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Restaurant Herrlich - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 2. März 2015
Experte
bubafant
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4Speisen
4Ambiente
5Service
19 Fotos1 Check-In

Die Wiener Restaurantwochen läuten die nächste Frühjahrsrunde ein. Wenn man schon einige Restaurants besucht hat – die üblichen Verdächtigen tauchen natürlich immer wieder auf – hat man schon zu tun, Neues zu entdecken. Diesmal musste man ganz schon laaaaaaang nach unten scrollen, als plötzlich das Restaurant Herrlich auftauchte. Ein im wahrsten Sinne unbeschriebenes Blatt, denn es gab keinen Eintrag auf ReTe. Also auf, um ins kalte Wasser zu springen, die Reservierungsplattform, das nur nebenbei erwähnt, ist spitze, auch das Erinnerungsservice einen Tag vor dem Termin.

Das Lokal ist eingebettet im Hotel Steigenberger Herrenhof (in der Herrengasse, damit es nicht zu wenig h e r r ist …), Falstaff vergibt eine Gabel in der Kategorie Luxus/High End, findet aber keine guten Worte betreffend des Service. Wenn man das Hotel über die Lobby betritt sieht man erst einmal gerade aus einen Lokalbereich, dieser ist allerdings das Kaffeehaus des Hotels, zum Restaurant muss man etwas im verwinkelten Innenbereich weitersuchen, danach eröffnet sich das schick gestaltete Lokal. Vorweg, die wirklich außergewöhnlichen Sanitäranlagen befinden sich im Kellerbereich (sind jene des Hotels), über einige Stufen erreichbar, ich denke aber, dass in einem Hotel dieser Preisklasse sich sehr wohl ein Lift befindet.

Vorab in der Online-Speisekarte geschmökert, lässt es uns ein kleines Stoßgebet nach oben schicken. Die Vorspeisen, wie z.B. gratinierter Ziegenkäse oder Vitello Tonnato beginnen bei EUR 14,-, Suppen um wohlfeile EUR 9,-, vegetarische Speisen (Orecchiette Pasta oder warm gefüllte Palatschinken) muten mit EUR 16,- bereits etwas größenwahnsinnig an, Fischgerichte (ganze gebratene Seezunge, gebackener Zander) gibt es um knapp EUR 30,-, das Wiener Schnitzel vom Kalb mit Erdäpfel-Vogerlsalat schlägt sich mit EUR 25,- zu Buche, Desserts rund EUR 10,-.
Das dreigängige Dinner ist in diesem Fall mit EUR 29,50 limitiert und dementsprechend gespannt sind wir, was man uns bieten wird.

Gleich bei der Bar des Restaurants wird man von der Kellnerin empfangen, die Jacken entgegengenommen und der reservierte Tisch gezeigt. Eingedeckt mit großen Platztellern mit breitem schwarzen Rand, darauf die gerollte Stoffserviette, sowie der Menüvorschlag. Nach der Nachfrage betreffend Aperitif wird man mit der Wahl zwischen den beiden Hauptspeisen alleine gelassen. Obwohl der Tisch nicht ausnehmend groß ist, reicht es für zwei Personen sehr gut, und es haben neben Wein- und Wassergläsern noch eine Vase, Kerzenleuchter, sowie Gewürzmühlen Platz. Das Ambiente des Wintergartenähnlichen Raumes ist gediegen, die Farben weiß/grau/purpur herrschen vor, fast etwas kühl, aber die Tischwäsche und der Teppich reduzieren das Gefühl. An den Wänden große Bilder und Spiegel, in den Wandnischen fantasievolle Deko mit Ästen und Glitzerzeugs. Ergänzt mit Kristalllüstern und Fadenvorhängen vor den großen Glasflächen.

Es beginnt mit dem Gruß aus der Küche,
einer mit Spinat gefüllte Cocktailtomate mit würzigem Käse überbacken.
Serviert auf einem gebogenen Vorspeisenlöffel ist es wirklich nur ein warmes Häppchen, allerdings sehr würzig und harmonisch.
Gleichzeit mit dem Abservieren kommt das Gedeck. Ein Körbchen mit noch ofenwarmen Gebäckstücken und auf einer Schiefertafel das obligate Olivenöl, raumtemperierte Butter, sowie Rosmarinsalz. Sehr ordentlich, aber nichts Außergewöhnliches.

Schaumsuppe vom Purple Curry mit Garnele, Zitronengras und Dörrmarille
Hier ist er wieder, der von mir geschätzte tiefe Biolek-Teller. Beim Servieren sitzt eine einsame Garnele in der Mitte des Tellers, die Schaumsuppe wird erst bei Tisch aus einem Kännchen darüber gegossen. Die Farbe ist ja mal nicht so ansprechend. Unter purple habe ich mir mehr lila erwartet und kein beige. Aber hallo, das Curry hat’s in sich, sofort mit dem ersten Löffel (und nicht erst beim Abgang) eine gleichbleibende ordentliche Schärfe. Die Garnele mit dem Löffel vom Zitronengrasspieß zu bekommen bedarf der Zuhilfenahme der Finger. Das unerwartete Highlight ist allerdings die Marille in gedörrter Form. Sie ist nicht zu trocken, und kleine Stückchen von dem süßen Obst mit der scharfen Flüssigkeit – einsame Spitze.

