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Ü Lokal - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 8. Februar 2015
MartinS5
9
2
4
4Speisen
3Ambiente
4Service

Ich habe ja das Glück, Mitglied eines monatlich wiederkehrenden Stammtisches zu sein. Und jedes Mal ist die Lokalauswahl ein interessanter basisdemokratischer Vorgang. Im Winter umso mehr, weil man da nicht nur Gastgarten/Alkohol/Hochschaubahnnähe benötigt, sondern tatsächlich ein Dach überm Kopf und - weil wir gesetztere Herrschaften sind - etwas, worüber man schwelgen kann. Das Essen also.
So begab es sich also, daß gestern das "Ü Lokal" ausgewählt wurde. Was das ist? Ein Vorarlberger Lokal, mit Vorarlberger Personal, ganz offenbar auch hauptsächlich für Vorarlberger, den meisten Besuchern nach zu schließen. Aber ich mag den Dialekt ja, und somit fand ich das schonmal ganz charmant.

Das Lokal selbst ist - abgesehen vom Barbereich beim Eingang - ein langer, ausgeweißter und auch ansonsten unbehübschter Schlauch. Angesagte Kerzen in Papiersackln stehen bei bzw. auf den Tischen, die Klimatisierung ist - wie heutzutage wohl unvermeidlich - offen an der Decke sichtbar, manifestiert als große Metallrohre. Alles sieht neu aus, gepflegt und durch die Sackerlkerzen ein bissi heimelig. Gut, daß das Lokal nicht mit irgendwelchem Tand überfrachtet ist! Aber gemütlich geht auch anders. Seis drum, wir sind ja zum Plaudern und Essen gekommen.

Wenn man schon mal dazukommt, Mohrenbräu zu ergattern, tut man das auch. Als Getränk bestellte ich mir also mal ein Mohrenbräu-Zwickl und ich habe es nicht bereut. Ich werde hier jetzt keinen Bierdiskurs machen, aber das war ein gutes Zwickl ;)
Genügend Mitesser und -trinker gab es ja, und so probierte ich auch das helle Mohrenbräu, war aber ganz und garnicht begeistert. Wenig Körper, süss-säuerlich dahinmäandernd. Komisch, diese Diskrepanz. Aber egal, habs ja nur bei meiner Frau gekostet.

Prinzipiell wurden an diesem Abend abseits der Desserts, die ich traditionellerweise nicht esse, nur 4 verschiedene Gerichte konsumiert: Die Vorspeisenplatte, die Kürbissuppe, Grillteller und (vorzubestellende!) Kasknöpfle.

Die Suppe hab ich nicht probiert. Die Vorspeisenplatte haben wir uns zur Degustation geteilt und sie kam mit folgenden Zutaten:
Bregenzerwälder Rohschinken, Hirschsalami, Bergkäse, Kapern, Pfefferoni, gefüllter Pfefferoni, Speck, ein Weichkäse und Senf/Chiligarnitur.

Für 8.90 hatten wir sogar zu zweit was davon, Brot wird dazugereicht und auf Zuruf nachgebracht. Tadellos, den Hirschen in der Salami konnte ich zwar nicht schmecken, jedoch waren alle Zutaten wohl drapiert, von allem die richtige Menge am Teller und geschmacklich paßte alles wirklich hervorragend. Eine nicht extrem hungrige Person hätte dieser Teller durchaus satt gemacht. Aber wir waren ja zu zweit - und hungrig.

Als Hauptspeise gab es einerseits "Kasknöpfli", also etwas, das anderswo als Kasnocken bekannt ist: Nockerln mit (dreierlei) Käse und Röstzwiebeln, in einer hübsch großen Schüssel mit einem ordentlichen Holzlöffel, um sich selbst zu bedienen. Wie bereits erwähnt, gibts die Knöpfle nur gegen Vorbestellung und wir hatten 5 Portionen bestellt. Daher also der Riesenpott mit Holzschöpfer. Schön urig.
Ich weiß nicht, welche 3 Käsesorten GENAU drinwaren, eine davon war wohl Bergkäse, vielleicht auch etwas in der Art eines Greyerzer- oder Raclette-Käse, das Ergebnis war jedenfalls fantastisch. Die richtige Auswahl der Käsesorten macht aus einem an sich einfachen Gericht entweder was Besonderes oder eben nur ein einfaches, aber fettes und schweres Gericht. Hier war es was besonderes, geschmacklich auf jeden Fall. Fett und schwer wars natürlich auch, aber wir wollen da jetzt nicht hadern.
Dazu wurde ein Mix aus Grünem und Erdäpfelsalat serviert. Ersterer war gut, mit wohlabgeschmeckter Marinade, die nicht aufdringlich aber bemerkbar war. Der Erdäpfelsalat war nicht so toll, die Erdäpfelscheiben waren nicht durchgekocht und daher fehlte ihm die Konsistenz, die einen perfekten Erdäpfelsalat ausmacht. Ich vermute Metro Gastrogroßpackung für Warmhalteöfen oder Dampfgarer für "warmen Erdäpfelsalat".

