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O.S.B. - Oriental Sandwich Bar - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 14. Februar 2015
FloV
10
40
9
3Speisen
2Ambiente
4Service
4 Fotos1 Check-In

Die aus rund 5 Lokalen bestehende "Fressmeile" Billrothstrasse zwischen Hardtgasse und Gymnasiumstrasse gilt seit jeher als gastronomisch sehr lebensfeindliches Habitat, in dem sich eigentlich nur das Schnitzelhaus und der SiSi Pizzaboy seit Ewigkeiten hält, der Rest der Lokale strahlt gemeinhin eine gewisse gastronomische Verzweiflung aus und wechselt mehr oder weniger saisonal die kulinarischen Gehversuche. Die morbide Gravitation dieses Grätzels (oder wie man diese willkürlich durcheinanderpurzelnden Lokale auch immer bezeichnen möchte) wechselwirkt noch mit der anderen Strassenseite, wo das Restaurant (derzeit Rancho Alegre) ebenso konkursbedingten Metamorphosen unterworfen ist.

Man darf nicht vergessen dass dieses "Grätzel" Teil eines riesigen gastronomischen, sich von der untern Döblinger Hauptstrasse bis in die mittlere Gymnasiumstrasse ziehenden schwarzen Loches ist.

Allen physikalischen und wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten zum Trotz, versucht sich nun, mit frischem Elan, ein neuer Glücksritter mit schwarzem Hut, hier Essen, diesmal orientalisch, zu verkaufen.

Aufgrund unserer Erfahrung wussten wir also, wollten wir dieses Lokal bewerten, dürfen wir keine Zeit verlieren. Oder ist unser Sorge diesbezüglich unbegründet !? Das wollten wir herausfinden.

Schon am Portal, gläsern, weißer Marmor, goldener "Adler" (keine Ahnung was das sein soll), darunter in goldenen Lettern "O.S.B Oriental Sandwich Bar" (...nein es handelt sich nicht um ein Benediktinerkloster!) stylisch gesetzt, überkommt mich der Verdacht, dass sich jemand bei dem Lokalkonzept wirklich Gedanken über dessen Umsetzung gemacht hat. Na da bin ich ja gespannt, vor allem da mein Mitesser es als "zu protzig" empfunden hat. "...so stell ich mir das vor wenn die Russenmafia ein Clublokal aufsperrt, genau so würde das ausschauen..." meint er, und wir betreten das Lokal.

Da hat sich ja wirklich wer Gedanken gemacht ! Orientalische Kacheln an der Wand, Bilder von orientalischem Essen, ein in orientalischem Grün gehaltener Gaszähler, die Leitungen, nachträglich golden angemalt, Glühfadenlampen, die, trotz "gordischem Knoten", immer noch viel zu tief hängen, allerdings mit dem Gaszähler im Hintergrund unfreiwillig eine Art Steampunk-Atmosphäre aufkommen lässt (dieser der vermutlich einzige Aspekt, der so nicht geplant war, gefällt mir aber) ein wenig so, als würde man in "Bioshock Infinite" zu Abend essen.

Die kleine verglaste Theke voll mit frischen Zutaten sieht lecker und einladend aus, dahinter eine charmante Dame beim Speisenzubereiten und ein junger Mann, der diese verkauft und kassiert. Ausser uns befinden sich auf einem der beiden grünen Gartentische noch zwei weitere Gäste, eine ältere Dame mit Begleitung die mich zur Begrüssung anschnauzt, ich solle doch bitte die Tür schliessen. Irgendwie sind wohl bei der Planung der O.S.B die Türschließer vergessen worden und man muss die Eingangstüre "old school" per Hand schliessen. Das wäre wohl ein wenig nervig, würde die ältere Dame jeden Besucher darauf aufmerksam machen müssen. Aufgrund der Tatsache, dass das Lokal aber nur gefühlte 5 qm groß ist, ist das Lokal ab 4 Personen ohnehin voll, und es passt kein weiterer Gast mehr hinein,...Tür offen oder geschlossen.

