RestaurantTester.at
Home Mein Profil Lokal Guides Events Lokal eintragen

Aming Dim Sum Profi - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 23. Jänner 2015
Experte
BruderBernhard
38
8
19
4Speisen
4Ambiente
4Service

Vier Tage Wien sind rum, als Tourist aus der Schweiz, auf meiner jährlichen Reise zu den Chinarestaurants Wiens, und nun habe ich bereits dreimal bei Aming Dim Sum Profi gegessen, so oft, dass ich schon den Namen auswendig schreiben kann. Denn es gefällt mir dort von Tag zu Tag besser.

Zuerst mal: Authentisch ja oder nein? Wenn man den Gerüchten glauben schenken darf, dass in China alles vom Tier verwertet wird, was irgendwie essbar ist, dann haben wir hier ohne Zweifel ein authentisch chinesisches Esslokal. Mir persönlich ist es zwar egal, schmecken muss es, und das tut es bestimmt. Ich komme darauf zurück.

Vorher aber ein Wort zum 'Ambiente'. Man liest hier die verschiedensten Meinungen dazu, meine Bewertung mag manche erstaunen. Das Lokal ist sicher klein, die Küche zum Teil im Gastraum, es ist nicht der Ort für ein erstes Rendez-Vous. Ausser man wolle schon beim ersten Mal wissen, ob man sich weiterhin sehen will. Mir würde das zusagen. Denn die Tische stehen eng, wer alleine an einem Tisch sitzt, muss unter Umständen einen Neuzugang akzeptieren, das behagt sicher nicht allen. Dreimal war ich dort, dreimal bin ich mit den Gästen vom Nebentisch ins Gespräch gekommen, ohne mich irgendwie ranzuschmeissen, ich schwör's. Unter anderem habe ich den Besitzer des Petit Maroc dort kennen gelernt, sympathischer Mensch, würde nicht meine Heimatstadt einen grosse Diaspora aus dem Maghreb und dem Mittleren Osten aufweisen, wäre ich dort mal essen gegangen. Kurz, das Ambiente kommt mir also entgegen. Das Publikum ist sehr gemischt, viele WollmützenträgerInnen, Asiaten, Arbeitende in der Mittagspause.

Nun komme ich ja nach Wien aus dem einzigen Grund, hier die Dinge zu essen, die es bei uns einfach nicht gibt, zu meinem allergrössten Leidwesen. Füsse, Innereien, Ohren, Schwänze, all die Sachen, für die unsere (Schweizer) Küche früher berühmt war, unter dem Namen Gnagi war das ein Sonntags- und Festtagsschmaus, habe ich noch erlebt und vermisse ich. Hier, beim Chinesen, finde ich es wieder, und es ist immer hervorragend zubereitet. Denn eine Eigenschaft dieser Extremitäten ist ja, dass man die nicht einfach ein paar Minuten in die Pfanne hauen kann und gut ist, sondern man muss erstens mal viel Zeit in der Küche verbringen, um den Geschmack hervorzukitzeln, und man muss Ideen haben. Beides Dinge, die der heutigen Alltagsgastronomie oft abgehen.

Nicht jede Speise war mir bekannt. Deshalb war ich auch froh, als mir die Bedienung (die Chefin?) den Schweinsdarm mit Pfefferoni empfahl. Tatsächlich, war ausgezeichnet. Aber damit will ich vor allem dem Service ein Kränzchen winden, denn erstens Mal hat sie meinen Geschmack erkannt, sehr aufmerksam also. Und zweitens ist der Service sowieso ungewöhnlich nett. Nicht überschwänglich jetzt, aber eben kommunikativ, und das trifft man in diesen Restaurants selten, die Gründe mögen an der Sprache liegen.

Man wird auch rasch bedient, das Zahlen geht flott, und auch die Abfolge hat mir gepasst, mit der Zeit ist der Tisch voll, so man entsprechend bestellt hat.

Nun aber zu den Speisen. Die Karte ist eine Wundertüte, schon nur die Auswahl an Gerichten, die mich in erster Linie interessieren, habe ich noch nicht durch. Glücklicherweise bleiben mir noch zwei Tage = zwei Besuche.

