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Obauer - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 4. Mai 2015
Experte
kuechenmeister
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5Speisen
5Ambiente
5Service

Die Gastronomie am Land hat es nicht leicht in diesen Zeiten. In so mancher Landgemeinde, wo es vor 20, 30 Jahren noch vier, fünf Gasthäuser gab, wackelt schon der letzte Betrieb. Die Leute haben halt kein Geld mehr, heißt es, das Schnitzel um 8,50 überfordert sie. In einem 3000 Seelen Nest in den Salzburger Bergen dagegen sperren zwei Brüder täglich frohen Mutes ihr Gasthaus auf. Weil der Laden wieder voll sein wird. Wie jeden Tag. Auch wenn das große Menü die Kleinigkeit von € 120,- kostet, ungefähr. Das dreigängige die Hälfte. Und der passende Wein dazu ohne weiters noch einmal so viel, wenn man es sich wirklich gut gehen lässt. Das tun die Leute, deshalb sind sie schließlich hierher gefahren, nach Werfen, hinter die sieben Berge.

Es ist eine Herausforderung, zu beschreiben, was dieses Lokal ausmacht. Eine Aufzählung der Gerichte, der Weine, alle hervorragend natürlich, greift zu kurz. Das Kalbskarree und –filet mit Senfkohl, Shiitakepilzen und Bohnen-Mandelpüree – einfach fantastisch. Mit dem Pinot Noir von Juris ideal kombiniert. Vorher noch eine Gänsebrust – geräuchert, hauchdünn wie Prosciutto geschnitten – in Kombination mit einer großartigen Gänseleberterrine, dazu mit Safrangelee gefüllte Pilzköpfe – absolut stimmig und natürlich perfekt gemacht. Der Rotgipfler vom Biegler vervollständigt den Hochgenuss. Und am Beginn ein Tisch voller Amuse Gueules, darunter ein cremiges Kalbstartare mit – was war das noch für eine Frucht? Später dann die traumhaften Kalbsnieren – ich muss unbedingt versuchen, die selber so herzhaft und zart hinzubekommen. Die Dessertvariationen sind für sich allein die Reise in den Pongau wert. Die Weine, die der großartige Sommelier uns glasweise zu den Gängen kredenzt – ja! Hier passt einfach alles, passt mit einer Perfektion, die ihresgleichen sucht. Eine Treffsicherheit in der Kombination, nein, ich korrigiere mich, in der Kreation der Aromen, die fast schon unheimlich ist. Immer, wirklich ausnahmslos, perfekt.

Was man hier isst und trinkt, fügt sich wie mühelos ineinander. Als fertiges Gericht am Tisch erscheint alles ganz einfach. „Sprezzatura“ nannte man in der Kunst der Renaissance diese ganz besondere Form der Leichtigkeit, die den Anschein erweckt, ganz ohne Mühe Großartiges zu schaffen. Das Kunstwerk ruft umso mehr Bewunderung hervor, wenn es ganz natürlich, anmutig, ja lässig daherkommt, wenn man den Schweiß, die Mühen und die Qualen seiner Entstehung nicht ahnt.

Entwicklungsprozesse verlaufen immer vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen, heißt es in einem Zitat, das allen möglichen Leuten zugeschrieben wird, von Antoine de Saint Exupéry bis Wernher von Braun. Es könnte auch von den Obauers stammen, denn sie, so scheint es mir, haben in diesem evolutionären Rennen mit ihren Kollegen aus dem elitären Kreis der Spitzenköche einen veritablen Vorsprung herausgeholt. Con la nobile sprezzatura di cucina, um mit Giulio Caccini zu sprechen.

Deshalb kommen die Gäste jeden Abend hierher. Und jeden Morgen. Schließlich kann man hier auch übernachten, was man schon des besten Frühstücks der Alpen wegen unbedingt tun sollte. Wachsweiche Eier mit Spargel und geschmorten Kirschtomaten erwarten einen da. Saiblingsfilet und geräucherter Alpenlachs mit Basilikumcreme auf Mozzarella. Ein Hauscocktail, bei dem Sekt und Holler im Spiel sind. Schinken und Käse, natürlich vom Feinsten. Köstliche Früchte. Und feines Gebäck, Kuchen, Cremes, Müslis, Säfte …. Serviert am Tisch, hier beginnt man den Tag mit Stil. Das wissen auch die Genießer aus der Umgebung zu schätzen. Beim Obauer kehren auch Leute zum Frühstück ein, die zuhause geschlafen haben. Menschen, die es sich einfach richtig gut gehen lassen wollen, an einem Sonntagmorgen.

Fazit: Absolute Extraklasse. Nicht umsonst seit Jahren in den Gourmetführern Österreich-Spitze. Wenn man es sich leisten kann – hingehen. Wenn nicht – trotzdem hingehen. Schließlich lebt man nur einmal.

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Kommentare (1)

am 7. Mai 2015 um 07:49

Die Sache mit der Gastronomie am Land hat vielleicht noch mehr mit geändertem Freizeitverhalten zu tun. Stammtisch ist "altmodisch" und eine Vergnügung vor allem für Pensionisten (werde ich in einem Jahr ja auch sein :-) ).

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