Von jeder Speise hängen gut in Szene gesetzte Hochglanzfotos an der Wand, die die Auswahl erleichtern. Ich entschied mich für ein Pita, Chicken Shawerma, mein Mitesser, Pita voll mit Köfte. Und von nun an warteten wir voll der Hoffnung, auf riesige, mit köstlich gebratenem Fleisch, randvoll gefüllte herrliche Pita Brote, nach orientalischer Art.

Doch unsere "ägyptische Brettljause" ließ auf sich warten, 15 Minuten lang hatten wir so Zeit, das Lokal genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Gewürze zum Beispiel im Kochbereich hinter der Bud'l werden nicht etwa in lieblosen z.B. Plastikbehältern aufbewahrt, nein hier war man kreativ und verwendet Glasschliffflaschen wie man sie aus dem Laborbedarf kennt. Die Gläser sind offensichtlich gebraucht. Da das Lokal aber erst wenige Wochen alt ist frage ich mich, da ich ob des Hungers zu halluzinieren beginne, was sich wohl zuvor in ihnen befand. Hoffentlich doch wohl keine "Chemie" ,denn das würde in dieser Aura, nobel essen wollender Soziologiestudenten schlicht Hochverrat bedeuten. ...alle Gerichte gibts übrigens auch vegan!

Die Zeit des Wartens, wird von der penetrant lauten Musik, insbesondere der Höhen des "Sängers", nicht gerade verkürzt. Nicht falsch verstehen, vielleicht gefällt mir orientalische Gesangsmusik ja, nur kann ich das nach diesem Stück leider nicht beurteilen, da die Boxen im Lokal derart kreischen, dass ein "weniger" an Volumen wohl "mehr" gewesen wäre.

Essen ist fertig! Wir werden darauf aufmerksam gemacht dass unsere Pitas nun zubereitet seien und nehmen sie sogleich persönlich über den Tresen entgegen.

Ein kleines Holzbretterl mit einem flachen Pita, eingewickelt in eine Alufolie, eingewickelt in einem weißen Papier, "versiegelt" mit einem "O.S.B. Pickerl" ,jetzt weiss ich, was da so lange gedauert hat. Keine Frage, meiner Freundin hätte das gefallen.

Aber Spass beiseite, wie schmeckt es uns ? Das Chicken Shawerma schmeckt hervorragend, zumindest verglichen mit den meisten anderen "Dürüms" die ich bisher essen durfte/musste. Das Brot selbstgemacht, der Salat frisch, man kann viele verschiedene Gewürze, ausserhalb des klassischen "Metro Kebap Gewürzmischung" Spektrums ausmachen und es harmoniert hervorragend mit der Sauce. Das Pita ist nicht nur warm, es ist heiss bis in die Mitte, was die Wartezeit erklärt und auf eine gewissenhafte Zubereitung schliessen lässt.

So gefällt mir das. Warum das Pita aber derartig klein, in Bezug auf Fülle, Stärke und Dicke ausfallen musste, blieb mir ein Rätsel. In dieses Pita hätte gut und gerne das dreifache an Fleisch gepasst. Reine Brotverschwendung! Zum Preis von 5,60€ hätte ich mir zumindest ein halbwegs sättigendes Dürüm erwartet!

Mein Mitesser quittierte sein Urteil über das Pita wesentlich kürzer: fast nur Salat (unangenehm zwischen den Zähnen knirschend) kaum Köfte, von den an sich guten Gewürzen, kaum mehr als eine Ahnung. Nervig vor allem wenn ganze Bissen nur aus Brot und Salat bestehen.

