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Kosu - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 25. Oktober 2014
Experte
bubafant
283
71
29
4Speisen
3Ambiente
4Service
17 Fotos1 Check-In

Kosu ist japanisch und bedeutet 'Grenze überschreiten'. Damit will das Besitzerpaar seinen Schritt in die Unabhängigkeit – mit einem eigenen Lokal – manifestieren. Man wirbt mit der Einmaligkeit des Lokals und dass Essen in Japan nicht 'nur' für den Gaumen, sondern auch für das Auge zubereitet wird. Seit 2005 betreiben sie ihr Lokal mit Platz für rund 25 Personen. (© Homepage) und zwar auf der Praterstraße. Auf dem breiten Gehsteig davor befindet sich ein netter Gastgarten, baulich mit Holzeinfassung und Grünzeug abgetrennt. Die Witterung gibt allerdings einen Aufenthalt im Inneren vor.

Das Lokal ist nicht sehr groß, über die Hausecke herum fast alles Glasfassade, und das im Rechteck ergibt die Gesamtgröße. An der Außenfront entlang viele Zweiertische, die im Notfall für ein Vielfaches von zwei zusammengeschoben werden können, etwas im Inneren zwei größere Tische, eine Theke und ein Hochboard mit ein paar Hockern davor. Die Türen zu den Sanitäranlagen befinden sich hinter rustikalen Vorhängen (Achtung, die Tür ist wirklich gleich dahinter :-|). Sparsame Deko, auf Schiefertafeln an der Wand asiatische Zeichen und ein Willkommensgruß. Ob der Beengtheit ist jeder Zentimeter gut genützt. Die Tische sind eingedeckt mit einer handelsüblichen Soja-Sauce, Messerbänkchen (oder heißt das hier Stäbchenbänkchen), auf dem die Essstäbchen drohen, zwei Saucenschälchen und einem Glücksbambus in der Vase.

In der Speisekarte findet sich natürlich das herkömmliche Angebot an Sushi, Maki, Temaki & Co. Unter der Rubrik 'Neue Speisen' findet man z.B. Edamame (Sojabohnen), Drachrolle (Innen Aal und Gurke, außen Avocado und Aal), Pangasius-Bento (…), Kosu-Reis, Tori Gohan Supu (Reissuppe mit Huhn und Gemüse) . Sehr anschaulich wird jede Speise mit Einzelkomponenten angeführt und die scharfen Gerichte mit Zusatzinformation.
Die diversen Sushi-Maki-Temaki-Sashimi-Kombinationen werden als Schifferplatte angeboten, für Ladies und Gentlemen bis hin zum Birthday (für 2 Personen inklusive Sekt).
Werktags von 11:00 bis 15:00 Uhr gibt es eine Mittagskarte mit z.B. Yasai Don, Tori Teriyaki Bento, Yasai Bento, (zwischen EUR 6,30 und 7,70). Im Netz gibt es ein kleines Lexikon, Begriffe wie Bento über Mochi bis hin zu Yaki werden erklärt, eine nette Geste.

Wir haben schon 'vorgearbeitet' und wissen, dass wir uns für ein Luxus Menü (EUR 17,80) entscheiden werden. Einmal Seafood&Meat und einmal Meat. Hier sind wir an dem Punkt, den ich wirklich kritisieren muss, denn diese Speisen werden auf einem massiven Bambusbrett serviert, bei unserem kleinen Tisch stehen an beiden Sitz-Seiten diese Bretter mehrere Zentimeter über den Tisch drüber. Das sollte man überdenken.

Dobin Mushi Suppe
Eine Premiere für mich – inklusive der Präsentation.
Auf einem Holztablett kommt ein Kännchen mit Siebeinsatz und großen Griff, sowie eine kleine Schale mit einem Zitronenschnitz. Man gießt die Suppe in die Tasse uns lässt das erstmal individuell auf Trinktemperatur abkühlen. Im Sieb gibt es jede Menge Getier. Viel zarter Fisch, obenauf eine Riesengarnele, perfekt geputzt und entdarmt, und untergemischt noch kleine Krabbenstückchen. Die Texturen sind so fein und im Abgang eine leichte Schärfe. Diese Vorspeise mit der Menge an Flüssigkeit ist fast schon eine Hauptmahlzeit. Sehr gut. Und wieder was Neues gelernt.

