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Wirtshaus zum Nepomuk - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 7. November 2014
Experte
bubafant
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3Speisen
3Ambiente
2Service
9 Fotos1 Check-In

Wenn der Anfang so gar nicht rund läuft, gibt es immer zwei Möglichkeiten: es wird besser, oder nicht. Nach einem Termin kurz mobil geretet und das Wirtshaus zum Nepomuk auserkoren - dieses schreibt sich "Urechte Wiener Gastlichkeit" auf die bunten Werbetafeln auf der Fassade und "Zeitgemäße Wirtshauskultur" auf das beleuchtete Werbeschild. Es ist schon nach Zwei und das Mittagsgeschäft (bis 14:30 Uhr, Suppe mit z.B. faschierten Laibchen, Grammelknödel, Zander etc.) liegt nicht einmal mehr in den letzten Zügen, denn es sind nur wenige Theken-Gäste anwesend. Nach dem barrierefreien Eintritt durch eine so nicht erwartete moderne, schwere Glasschwingtür steht man eben direkt vor der Theke, als Nichtkenner orientiert man sich kurz, wo die Ascher stehen und fragt dann etwas ratlos, ob es noch ein Plätzchen im Nichtraucherbereich gäbe. Die Kellnerin deutet in den hinteren Bereich des Lokals und meint, dort isses.

Wenn es nicht so traurig wäre, hätte man eventuell lachen können. Ein so großes Lokal und der Nichtraucherbereich ist im letzten Eck ein Aquarium mit ganzen vier (!) Tischen. Zwei davon sind noch belegt, von Silberlöckchen und Arbeitskollegen, allesamt schon fast beim Gehen. Ich sehe zu, wie ein Gast nach dem anderen noch auf die Toilette geht und dann das Lokal verlässt.
Auftritt Kellner mit den Worten, ob ich schon bestellt hätte. Nein, ich warte nämlich noch immer auf die Speisekarte. Eventuell unterstelle ich da etwas, aber ich bilde mir ein, ein Augenrollen gesehen zu haben. Ich bekomme eine Karte vom Stoß aus dem anderen Raum – wenn die Gäste die Karten selbst nehmen sollen, dann muss man das kommunizieren – auch für Nicht Stammgäste.

Die Klassikerkarte beinhaltet, was man von der bürgerlichen Wiener Küche erwartet: Rindssuppe mit div. Einlagen, Beef Tatar, Rindsgulasch mit Salzerdäpfel, gebackene Pilze mit Sauce Tatar, gebackenen Käse, Schweinsbraten mit Semmelknödel und Krautsalat, Fiaker Gulasch, gekochtes Rindfleisch mit Rösti, Schnittlauchsauce und Apfelkren, gebackene Schweinsleber mit Erdäpfel-Mayonnaise Salat, Cordon Bleu, Waldviertler Schnitzel, serbischen Zander, sowie gebackene Scholle.
Handgeschrieben gibt es die saisonalen Angebote, wie Ganslsuppe mit Bröselknödel, Wildconsomme mit Rehstrudel, Rosmarin-Wildspieß, Wildererpfandl, gebackenes Rehschnitzel, Wildschweinbraten, gebratenen Fasanenbrust – es ist Wild-Zeit.
Und es gibt noch einen Monatshit, im Oktober sind das Specklinsen mit Selchfleisch und Knödel, werktags von 11:00 bis 21:00 Uhr um EUR 5,-.

Das gesamt Lokal ist sehr gefällig eingerichtet, helle Wände und Holzmöbel, Ziervorhänge vor den Fenstern, sehr moderne Bilder an den Wänden. Alles in zwei gut harmonierenden Farbfamilien – da hat jemand ein Händchen dafür. Nicht verstehen kann ich den Brandfleck in meinem Tischläufer. Salz und Pfeffer in einer Mühle, bereits eingedeckter Besteckteller, so weit so gut.

