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Gasthaus Kopp - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 17. April 2015
Experte
adn1966
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48
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4Speisen
3Ambiente
3Service
3 Fotos1 Check-In

ReTe Treffen beim Kopp, einer wahren Wirtshausbastion in Wien. Hier wird echte Wirtshaustradition hochgehalten, auf der sehr reichlich bestückten Speisekarte finden sich jede Menge Wiener Klassiker, vom Hirn mit Ei über Gulasch, Schnitzelvarianten, Braten und noch viel mehr. Im Gastraum wird man gerne einmal zu anderen Leuten dazugesetzt, das ist normales Procedere beim Kopp und durchaus förderlich für Gespräche unter den Gästen.

In den warmen Monaten gibt’s einen großen Schanigarten, einen klassischen Gasthausgarten ohne übertriebenen Schnick-Schnack. Die Lage direkt an der doch recht gut befahrenen Engerthstraße macht das Gastgartenerlebnis zu einer lauten Angelegenheit, aber geht man nach der 100%igen Auslastung, die wir gestern vorfanden, scheint dies von den Gästen angesichts der guten Küche offenbar gerne in Kauf genommen zu werden.

Die Bewertung ist nicht ganz einfach, man muss halt schon gewisse Abstriche bei Service und Speisen machen, darf aber nie vergessen, dass es sich um ein echtes Gasthaus handelt, nicht um ein feines Restaurant. Der Bewertungsstandard muss dementsprechend angepasst werden. Nun, denn:

Feine Sache, so ein ReTe Treffen, es ist schön, sich persönlich austauschen zu können, kennt man einander mittlerweile doch recht gut von den Bewertungen und Kommentaren. Es war ein angenehmer, lauer Frühlingsabend, auch der tagsüber nachgerade stürmische Wind war dem Treffen gut gesonnen und hat sich auf ein akzeptables Niveau zurückgenommen.

Der sehr nette, durchaus mit Wiener Schmäh gesegnete Kellner brachte mir zur Eröffnung ein helles Seidl und erklärte mir auf meine Frage, welchen GrüVe er mir empfehlen könne, es gäbe den Veltliner nur in der Schankwein - Variante.

Seinem Gesichtsausdruck entnahm ich, dass dies meine Erwartungen wohl nicht erfüllen würde. Aus der Bouteille gäb’s einen Welsch und einen Weissburgunder, letzterer wurde dann my weapon of choice. Ein durchaus braver Wein, keine Offenbarung, aber für ein Gasthaus durchaus in Ordnung.

Aus der tatsächlich sehr, sehr reichhaltigen Speisekarte wählte ich eine Frittatensuppe, sowie als Hauptgang den Gasthausklassiker Schweinsbraten – Knödel – Salat. Obwohl ich als Letzter zum Treffen kam und auch als Letzter bestellte, kam meine Suppe nach gefühlten 30 Sekunden auf den Tisch. Ein großer Teller, nicht die üblichen Suppentassen, reichlich Frittaten in einer Suppe, die hausgemachter nicht sein könnte. Nicht ganz geklärt, kräftig, mit etwas g’sundem „Bodensatz“, der auf reichlich Kochzeit mit echtem Fleisch, richtigen Knochen und Gemüse schließen lässt. Ein Zauberwürferl oder eine Instant-Packung hinterlässt keine derartigen Spuren.

Geschmacklich war dieses Süppchen – ich beziehe mich hier nicht auf die Einlage – so ziemlich die beste Rindsuppe, die ich in einem Lokal bis dato genießen durfte. Selbst der Rindfleischtempel, der täglich immerhin eine halbe Herde Rinder verkocht und daher tatsächlich eine unglaubliche Rindsuppe aufbietet, könnte hier noch was lernen. Auf den etwas zu dick geratenen, jedoch jedenfalls hausgemachten Frittaten fanden sich Karottenstücke, ganz weich, - nix al dente oder bissfest – aber genau so mag ich sie.

