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Die Vinothek - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 24. Oktober 2014
Experte
Zap1501
48
22
20
1Speisen
3Ambiente
1Service

Auch ich war gestern (mit Gutschein von Daily Deal: 2 1/8 Wein weiß oder rot, ein kleines Mineral und eine gemischte Antipastiplatte für 2 Personen; Kostenpunkt ca. 11,- pP) in dieser "Vinothek" und es war tatsächlich so unglaublich schlecht, wie alle versierten Vortester schon geschildert haben! Aber man muss das erlebt haben, sonst glaubt man es nicht!

Zuerst zum Ambiete: das Lokal besteht aus nur einem Raum, wenn man eintritt sind rechts niedrige Ledersofasessel und Tischchen, links sind zwei Hochtische und daneben die Bar mit Kühlvitrine. Auf den Tischen stehen Tonbecher, in denen zwei verdorrte Rosenköpfe als Deko dienen sollen. Direkt gegenüber des Eingangs ist ein großer, beleuchteter Schrank, in dem Weine präsentiert werden. Die Raumbeleuchtung ist stimmig, es hängen halbrunde, schwarze Lampenschirme von den Decken und es gibt auch an den Wänden indirekte Beleuchtung. Die sonstige Deko (Vase mit Korken, Präsentation leerer Weinflaschen, etc) ist ok, vom Ambiente her hätte ich mich schon wohl gefühlt, wäre es nicht eine Spur zu kalt gewesen.

Vorabinfo: wir hatten 5 Gutscheine und waren auch zu fünft dort, weil eine Antipastiplatte und zwei Gläser Wein sollten kein Problem sein. Vorab bei der persönlichen Reservierung vor Ort auch so angekündigt - Telefonisch war leider nie jemand zu erreichen.
Die Bewertungen hier hatte ich leider erst nach Gutscheinkauf, aber vor unserem Besuch, gelesen.

Nun zu unserem Besuch: Wir kamen nicht alle gleichzeitig, also bestellten die ersten vier Leute noch ein Glas Wein von der "Karte": diese sieht tatsächlich so aus wie geschildert: die Rotweine sind zuerst angeführt, danach die Süßweine, erst dann die klassischen Weißweine. Zwischendrin Bier und Kaffee sowie Alkoholfreies. Die Weine sind nach ihrer Sorte angeführt und der Jahrgang steht daneben, das Weingut oder die Weinbauregion sind nur fallweise angegeben, oft steht auch keine dieser Infos dabei.
Ich sehe einen Sauvignon Blanc in der Karte, gänzlich ohne weitere Angaben, 1/8 für €5,30, und ich frage die Chefin, von welchem Weingut er ist. Sie meint, sie zeigt mir die Flasche und kommt kurz darauf mit einer Magnum-Flasche aus dem beleuchteten Schrank wieder. Am Vorderetikett ist "Vinothek Rochus" zu lesen, auf der Rückseite steht geschrieben, dass es sich um einen österreichischen Landwein handelt...! Das Achterl für €5,30 möchte ich an dieser Stelle wiederholen!
Gut, da die Weine der Kollegen auch kein Erlebnis sind und sich die Preise ohnehin bei fünf bis sieben Euro fürs Achterl bewegen, sage ich ok und sie schenkt mir ein. Der Wein ist in Ordnung, mehr nicht, und sicher den Preis nicht wert. Er ist sehr leicht, der Duft verhalten, geschmacklich auch eher neutral und die typische Sauvignon Blanc-Würze fehlt komplett.

