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Burgtaverne Kreuzenstein - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 24. August 2015
Experte
Alexgroops
53
7
18
4Speisen
4Ambiente
5Service

Es geschah vergangenen Sonntag, als ich ein zweites Mal in der Taverne auf Speis und Trank einkehrte. Wie schon vor meinem ersten Besuch entsandte ich auch diesmal einen Boten, der die Burgherrin über meine Ankunft in Kenntnis setzen sollte, auf dass mir der Eintritt des Mangels an Plätzen wegen nicht verwehrt werden würde.

So reiste ich denn mit drei Gefolgsleuten an, um schon beim Abstellen meiner Kutsche zu erkennen, dass am heutigen Tage reiche Adelige in diese Gegend gekommen sein mussten. Mit ihren prunkvollen Kutschen konnten sie unmöglich mit weniger als dreihundert Pferden angereist sein. Uns, die wir kein Adelsgeschlecht vorweisen können, sondern allesamt fahrende Händler und Kaufleute sind, haben unsere hundertundvierzig Pferde unter der Motorhaube jedoch auch unermüdlich zum Stellplatz geleitet.

Schon beim Taverneneingang nahm die edle Burgherrin ihre Gäste in Empfang. Wer es verabsäumt hatte, vor seiner Ankunft einen Boten zu schicken, wurde nicht abgewiesen, musste jedoch zunächst draußen seinen Platz finden. Die Burgherrin wies uns den Tisch in der rechten hinteren Ecke zu, der vorher von der fleißigen Dienstmagd vor unseren Augen gereinigt wurde.

Selbstverständlich finden sich in der Tavernenausstattung auch Utensilien aus der modernen Zeit, welche wohl der Hygiene und Sicherheitsvorschriften wegen vorhanden sein müssen. Ansonsten aber ist die Schaffung einer Kulisse aus längst vergangener Zeit sehr gut gelungen, was sich zeigt an den Tischen und Bänken, dem Tongeschirr, sowie der authentischen Gewandung der Bediensteten.

An Wochenenden muss die Burgherrin augenscheinlich noch weiteres Personal abstellen, das die Dienstmägde bei ihrer Arbeit unterstützen soll. So wurden wir bei unserem ersten Besuch von einem Herren bedient, den ich zunächst für den Hausknecht gehalten hatte. In Anbetracht dessen jedoch, dass er unentwegt zu Scherzen aufgelegt war und die Gäste immer wieder mit kurzen Anekdoten unterhielt, bot sich mir die Erkenntnis, dass es sich hier zweifellos um den Hofnarren handeln musste, der die Tavernenbesucher das eine oder andere Mal auch schelmisch zum Narren hielt, während er mit einem Gegenstand in seinen Händen versucht war, umherschwirrende Insekten zu vertreiben.

Dann gibt es dort noch einen jungen Herren, dessen Gesicht ein prächtiger Vollbart ziert. Wäre er in der modernen Welt optisch am ehesten mit den Rockern von ZZ Top vergleichbar, so ist er im Mittelalter die ideale Verkörperung des Kerkermeisters.

Am zweiten Tage unseres Besuches bediente uns eine der Mägde, die nach Reichung der altertümlichen Speisekarte und Aufnahme unserer Getränkebestellung, uns rasch das Gewünschte in Tonkrügen zum Tisch brachte. Mein Wasser mit Ribiselgeschmack schmeckte vollmundig - fruchtig, meinem Gefolge war das Wasser mit Holundergeschmack ein wenig zu seicht, aber der sprudelnde Weißwein sorgte für volle Zufriedenheit.

