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Chinarestaurant No. 27 - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 10. Februar 2015
Update am 14. Februar 2015
Experte
BruderBernhard
38
8
19
5Speisen
3Ambiente
5Service
5 Fotos1 Check-In

Steter Tropfen höhlt den Stein.

Das Chinarestaurant No. 27 ist mir schon bei meinem ersten Wien-Besuch vor drei Jahren ins Auge gestochen, aber ich hatte irgendwie nie den Mut, reinzugehen. Die Gründe sind interessant, und sie sind hier auf ReTe auch schon mehrfach genannt worden. Da ist zum einen sicher mal die Gegend, eher düster und nicht wahnsinnig belebt, in der Umgebung Sushi und Indisch - letzteres deutet auf eine eher stromlinienförmige Küche hin, mehr Style als Genuss. Dann die zurückhaltende Reklame, ein vergilbter Zeitungsausschnitt, ein Auszug aus der Speisekarte, man muss eine Treppe hoch und weiss eigentlich nicht, was einen erwartet. Solche Situationen meide ich, denn ich bin irgendwie nicht Manns genug, bei Nichtgefallen auf dem Absatz kehrt zu machen, oder ich will mich einfach nicht mit einem schlechten Gefühl belasten, wenn ich doch des Vergnügens wegen unterwegs bin.

Nun habe ich aber mehrere ganz konkrete Ratschläge erhalten, doch wirklich mal in der No. 27 zu essen, da ich ja dermassen auf die regionale Chinaküche abfahre.

Da ich heute abend, nach einem mittäglichen Besuch bei einem meiner Favoriten, nicht mehr genug Hunger für ein richtiges Essen verspürte, nahm ich die Gelegenheit wahr, dieses mysteriöse Lokal zu besuchen, meine Neugier zu befriedigen.

Es mag an meiner enthusiastischen Natur liegen, auf jeden Fall war die Begrüssung schon mal viel versprechend. Nett und sprachgewandt. Und als ich dann die Karte sah, fühlte ich mich schon wie zu Hause. Einerseits, weil sie mir aus mehreren Beschreibungen schon vertraut war, abgegriffen, von Hand gar korrigiert, diese Leute haben wirklich ein beneidenswertes Selbstvertrauen. Andrerseits, weil ich einige meiner Lieblingsgerichte wie etwa die Hühnerfüsse antraf, aber vor allem, weil sie wirkliche Überraschungen bot, die ich mir aber nicht alle gemerkt habe. Bei den Schweinsnieren stoppte mein Erinnerungsvermögen.

Ein Weizen, ein aromatischer Algensalat, das war das Entrée. Da kann man nicht viel falsch machen. Aber dann die Schweinsnieren, da muss ich jetzt ein wenig ausholen.

Die Portion war wirklich gross, das ist schon mal angenehm. Die Nieren waren wahrscheinlich längs in Scheiben geschnitten, in handliche Stücke zerlegt, diese dann kreuzweise mehrfach eingeschnitten, wie man es auch bei den Calamar sieht. Was noch alles sonst drin war, ich bringe es im Einzelnen nicht mehr zusammen, und zum Fotografieren kam ich einfach nicht, das Essen nahm mich komplett in Anspruch. Auf jeden Fall war ein 'Bergpfeffer' ein wichtiger Bestandteil, eine Art salzig eingelegte Chili, in kleine Stücke geschnitten, sehr intensiv, plötzlich einen salzigen Spritzer im Mund zu verspüren. Dann grosse schwarze Pilze, nicht zerschnitten, die in sich wieder einen klar separaten Geschmack bargen, man hätte denken können, die seien in einer eigenen Sauce mariniert und dann dem Gericht beigegeben worden, glaube es aber eher nicht. Es muss einfach an der Dynamik dieser Mischung liegen, dass dieser Eindruck entstand. Bewundernswert.

Die Schärfe war perfekt. In letzter Zeit habe ich gemerkt, Schärfe ist nicht einfach scharf. Grad die Sechuan-Küche hat offenbar Techniken entwickelt, Schärfe durch Salziges so auszubalancieren, dass der Schweiss zwar rinnt, es aber nicht brennt. Die schlecht gemachte Schärfe hingegen, die hatte ich gestern, anderswo, die spürt man beim Essen komischerweise nicht. Dafür dann am andern Tag umso mehr.

