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Radlager Palazzo - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 27. November 2014
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amarone1977
315
75
30
4Speisen
3Ambiente
4Service
9 Fotos1 Check-In

Ich mag kleine Lokale. Kleine Lokale mit „Betrieb“.

Das mag noch keine Garantie für Qualität sein, aber zumindest hat man immer wieder das Gefühl, dass in solchen Lokalen etwas Besonderes zu entdecken ist.
Oder besser gesagt, hier hat sich offensichtlich mal jemand einen Traum verwirklicht, um das zu machen, was er immer schon machen wollte.

Oder aber die Betreiber solcher Lokale kamen wie die Jungfrau zum Kind.
Dies konnte ich bei meinen drei Besuchen in den letzten zwei Jahren hier in der Operngasse nicht ganz herausfinden, aber ein bisschen Recherche genügt – und man findet tatsächlich heraus, dass da zwei Firmenchefs und ein Philosophieprofessor gemeinsames Spiel machen, bereits an der dritten Adresse.
Nach einem Gastspiel in der Windmühlgasse folgte der Umzug in die ferne Westbahnstraße, um dann in der Operngasse den vielleicht richtigen Standort zu finden.

Tatort auf der Wieden – das „zweite Frühstück“ nach langem Spaziergang durch fünf Wiener Bezirke steht an. Das Radlager ist offen.

Was gibt’s hier: der Chef des Hauses ist Rennradl-Liebhaber. Die schönen Vintageräder zumeist aus Italien, Wildledersattel, rank und schlank, der Purismus gibt den Blick frei auf das Wesentliche dieser edlen Rennmaschinen.
Die Dinger werden hier liebevoll restauriert und zum Kauf angeboten.

Puristisch ist auch das Lokal selbst. Rechts beim Reingehen dominiert ein einfaches Regal mit zwei Sorten italienischem Barista-Kaffee. Einer davon: Passalacqua! Der letzte Schrei unter den neapolitanischen Kaffeeröstern. Es scheint sich rumzusprechen – Napolitani machen nicht nur die vera pizza 'ca pummarola n'coppa, sondern auch den caffè come Dio comanda.

Il banco: die Schank beschränkt sich ebenso auf die wichtigen Dinge im Leben, vor allem dann, wenn die Lebensgeister erst erweckt werden sollen.
Man erweckt sie durch feine Pasticcini und Torten. Kleines Süßes und großes Süßes so zu sagen.
Egal ob hausgemacht oder nicht – sie kommen garantiert nicht vom Großhandel.

Und da steht die Göttin: nein, nicht die wirklich charmante junge Dame im Service, sondern „lei“: la Faema. Faema 61. Sie sieht aus wie der kaffemaschinengewordene Ferrari 250 GTO. Die Typenbezeichnung deutet auf das Geburtsjahr eines Meisterwerks. 1961!
Das ist die heimliche Chefin des Lokals – sie steht nicht, sie thront.
Und sie will bedient werden.

Die charmante Dame kann's – es wäre ja auch schade: der scheinbar beiläufige Name Passalacqua (passa l'acqua – im übertragenen Sinne: da läuft das Wasser durch) lässt vergessen, wie wichtig es ist, dass Kaffee und Maschine miteinander harmonieren müssen.
Wie schon bei den letzten Besuchen hat das bestens funktioniert.
Auch heute: der Cappuccino bekommt von mir vielleicht nicht die Höchstpunktzahl für Schaumstabilität, aber es ist immer wieder erstaunlich, wie ein bisschen Technik und das Verständnis für ebendiese, kombiniert mit besten Rohstoffen, ein dermaßen feines, mildes wie kräftiges und vollmundiges Kaffeeerlebnis in die Tasse zaubern können.

Dazu: eine torta caprese. Also ohne Mehl. Schön nussig und schokoladig. Das Gaberl fährt dezent durch den Teig. Oh, mamma. Die ist frisch, aber wie!

Noch dazu: ein kleines, bisquitiges Etwas, der Name ist mir entfallen. Cupcake Hilfsausdruck, würde Wolf Haas wohl sagen. Kommt aus Portugal, mit Vanillepudding, der scheinbar mitgebacken worden ist. Sehr ordentlich, kann es aber mit der torta caprese nicht aufnehmen.

Heute ignoriert: die sehr interessanten Sandwiches, Salate und natürlich die Frühstücksangebote, siehe Bilder.

Zum Schluss: noch ein Espresso (traditonell „al banco“ auch um ebenso traditionell italienische 1 Euro). Da wird jeder Italiener neidig. Ma in Austria sanno preparare caffè?
Es geht! Da eckt nix an, keine falsche Bitternote, viel Geschmack. Volles Aroma. Tanto amore.

So gibt’s ein entspanntes Grinsen und Kraft für den Weg zurück in den Achten. Ein Packerl Passalacqua kommt mit auf die Reise.
Buon viaggio!

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Kommentare (7)

am 27. November 2014 um 16:44

haha... Ich stand dort an der Theke und da steht dieses Prachtstück - und sie stand echt da wie eben dieser legedäre Bolide, bereit, loszufahren bzw. loszulegen!