Faschierte Wildlaibchen (EUR 9,50) von der Saisonkarte
Auf einem quadratischen, weißen Teller serviert man zwei etwas größere, etwas unregelmäßige Laibchen. Sehr gut abgetupft, denn es gibt am Ende nur wenig Fett am Teller. Ich bin ob der Kruste unschlüssig, nicht im Rohr gebacken und auch nicht knusprig in der Pfanne herausgebraten. Irgendwo dazwischen, und höchstwahrscheinlich aufgewärmt. Die Zutaten sind einigermaßen fein faschiert, keine Flaxen. Leider vermisse ich einen Wildgeschmack. Also müssen die Preiselbeeren im Extraschälchen als Aromenspender herhalten. Die Rotweinbirne hätte noch etwas Dünstung vertragen.
Als Beilage gibt es einen Erdäpfel-Vogerlsalat. Auf den ersten Blick sieht der Vogerlsalat etwas welk aus, aber das täuscht, fast etwas zu säuerlich mariniert. Der Hammer ist hier der Erdäpfelsalat – genau wie ich es gerne mag, süß mariniert, etwas gatschig zwischen den Scheiben und mit rotem Zwiebel.
Als 'Versöhnung' für den schlechten Start mit dem Kellner, erwähne ich den guten Salat beim Abservieren und er steigt zutraulich auf die Interaktion ein, um auch gleich jovial nach einem Dessert (mit Kafeetscherl?) zu fragen.

Malakoffnockerl mit Eierlikör und Schlagobers (klein EUR 4,00) mit einem kleinen Braunen (EUR 1,90)
Dasselbe Tellerformat und fast randvoll mit den Nockerln. Wie sieht denn dann die große Portion aus ? Zwei Reihen von Malakoff. Sehr saftig, allerdings sind die Biskotten nicht in Kaffee getunkt, dementsprechend hell/gelblich ist die Nachspeise. Der Kaffeegeschmack wird punktuell mit Likör eingebracht. Viel zu viel Schlagobers dabei.
Und: dieses ist fünf Minuten vor dem Kippen, aber es geht noch.
Ich 'verspiele alle Sympathien', in dem ich den Kellner beim Abservieren darauf aufmerksam mache, die Küche solle doch das Schlagobers vor dem nächsten Ausservieren prüfen.

Fazit: Wenn das Erlebte "urecht, gastlich und zeitgemäß" ist, na dann Gratuliere, denn es ist weder noch. Die Abtrennung des NR-Bereiches mit Glas ist Augenauswischerei, denn die Tür steht den ganzen Besuch über offen. Nein, nicht ganz. Es dürfte der Chef gewesen sein, der in den Privatbereich durchgegangen ist und die Tür geschlossen hat. Allerdings nur so lange, bis der Kellner wieder mit ang'fressener Miene vor der geschlossenen Tür gestanden ist. Ich werde beim Verlassen des Lokals mit den Rückenansichten des Kellners und der Kellnerin 'bestraft' und man knurrt nur ein "Aufnwiddaschauuun". Echt kindisch und nicht kritikfähig.
Obwohl diese Gegend nicht so sehr mit Lokalen gesegnet ist, sieht mich das Nepomuk nicht mehr. Eigentlich schade, denn das Essen war nicht so schlecht, ich hatte auch keine Bäuerchen vom Faschierten wie sonst immer, vielleicht ob des fehlenden Knoblauchs, wer weiß.

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Kommentare (13)

am 31. März 2015 um 13:03

Im übrigen tut das Herr Flatscher (siehe Bewertungen zu Flatschers) schon lange. Insofern kein schlechtes Beispiel, auch wenn man anderer Meinung sein kann.

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am 31. März 2015 um 13:00

Sehr gut, daß wir das Thema angesprochen haben und daraufhin die Kommentare dazu! Das hält hoffentlich potentielle Trittbrettfahrer beiderseits davon ab falsche Hoffnungen zu erwecken. Es soll ja wirklich Leute gegeben haben, die einen auf Tester gemacht haben und sich davon was erhofft haben und andersherum. Wie immer ist es meine persönliche Meinung und wenn jemand anderer Meinung ist, soll es ruhig sein. Und ja...kritikfähige Gastronomen haben immer die Chance auf mehr "Inkognito-Tester" Habe gestern übrigens diesbezüglich ein sehr lustiges Comic in einem altem Donald Duck Heft beim Arzt gelesen. Passte hervorragend zu diesem Thema!

