dieses hohe Niveau über die Jahre bis heute halten konnten. Dass sie 2014 einen Punkt und damit die dritte Haube "verloren" haben, tut der Leistung von Vater und Sohn Trippolt keinen Abbruch.

Es ist Mittwoch und wir entschließen uns eigentlich spontan, uns – nach längerer Zeit – wieder einmal ein kulinarisches Erlebnis bei "den beiden Bären" zu vergönnen. Von Graz nach Bad St. Leonhard ist's ja nicht weit. Kurze telefonische Anfrage ("kommts vorbei") und wir sind unterwegs.

In Bad St. Leonhard bekommen wir am Hauptplatz fast direkt vor dem Lokal einen Parkplatz. Das Lokal befindet sich in einem gut 500 Jahre alten Gebäude, in dem laut Homepage Trippolt sen. auch geboren wurde. Im Lokal werden wir von Silvia Trippolt-Maderbacher, der Gattin des jungen Bären, sehr herzlich begrüßt. Auch wenn es mitten unter der Woche ist, irritiert es doch etwas, dass wir – vorerst – die einzigen Gäste sind (außer ein paar Gästen im Schankraum gleich nach dem Eingang).

Das Lokal hat zwei hintereinander gelegene Gasträume, die die durch einen großen Durchgang offen miteinander verbunden sind, aber unterschiedlich eingerichtet sind. Im ersten Raum befinden sich links und rechts an den Wänden quasi halbkreisförmige Sitzkojen mit ockerbraun gepolsterten Bänken. In der Mitte des Raumes steht ein länglicher Präsentationstisch mit einigen Weinflaschen, einer Vase mit schon leicht verwelkten Blumen und einer größeren Kerze. Alle Tische sind mit weißen Tischtüchen gedeckt. Der anschließende zweite Gastraum hat keine Sitzkojen, die Tische sind lose angeordnet, offenbar um verschiedene Tischanordnungen für Gruppen oder kleine Gesellschaften herstellen zu können. Vom zweiten Raum gelangt man durch 2 große doppelflügige Glastüren mit Holzsprossen in den Gastgarten, in dem ca 5 Tische und ein gemauerter alter Griller stehen. Im ersten Gastraum haben max. 25 Gäste Platz und im zweiten Raum etwa 20. Die Möbel im zweiten Gstraum dürften aus Mahagoni sein, als Farbtupfer haben die bequem wirkenden Sessel rote Pölster. Insgesamt scheint die Einrichtung schon etwas "altbacken", sie hat aber nach wie vor Charme. Und wir sind ja nicht wegen der Einrichtung sondern wegen des Essens da.

Das 5-gängige Menu (€ 89,00), bestehend aus 1) Adria-Wolfsbarsch, als Tartar mariniert, mit Zitronen-Kohlrabi, 2) Basilikum-Parmesan-Tortellini im aufgeschäumten Salbeihonig, 3) Natur-Forellenfilet mit frischen Eierschwammerln und kleinen Kräuter-Nudeln, 4) Rückensteak vom Tauernlamm im zarten Honig-Lavendel mit Bio-Linsen und flaumigen Rauch-Riccotagnudi, 5) Erdbeer-Souflee im Zitronen-Holunderblüten-Naturjoghurt, klingt sehr verlockend, aber auch nach recht viel. Da uns heute nicht nach Lamm ist und wir auch eine Suppe möchten (zuletzt haben wir im Magnolia in Graz keine Suppe bekommen!), stellen wir uns selbst aus der Speisekarte jeweils – um den Gleichklang zu wahren - ein 3-gängiges Menu zusammen (Dessert bleibt offen).

Die Speisekarte bietet neben dem Menu 5 Vorspeisen ("Leichtes zuvor"), 5 Hauptgerichte mit Preisen von € 22,00 bis € 30,00 und 4 Desserts von € 7,00 bis € 30,00.