Vorweg: Das war der einzige kulinarische Lapsus.
Ich hatte nämlich den Grillteller.

Was einfaches. Wer kenn ihn nicht. Ein paar Stück Fleisch mit Pommes und der typisch österreichischen Salatgarnitur.
So war das auch hier.
Vier Stück fleischlicher Kost: Schwein, Huhn, Rind und ein Grillwürstel, hübsch aufdrapiert auf einem Bett aus Pommes. Dazu eine orangliche Kräuterbutter, ein Fingerhütchen Barbequesauce und eben der unvermeidliche Salat.

Aber dann. Ok, die Pommes sind ganz normaler, nicht lätscherter Durchschnitt und vermutlich wohl auch Gastro-Großpackung. Aber das Fleisch. Klasse.
Das Schwein war fingerdick und daher saftig.
Das Huhn war zwar dünn, aber noch weich und nicht fasrig.
Das Grillwürstel war ein Grillwürstel.
Das Rind schien ein kleines Stück Filet zu sein, medium durchgebraten und geschmacklich perfekt. Das war der Augenöffner, das kleine Stück Fleisch in einem Grillteller zu 13.90 war liebevoller zubereitet als das Ribeye-Steak im Frank´s vor ein paar Wochen. Um...pff...25,- oder so.

Zusammen mit der Sauce, die nach getrockneten Tomaten schmeckte und der wirklich interesanten Kräuterbutter (ich weiß nicht, was drin war, es schmeckte nicht wie sonst üblich), war das ein wirklich feines, dem Fleischliebhaber angemessenes Gericht.

Den Salat muß ich auch noch erwähnen: Grüne Salatblätter, Karottenstreifen, ich glaub ein bissl Kraut und Rote-Rüben-Würfel. Was eben im typischen Gasthausmix enthalten ist. Nur hier schien es mir, waren die Zutaten frisch(er) und NICHT in Marinade ertränkt. Ausgezeichnet.

Habe ich bereits erwähnt, daß die Preise eigentlich angenehm moderat angesichts der Qualität sind?

Aufgrund von Vorspeisenplatte, Grillplatte und Verkostung der Kasknöpfli stellte sich bald ein Völlegefühl ein, das mit Schnaps bekämpft werden muße. Die Wahl der Waffen fiel auf einen Kriecherl- und einen Quittenschnaps. Letztere roch nach Rosen und schmeckte mild, was meiner Frau zwar behagte, mir aber nicht so.

Der Kriecherlschnaps war aber sehr in Ordnung. Kein Kriecher, sondern ein Hammer. Stark, scharf, aber mit Geruch und Geschmack. So mag ich Schnäpse (auch).

Insgesamt ein gelungener Abend. Es gibt einen kleinen Gastgarten, wir werden wohl zu wärmerer Jahreszeit mal wieder kommen, uns hats geschmeckt.

Nachtrag: Zu Preis "mittel" beziehe ich mich hauptsächlich auf die Speisen.

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Kommentare (2)

am 9. Februar 2015 um 11:53

Das mit dem Apfelmus hab ich gehört, aber ich glaub, das wollte man den Wienern nicht zumuten ;)

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9
2
am 8. Februar 2015 um 12:14

...Zeit für einen Kässpätzle-Exkurs: Natürlich ist das, wie immer, regional unterschiedlich - aber niemals ist ein Greyerzer- oder Raclette-Käse drinnen. Was immer drinnen sein muss ist ein Räss- sowie ein ordentlicher Bergkäse. Der dritte ist m.E. nicht zwingend - wenn, dann aber etwas, was die vorgenannten Geschmacksbomben "abmildert" - ein Sennkäse oder ein Emmentaler etwa. Und jedenfalls haben die Käse aus dem Bregenzerwald zu sein!
Die Beilage (der Salat) scheint der Örtlichkeit geschuldet zu sein: Entweder isst man nämlich nur Erdäpfelsalat dazu (damits _richtig_ kohelhydratschwer wird, um die xiberger WInter zu überstehen...) oder aber Apfelmus! Klingt seltsam - schmeckt aber super

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Experte
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Ü Lokal
Obere Augartenstraße 46
1020 Wien
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Ambiente
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