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Al-Badawi - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 13. Oktober 2014
Experte
amarone1977
315
75
30
4Speisen
3Ambiente
3Service
5 Fotos1 Check-In

amarone1977 meets schlitzaugeseiwachsam – für uns beide schon sowas wie ein kulinarischer Klassiker.
Da gibt’s einiges zu besprechen – und noch viel mehr zu essen.

Heute tauchen wir ein in das Reich der alten Phönizier – libanesische Küche.

Spannend, weil ganz anders als die türkische, und auch ganz anders als die persische, wenn auch die gleichermaßen hohe Kompetenz beim Thema Reiskochen sofort ins Auge sticht.
Vorweg: Reis ist keine Beilage, sondern schon eher die Grundlage. Vor allem heute Abend.

So kommt zuerst mal ein Vorspeisenteller (die traditionellen Mezze) um gut 15 Euro, den wir uns brüderlich teilen. Das dazu gereichte Fladenbrot nimmt Rücksicht auf zwei Esser, die noch viel vorhaben. Es ist nicht fett, aber auch nicht brutal trocken – man könnte sagen wie eine ziemliche kompakte Palatschinke, die man sogleich mit den typischen Aufstrichen beladen kann.

Darunter ein ganz besonderer, war’s „M’hammara“? Ich merk‘ mir oft die Namen nicht, ich schau auch selten in der Karte nach, um mich nochmal zu vergewissern, aber unser beider Favorit war ebendiese dicke Sauce mit Tomaten, Linsen (?) und sicher noch geschätzt zehn weiteren Zutaten.
Auch fein die Hummusvariante mit Kichererbsen, dazu gab’s noch eine weitere intensive Sauce mit Melanzani und Oliven, wenn ich das richtig erschmeckt habe, müsste das Baba Ganoush gewesen sein.
Außerdem noch ein Stück Kafta (Bällchen), sehr eigentümlich gewürzt.

Bei der anderen Hälfte des Tellers muss amarone dann allerdings aufgrund massiver „Vergurkung“ zurückstecken. Der Tomatensalat mit Petersil, ich glaub er heißt Taboulé, ist zwar fein angerichtet (kleine Würfel, ohne schlatzige Kerndl) und ebenso fein mariniert, beim Gurkensalat und dem anderen Sauergemüse muss ich passen, vor allem in dem Moment, als sich plötzlich der Essig über die kostbaren Saucen ergießt, gerade als sich SSW an den Salaten gütlich tun will.

Meine Meinung: Sauergemüse sollte unter sich bleiben, das ist wie die oft hierzulande gelebte Unsitte, Salat am selben Teller mit Gegrilltem und Pommes frites zu servieren. Einzige wirkliche Kritik in puncto Essen.

Doch da ist ja noch eine Vorspeise am Weg, schade nur, dass sie erst zusammen mit den Hauptspeisen eintrudelt: marinierte Lammzunge.
Ich kenne Zunge bis dato fast nur von der Piemonteser Küche – lingua in salsa verde.
Doch auch am anderen Ende des Mittelmeers weiß man offenbar, mit kräftigem Grünzeug eine feinsäuerliche Marinade zu zaubern.

Warm serviert, zergeht die Zunge auf der Zunge. SSW schüttelt den Kopf, aber nicht, weil’s ihm nicht schmecken würde, sondern weil er hier offenbar sein neues Lieblingessen gefunden hat. Ausgesprochen schmackhafte Angelegenheit, wir sind einer Meinung, dass man hier allein mit den Vorspeisen ein abendfüllendes Gelage veranstalten könnte.

SSW stürzt sich auf die Kalbsripperl. Meine Ripperl-Vorurteile sollten eindrucksvoll bestraft werden.
Fett? Keine Spur.
Kübelwürze? Fehlanzeige.
Verbrannt? Nicht ein bisschen.
Was hier serviert wird, sind gewaltige, mattfarbene, butterzarte, auf den Punkt erwischte Ribs mit zartem, dezent vorweihnachtlichem Zimtaroma (aber nicht zu viel!), wo man aufpassen muss, nicht zum gierigen Raubtier zu werden. Wirklich gut!

Für mich werden gefüllte Wachteln serviert. Kein Druckfehler - nicht eine, sonder tatsächlich zwei ganze Wachteln am Teller, frisch aus dem Rohr, gerade richtig gebraten, außen golden, innen zart und nicht trocken.
Die Füllung mit wunderbar gewürztem Gemüsereis, ergänzt durch prall-süße Rosinen.