Die Suppe verdient die absolute Höchstpunktezahl, mit einem kleinen Abzug für die etwas zu dick geratenen Frittaten.

Gleich danach bekam ich (ebenfalls als Erster) den Schweinsbraten serviert. Beim Kopp werden die Speisen für einen Tisch nicht zeitgleich rausserviert, sondern je nachdem, wann was fertig ist, gebracht. Wirtshaus-Style.

Der Braten war vom Karree, eigentlich meine zweite Wahl. Ich bevorzuge den deutlich durchzogeneren Schopf oder die Schulter, weil nicht so trocken. Trotzdem war das Fleisch vergleichsweise zart, ein riesiger (hausgemachter) luftiger Knödel bildete die Beilage. Begleitet wurde der Braten von einem klassischen Wirtshaussalat, - hausgemachter, etwas süßlich abgeschmeckter Kartoffelsalat, Kraut, Tomaten, etc., sehr fein.

Beim Saftl des Bratens bin ich mir nicht ganz sicher, ob hier nicht ein wenig mit Convenience nachgeholfen wurde, geschmacklich würde ich eher meinen, es wurde mit Instant–irgendwas etwas „getuned.“ Oder aber, der Koch hat’s mit dem Einreduzieren etwas zu gut gemeint. Selbst für mich (salz-affin und Raucher, - mon dieu -) war das schon zu nah an der Grenze zum VKS (Verliebter-Koch-Syndrom). Den hohen Salzgehalt konnte man aber mit dem zum Glück recht milde gewürzten Knödel gut ausgleichen.

Von meinem Nachbarn durfte ich auch ein Stück Zwiebelrostbraten probieren, auch hier (das selbe??) Saftl, auch hier natürlich der gleiche Salzgehalt. Der Rostbraten ein zartes, gut gedünstetes, stellenweise sogar leicht sulziges Fleisch mit (nur) gerösteten, hauchdünn geschnittenen/geraspelten Zwiebeln, eine brave Leistung. Nicht der beste ZRB, den ich probieren durfte (den macht meines Erachtens der Nigl in Senftenberg), aber eine brave Leistung aus einem (und das wollen wir nicht vergessen) Gasthaus, nicht Restaurant.

Mein Gegenüber hatte das Bauernschnitzel bestellt, ein solide gebackenes Schweinsschnitzel, das sich für meinen Geschmack zu wenig von einem normalen Cordon Bleu abhob. Ja, es waren ein paar Zwiebeln in der Fülle zu finden, und leider zu viel Speck, der das Schnitzel geschmacklich etwas erschlug, man hätte hier den feineren Weg mit etwas Gemüse (z.B. Paprika), etwas milderem Speck und vielleicht Schafkäse wählen können.

Insgesamt eine sehr, sehr solide Wirtshausküche. Die Auslastung ist gut, es gibt offenbar viele Kopp – Fans. Und das ist gut so, viele dieser echten und originären Wirtshäuser müssen aufgeben und zusperren. Hier besteht noch ein Wirtshaus, das sich nicht um Modernisierung schert, hier gibt’s kein WLAN, keine Wiener Gerichte, die mit Finesse ins 21. Jahrhundert gehoben wurden. Hier setzt man auf altbewährte, bodenständige Wiener Küche, die viele Menschen meiner Generation aus ihrer Kindheit kennen.

Ich hoffe, den Kopp gibt’s noch viele Jahre, und ich kann eine eindeutige Empfehlung für dieses Lokal abgeben. Gemütlich ist's beim Kopp, der Service ist freundlich, schnell und mit der richtigen, passenden Portion Schmäh, die Preise sind günstig und das Essen ist durchaus gut, vorausgesetzt, man legt die richtige Messlatte (Gasthaus) an.

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Kommentare (1)

am 8. August 2015 um 04:41

puh - das war sicher eine Überraschung, dass in einem Gasthaus nur ein Grüner Veltliner da ist...

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8
1
Gasthaus Kopp
Engerthstraße 104
1200 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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29
36
43 Bewertungen
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