Noch bevor der 5. in der Runde eingetroffen war, begann die Chefin zu servieren. Ich sagte, dass ich die Weißweintrinkerin bin und vom ersten Wein noch habe, sie für mich also noch keinen "Gutschein-Wein" bringen soll. Sie bringt 4 Rotweingläser an den Tisch und schenkt wortlos ein, obwohl erst 3 der Rotweintrinker da waren und eine der Kolleginnen noch ein volles Glas Weißwein vor sich stehen hatte! Wir fragen, was das für ein Wein ist und sie sagt "Zweigelt". Mein Kollege fragt dann, warum sie diesen Wein bringt, laut Gutschein stehen ja Zweigelt oder Blaufränkisch zur Wahl. Sie schaut nur verdutzt, kann nicht wirklich antworten und wir meinen schließlich ok, dann zuerst Zweigelt und dann der Blaufränker.

Dann beginnt sie mit dem "Speisenservice": sie bringt Servietten, Gabeln und Messer und legt diese auf einen Haufen an das Ende des Tisches, bunt durcheinander! Dann bringt sie die ersten beiden "Platten": auf der einen sind gut 120g gemischte Wurstwaren (Putenschinken, Salami, eine paprizierte, würzige Rohwurst - sehr gut!, etwas Hauswurst-ähnliches und eine andere, dunkle Rohwurst, die nicht mehr frisch schmeckt), weiters ein junger, aber trockener Grana, ein Weichkäse und ein Emmentaler (?). Dekoriert ist das ganze mit entkernten Oliven aus Salzlake, gebratenen Melanzani und getrockneten Tomaten.
Der zweite Teller, den sie bringt besteht nur aus Putenschinken, paprizierter Rohwurst, und Hauswurst, gesamt 8 Scheiben, Emmentaler und Grana, Tomaten und Melanzani. Insgesamt ist es nicht einmal die Hälfte vom ersten Teller! Das Brot dazu ist getoastetes Toastbrot und gestaubter Wecken aus dem Plastiksackerl, jeweils sehr klein geschnitten.

Da es nicht den Anschein hat, als würde sie in nächster Zeit weiter Platten bringen, beginnen wir gemeinschaftlich von den beiden Platten zu essen. Zwischendurch bringt sie wieder, ungefragt, den nächsten Wein, tlw. mit frischen Gläsern, tlw. in 1/8-Liter-Kännchen. Der Kollegin, die vorher noch beim Weißwein war und die ihr volles Rotweinglas vor sich hat, schenkt sie den Wein ins benutzte Glas des Sitznachbarn ein, der zuvor für seinen nächsten Wein ein frisches Glas bekommen hatte. Der Kollege gegenüber hätte gerne ein frisches Glas gehabt, sie hatte aber keines dabei, die hatten die anderen Kollegen vorher schon bekommen, also spült er sein Glas aus und bekommt schließlich den nächsten Wein.

In der Zwischenzeit beginnt sie, wieder an 2 Platten zu werken, poliert zwischendurch Gläser, verschwindet kurz, kommt zurück uns werkt weiter... Mit dem Endergebnis, dass wir die fehlenden drei Platten zu unterschiedlichen Zeitpunkten bekommen haben, und jede Platte sah anders aus! Einmal gab es wieder Weichkäse, dafür keinen Grana, dann gab es mehr von der Paprikawurst, dafür keine Hauswurst, erst am letzten Teller gab es Prosciutto, es war einfach absolut unkoordiniert.

Als wir mit dem Essen fertig sind beschließen wir einen Lokalwechsel. Da die langsame Trinkerin am Tisch erst ihren ersten Rotwein gehabt hat, fragen wir, ob es möglich ist, den zweiten Wein gegen einen der vorab getrunkenen Welschrieslinge zu verrechnen. Sie meint, das geht nicht, weil der eine Gutschein ja für Weißwein und der andere für Rotwein ist, das kann man nicht mischen... Jaja, die wollte uns für dumm verkaufen. Auf alle Fälle kassiert sie dann meinen SB, zwei der drei Welschrieslinge und geht. Also packen wir uns auch zusammen und verlassen diese Lokal.