Und dann kommt das schon erwähnte große Brett. Gut, die Optik stimmt perfekt, denn in einem rot-schwarzen Bento-Böxchen (das es nichtsdestotrotz auch hier gibt), wäre es nur der halbe Auftritt. Auch das eckige weiße Porzellan ist gut gewählt – die hübsche Präsentation geht eben zu Lasten des Platzes. Die weniger aufregenden Schalen (auch optisch) sind jene mit (nona) Reis, Moyashi-Salat, Lychee-Kompott und Sake (jawohl!). Hier kann man nicht so viel falsch machen. Der Reis sehr klebrig und ungesalzen, der Salat sehr knackig und erfrischend, Lychees as they can be und der Sake (als Abschluss) überraschend mild. Die beiden warmen Hauptspeisen teilen sich eine große Platte, wie auch die rohen Fischkreationen.

Auf einem Häufchen von 'Rettichfäden' jeweils zwei Scheiben von Lachs, Thun- und Butterfisch. Sehr zart und eine für mich gute Temperatur, die Fächergurke – das Auge isst mit.
Auf meiner JapChi-Tour habe ich gelernt, dass Nigiri eigentlich so klein sein sollen, dass man nicht abbeißen muss - das wir hier komplett konterkariert, denn auf einer normalgroßen Portion Reis ist je ein Stück Butterfisch und Lachs drapiert, wo anders reicht diese Menge für mindestens zwei Nigiri. Auch wieder für das Auge, perfekte Qualität. Die Garnitur eingelegter Ingwer und Wasabi-Paste wird von mir nicht angerührt.

Das Bulgogi ist extrem zart, längliche Steifen Fleisch gut herausgebraten, Zwiebel und Karotten untergemengt. Obenauf Röllchen vom Frühlingszwiebel und weißer Sesam. Und hier haben wir die Variante mit Saft (ja, SSW). In Summe fühlt sich das im Mund für mich einfach perfekt an. Wieder einmal eines der besseren Bulgogi.

Auf drei Muscheln thronen drei Garnelen.
Gott sei Dank habe ich mir Besteck bestellt, denn wie ich die Muschel mit Essstäbchen loseisen müsste – da fehlt mir jeder Plan. Die Muscheln schön orangefärbig und knirsch frei. Die Garnelen wie gezeichnet, ohne Darm und mit dem letzten Stückchen vom Schwanz. Über allem einiges an Zwiebel und Kräutern, sowie ein Hauch von Knoblauch. An der Grenze zur zweiten Hauptspeise rinnt etwas vom Bulgogi-Saft in die Muscheln, ein sehr eigenwilliges Geschmackserlebnis und wirklich sehr gut.
Meine Begleitung hat stattdessen Knusprige Ente gewählt. Obwohl diese Portion fast doppelt so groß ist, koste ich nicht, höre aber keine Klagen.

Am Ende ist der Magen doch sehr gut gefüllt. Unsere Verweilzeit beträgt etwas mehr als eine Stunde, und damit gehören wir schon zu den 'Langhockern'. Rings um uns werden flugs einzelne Gerichte, serviert und die sind auch nicht gerade klein geraten. Am Tisch neben uns haben wir während unseres Aufenthalts drei verschiedene Nachbarn, so fluktuiert es hier. Leider lädt das Lokal auch nicht wirklich zum länger bleiben ein, und wenn schon neue Gäste in der Queue stehen, räumt man dann quasi freiwillig das Feld. Wir hatten auch nicht reserviert, so gesehen geht das für mich voll in Ordnung. Für eine größere Gruppe empfiehlt sich auf alle Fälle eine Reservierung.

