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Gasthaus Brigitte - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 16. Oktober 2014
Experte
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2Speisen
2Ambiente
2Service

Das „Gasthaus Brigitte“ ist definitiv eine Wiener Institution in Sachen „Leichenschmaus“ nach dem Motto „A scheene Leich!“. Klingt morbide, aber ich bin ja ein waschechter Wiener, daher klingt es für mich genau so, wie’s eben ist. Eigentlich, so sollte man glauben, kann ein Gasthaus gar nicht besser liegen oder noch einfacher Geschäfte machen als hier in dieser Lage, gegenüber dem 3. Tor vom Wiener Zentralfriedhof, weil, wie der geschulte Wiener sagt: „G’stuarbn wird imma!“.

Aber selbst an diesem Ort hat man es geschafft, durch immer grauenhaftere Küchenleistung und noch viel ärgerem Service, dass viele Besucher meinten, das Begräbnis wäre eigentlich gar nicht das Traurigste an diesem Tag gewesen. Das sprach sich immer mehr herum, und es kam, wie es kommen musste, wenn man halt fest der Meinung ist, die Gäste „miass’n jo eh nochan bei uns fress’n!“ und man sperrte zu. Dazu kam auch, dass die gut besuchte Alternative, das „Gasthaus zum Eckwirt“, nun ein asiatisches Restaurant ist („Inter Wok“). Hochmut kommt stets vor dem Fall…per Juni 2013 wurde das Lokal neu übernommen und neu eröffnet.

Geboten werden klassische Gerichte aus der Österreichischen insbesondere der Wiener Küche wie Backhendl, Zwiebelrostbraten, Bauerngulasch, Schnitzel, Geröstete Kalbsleber oder Blunzengröstl, aber auch Spareribs. Teilweise ist die Preisgestaltung eher mutig für ein einfaches Gasthaus, man ist sich aber offensichtlich bezüglich der Lage und der wenigen Alternativmöglichkeiten in dieser Gegend bewusst.

Vor dem Lokal „türmen“ sich die Angebotsschilder, sodass man durchaus von einem „Schilderwald“ sprechen könnte – übersichtlich ist anders. Ein angenehm mit alten Bäumen beschatteter Gastgarten befindet sich direkt vor dem Lokal, leider an der heftig befahrenen „Simmeringer Haupt“. Im Lokal angekommen, standen wir vor einer großen, mächtigen Schank aus einem Holz-Mix hell und dunkel. Wir hatten reserviert, wurden höflich empfangen und in den hinteren Bereich, der leider sehr dunkel ist, an unseren Tisch geführt. Der vordere Bereich (Nichtraucher) ist deutlich heller und schöner eingerichtet – massive Möbel aus hellem Holz. Warum der zweite Gastraum gar so dunkel gehalten wird, bleibt mir ein Rätsel, behaglich zusagen tut es in keinem Fall.

Ein besonderes Rätsel bleibt mir auch die Trennung zwischen Nichtraucher und Raucher, weil es die baulich gar nicht gibt. Ein völlig offener, nur optisch getrennter, bogenförmiger Durchgang stellt die gesamte „Trennung“ dar. Lediglich der Festsaal (etwa 120 Personen) ist wirklich baulich abgetrennt – eine Farce. Im hintersten Winkerl, eigentlich eine Art offenes Stüberl mit einem großen Tisch, hat man eine Falco-Ecke, eher schon einen Schrein zum Gedenken an Falco und dessen Mutter eingerichtet. Hintergrund: beide waren angeblich ab und zu im Lokal zu Gast.

Unsere Kellnerin, nicht aus Österreich, war eine recht resche und hamtige Person, taute jedoch immer mehr auf, je mehr man mit ihr direkt kommunizierte. Das Gefühl ließ einen aber nicht los, dass sie eigentlich mehr Hektik verursachte als tatsächlich bestand. Der Vollständigkeit halber sei noch angemerkt, das „Gasthaus Brigitte“ ist ein eher einfaches Gasthaus und hat natürlich keinerlei Auszeichnungen oder Hauben.

Zu trinken hatten wir ein „Gösser Naturgold Alkoholfrei“ (EUR 3,40 / 0,5l), einen „Apfelsaft mit Leitungswasser“ (EUR 2,90 / 0,5l) sowie einen mittelmäßigen „Kleinen Mocca“ (EUR 1,90). Generell werden in der „Brigitte“ folgende Biere vom Fass angeboten: Zipfer Urtyp, Gösser Zwickl und ein Gemischtes.

► „Frittatensuppe“ (EUR 3,40):
Eine brennheiße, brav gemachte Suppe wurde serviert. Ja, natürlich verlängert, aber als Basis doch eine gute Bouillon gefertigt, eine klassische „Wirtshaus-Supp’n“ eben. Die Frittaten waren hausgemacht und flaumig, und daher gibt es für diese Suppe ein „GUT“ (3).

