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Daniel Moser´s Cottage - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 8. Februar 2015
FloV
10
40
9
3Speisen
2Ambiente
2Service

Wir gehen gerne essen. Die Entscheidung, wohin, allerdings treffen wir für gewöhnlich im Kaffeehaus.
Wie es sich für gute Wiener gehört, haben wir selbstverständlich ein Stammcafe: jahrelang handelte es sich dabei um das gute, "ALTE" Cottage. Was haben wir dort über die Jahre nicht alles erlebt!

Drogen, Razzien, regionale Prominenz auf ihrem Abstieg von "B" zu "C", zweifelhafte Liveperformances weiblicher Gäste ( Champagnerflasche "inklusive" ) und das Ganze gespickt mit dem wohl unfreundlichsten und inkompetentesten Kellner der Welt: Werner wir lieben dich !

Ein ganz normales Wiener Cafe also.

Dass diese Mischung allerdings nicht auf Dauer gut gehen kann, musste wohl auch jedem klar sein. Man kann es durchaus als ein Wunder auffassen, dass es die 20 Jahre, die wir dort verkehrten, überlebte. Wie dem auch sei, eines Tages war es dann soweit: wir standen, unseres "Wohnzimmers" beraubt, fassungslos, mit einer Träne der Verzweiflung im Auge, vor der Türe,...sie war verschlossen:
"Wir bedanken uns bei unseren langjährigen Gästen für ihre Treue"

Ohne Zweifel, damit waren wir gemeint!

Als nun 3 Lenze vergangen waren, wir uns längst Cafetechnisch eine neue Heimat gesucht hatten, hieß es plötzlich:
"DAS COTTAGE HAT WIEDER OFFEN !" ...und heisst jetzt "Daniel Moser's Cottage".

Aha.

(...who the fuck is Daniel Moser ?)

Diese Frage zu klären und auch zu sehen wie sich das Cottage inhaltlich veränderte, gab uns Grund genug, es wieder einmal zu besuchen.

Das Gefühl des Wiedersehens war eine angespannte Mischung aus Freude, Nervosität, Erinnerungen und Erwartungen, ein wenig so als wenn man sein Ex Freundin nach Jahren wieder trifft!

"Mein Gott, was hast du dich verändert!"

Schon am nagelneuen Portal des Eingangs stechen uns die "ausgefallenen" Möglichkeiten das Lokal zu prononcieren "Kotääsch", "Kottetsch" und "Kottaasch" steht dort geschrieben, ins Auge. Na da hat sich ja jemand Gedanken gemacht, die sich aber leider jeder Cottage Besucher auch schon vor 20 Jahren gemacht hatte. Na das sieht ja nach einem "lustigen" Abend aus.

Wir betreten die Szenerie und finden uns sogleich im Barbereich wieder. Toll geordnet, bunte Flaschen, schummriges Licht, teures Holz, aufwendiges Interieur (gemütliche Lederstühle, die Tischbeine sind die Alten, die Platten aber neu), die Wände kahl, bis auf eine "lustige" Karikatur über die Türkenbelagerung (wobei zugegeben, ganz gelungen), Türken= Kaffee, also politisch korrekt.

Woran erinnert uns das alles stylistisch !?, Richtig, "Daniel Moser's Cottage" wirkt alles in allem sehr "BoBoesque", und reiht sich damit anstandslos in die anonyme Masse ähnlich "individueller" Lokalitäten ein. Unsere Begleiterinnen finden es allesamt, jedenfalls "sehr schön!",über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.

Unser Blick in die Getränkekarte lässt mich jauchzend frohlocken als mein Äuglein fein "Fentimans Rose Lemonade" erblicken darf, aufgrund des Preises muss es sein, schiesst in mein Äuglein fein,dann doch ein Tränelein!

Horrend auch die Kaffeepreise, ein großer Brauner z.B. schlägt sich mit 4,10 € zu Buche. Allerdings ist der Kaffee auch wirklich gut. Dennoch bekommt man in jedem zweiten ital. Kaffeehaus besseren Kaffee zu einem Bruchteil des Preises.

