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Puerta del Sol - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 12. Oktober 2014
Experte
bubafant
283
71
29
3Speisen
2Ambiente
3Service
13 Fotos1 Check-In

Von Zeit zu Zeit regt sich bei uns der Wunsch nach spanischen Tapas. 'Schuld' daran ist Erlebnis in unserem Andalusien-Urlaub, in dem wir uns mit einer wissenden Einheimischen durch viele Tondeckelchen kosteten. Seit dem sind wir auf der Suche nach einem Äquivalent in erreichbarer Distanz.

Das Gesamtrating von 44 (45/40/47) lässt uns schon frohlocken. Auf der Homepage gibt es eine sehr übersichtlich gestaltete Speisekarte – Vorderseite Tapas frias/kalte Speisen und auf der Rückseite die Entsprechung für warme Gerichte (Tapas calientes), preislich annehmbar gegenüber der Innenstadt.
Das Puerta del Sol liegt mitten in einer wahren Ansammlung von verschiedensten Lokalen, um hier bestehen zu können, müssen die doch sehr gut sein.

Eingebettet in die Häuserfront der Langen Gasse, Werbeschild über Kopf und ein paar Holztische und –stühle als kleiner Schanigarten an der Fassade entlang. Rund ein Meter Gehsteig trennt ihn von einer Unmenge an geparkten Zweirädern. Über ein paar Stufen betreten wir das Lokal – ein winziger Raum, massive Holztheke voraus und ein paar Tische, einige zu größeren zusammengestellt, und überall das Reserviert-Schild. Oha, vielleicht hätten wir doch reservieren sollen, aber auf die Nachfrage nach einem Plätzchen für Zwei folgen wir dem Kellner in einen Raum und noch einen weiteren Raum. So klein ist das hier gar nicht, das Lokal bohrt sich in das Innere des Hauses.

Die Wände sind in einem Rosa Ton gehalten, der Schifferboden sehr uneben, und als Übergang zwischen den Räumen wurde mit Flieseneinsätzen geholfen. An den Wänden hängen Schwarzweißbilder, unter anderem aus spanischen Städten und aus dem vorigen Jahrhundert. Ergänzt wird das Ganze noch durch ein paar Deko-Stücke. Der Altbau gibt die Räume vor, jeder wirkt anders, neben dem Hinterausgang von der Theke gibt es auf einem Podest eine Art Alkoven für solche, die es kuscheliger wollen. Die Beleuchtung ist sehr unterschiedlich mit diversen Lampen und auch Stilen, mir aber grundsätzlich zu düster, von wegen „Sonnentor“. Wir werden gefragt, ob wir essen wollen und erhalten dann die beiden Seiten, die wir schon aus dem Netz kennen, in Folie geschweißt.

Unser Tisch wackelt zwar nicht, ich attestiere ihm aber keine große Gegenwehr, wenn es hart auf hart gehen sollte, die Oberfläche ist gezeichnet vom Pinselstrich und insgesamt klebt alles irgendwie. Nicht so schön. Es dauert auch ein ziemliches Zeiterl, bis sich wieder jemand vom Service bei unserem Tisch einbremst und uns nach unseren Wünschen fragt. Das ist dann die Dame des Hauses und will unsere Getränkewünsche wissen. Na gut, ohne Karte ist das eine spannende Sache, und wir fragen nach offenen Rotweinen. Die Antwort beginnt mit "Ohhh, viele, wie Rioja", den Mittelteil verstehen wir nicht und der Redeschwall wird beendet mit "Madrid". Also wird’s der, den wir phonetisch verstanden haben. Das zusätzliche große Soda fällt überhaupt dem Vergessen anheim, dafür gibt’s gleich zwei kleine Gläser Leitungswasser. Wir sehen den Koch im Lokal herumspazieren, und es dauert wieder einige Zeit, bis wir gefragt werden, ob wir denn auch etwas zu essen haben wollen. Schon. Endlich geht’s los:

Boquerones en Vinagre (EUR 4,20 - in Essig und Olivenöl eingelegte Sardinenfilets)
Die Fischerln sind in Form einer Sonne auf dem weißen Teller aufgelegt. Darüber schnörkelt sich eine angeschnittene Zitronenscheibe und etwas Kräuter. Richtig ‚ausgehungert‘ nach Urlaubsfeeling machen wir uns über den Teller her. Blicke treffen sich über den Tisch hinweg. Naja, Feeling kommt hier keines auf. Sardinen halt. Es wird doch nicht so sein, wie beim griechischen Bauernsalat, dass einem der in Griechenland auch um Häuser besser als zu Hause vorkommt?

Bonito sobre Rucola (EUR 4,80 - Spanischer, weißer Thunfisch auf Rucola)
Vom ökologischen Fußabdruck abgesehen, ist dieser Teller mein Highlight – warum kommen hier überhaupt nur weiße Teller, ich will Tapas-Schalen haben! Auf einem sehr g’schmackig mariniertem Bett aus Rucola und Paprika thront der Thunfisch. Ich bediene mich jetzt auch beim Brotkörbchen (EUR 1,40), ohne geht hier leider nicht. Hier passt auch die Relation Preis und Dargebotenes.

Queso de Oveja (EUR 3,50 - in Olivenöl würzig eingelegter Schafkäse)
Das erste Ton-Deckelchen !!! Es gibt sie ja doch hier. Zwei kleine Stückchen vom Schafskäse, darüber noch etwas vom Öl mit ein paar roten Paprika und Gewürzen. Naja, geht so.