► „Nudelsuppe“ (EUR 3,30):
Für die Suppe gilt bereits Beschriebenes, viele Nudeln, die auch noch Biss hatten, servierte man in ebendieser. Auch hierfür ein glattes „GUT“ (3).

► „Wiener Schnitzel vom Schwein mit Pommes Frites“ (EUR 9,90):
Die Panier schön souffliert, von guter und knuspriger Qualität und tadellos vom Fett abgetropft, servierte man zwei Schnitzeln. Dazu, wie von der besten Tochter von allen gewünscht, knusprige Pommes Frites und automatisch zwei Einwegpäckchen Ketchup. Alles zusammen wäre im mittleren Bewertungsbereich gelegen, wenn nicht ein Schnitzel von den beiden gleich drei große Flachsen gehabt hätte und somit fast ungenießbar war – somit gibt es hierfür nur ein „MÄSSIG“ (2).

► „Spareribs mit zweierlei Saucen und Bratkartoffeln“ (EUR 13,90):
Zwei Reihen Spareribs mit etwa 35cm Länge wurden serviert. Endlich auch einmal schön ausgebraten / ausgegrillt, auch an der Unterseite der Rippchen. Die Beinhaut wurde, wie üblich, nicht eingeschnitten, damit nur ja keine Marinade von unten in das Fleisch ziehen kann. Die Fleischqualität und auch die Würzung waren sehr gut, und das Fleisch löste sich leicht von den Knochen, was für mich persönlich immer wichtig ist, esse ich doch nie mit den Händen. Zusammengefasst: Ribs sehr gut, Bratkartoffeln = Frittierkartoffeln, Saucen hausgemacht (Cocktail- und Kräuter-Knoblauchsauce), aber nicht bemerkenswert, der Salat dazu (Kraut- und Karottensalat) gut. In Summe daher ein „GUT“ (3).

► „Coup Dänemark“ (EUR 5,90):
Man servierte billigstes Vanilleeis mit einer Unmenge an Schlagobers, die Convenience-Schokoladensauce wurde jedoch separat in einem Schüsserl serviert, was von der Sache her einfach falsch ist. Ein „Coup Dänemark“ besteht aus gutem Vanilleeis über das die heiße Schokoladensauce gegossen wird. Fast EUR 6,00 für billigste Ware und eine komplett falsche Zubereitung können leider nur „MANGELHAFT“ (1) sein.

Für die Speisen, in Summe 12 Punkte für 5 Speisen, gibt es leider nur ein „MÄSSIG“ (2), da der Punktedurchschnitt = 2,4 beträgt.

Auch das Ambiente konnte nicht so richtig bei uns Punkten, saßen wir definitiv im ungemütlichsten Bereich der „Brigitte“. Die Sanitäranlagen sind annehmbar, aber bei den Damen viel zu klein. Am Weg zu den Toiletten muss man durch eine Art Stadel, in dem allerlei nette Gegenstände und Bauernmöbel angesammelt wurden. Der gemeinsame Waschplatz vor den Sanitäranlagen ist sehr sauber und adrett. In Summe aber gebe ich auch hier leider nur ein „MÄSSIG“ (2), insbesondere weil die Raucher-Nichtraucher-Trennung ein schlechter Witz ist.

Auch für den Service gebe ich nur ein „MÄSSIG“ (2), weil ich mich als Gast eigentlich nicht an Servicekräfte „anbiedern“ will, um „normal“ behandelt zu werden. Heimelig fühlt man sich hier sicher nicht, eher ist man dem Service relativ gleichgültig.

Fazit: extra herfahren in das „Gasthaus Brigitte“ empfehle ich keinesfalls, ein Besuch sollte nur dann stattfinden, wenn es sich nicht anders ergibt oder keine andere Möglichkeit besteht. Gastfreundlichkeit wird hier definitiv klein geschrieben. Wer es will, es gibt XXL-Tage (Sa und So) mit z.B. 1kg Wiener Schnitzel vom Schwein oder 2kg Spareribs um jeweils EUR 19,90. Ich überlege nun tatsächlich eine testamentarische Verfügung, dass mein Leichenschmaus hier keinesfalls stattfinden darf. Läge das „Gasthaus Brigitte“ nicht direkt beim Zentralfriedhof, der Untergang wäre dieser Gaststätte gewiss.

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Kommentare (1)

am 16. Oktober 2014 um 19:02

Ich war nur ein einziges Mal dort, das reicht.
Mein Begräbnis wird ja in einem anderen Bezirk sein, daher müssen "meine" Trauergäste nicht leiden.

Gefällt mir2
Experte
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50
Gasthaus Brigitte
Simmeringer Hauptstraße 385
1110 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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