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Bittermann Vinarium - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 30. März 2015
Experte
bubafant
283
71
29
4Speisen
3Ambiente
3Service
13 Fotos1 Check-In

Die Nespresso GourmetWeeks läuten zur nächsten Runde, und wir verlassen bei der Einfahrt nach Göttlesbrunn unseren gewohnten Trampelpfad und biegen Richtung Kirche ab. Und es ist wahrlich nicht zu übersehen, vor allem im Dunkeln. Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt. Die alte Schule des Ortes gekonnt saniert, und um einen Wintergarten am Eck veredelt, werkt die Familie Bittermann hier jetzt seit mittlerweile acht Jahren und würde in Schuljahren umgerechnet jetzt quasi die Reifeprüfung ablegen. Schauen wir uns das an.
Die viele Beleuchtung ist gekonnt eingesetzt und auch notwendig, vor allem bei den Stufen der vorgelagerten Terrasse.
Im Internet werden neben Speisen a la carte noch Jungweinschnuppern, Weinakademie, Snow&Beef und die bekannte Grillschule, sowie diverse Packages inklusive Vinothek und Nächtigung angeboten.

Wir haben reserviert, die empfangende Chefin gibt sich keine Blöße und braucht auch gar nicht im Reservierungsbuch nachschauen, bringt uns zu unserem Tisch und nimmt im Gegenzug unsere Oberbekleidung ab. Ein großer runder Tisch für uns beide alleine. Was heißt das an einem Freitagabend? In weiterer Folge bevölkern weiterhin Pärchen große Tische, bis hin zu vier Personen. Gleich der erste Tisch nach der Theke ist eine hübsch gedeckte Tafel. Ein kleines Übel für den weiteren Verlauf des Abends, denn hier ist etwas später eine Gesellschaft aus Winzern und Geschäftsleuten zugange, die mich an Reiseleiter in einem All-Inclusive-Club im Süden erinnern. Man wirbt und wird umworben. Jedes Glas mehr steigert die Phon.

Zur Ehrenrettung muss man festhalten, dass der Raum an sich schon eine schlechte Akustik aufweist. Von Anfang an, auch bei vereinzelter Belegung. Schade, denn an den verwendeten Materialien ist nicht gespart worden. Optisch eine angenehme Mischung mit viel Modernem. Ein Beispiel sind die Stühle. Fast wie ein Fauteuil, leider zu niedrig für den Tisch (oder dieser zu hoch), sehr angenehm das Kissen im Rücken im PetitPointStyle, weniger angenehm, die Feuchte beim Aufstehen (Kunstleder).

Eingedeckt ist der Tisch mit feinem Tuch samt Stoffserviette, Gläsern, Besteck, Deko und der Menüfolge (vorab schon im Internet einzusehen gewesen). Die Lampe knapp über dem Tisch ist riesig, ein braunes Wagenrad mit Glassteinchen. Toll für die Ausleuchtung des Tisches, den Kellner höre ich ab nun aber nur mehr, Sichtkontakt ist schwierig.
Die Frage nach einem Aperitif kontern wir mit der Frage nach der Weinkarte und entscheiden uns für einen Rubin Carnuntum von Nadler (EUR 4,40). Eine gute Wahl, sehr beerenfruchtig und wirklich etwas schokoladenes dabei. Die Karaffe Leitungswasser wird ohne Verrechnung eingestellt und auch ohne Aufforderung nachgefüllt.

Der Reigen beginnt mit dem Gedeck (EUR 3,50)
Eine längliche Platte mit zwei Aufstrichen, Schnittlauch und Kalbfleisch. Dazu Gemüsesticks (je ein Stück pro Person von geschälter Gurke, Karotte und gelbe Rübe), sowie ein sehr flüssiges Bärlauch Pesto. Im Holzkisterl werden jede Menge Ajour Gebäck, sowie kleine Schwarzbrotscheiben eingestellt. Das Absinth-farbige Pesto ist sehr schwierig zu bändigen, vor allem möchte man ja nicht schon vor dem Essen einen grünen Fleck auf das Tuch zaubern. Wenn man tief in das Glas hineingräbt, wird die Konsistenz etwas fester, der Geschmack ist perfekt nach Bärlauch, allerdings nicht so penetrant, dass man danach nichts mehr anderes schmeckt. Der Schnittlauchaufstrich ist auch etwas dünner geraten, aber sehr erfrischend. Extrem gut ist das Kalbfleisch, eine gute Idee und einmal etwas anderes.

Wir sind noch mit dem Gedeck zugange, bringt man uns auch schon den Gruß aus der Küche. Ein kleines Fleischtäschchen auf Couscous. Die Füllung erinnert an fein Faschiertes, die Unterlage ist – wie so oft – etwas bröselig, hat aber ordentliche Schärfe getankt. Sollten obenauf wirklich rote Safranfäden gewesen sein, hat man damit nicht gegeizt. Der Winzling verschwindet im Mund, wir kauen und genießen. Der Sinn und Zweck eines solchen Grußes.
Danach wenden wir uns wieder dem Gedeck zu. Wenn schon einmal so gut, dann muss man das ausnutzen.