Die Portion beachtlich, mit einem Reis, der mit feinen, rosa Fadennudeln ergänzt wird – ich hab die Dinger zuerst gar nicht als solche erkannt.
Aromatik und Konsistenz wie schon bei meiner letzten persischen Einladung erstklassig.
Eine Sauce gibt’s auch dazu: Joghurt mit Minze, den „Joghurtsalat“ mit Gurken übersiedle ich flugs zu meinem Gegenüber.

Käse schließt den Magen? Wir versuchen’s, obwohl der Magen eigentlich schon nicht mehr kann.
Das uns servierte Dessert (hieß das wirklich Kanafat, Kollege SSW?) besteht aus zart schmelzendem Käse, darüber eine betörende Mischung aus feinen Nudeln, Gewürze, Mandeln und Zuckersirup.
Es war also allein die Neugierde, etwas zu probieren, das in anderen Lokalen sicher nicht auf der Karte zu finden ist. Gewöhnungsbedürftig, aber trotzdem sehr gut.
Die Hälfte bleibt stehen – rien ne va plus.

Doch – ein Verdauungskaffee geht immer.
Hier im Hause natürlich standesgemäß im Messingkandl serviert. Der Kaffee feiner Mahlung dampft verführerisch, dezent gesüßt mit deutlichem Kardamomaroma. Oh ja!

Wein: diesmal nicht, aber den Ksara (nein, das ist kein Franzose…) werde ich mir nächstes Mal zum kräftigen Essen nicht entgehen lassen.

Service: sehr freundlich und bemüht, leichte Kommunikationsprobleme zu Beginn, auf die Bestellung wartet man vielleicht einen Tic zu lange, aber das kann man ja ausmerzen, ebenso wie die eine Vorspeise, die zusammen mit der Hauptspeise serviert wurde.

Ambiente: angenehme Atmosphäre, man erspart sich aber die so oft devotionalienschwangeren Lokale, die den Eingeborenen hierzulande das ferne, exotische Land vorgaukeln müssen. Details wie die schönen Vorhänge runden das gute Gesamtbild aber angenehm ab.
Interessant wäre mal ein Besuch an einem Samstag, inklusive Bauchtanz-Performance, obwohl nach dem reichhaltigen Essen eher die Gäste Bewegung nötig hätten.

Fazit: ganz sicher wieder, die Reise durch die libanesische Küche hat erst begonnen.
SSW, auf zu neuen Orgien!

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Kommentare (9)

am 14. Oktober 2014 um 11:17

Eho´s Inneres hat eben ein anderes Fassungsvermögen ;-)

Gefällt mir2
Experte
33
15
am 14. Oktober 2014 um 10:26

eho: ich hab nach unserem Besuch gelesen, dass die libanesische Küche generell mit Fett spart, das hat man an den mageren, wie superzarten Ripperln gemerkt, aber auch an der Wachtel, die ein reiner Muskelprotz war.
Man merkt das spätestens dann, wenn man schon relativ viel gegessen hat, aber weder ständig aufstößt noch zum Blähboy wird. Auch daran erkennt man gutes Essen.

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Experte
315
75
am 14. Oktober 2014 um 10:05

Genauso isses, gebremst wurden wir eigentlich nur durch das Dessert, aus Käse, Fadennudeln und Zuckersirup, was ja in der Natur der Sache liegt :D

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315
75
am 14. Oktober 2014 um 10:01

Trotz der Mengen haben wir uns nicht übersättigt gefühlt, was auch für die Qualität der Speisen spricht.

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Experte
152
83
am 14. Oktober 2014 um 07:27

Respekt vor der Menge, die ihr verdrückt habe. Ich kenne die Portionen da, vor allem die Hauptspeisen sind sehr großzügig dimensioniert.

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Experte
33
15
am 13. Oktober 2014 um 18:12

Orgien! Orgien! Wir wollen Orgien! (Frei nach "Asterix und der Kupferkessel")

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Experte
152
83
am 13. Oktober 2014 um 16:34

Ok, jetzt hab ich´s! Danke! :-)

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Experte
48
22
am 13. Oktober 2014 um 16:03

...mehrere Aufstriche, die Hummusvariante - also die Variante mit/aus Hummus, so war's gemeint

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Experte
315
75
am 13. Oktober 2014 um 15:41

Nur eine kurze Frage/Anmerkung bitte: Hummus ist doch immer aus Kichererbsen, was ist hier die "Variante"?

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48
22
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