Das Speisenangebot stellt sich reichhaltig dar: vom Beef Tartare bis zum Branzino finden sich die klassischen Standards einer soliden bis gehobenen Küche - allerdings zu fragwürdigen Preisen.

Ich starte meinen Abend mit Beef Tartare, qualitativ hochwertig, richtig temperiert, die Zeit nahm man sich, saftig rot, geschmacklich solide aber nicht spektakulär. Dazu hausgemachte Pommes serviert... in einem, Überraschung!, kleinen Aluküberl - 16,50€.

Als der "Fixstarter" darf der "Cottage Burger" gelten - sowie dessen scharfe Variante der "Xalapa Burger" (was auf mexikanisch vermutlich soetwas wie "Kottäsch" bedeutet) beide tatsächlich ein Highlight und wert dem Lokal einen Besuch abzustatten, das Bun buttrig, herrlich geschmeidig, das Beef, dry aged, medium und zart, als Ganzes wirklich gelungen.

Die Torten kommen vom Landmann, sind also sehr gut und sehr teuer, man fragt sich aber, ob diese Strategie wirklich die kundenfreundlichste ist.

Interessant ist dass, von Besuch zu Besuch die Speisen und Getränke immer von anderem Personal serviert werden. Soll heissen: seit unserem ersten Besuch unmittelbar nach der Neueröffnung bis heute zählten wir mindestens 4 Generationen Servierpersonal die gesamt einfach ausgetauscht wurden. Kaum hat man sich an eine Generation von Kellnern gewöhnt fehlt beim nächsten Besuch von der alten Crew jede Spur. Informationen zu ihrem Verbleib werden teils nur kryptisch beantwortet.

Unheimlich irgendwie!

Die Personalfluktuation ist also sehr hoch, das Betriebsklima dürfte nicht das beste sein - dass man als Gast aber demzufolge an betriebsinternen Streitigkeiten zwischen Chefs und Personal teilhaft wird, ist indiskutabel und lässt sich nicht akzeptieren.

Grundsätzlich lässt sich das arithmetische Mittel der männlichen Kellner als Hipster mit Vollbart, deutschem Akzent, Hipstermütze und Krankenkassabrille, alle individuell wie aus einer Form gegossen, beschreiben.

Das sind Gründe warum es "Daniel Moser's Cottage" schwer haben wird, sich, für uns, als Stammcafe zu etablieren, man tut sich schlicht schwer, Identifikationspunkte zu finden.

Dementsprechend gestaltet sich auch das Publikum: vorwiegend weiblich, gehobener Mittelstand, sowohl hinsichtlich des Alters als auch finanziell.


Was soll man sagen, das neue Cottage ist dem Alten in Sachen Esskultur, Service und Gediegenheit um Klassen überlegen,...dafür pinkelt aber auch keiner mehr im Suff ins Kartenspielzimmer. Persönlichkeit lässt sich eben durch kein Culinary Concept ersetzen !

...ach ja und "Daniel Moser" haben wir auch nicht gesehen,

Auf Wiedersehen !

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Kommentare (5)

am 26. Oktober 2016 um 15:00

@BruderBernhard und richtig gutes Frühstück nicht zu vergessen. Man is(s)t im 19enten Bezirk. :-)

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235
28
am 26. Oktober 2016 um 14:24

Daniel Moser: Schweizer Name! und Schweizer Preise...

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38
8
am 3. Juli 2016 um 11:15
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63
50
am 2. Juli 2016 um 18:24

"who to fuck is Daniel Moser" aber ich vermute das hast du damals wie heute ohnenhin gewusst :-) Link

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235
28
am 8. Februar 2015 um 08:45

100% Zustimmung. Ich könnte noch zufügen, daß die Cocktails allenfals Durchschnitt sind. Was aber daher kommt, wenn EIN Lokal ALLES abdecken will, also Café, Bar, Lounge und Restaurant. Mit Bobos. Und Hipstern. Trotzdem, KAffee ist ganz gut dort. Mittlerweile scheint er ja auch heiß serviert zu werden ;)

Gefällt mir1
9
2
Daniel Moser´s Cottage
Silbergasse 19
1190 Wien
Speisen
Ambiente
Service
37
34
33
3 Bewertungen
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