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83
am 31. März 2015 um 12:06

An alle Restauranttester!
Nie im Leben hätte ich gedacht welche Reaktion es auf ein Antwortschreiben gibt!
Also zuerst nehme ich meine Einladung zurück, welche bubafant aber auch schon abgelehnt hat. Es war mir nicht bewusst das es da um die "Reteehre" geht und wollte auch niemanden zu einer guten Bewertung "schmieren". Überhaupt habe ich diverse Kritikerforen bisher nicht so beachtet, was offensichtlich ein Fehler war, was die überwältigende Reaktion beweist. Ihren Hinweis dass mich nun auch andere Mitglieder des Forums "Testen" werden sehe ich als positive Herausforderung, denn nur durch Kritik, gut oder schlecht sehe ich wo ich stehe.
Es würde mich wirklich freuen wenn mich bubafant noch einmal "inkognito" besucht, um den Verdacht einer etwaigen Bestechung loszuwerden.
Jedenfalls habe ich mich nun auch eingetragen und werde sicher öfter auf die Seite schauen um nicht nochmal erst nach Monaten auf eine Kritik zu antworten. In Erwartung vieler "Tester" verbleibt mit Hochachtung vor dem Ehrgefühl der Gruppe

Dominik Schachinger

Wirtshaus zum Nepomuk

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0
1
am 30. März 2015 um 21:27

Hätte sich bubafant als Tester deklariert, sähe ich die Sache anders.

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22
am 30. März 2015 um 21:14

Zumal die meisten hier eh nicht wissen, wie ich aussehe, wird mir das auch nicht passieren.

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83
am 30. März 2015 um 21:11

Wer definiert hier was? Kann jeder so definieren wie er oder sie es will. Ich definiere meine "Reteehre" so, daß ich mich einfach diskret und inkognito verhalte und sicher nicht irgendwie irgendwo den Tester rauslasse und mich auch nicht von irgendwelchen Lokalen zum Testen einladen lasse. Meine Speisen und Getränke werden immer von mir selbst bezahlt, damit ich bei meinen Bewertungen mit reinem Gewissen und unbeeinflusst erstellen kann. Wem meine Definition von ReTe Ehre gefällt kann es mir ja gleich tun oder EBEN NICHT.

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152
83
am 30. März 2015 um 20:22

ICH würde die Einladung inkognito annehmen ... also einen Wiederbesuch ohne Ankündigung machen und mich auch nicht zu erkennen geben als Schreiberling.
Schau mer mal, tät i sag´n!

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Experte
63
50
am 30. März 2015 um 20:20

Hallo Herr Schachinger,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Wie Sie selbst bemerkt haben, ist meine Kritik nicht nur schlecht gewesen. Sie war eben so, wie ich es an diesem Tag empfunden habe.

Der Hinweis, das Schlagobers zu überprüfen sollte zu jedem Zeitpunkt ernst genommen werden, egal ob die Speise gegessen wird, oder nicht. Ärgerlich ist es halt nur, den Gast das Desinteresse spüren zu lassen.

Ich war seit meinem Besuch wiederholt in der Nähe Ihres Lokals, habe mich an meine Erlebnisse erinnert und eben auch an mein Fazit gehalten.

Sie sind auf einem guten Weg, wenn Sie Kritik annehmen und vielleicht hie und da sogar etwas verbessern können.

Ihre Einladung ehrt Sie, aber ich werde sie selbstverständlich nicht annehmen. Vielleicht besuche ich Sie ja noch einmal ‚inkognito‘ 

Sie können sicher sein, dass andere Mitglieder dieses Forums das auch machen werden.
Man weiß es leider nur nicht vorher.