Das Essen war also ein voller Erfolg. Ich werde auf jeden Fall diese Woche nochmals hingehen. Die Bedienung (Chef?) ist zudem nett und zugänglich. Das Ambiente hat mir behagt, halt relativ viel Weiss, schwarze Tische, kein unnötiges Chichi, die Abstände zwischen den Tischen sind recht gross, ein paar Stammgäste, die die Athmosphäre auflockern durch ihr ungeniertes lautes Gehabe, ein paar Laufkunden, die Projekte besprechen, was genau den Grad an Anonymität erzeugt, der angenehm ist und einem auch das Gefühl gibt, jederzeit selber auch laut werden zu dürfen. Ein gutes Lokal für ein gutes Essen im Kreis von Kollegen oder Freunden. Unbedingt empfohlen. Preislich übrigens ausgesprochen günstig für die Leistung, mit Reis, Bier und Vorspeise 19€.

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Nachtrag, geschrieben im Hauptbahnhof, ein Fuss schon im Zug nach Hause: unbedingt das "Poschierte Rindfliesch in Chil" (Text auf Rechnung, war es 'Chiliöl'? fragen) probieren, ein Riesentopf voll scharfes Öl, eine ganze Handvoll Sechuanpfeffer muss da drin sein - einmal gegessen, unvergessen. Schärfegrad: eine Serviette, d.h. mehrmaliges Stirneputzen, aber nicht unerträglich. Gibts auch mit Fisch.

Call me 'Fanboy'.

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Kommentare (7)

am 12. Februar 2015 um 22:07

Heute zum dritten Mal in Folge dort diniert. Ein Tempel für Aficionados, ohne jeden Zweifel. Aber eben: Man sollte nicht heikel sein, Haut und Knorpel mehr lieben als irgendwelche Filetstücke. Heute Donnerstag war übrigens fast voll, wir müssen uns also keine Sorgen machen von wegen suboptimaler Präsentation des Lokals. Zur Frage, wer ist besser: bisher hatte noch jedes der von mir belagerten Chinarestaurants seine Stärken und auch seine Schwächen. Das Sichuan ist mehr dem Mainstream verpflichtet, macht aber seine Pasten, Saucen, Teigwaren und Öle genau so selbst. Eindeutig Geschmackssache. Aber vielleicht ergibt es sich ja mal im 27, ich würde mich sehr freuen.

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Experte
38
8
am 11. Februar 2015 um 10:36

Ich war vorigen Samstag im Szechuan im 1 Bezirk, und den darauffolgenden Samstag im "27" wollte mal vergleichen. Vielleicht habe ich im New Szechuan einen schlechten Tag erwischt, aber das Essen im "27" hat mir besser gemundet.

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67
22
am 11. Februar 2015 um 10:24

das ist natürlich eine Ehre für einen Touristen aus Eurem ehemaligen Untertanengebiet, gut, ist so um die 750 Jahre her, vergessen wir die alten Geschichten. Ich habe auch ans Sichuan 1010 gedacht. Dort will ich sowieso nochmals hin. Ich habe an Donnerstag Abend gedacht.

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38
8
am 11. Februar 2015 um 09:17

Vielleicht eben dort?

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Experte
33
15
am 11. Februar 2015 um 08:52

Aber ein ReTe Treffen mit dem Bruder wäre doch mal nett, oder?

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Experte
33
15
am 11. Februar 2015 um 08:21

Sehr freundlich - kurz habe ich es mir ehrlich gesagt schon überlegt, aber ich würde den Kollegenkreis doch sehr vermissen und wäre sowieso im Nullkommanix blank, bei diesen Versuchungen hier. Weiss nicht wie ihr das macht.

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Experte
38
8
am 11. Februar 2015 um 00:31

Es wird wirklich Zeit, dass du nach Wien ziehst!
Bewertungen von dir sind mehr als lesenswert.

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Experte
63
50
Chinarestaurant No. 27
Ungargasse 27
1030 Wien
Speisen
Ambiente
Service
40
28
38
16 Bewertungen
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