"HHMMM das schmeckt hervorragend so knusprig,...zart,....cremig...HMMMM !" äussert sich die Dame am Nebentisch bezüglich ihrer Falafel, die tatsächlich delikat aussehen und auch wirklich viel zu sein scheinen. Ich glaub ihr das, und komme mir jetzt ein bisserl vor wie in "Harry & Sally" - "..ich hätte gerne das gleiche was sie gehabt hat !" Preislich wären wir mit den Falafel bei 9,40€ was sie aber a) wert zu sein scheinen ( zumindest in Bezug auf die Portionsgrösse) und b) zu teuer machen dass ich sie mir nach meinem 5,60€ Pita und dem Cola aus dem Kühlschrank, noch leisten könnte.

Zusammenfassend blickten wir nach ein paar (wenigen) Bissen auf das leere Holzbretterl (mit Fair Trade Pickerl, von dem ich überrascht bin, dass es die Spülmaschine offensichtlich fast unbeschadet überlebt) und überlegen uns, ob das alles denn tatsächlich Zufall sei, die Laborgläser, die Fairtradebretterln, der schwarze Hut, die arabische Lipton Tee Schachtel (die, die vor dem Stapel deutscher "normaler" Teeschachteln aufgestellt ist): wir glauben es nicht.
Wir glauben, dass sich da wirklich jemand Mühe gegeben und sich ein ganz klares Bild der potentiellen Zielgruppe gemacht hat. Eine Zielgruppe, der ich und mein Mitesser, leider nicht angehören, da wir unser Essen für gewöhnlich "ohne Message" bestellen, bei der Zubereitung nur wenig Wert auf "Political correctness" als Zutat legen, und wir uns vom "Statement" eines Lokals nicht diktieren lassen wollen, wie und ob uns eine Speise geschmeckt hat.

Anmerkung: Letzteres unterstellen wir NICHT den Betreibern, wohl aber den Gästen, die dort ein und ausgehen.

Wer weiss, vielleicht hält sich die O.S.B ja doch länger als ihre Vorfahren, macht sie die hervorragenden Pitas einfach größer und besinnt sich mehr des hohen Kultes der Fleischhuldigung, würden wir sie sehr gerne länger sehen,
Auf Wiedersehen!

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Kommentare (7)

am 16. Februar 2015 um 09:25

Das neue "Edelhof" soll empfehlenswert sein - werde demnächst testen.
Obwohl ein bisschen verdächtig ist, dass die Lokalität im 2-Jahres-Takt Namen und offenbar auch Besitzer wechselt.

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Experte
88
16
am 14. Februar 2015 um 09:40

Ich glaube in 1190 gibt es mehrere kulinarikfeindliche Habitate ;) Mit ein bissl gutem Willen kann man in der von FloV beschriebenen "Döblinger Wüste" noch das LemonGreen per pedes erreichen (Hardtgasse). Sind eh auch bemüht.

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9
2
am 14. Februar 2015 um 08:59

Na ja, die wahre "Döblinger Wüste" ist die Krottenbachstraße zwischen Glanzing und Agnesgasse. Im von Dir angesprochenen Grätzel gibt es immer Yuuka und Teka Sushi.

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92
38
am 14. Februar 2015 um 08:59

Na ja, die wahre "Döblinger Wüste" ist die Krottenbachstraße zwischen Glanzing und Agnesgasse. Im von Dir angesprochenen Grätzel gibt es immer Yuuka und Teka Sushi.

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92
38
am 14. Februar 2015 um 02:11

Ich glaube, das Symbol ist ein Skarabäus mit Flügeln...

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43
60
am 14. Februar 2015 um 02:10

Ich glaube, das Symbol ist ein Skarabäus mit Flügeln...

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43
60
am 14. Februar 2015 um 02:10

Ich glaube, das Symbol ist ein Skarabäus mit Flügeln...

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43
60
O.S.B. - Oriental Sandwich Bar
Billrothstraße 18
1190 Wien
Speisen
Ambiente
Service
30
20
40
1 Bewertung
O.S.B. - Oriental Sandwich Bar - Karte
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