Fazit: Die Gerichte sind oft kleine Kunstwerke (© Homepage) – das können wir bestätigen. Leider findet sich auf der Speisekarte, und das auch noch unter den neuen Speisen, Pangasius (das wäre wirklich sehr leicht zu ändern). Das komplette Lokal ist Raucherbereich, sogar am WC ist ein Wandaschenbecher montiert, auch neben dem Waschbecken, und der Koch raucht in seinen Pausen an der Bar. Dafür hat unsere Kleidung relativ wenig Mief gehabt.
Service ist unaufgeregt, und die Crew steht während des ‚Nichtstuns‘ im Lokal wie Mitglieder der Terrakotta-Armee herum und schauen auf die Praterstraße.
Zur Rechnung gibt es ein Bambuskörbchen mit süßen Reiscrackern. Auch wieder etwas anderes.
Es war nicht alles perfekt, aber das Essen sehr gut und wir werden hier sicher wieder einmal herkommen, d.h. klare Empfehlung.

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Kommentare (11)

am 26. Oktober 2014 um 06:35

zu japanischer Hausmannskoste fällt mir noch das EN in der Werdertorgasse ein

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Experte
54
8
am 25. Oktober 2014 um 21:00

?? Als Beef tatar hier noch nicht en vogue war, machte ich es mir oft selber aus Rindsschnitzelfleisch. Trotz meiner Liebe für rohes tierisches Eiweiß war die einzige Infektionskrankheit, die ich mir kulinarisch holte, eine Hep A von Insalata verde (in Calamari fritti überlebt ein Virus garantiert nicht). ;-)

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92
38
am 25. Oktober 2014 um 18:03

Gut eingelegtes hochwertiges Bulgogi schlägt selbst in Rohversion jedes Beef Tartar vom Geschmack her, aber hygienemäßig würde ich es nicht empfehlen. Es gibt aber aber auch eine koreanische Beef Tartare version. Link

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152
83
am 25. Oktober 2014 um 17:47

Bubafant, das mit dem Sesam ist nur eine Deko. Hat keinen grossen Einfluss auf den Geschmack. Macht meine Frau auch immer. :)

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152
83
am 25. Oktober 2014 um 17:45

Metcha Matcha...wird von einer Japanerin und einem Österreicher geführt.

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152
83
am 25. Oktober 2014 um 17:43

Mir fiel nur das Sakai und Metcha Match ein...ach ja vielleicht noch das Nihon Bashi und noch eins am naschmarkt...Name ist mir entfallen...ganz klein mit typischer japanischer Hausmannskost.

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152
83
am 25. Oktober 2014 um 17:43

Helmuth,
ich bin selbst Nichtraucher, aber die guten Bewertungen hier haben mich über meinen Schatten springen lassen,
was tut man nicht für gutes Essen ...
Und: es ist halb so schlimm gewesen.

adn1966
Danke,
einfach ausprobieren, ich denke, es wird dir gefallen

ssw
Ich mag Bulgogi in der trockenen Version und auch mit Saft.
Warum gibt man eigentlich immer Sesam drüber ?

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283
71
am 25. Oktober 2014 um 17:38

Authentische japanische Restaurants mit japanischen Besitzern sind allgemein eine Seltenheit.

Gefällt mir3
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58
16
am 25. Oktober 2014 um 17:30

Kwangyang-Style! ;)

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152
83
am 25. Oktober 2014 um 17:30

Es gibt die Variante mit Saft und sogar eine suppige art von Bulgogi, wo man denkt es sei eine Rindsuppe mit Fleischeinlage. Meine Frau und ich bevorzugen aber die relativ trockene Variante und am allerbesten finde ich die Variante aus der Region von wo meine Frau herstammt.Link

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Experte
152
83
am 25. Oktober 2014 um 17:25

Eine tadellose Review, bubafant, danke dafür. Ich hatte beim Durchlesen das Gefühl, dort zu sein. Dass es ein Raucherlokal ist, macht's für mich grad noch interessanter, obwohl natürlich die von Dir beschriebenen Speisen und die Präsentation derselben wirklich zum Hingehen einladen.

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Experte
80
48
Kosu
Praterstraße 36
1020 Wien
Speisen
Ambiente
Service
40
30
39
4 Bewertungen
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