Ich bestelle:
Frische Eierschwammerl-Pasta mit Reggiano-Parmesan und Thymian (€ 15,00),
Paradeisersuppe mit gebackenen Salbeiblättern (€ 8,00),
Tagliata vom Jungrind, natur gebraten, mit frischen Eierschwammerln und gebackenen Brandteigkartoffeln (€ 30,00).

Critica bestellt:
Rauchforelle mild gebeizt auf cremigem Sellerie-Apfel und Holunderblüten-Kren (€ 19,00),
Kräftige Rindsuppe mit Schlickkrapferln (5,00),
Natur-Forellenfilet, zart gebraten, mit frischen Eierschwammerln und kleinen Kräuter-Nudeln (€ 22,00).

Frau Trippolt-Maderbacher verkürzt uns mit einem netten Plauscherl die Wartezeit aufs Essen. Außerdem bekommen wir als Gruß aus der Küche auf einem ovalen Holzteller verschiedene selbst gemachte Sauerteigbrote, die leicht und aromatisch im Geschmack sind. Als weiteren Gruß aus der Küche bekommen wir eine "Lavanttaler Kaiserforelle auf Polenta mit Zitronenöl". Mit Polenta läßt sich sicher vieles kombinieren, die Forelle ergab aber mit dem Polenta und dem Zitronenöl eine eigene raffinierte Geschmackskombination. Das Fleisch der "Kaiserforelle" war rötlich wie ein Lachs oder eine Lachsforelle. Frau Trippolt erklärte uns, dass die "Kaiserforelle" von der Fischzucht Marzi (9431 St. Marein) stammt und "patentiert" wurde, was ich später auf der Homepage der Fischzucht Marzi (www.marzi-forellen.at) nachgelesen habe.

Und jetzt geht's los:

Die Eierschwammerl-Pasta ist ein Gedicht. Die Nudeln al dente und die Sauce mit den Eierschwammerln perfekt im Geschmack, der durch die leichte Thymian-Note noch dezent verfeinert wird. Insgesamt ist das Pasta-Gericht einfach ein Genuss.

Die Paradeisersuppe hat einen eigenen kräftigen Geschmack, der mit dem würzig-feinen Geschmack der gebackenen Salbeiblätter hervorragend harmoniert. Ich glaube, dass ich noch nie eine so gute "Paradeisersuppe" gegessen habe.

Auch meine Hauptspeise, das Tagliata vom Jungrind, hat meine Erwartungen erfüllt. Am Teller liegen vier schöne große Medaillonstücke mit einer ausgesprochen guten Fleischqualität. Die Jungrindstücke sind sehr gut gewürzt, die Punktlandung zu der von mir gewünschten Garstufe "medium" ist aber nicht ganz gelungen. Das Fleisch ist zumindest im "inner circle" noch rare und für medium zu blutig. Die Bißkonsistenz ist daher leicht schwammig, trotzdem ist das Fleisch in Verbindung mit den prima abgeschmeckten Eierschwammerln geschmacklich sehr gut. Die gebratenen Brandteigkartoffeln schmecken zart und gut.

Critica ist mit ihrer Vorspeise, der mildgebeizten Rauchforelle, deren Filetstücke handwerklich gekonnt die cremige Sellerie-Apfel-Masse umschließen, sehr zufrieden, wenngleich ihr die Forelle etwas zu roh schmeckt. Die Kombination der geräucherten Forellenfilets mit dem Sellerie-Apfel-Geschmack ist nicht nur kreativ sondern auch geschmacklich gelungen. Mit dem Holunderblüten-Kren wird das Ganze noch zusätzlich gekonnt abgerundet.

Die Rindsuppe mit den Schlickkrapferln ist kräftig und fein gewürzt, die gefüllten Schlickkrapferln (eine Kärntner Spezialität, die wir in dieser Form bisher nicht kannten) sind eine interessante wohl schmeckende Suppeneinlage. Als Variante der Kärntner Nudeln werden die Krapferln mit Innereien und/oder faschiertem Fleisch, Zwiebeln, Kräutern u.a. gefüllt.

