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Bacco Tabacco e Venere - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 5. Juli 2015
Experte
bubafant
283
71
29
4Speisen
3Ambiente
4Service
23 Fotos1 Check-In

"In seinem atmosphärisch großartigen Weinlokal kocht Alberto Stefanelli authentische italienische Küche – und bekommt heuer die zweite Gabel dafür" (© Falstaff 2015).
Rainer Nowak schreibt im Schaufenster/Presse von einer Patina-Wein-Kaschemme, in der geraucht wird, als gäbe es kein Morgen. Und dass der kauzige Wirt Alberto auf Wunsch so lange in Serie kleine Tellerchen serviert, bis man aufgibt.
Aber das wussten wir nicht, als wir mit langer Vorlaufzeit einer Einladung zu einer geschlossenen Veranstaltung gerne Folge leisteten. Tabacco und bubafant. Geht das. Ja, denn für diesen Abend gehen die Raucher vor die Tür.

Von außen betrachtet – Kinnhoch stehen die Weinflaschen in den Auslagenfenstern – würde man hier kein Esslokal vermuten, sondern eine Vinothek. Erst auf Zehenspitzen erkennt man, dass es im Lokal auch Tische gibt. Eingetreten durch die kleine Tür am Rande steht man auch schon drinnen, mitten in einer großen Weinkiste. Rundum Regale vollgestopft mit Weinflaschen. Nur am Eingang eine winzig kleine Theke. Mittig geht ein kleiner Gang ab, hier kommt man zur Küche, zu den Sanitärräumen und einem weiteren, kleinen, kuscheligen Extrazimmer.
Zwischen den vielen Rebensäften stehen jede Menge Vinophiles, wie Holzkisten, Korken in jeder erdenklichen Art von Gläsern (ich hatte bis dato zu Hause nur große Apothekenflaschen, aber seit ich dieses riesige Weinglas gesehen habe …), Bilder von Rieden, Blechschilder und Auszeichnungen.

Die Tische sind rustikal und doch gleichzeitig edel eingedeckt. Die Tischdecke im rotweißen Karo auf den Holztischen, auf den Marmortischen ein goldfarbenes Platz-Set. Jede Menge Teller, Besteck und natürlich Gläser, sowie eine Stoffserviette. Mitten drin die Weinkühler – nona. Man sitzt an der Fensterfront auf einer Holzbank, die restlichen Sitzplätze sind schlichte Holzstühle.
Bereits ab dem Eintreffen zwängen sich die italienischen Kellner durch die Menge und bieten Aperitifs an, sowie Fingerfood von großen Platten, zum Teil mittels Zahnstocher zu nehmen.
Ebenfalls keine Vorstellung hatten wir, wie die Speisengestaltung ablaufen wird, kurz zusammengefasst, ist es fast ein 'essen bis satt sein' – eben auf Italienisch. An Weinen werden zwei vorbestellte Sorten in weiß und rot eingestellt und ständig nachgebracht. Große Körbe mit Weißbrotscheiben gibt es den ganzen Abend über.

Die Speisenfolge ist ellenlang, hier nur ein Abriss davon und ich 'borge' mir dafür Gerry's Grafik aus:
➨ Broccoli-Cremeschaum – im Glas serviert, der Broccoli wie ein Mousse, darum aufgeschlagene Broccoli-Schlagobersmasse, dazu Croutons (ich nehme an, das heißt hier panzanella ?)
➨ Aufschnitt-Teller mit Rohschinken, Schinken, Hartwürsten, Speck. Ich bin kein Wurstesser und deswegen kein Profi, es sieht alles sehr gut und frisch aus und die Platte wird in Nullkommanix geleert.
➨Bruschetta mit Tomaten und Kräutern – allesamt klein, lauwarm, mit Knoblauch und Olivenöl.
➨Bruschetta mit gehackter Leber
➨Bruschetta mit Thunfisch-Creme
➨ganz feines Tomaten-Tartar mit etwas Olivenöl und Gewürzsalz
➨Zucchini-Tarte - gemacht in einer Tarte-Form werden tortenähnliche Stücke serviert, Zucchini mit noch ausreichend Biss und wunderschön gestockter Ei Masse, an der Oberseite leicht gebräunt
➨Fenchelgratin mit Käse – vom Blech, ein kleines Quadrat ausserviert. Fenchel ist nicht immer mein Liebling und ja auch sehr geschmacksintensiv, der gut gebräunte Käse bietet Paroli
➨Melanzane alla parmigiana – die abgeschwächte Version, kein Basilikum und Mozzarella, hauptsächlich mit Tomate und Parmesan überbacken
➨Ravioli mit Kräuterfrischkäsefüllung und frittierten Salbeiblättern und Parmesan. Mein Highlight. Pasta in Perfektion.
➨Schweinsbraten mit in viel Öl und Kräutern mitgeschmorten Erdäpfeln. Bin kein Fleischtiger bei diesem Tier, aber das ist das zweite Highlight, und es wird ganz still im Raum.
➨Tiramisu - ein Quadrat vom Blech geschnitten
➨Kaffeecreme im Porzellanbecher
➨Dessertcreme, geschmacklich an Giotto erinnernd