Gebratene Lachsforelle & Jakobsmuschel mit Safrangurken, Ajvar und CousCous
Serviert sieht es aus wie ein Thali-Gericht beim Inder – zumindest von den Farben her, sämtliche Indian-Summer-Töne und ein Stück vom Fisch. Die Haut 1a perfekt knusprig gebrachten, der Fisch gerade nicht mehr glasig, einfach perfekt. Bei der Jakobsmuschel ist ein Hoppala passiert, von ihr ist nur mehr eine Art Brei da, sollte das nicht so gewollt sein, das nächste Mal besser weglassen, allerdings geschmacklich nichts auszusetzen. Die Safrangurken haben etwas Biss (mehr als die Jakobsmuschel …) sind für mich aber irgendwie nicht die richtige Beilage zur Lachsforelle. Das Ajvar schmeckt frisch-fruchtig und könnte die Gurken durchaus ersetzen. Auch der CousCous ist gewöhnungsbedürftig. Zwar schmeckbar in Butter geschwenkt, ist die Konsistenz in Summe zu trocken. Einerseits schade, und auch das wäre für mich nicht die erste Wahl für eine Beilage zu Fisch.

Steirisches Wurzelfleisch ‚Herrlich vom Kalb‘ mit Erdfrüchten, Kren und Salzerdäpfel
Auch hier wird die Hauptspeise ‚trocken‘ serviert und erst am Tisch kommt aus einer Art Teekanne das Sößchen darüber. Die drei Stücke Fleisch sind jeweils ein anderes, sowohl von der Konsistenz (fest, aber nicht trocken), als auch von der Würzung. Erdfrüchte sind Gemüsesorten aus der Erde, wie z.B. Karotten, Salzerdäpfel sprechen für sich. Für den Fleischfan unter uns die richtige Entscheidung.

Geeiste Wiener Melange mit Ananas und Vanille
Bitte – wer auch immer die als Basis fungierende Ananas so hauchdünn geschnitten hat – darf das bei mir zu Hause auch machen. Darauf befindet sich ein Gupf vom Kaffeeeis/-mousse. Was optisch wie Camembert-Scheiben aussieht, dürfte die Zutat Vanille darstellen, eine Art Zuckerguss, fast geschmacklos. Aus einer Tiramisu-ähnlichen Masse sind kleine Stücke ausgestochen worden und am Tisch wird der Milchschaum aus einem Kännchen drüber drapiert.
Als Gesamterlebnis neue Geschmackseindrücke, sehr kreativ und gelungen.
Zum kleinen Braunen werden in einem Schälchen gezuckerte Erdnüsse (als Zuckerersatz ?) serviert, ein reines Suchtmittel …

Fazit: Das Angebot der Wiener Restaurantwoche war ein voller Erfolg, es hat uns wirklich gut gefallen. Die junge Dame im Service war schlichtweg perfekt, die richtigen Worte, Gesten, Fragen zur richtigen Zeit, immer ein Auge beim Gast (Nachfüllung der Karaffe Leitungswasser, ohne Berechnung), dabei überhaupt nicht aufgesetzt oder aufdringlich. Chapeau.
Die Küche auf hohem Niveau mit kleinen Ausrutschern (Jakobsmuschel), dabei sehr kreativ, vor allem beim Dessert. Das Ambiente muss man mögen, in einem Hotel dieser Preisklasse aber durchaus üblich. Mir persönlich war die Lounge-Musik etwas zu laut. Anfangs in Ordnung, aber wenn mehr Gäste den Raum bevölkern, muss die Laustärke reduziert werden.
Bei Normalpreisen (0,3 l Gösser EUR 4,50, 1/8 Nittnaus Zweigelt EUR 6,50, kleiner Brauner EUR 3,50, Gedeck EUR 3,50) werden wir uns dort nicht wiederfinden, bei einem Angebot allerdings alle Mal.

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Kommentare (7)

am 4. März 2015 um 07:56

Danke, cmling
🐱

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Experte
283
71
am 3. März 2015 um 23:55

Die Stimmen für HGL zeigen, wie Du uns gefehlt hast!

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48
22
am 2. März 2015 um 11:44

Das ist also ein Lokal für FloV ;-)

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92
38
am 2. März 2015 um 09:39

Danke, Alphawoelfin
♥♥♥

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283
71
am 2. März 2015 um 09:21

Habe Dich und Deine Bewertungen schon vermisst!

Gefällt mir2
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88
16
am 2. März 2015 um 08:25

Danke schön,

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Experte
283
71
am 2. März 2015 um 08:22

Schön wieder von dir zu lesen, HGL

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Restaurant Herrlich
Herrengasse 10
1010 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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1 Bewertung
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