Ich wünsche Ihnen gute Geschäfte und zufriedene Gäste
und verbleibe mit den besten Grüßen
bubafant

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283
71
am 30. März 2015 um 20:12

SSW, ich sehe keinen Grund, die Einladung nicht anzunehmen. Vielleicht ist mein Ehrgefühl verkümmert?

"Die Klassikerkarte beinhaltet, was man von der bürgerlichen Wiener Küche erwartet: ... Beef Tatar, ... gekochtes Rindfleisch mit Rösti, Schnittlauchsauce und Apfelkren.."
Beef Tatar zählt für mich nicht zur bürgerlichen
Wiener Küche. Es mag natürlich sein, daß die allmähliche
Allgegenwart dieser Speise zwangsläufig zur Aufnahme in den Kanon führen wird.
Und früher, in harmloseren Zeiten, wußte der durchschnittliche Wiener Wirt nicht einmal was eine Rösti ist. SOOO viel hat sich da nicht geändert, aber die Bezeichnung wird jetzt gerne für fast beliebiges Erdäpfelgemenge verwendet. Ich begrüße das nicht.

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Experte
48
22
am 30. März 2015 um 19:51

Ich denke, es ist Reteexpertenehre, solche Einladungen NICHT anzunehmen, egal ob es vorher eine positive oder negative Kritik war. Aber jeder so wie er oder sie es richtig hält...

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Experte
152
83
am 30. März 2015 um 19:14

Hallo bubafant!

Ich habe leider erst heute zufällig Ihre Bewertung gelesen und möchte dazu gerne Stellung nehmen, da ich Restaurantblogs als sehr wichtig empfinde. Erstens freut es mich wirklich sehr das Sie das Ambiente als positiv empfunden haben, denn wir haben die letzten 2 Jahre ziemlich in eine zeitgemäße Ausstattung investiert. Die Begrüssung durch unsere Kellnerin ist schon ein fauxpas den ich so von meinem Personal eigentlich nicht kenne, aber Fehler kommen in der besten Stube vor. Die Speisenbewertung trifft mich sehr, denn wir bereiten immer alles frisch zu.
Das mit dem Schlagobers hätte ich sofort reklamiert um uns die Chance auf Wiedergutmachung zu geben. Betreffend den Nichtraucherbereich muß ich erwähnen das wir noch einen Nichtrauchersaal mit 60 Plätzen zur Verfügung haben, diesen aber erst öffnen wenn das Stüberl voll ist. In einem Saal mit 60 Plätzen fühlt man sich leich wie im Bahnhofsrestaurant wenn nur zwei Tische besetzt sind. Ich achte auch immer wirklich darauf das die Türen zum Nichtraucherbereich geschlossen sind, wie Sie auch bei Ihrem Besuch bemerkt haben.Ihre Kritik war jedenfalls sehr fair und letztendlich auch gar nicht so schlecht, für mich als Betreiber aber doch schrecklich. Nur durch Kritik von Gästen kann man sich auch verbessern, daher bin ich über Ihren Bericht doch dankbar.
Zuletzt möchte ich Sie gerne zu einem Essen einladen um Sie zu überzeugen das der "erste Eindruck" vielleicht doch getäuscht hat.
Bitte lassen sie mir eine mail unter nepomuk@nepomuk.at zukommen, damit ich Ihnen einen Gutschein zukommen lassen kann, oder vieleicht sogar mit Ihnen persönlich bei einem (hoffentlich!) guten Essen über das geschehene zu plaudern.
Bis dahin verbleibt
mit freundlichen Grüßen

Dominik Schachinger
Wirtshaus zum Nepomuk

Gefällt mir6
0
1
am 10. November 2014 um 13:10

Es ist aber sicher jetzt wieder besser als noch zu "Nepomuk's Junior"-Zeiten, als Papa Schachinger mehr in Simmering war als im 10-ten.

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215
47
am 9. November 2014 um 00:45

Das Essen im Nepomuk ist nicht schlecht, an der Bedienung kann ich auch nichts aussetzen, aber ein Empfehlungslokal sieht für mich auch anders aus.

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50
Wirtshaus zum Nepomuk
Troststraße 60
1100 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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