Danach bestellte ich bei der Magd dasselbe Gericht, wie schon bei meinem ersten Besuch: Den Linseneintopf mit Wurst im Kupferkessel. Das letzte Mal war nämlich Brot und Gebäck ausgegangen gewesen, als Ersatz bekam ich damals zwei Semmelknödel angerichtet. Das ungewöhnliche an dieser Speise war der knusprige Rand. Ich war von dieser besonderen Variation von Semmelknödeln nicht so sehr angetan, möchte aber ausdrücklich betonen, dass das lediglich meinem persönlichen Geschmacke entspricht, ohne die gute Qualität infrage zu stellen. Mit Sicherheit waren andere Gäste begeistert von den außen knusprigen Semmelknödeln, während ich persönlich eben innen und außen weiche und flaumige bevorzuge.

Der Linseneintopf selbst war vorzüglich. Ausgezeichnete Würze, eine dezente Schärfe, leicht pikante Wurststücke, und aus dem Kupferkessel genossen das Gefühl verstärkend, sich Jahrhunderte in der Vergangenheit zu befinden. Nicht umsonst entschied ich mich ein zweites Mal für dieses Gericht, zu welchem ich diesmal ofenfrisches Gebäck bekam.

Meine Gefolgschaft hatte allesamt Appetit auf Schnitzel, über die ich nicht anders urteilen kann, als dass sie die guten Altwiener Wirtshäuser nicht besser hinkriegen könnten! Auch der gut marinierte und natürlich selbstgemachte Erdäpfelsalat steht jenen Gaststätten um nichts nach. Ebenso hielt sich die Wartezeit auf das Essen trotz vollem Hause im Rahmen.

Mich überkam sodann noch die Lust auf eine Süßspeise, und so bat ich die Magd, mir einen Apfelstrudel mit Schlagobers zu bringen. Glaubet mir wenn ich sage, dass wenn ich anfange zu schlingen, ich mir etwas Besonderes einverleibe, so geschehen bei jenem Apfelstrudel, der mich in jeder Hinsicht überzeugte, nicht nur, weil keine Rosinen drinnen waren, die ich im Apfelstrudel ohnehin nicht so sehr mag.

Während des Essens beobachtete ich das rege Treiben in der Taverne. Manche Gäste waren von weit angereist, aus fernen Ländern, wie an den Fremdsprachen zu erkennen war. Die Bediensteten kümmerten sich vorbildlich um die vielen Menschen, während die Burgherrin die neu Eintreffenden unermüdlich beim Eingang willkommen hieß. Im unteren Raum saßen womöglich die Ritter der Tafelrunde, ich sah den Kerkermeister mehrmals mit ungeheuerlichen Mengen an Nahrung die Treppe nach unten eilen.

Die Preise sind für das Gebotene völlig in Ordnung. Ich überlege ernsthaft, meinen nächsten Geburtstag in der Taverne zu begehen. Bleibt zu hoffen, dass mir nach reichlichem Konsum von Bier und Met nicht die Trinkertonne übergestülpt wird, wie man es damals mit Trunkenbolden und notorischen Wirtshaushockern als Schandstrafe praktiziert hat. Andererseits galt es früher auch als männlich, sich anständig zu betrinken!

Gott segne die Taverne, die Burgherrin, den Hofnarren, den Kerkermeister, sowie alle Mägde und Knechte!

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Kommentare (5)

am 24. August 2015 um 22:52
Experte
92
38
am 24. August 2015 um 19:47

Danke Euch, edler Herr aus Stammersdorf!

Gefällt mir1
Experte
53
7
am 24. August 2015 um 19:34

Zum Glück gibt es verschiedenste Meinungen neugierig, was das Geschreibsl hier in diesem Forum betrifft..........

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Experte
234
28
am 24. August 2015 um 18:29

Ich finde es langatmig...
Jeder nach seiner Fason

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Experte
70
6
am 24. August 2015 um 16:04

Lesenswerter es kaum sein könnte Alexgroops...... :-)

Gefällt mir2
Experte
234
28
Burgtaverne Kreuzenstein
Burg Kreuzenstein 2
2100 Leobendorf
Niederösterreich
Speisen
Ambiente
Service
37
39
39
16 Bewertungen
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