Critica's Hauptspeise, das "Natur-Forellenfilet, zart gebraten mit frischen Eierschwammerln und kleinen Kärntner Nudeln" ist geschmacklich ein Highlight, auch wenn mit den "kleinen Kärntner Nudeln" insoferne "geschwindelt" wurde, als das die Schlickkrapferln waren, die wir schon in der Rindsuppe hatten. Die beiden gut ausgelösten Forellenfilets sind tatsächlich zart gebraten und sehr gut zurückhaltend gewürzt.

Zum Dessert nehmen wir noch gemeinsam ein "Erdbeer-Souflee, flaumig und kühl, im Zitronen-Holunderblüten-Naturjoghurt" (€ 12,00). Die runde mit Erdbeerscheiben umgebene Souflle-Masse besteht aus mehreren Schichten: Als Boden ein Biskuitteig, dann eine Joghurtschichte, dann das eigentliche Soufle mit leichtem Erdbeermark und obenauf karamelisierter Zucker. Sehr kreativ. Geschmacklich ein Traum. Einziger Fehler: es war zu wenig.

Wir zahlen für alles zusammen inkl Trinkgeld € 150,00. In diesem Preis sind auch die von uns konsumierten Getränke (ein Glas Bärmut als Aperitiv € 4,50, ein großes Bier € 3,50 und 3 Achterl Sauvignon Blanc a € 4,50) sowie das Couvert (€ 6,00 für 2 Personen) enthalten. Für dieses Geld haben wir einen ordentlichen Gegenwert erhalten, weshalb ich das Preis-Leistungs-Verhältnis für angemessen erachte.

Mit dem Service waren wir sehr zufrieden. Wir wurden freundlich und kompetent bedient. Frau Trippolt-Maderbacher hat alle unsere Fragen gerne beantwortet. Über mein Ersuchen hat sie uns auch das von ihr redigierte Kochbuch "Die Bärenküche" gezeigt und dann auch das von ihr verfasste Buch "Genießen in Friaul", in welchem sie Restaurants, Trattorias und Osterias der Region Friaul vorstellt, die sie selbst besucht hat. Ein sehr schönes Buch, das ich sofort gekauft hätte, wenn sie uns nicht ehrlicherweise mitgeteilt hätte, dass die nächste – ergänzte – Auflage bald herauskommen würde. Die einzelnen Gänge wurden gleichzeitig serviert, die leeren Teller umgehend abgeräumt, dies immer mit der Frage, ob alles gepasst hat. Josef Trippolt sen., mit seinem weißen Vollbart eine authentisch-imposante Erscheinung, kam auch aus der Küche, um uns persönlich zu begrüßen und uns einen schönen genußvollen Abend zu wünschen. Wir wurden also sehr gut und freundlich betreut und haben uns sehr wohl gefühlt.

Fazit: Das Restaurant "Trippolt's zum Bären" ist eine kulinarische Institution. Vater und Sohn Trippolt zeigen wie eh und je, was sie kulinarisch drauf haben. Sie haben uns auch heute wieder mit ihrer kreativen Küche auf hohem Niveau überzeugt. Es muss wohl die Liebe zum Beruf sein, die es Vater und Sohn Trippolt ermöglicht, über einen derart langen Zeitraum auf hohem Niveau zu kochen und dabei auch so kreativ zu bleiben. Es ist beruhigend zu wissen, dass es deart verlässliche gute Lokale gibt. Wir werden sicher wieder kommen.

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Kommentare (2)

am 7. September 2015 um 15:08

"Es ist beruhigend zu wissen, dass es deart verlässliche gute Lokale gibt. Wir werden sicher wieder kommen."
Und für mich wird es auch wieder Zeit, ins "obare Tol" zu schauen ;-)

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Experte
315
75
am 7. September 2015 um 09:56

Was die Kaiserforelle zoologisch ist, verrät der Züchter allerdings nicht. Hybrid (so wie: Link ) wäre eine Möglichkeit.

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Experte
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38
Trippolts - Zum Bären
Hauptplatz 7
9462 Bad St. Leonhard
Kärnten
Speisen
Ambiente
Service
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