Tortilla espanola (EUR 3,50 - typisch spanische Erdäpfel-Ei-Tarte)
Hier geizt man überhaupt nicht, zwei ordentliche Tortenecken von der Tarte. Auch hier wieder Öl und Gewürze und den schon bekannten roten Paprika drüber. Die Konsistenz ist in Ordnung, ich hätte es gerne etwas würziger gehabt, aber im Großen und Ganzen in Ordnung, Sättigungsspeise eben.

Dátiles asados Serrano (EUR 3,50 - gegrillte Datteln in einem Mantel aus Serranoschinken)
Jö süss, ganze vier Datteln. So klein und dürfen schon aus der Küche raus. Der Aromenbringer ist hier ganz klar der Serranoschinken, der ist perfekt. Wenn man den Kern noch aus der Dattel kiefelt, bleibt wahrlich nicht mehr viel übrig (wenn ich da an die mit Chorizzo gefüllte Königsdattel im Nebenbezirk denke, kommen mir echt die Tränen).
Am Nachbartisch flippt eine Gästin ob der Authentizität schier aus – wo war _die_ denn (auf Urlaub)?

Espinaca c/pasas y pinones (EUR 3,90 - Blattspinat gebraten mit Serranoschinken, Rosinen und Pinienkernen)
Die Portion besteht hauptsächlich aus Spinat, mit den Pinien und dem Schinken hat man sehr gespart. Fast etwas lieblos. Die Würzung ist auch hier sehr lind.
Obwohl wir eigentlich unseren Tapas-Reigen beenden wollen, bin ich noch auf das Tagesdessert neugierig. Desserts stehen nicht auf der Karte und auf Nachfrage bei der Kellnerin sind das gegenständlich Crema catalana (nona …) und eine Creme mit Zitrone und Chili, oder so ähnlich, egal, bei den gebrannten Dingern kenne ich mich aus.

Crema catalana (EUR 3,50)
Sehr schön, im Tapas-Gschirrl. Ich habe das auch schon in Mokka-Tassen gefüllt erlebt.
Aber bitte, was ist das ? Der Löffel lässt sich nicht anheben. Was heißt, der lässt sich nicht anheben – der KLEBT auf dem eh so minimalen Knusperdeckel. Mit vereinten Kräften und Besteckteilen schlagen wir sämtliche Knusperteile vom Löffel, dass man den zumindest seiner Ursprungsbestimmung zuführen kann. Also ehrlich, ich würde mich nie trauen, meinen Gästen eine Crème Brûlée mit aufgeklebtem Löffel zu servieren. Ein echte ‚nogo‘. Da macht es auch schon gar nichts mehr, dass es mit Sicherheit ganze fünf Millimeter Crema zu löffeln gibt. Vanillepunkte sind auch keine zu sehen – und das liegt nicht am schlechten Licht. Der Zucker klebt hoffentlich noch gaaaaanz lange an eurem Löffel – Vergnügen ist das wahrlich keines !

Fazit: Während unseres Aufenthaltes bauen Musiker ihre Instrumente auf, und ab 19:30 Uhr beginnt ein Konzert. Wir sind hier hereingestolpert und haben eventuell deswegen nur mehr einen Katzentisch erwischt; beim Verlassen sitzen sogar Gäste in Mänteln und Jacken auf den Stühlen vor dem Lokal. Ganz ehrlich, so gut hat es mir hier nicht geschmeckt, dass ich mir dafür meinen Popsch abfrieren würde. Beim Gang zu den Sanitärräumen kommt man bei der Küche vorbei, die genau in diesem Augenblick in einem Meer aus Rauch verschwindet, dementsprechendes Aroma wiesen auch unsere Kleidung und Haare auf. Lustig ist ‚Esperando a Godot‘ auf den WC-Türen aufgeklebt. Im Lokal selbst ist es ab einer gewissen Belegungsrate unangenehm laut, dass man sich mit seinem Gegenüber kaum mehr unterhalten kann. Für das Gebotene sind mir persönlich die Preise zu hoch. Das Finstere/Düstere auf den Bildern korreliert mit dem Ambiente, also eher Porta del Oscuridad.
Wir wandern weiter auf unserer Suche nach guten Tapas.

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Kommentare (7)

am 14. Oktober 2014 um 12:38

Puerta del sombrío?

Gefällt mir1
Experte
315
75
am 14. Oktober 2014 um 12:30

Mein Fazit: Kein Lokal was ich empfehlen würde: Zu teuer, verraucht, Speisen zu wenig und uninteressant! Schade ums Geld!

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Experte
152
83
am 13. Oktober 2014 um 21:48

Kenne beide Lokale und auch die Bocquerones sind bei Lola besser....irgendwie fühle ich mich im Lola mehr in Spanien / Andalusien als im Puerta del Sol in Madrid...

Gefällt mir1
14
4
am 13. Oktober 2014 um 20:29

Danke für deine Empfehlung.
Mit Tintifax habe ich es nicht so, aber die Boquerones auf deinem Bild schauen sehr vielversprechend aus.

(jetzt habe ich Hunger ツ)

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Experte
283
71
am 13. Oktober 2014 um 19:34

Geh einfach ins Lola.....sehr gute andalusische Küche zu überraschend zivilisierten Preisen....meiner Meinung nach der beste Pulpo a Galega in Wien

Gefällt mir2
14
4
am 12. Oktober 2014 um 16:00

nimm auf alle Fälle eine Stirnlampe mit !

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Experte
283
71
am 12. Oktober 2014 um 15:58

oijeh...und ich da morgen hin :(

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Puerta del Sol
Lange Gasse 52
1080 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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