Fazit: ich habe noch nie eine Wirtin erlebt, die sowas von überhaupt keine Ahnung von der Gastro hat! Da hat nichts funktioniert! Beim Einschenken wurde gepatzt, oder sie hat das Glas vom Tisch weg auf den Nachbartisch gestellt, um dort nachzuschenken. Mineralwasser gab es nur noch still, und da bin ich mir nicht sicher, ob es nicht zuvor abgefülltes Leitungswasser war. Die Speisen waren billigste Qualität und kein Teller glich dem anderen, weder in der Menge noch in der Zusammensetzung. Kein Gespür für Ästhetik, null Koordination, keine Fähigkeiten auf Gäste einzugehen. Sie hat sich irgendwie bemüht und war nicht unfreundlich, sie tat mir in ihrer Ahnungslosigkeit schon wieder irgendwie leid, deshalb auch mein Mitleidspunkt bei der Bewertung, verzeiht mir das!

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Kommentare (6)

am 25. Oktober 2014 um 17:05

cmling: da wird halt Weintrinken erst richtig spannend. Und damit meine ich nicht so manch patschert umgesetzte OrangeWine-Totgeburt, sondern richtig traditionelles Winzerhandwerk mit Spontanvergärung und vorsichtiger Temperaturkontrolle - natürlich nur mit bestem Pressgut.

Stahltank mit computergesteuerten 15 Grad, Zuchthefen (da gibt's Hefen mit "Zitronenaroma" für das stets voraussagbare Endergebnis, wie langweilig!), da isses dann blunzn, ob ich in Leutschach oder in Ehrenhausen den Sauvignon trinke, er schmeckt überall erwartungsgemäß gleich, absolut vorhersehbar und unspannend - und jedes Jahr gleich.

Traditionell gekelterte Weine haben echte Sortentypik, das echte "Terroir", von dem andere Winzer bloß reden, keine faden Primäraromen (=100% Nase, 0% Gaumen) für bessere Spritzerweine mit vordergründigem Säurekick, die nach 10 Minuten im Glas verflogen sind, sondern gehaltvolle Sekundäraromen, am Gaumen endlos.... - da gibt's dann Weißweine, die man nach 2 Wochen nach dem Entkorken sensationell trinken kann. Das macht Spaß!

Wozu solltest gerade du dich blamieren - ich glaub wir wissen beide, was wir meinen!

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am 24. Oktober 2014 um 19:59

Ich mag gerne das Stachelbeer / "Katzenklo"-Aroma ;-) vom Sauvignon, deshalb trinke ich auch gerne die Steirer, bei ihnen findet man das häufig.
Heute schaue ich mir mal das Panigl auf der Josefstädter Straße an, aber danke für den Tipp mit der Speisekammer! :-)

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22
am 24. Oktober 2014 um 18:23

Ja, amarone, ja! Kenne aus Deutschland solche Sachen, die dem stupiden Weingesetz nicht gehorchten und ganz vorzüglich waren. Ich glaube, in Italien gibt's das auch? (Bin mir fast sicher, aber vor Dir mag ich mich nicht blamieren.)

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22
am 24. Oktober 2014 um 17:12

Übrigens - es gibt Weine, die aufgrund der Nichteinhaltung der Qualitätsweinrichtlinien nur als "Landwein" eingestuft werden.
Das muss noch kein schlechtes Zeichen sein.
Dazu kommt noch, dass das "typische" Sauvignonaroma (Holunder) eigentlich keines ist.
Probier mal einen spontanvergorenen Sauvignon, der beim Vergären nicht auf 16 Grad runtergekühlt wird. Würde man als Sauvignon nicht erkennen.

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am 24. Oktober 2014 um 17:08

Tigergasse 33? Schau mal bei der Nr. 31 vorbei, das ist zwar keine Vinothek, aber weit erfreulicher! Link

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am 24. Oktober 2014 um 12:23

Sehr ausführliche gut formulierte Warnung! :-)

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Tigergasse 33
1080 Wien
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