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315
75
am 27. November 2014 um 11:29

Ja, zum Beispiel bei koreanischen Lulubier! :P
Glücklicherweise gibts dort mittlerweile eine grosse Auswahl an sehr guten ausländischen Bieren in den Supermärkten.

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152
83
am 27. November 2014 um 11:22

der Starbucks - da könnte man ewig diskutieren.....ich find den Kaffee ganz in Ordnung. Nicht perfekt, oder OK. Und wenn man genau sagt was man will (mein Standard: kleiner Cappuccino mit extra Shot Espresso; weniger Milchschaum) ist das Ergebnis durchaus brauchbar - und auch normalpreisig.
Wenn man freilich anfängt die koffeinhaltigen Flüssigmehlspeisen mit den lustigen Namen zu ordern, dann wirds unterirdisch - geschmacklich - bzw. absurd - preislich.

Zum Thema Heineken: Klar, wenns _irgendwas_ anderes gibt wird mans stehenlassen. Aber es gibt Situationen, wo selbst Heineken zu Ambrosia wird...

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54
8
am 27. November 2014 um 11:09

@Autogrill - kommt auf die jeweilige area servizio an - die meisten sind aber voll mit unterbezahlten, nicth gerade glücklichen Menschen, dementsprechend schmeckt der Cappuccino. Die waren mal besser, es geht heute noch, aber herausragend ist kaum noch einer.
Schau mal nach Klagenfurt in die Burggasse - da kriegst du zwar nur einen (italienischen) Convenience-Brioche, aber einen Cappuccino vom Experten.
Der Signore vertritt Kaffeemaschinen, schult Baristi und macht einen Cappuccino, wie ich ihn nur einmal bei einem Vertretertermin vor vielen Jahren in einer Bar an der Hauptstraße von Alba nach Barolo bekam.
Einzigartig!
@Alt Wien - jaaa, ich muss mal hin, du hast mir eh schon öfters den Muss wassrig g'macht. Prossima volta!
Und nein - Starbucks geht gar nicht - solche Ketten finanziere ich nicht. Das ist so wie beim grünen Lulubier aus Amsterdam. Milliarden für Werbung, aber das Zeug kann man nur in den Ausguss gießen.

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315
75
am 27. November 2014 um 10:35

Hab nicht behauptet, dass Du dort hingehst (fände das auch nicht ehrenrührig - ich geh selbst dorthin; weiß halt was mich dort erwartet - und das ist mehr als im "Wiener Kaffeehaus"...)
Mich hat lediglich Deine Anmerkung zur Schaumstabilität irritiert - gerade eben weil sie von Dir ist ;-)
Wo Dein persönlicher Kaffee-Hotspot in Wien ist kann ich nicht erraten - ich nenne halte wieder einmal die meinen:

1.) Zanoni Lugeck: Das Eis haut mich dort nicht vom Hocker - der Cappuccino tuts. Eine einzige Sensation, da passt alles für mich. (italienische Eisgeschäfte sind generell eine gute Anlaufstelle für ordentlichen Kaffee, btw)
2.) Alt Wien Naschmarkt
3.) Pizza Mari + Disco Volante
...........> das wärs in Wien

Wenn wir schon beim Thema sind, kommen mir gleich die Tränen: Den besten Kaffee nach meinem Geschmack gabs immer - ganz unprätentiös - bei den Autogrillstationen in Italien. Und heuer haben die tatsächlich die Rösterei gewechselt - statt des eigens gerösteten Segafredo (mag den normal nicht so - aber der Autogrill Segafredo war perfekt) haben sie nun irgendeine andere Marke. Immer noch gut, keine Frage - aber für mich ist eine Welt zusammengebrochen :-(

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54
8
am 27. November 2014 um 10:27

StephanS: wie kommst du auf die Idee, dass ich zu Starbucks gehe? Meinen Über-Cappuccino krieg ich beim Italiener - finde raus, wo! ;-)
Passalacqua: ich meine damit nicht, dass die Rösterei neu ist, sondern dass man hierzulande endlich auf die Perlen des Fachs kommt!

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75
am 27. November 2014 um 10:16

schöner Bericht - zwei Anmerkungen seien mir dennoch erlaubt:

1.) Passalacqua --> ist kein Modetrend, wie Du das darzustellen scheinst, sondern eine alteingesessene Rösterei, die nicht nur in Privathaushalten (wie etwa dem meinen ;-) ) schon länger Verwendung findet, sondern auch in der Gastronomie: Die Pizza Mari etwa hat den seit Eröffnung.

2.) "Schaumstabilität": Ich weiß, dass viele meinen, der "Bauschaum", den Starbucks und viele andere aus Milch machen wäre das non plus ultra.
Ist es nicht.
Milchschaum muss fließen können - dann schmeckt er nicht nur besser, auch die Latte Art, die den perfekten Cappuccino ziert, ist so erst möglich.

Der Cappuccino vor Ort scheint also tatsächlich bis ins letzte Detail perfekt zu sein - schön zu sehen, dass es manche schaffen ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen!

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Radlager Palazzo
Operngasse 28
1040 Wien
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Ambiente
Service
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