Die Kellner erklären beim Servieren formvollendet, was gerade auf den Tisch/Teller gebracht wird, und man kann durchaus ein bissl parlare Italiano mit ihnen. Der Chef dreht regelmäßig seine Runden, hilft im Service, sieht, wo eventuell etwas fehlt und hat immer ein kleines Scherzchen auf den Lippen.
Die Speisen schmecken durch die Bank sehr gut, es ist nichts überwürzt, außer manchmal etwas mehr Knoblauch, man kommt in den Genuss, die Einzelbestandteile genießen zu können. Böse Zungen haben die Gemüselastigkeit bemängelt, aber das ist Ansichtssache und auch der Geschmack des Bestellers.

Fazit: Ich darf nochmals Rainer Nowak zitieren: Gäbe es keine Pasta und würde Obelix rauchen, hätte das Ganze etwas von einem gallischen Widerstandsnest gegen die Rauchergesetze. Hier wird allabendlich von Stammgästen dagegen demonstriert, geraucht und gevöllert. Ein skurriler bis absurder Ort mit guter Küche. Von denen gibt es immer weniger. Und die Putzereien müssen auch irgendwie leben.

Alberto ist ein Unikat. Und so ist es auch sein Lokal. Alleine die "Beschriftung" der WC-Türen. Man sucht ein kleines dezentes Schild mit einem Logo und rennt sich fast die Stirn an zwei Busen an ૅ.ે. Im gabinetto selbst lehnt eine alte Holztür an der Wand, auch hier drauf eine nicht ganz jugendfreie Malerei. Über die Getränkekisten muss man im engen Gang fast drübersteigen und kann sich gerade noch an Mänteln an der Garderobe abfangen.
Zu den Preisen kann ich nichts sagen, da es sich um eine Einladung handelte, und es gibt leider auch keinen Internetauftritt. Ich weiß auch nicht, ob man das Lokal empfehlen kann, das liegt aber nicht daran, dass es nicht gut gewesen wäre, aber so etwas muss man mögen. Jemand der bei meinen Ausführungen – Wein|Essen|Rauchen - meint, da will ich hin – bitte sehr !

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Kommentare (6)

am 7. September 2016 um 09:12

Laut Klaus Kamolz (profil) übersiedelt: Link

Gibt es das hier beschriebene Lokal nach wie vor?

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Experte
92
38
am 6. Juli 2015 um 10:48

Dank dir, Gottheit,

ich denke, die Öffnungszeiten beziehen sich auf die Vinothek.
Vor einem Besuch zwecks Essens würde ich auf alle Fälle anrufen.
😊

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Experte
283
71
am 6. Juli 2015 um 10:20

Sehr schöner Bericht.
Ich gehe dort öfter in den planquadrat-park, da ist mir dieses lokal schon oft aufgefallen, aber wie du richtig sagst, von außen würde man nie auf ein Speiselokal tippen.
Kennst du die genauen Öffnungszeiten?
Eingetragen ist mo-fr 12:00-18:00, stimmt das auch tatsächlich?

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6
3
am 5. Juli 2015 um 17:06

Danke Stammersdorfer :-)
Bräuchte einen Schreib-Sherpa (...),
versuche mich zu bessern,
nach dem Urlaub wird wieder in die Tipp-Finger gespuckt.

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Experte
283
71
am 5. Juli 2015 um 17:05

Ich bin auch schon öfters daran vorbei gegangen, aber ich wäre niemals auf die Idee gekommen, dass es in dieser Vinothek etwas zu essen geben könnte.

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Experte
63
50
am 5. Juli 2015 um 16:59

Schön wieder was schönes von dir zu lesen :-)
HGL vom 331er

Gefällt mir4
Experte
234
28
Bacco Tabacco e Venere
Margaretenstraße 36
1040 Wien
Speisen
Ambiente
Service
40
30
40
1 Bewertung
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