Knusprige Mocca-Garnele | Mango-Tartar | Rucola
Für eine Vorspeise ist die Portion ordentlich groß geraten. Oder man hat unser Witzeln im Vorfeld betreffend e i n e r Garnele gehört … Egal, es sind drei große Tiere in knuspriger Panier. Manchmal verirrt sich ein ‚Flankerl‘ beim Kauen. Im Endeffekt dürfte der Kaffee hier in der Panade verarbeitet worden sein. Geschmeckt hat man es nicht wirklich. Die Garnelen sorgfältig geputzt und auf den Punkt gegart.
Der Salat in der Mitte ist etwas für die Sauerfraktion. Für mich Süßmarinademöger etwas zu sauer. Die Blattsalate noch frisch in der Konsistenz und ordentlich geputzt. Auch hier wieder die Fädchen drübergestreut.
Extrem gut ist dann allerdings das Mango-Tartar, wenn man es unter dem Berg von Salat gefunden hat. Von der Farbe des Fruchtfleisches ist sie nicht so überreif gewesen, oder das Marinieren hat Farbe gezogen. Eine arme Seele in der Küche hat die Frucht auf Würferln mit Kantenlänge fünf Millimeter geschnippelt. Ob der Perfektion aber vielleicht auch eine Küchenmaschine?
In der Nachbetrachtung der beste Gang für mich.

Kalbsfilet | Mocca-Schalotten | gebackenes Grießknödel | Giotto-Rübe
Gleich vorweg, das Kalb ist perfekt. Zwei dickere Scheiben, innen rosa auf den Punkt, der Rand gewürzt und etwas fester, aber noch nicht knusprig, die Konsistenz von innen nach außen sich farblich und auch im Biss verändernd. Das Safterl dazu schaut, entschuldigung, fast armselig aus. Dünnflüssig, die Kräuter wie nach einer Flutwelle an den Rand gespült und schlichtweg zu wenig. Auf einem Teller sind die fast zu weich gedünsteten Schalotten wirklich dunkel, ganz leicht nach Kaffee duftend, die Rübe ist relativ hell in der Farbe, die Konsistenz richtig getroffen, wo das Giotto versteckt ist, erschließt sich uns nicht. Das Grießknöderl weist eine schön kompakte, dabei gleichzeitig weiche Kruste auf, schmeckt aber nur fad.
Was immer sich der Komponist überlegt hat, auf dem Teller harmonieren die einzelnen Bestandteile nicht. Nur gutes Fleisch hilft da nur bedingt.

Geeister Mocca | Kaffee-Kuchen |Papaya
Für mich persönlich bewahrheitet sich wieder meine ganz eigene Theorie: Ist die Vorspeise gut, kann ich das Dessert auslassen. Ganz so schlimm ist es zum Glück nicht, aber auch keine Offenbarung. Aus einem Blechkuchen mit Kaffeearoma und feuchter Textur ist ein kleines rundes Stück ausgestochen und mit einem Gupf Schlagobers drapiert. Der geeiste Mocca enttäuscht mich sehr, da ich Kaffeeeis sehr gern habe. Hier ist etwas mit dem Einfrieren und Antauen nicht richtig gelaufen, innen fast noch tiefgefroren und außen leicht angetaut. Kristalle durchziehen die ganze Portion und den typischen Geschmack vermisse ich auch. Das Obst ist gut mariniert, fast einen Tick zu süß, die Papaya fremdelt im Mund, erinnert im Geschmack an eine Mischung aus Mango und Ananas.

Der Grand Cru Ihrer Wahl (Nespresso Weeks …) wird vorab erfragt und auch der Servierzeitpunkt, was funktioniert, allerdings gedankenlos in der Tasse auf- und übergeschwappt. Zuckerbedarf wird beim Servieren nachgefragt, und es dauert ein Zeitl bis die Zuckervariationen, nett in einem Holzkisterl drapiert, eingestellt werden.

Fazit: Enttäuscht ist nicht das richtige Wort, wir haben uns einfach – mitunter auch ob der vorangegangenen Lobeshymnen – mehr erwartet (Jammern auf hohem Niveau). An der Küchenleistung gibt es nichts zu bekriteln, es fehlte uns einfach etwas an Raffinesse. Die Gerichte haben toll klingende Namen, lassen einem aber eher ratlos zurück. Die Ideen oder Vorstellungen des Kochs, dass die verwendeten Ingredienzien gut miteinander harmonieren, können wir nicht nachvollziehen. Die früher angesprochenen zwei Hauben sind derzeit auch nur eine – festzumachen am Preis für das Menü mit EUR 27,00.
Das Ambiente ist toll, sowohl von außen betrachtet, als auch die verwendeten Materialien und Ideen, Wohlfühlgefühl ist allerdings keines aufgekommen, und wir haben, wie auch die meisten anderen Gäste nach dem Essen relativ rasch das Weite gesucht.
Das Personal. Nun ja. Liebenswürdig und freundlich ? Nein. Eher unterkühlt, etwas von oben herab und streckenweise unaufmerksam.
An uns ist die Chance der Gourmetwoche vorbeigegangen, oder vielmehr, wir haben etwas zu einem erträglichen Preis ausprobiert, für das wir nicht gerne viel mehr bezahlt hätten. Im Geiste haben wir einen Haken gesetzt, werden aber natürlich weiterhin Göttlesbrunn besuchen, dann allerdings die Konkurrenz, wo wir uns um vieles besser aufgehoben fühlen.

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Kommentare (2)

am 30. März 2015 um 14:01

Bertl2,
ich tippe auf N e s p r e s s o - Weeks.
Es war ja in jedem Gang Kaffee.

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Experte
283
71
am 30. März 2015 um 13:51

Welche Tradition hat es eigentlich, Kaffee in salzigen Speisen zu verarbeiten? Mir ist diese Kombination völlig neu.

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Bittermann Vinarium
Abt-Bruno-Heinrich-Platz 1
2464 GÖTTLESBRUNN
Niederösterreich
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