Hier aufzuzählen scheint mir fast schon sinnlos. Ich empfehle guten Gewissens einen Besuch. Highlights für mich waren, nebst dem Schweinedarm, den es noch in mindestens zwei weiteren Zubereitungen gibt, die kalten Innereien, gemischt aus Schwein, Huhn und Rind, glaube ich. Der Seetangsalat, äusserst schmackhaft, genau so wie die Hühnerkrallen, ohne Knochen, als Salat angemacht. Der Schweinsohrensalat, wirklich gelungen. Schweinsohren sind für mich sonst ein bisschen heikel, der Knorpel erzeugt einen leichten Widerstand zwischen den Zähnen und auch im Kopf. Hier blieb es bei den Zähnen. Jederzeit wieder.

Am ersten Tag habe ich auch Shrimp Dumplings gegessen, ich fand sie wunderbar, dann habe ich blöderweise zu oft gelesen, die könnten unmöglich hausgemacht sein, weil kein Chinese in Wien diese selber herstelle, sondern Industrieware einkaufe. Ich glaube, ich habe mich da ins Bockshorn jagen lassen und werde wohl da noch einiges nachholen.

Die Hauptspeisen sind ein Kapitel für sich, wie man auch bei anderen Besprechungen nachlesen kann. Einmal hatte ich den Ma Po Tofu, der hat mir sehr gut geschmeckt, der Tofu hatte eine angenehme Konsistenz, war fein von Sauce umhüllt, das könnte ein Leibgericht werden. Einmal hatte ich Tofu mit Gemüse in Bohnensauce, wenigstens laut Karte und Rechnung, das war eine Riesenportion fritierter Würfel aus Tofu mit einer Hülle aus Klebreis, drei Personen hätten da satt werden können. Vom Gemüse aber war nur wenig zu sehen. Keine Ahnung, was da war.

Vom Nachbartisch wurde mir bestätigt, was auch hier zu lesen war: Die Ente ist empfehlenswert. Wenn man's denn gerne konventionell hat. Es ist also nicht alles nur Innereien oder Extremitäten dort. Mich interessieren die halt einfach am meisten.

So, ich muss hier aufhören, bald ist wieder Zeit zum Mittagessen. Ihr dürft raten, wohin ich jetzt fahre. Apropos fahren: Die Lage des Restaurants ist optimal: U4 bis Kettenbrücke, dann zum Hintereingang raus, Treppe runter, Strasse überqueren, und schon steht man vor dem Restaurant.

Noch zu den Preisen: Ich esse zwei, manchmal drei Vorspeisen, eine Hauptspeise, Grüntee dazu (Wasser wird gerne nachgefüllt), Kostenpunkt jeweils knapp über 20 Euro. Es geht aber auch billiger, ich sehe oft junge Gäste mit riesigen Nudel-, Reis- oder Suppentellern. Ich bin ja so selten hier, einmal im Jahr eine Woche, da will ich bestimmt nichts auslassen.

Was meinst du zu dieser Bewertung?
Hilfreich?Ja16Gefällt mir12Lesenswert10

Kommentare (3)

am 23. Jänner 2015 um 18:55

Ich tippe mal auf Chili-Öl.

Gefällt mir
Experte
63
50
am 23. Jänner 2015 um 14:25

Huh, was ist "red oil"? Doch hoffentlich nicht das: Link

Gefällt mir
Experte
92
38
am 23. Jänner 2015 um 14:15

Es gab eine Zeit lang den Imbiss "Porcus" in der Börsegegend, wo man Schweinskopf und dergl. bekam. Gibt es ein anderes heimisches Lokal, wo man solche Dinge bekommt?

Gefällt mir
Experte
92
38
Aming Dim Sum Profi
Rechte Wienzeile 47
1050 Wien
Naschmarkt Nähe
Speisen
Ambiente
Service
35
26
32
18 Bewertungen
Aming Dim Sum Profi - Karte
Zum Lokal »
Zum Lokal »
Home|Sitemap|Neue Lokaleinträge|Neu anmelden|Lokal eintragen|Hilfe|AGB & Datenschutz

Copyright © 2008-2016 RestaurantTester.at
Cookies helfen uns, Ihnen eine bessere Erfahrung auf dieser Website zu bieten.
Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Mehr Info
OK