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Kowloon - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 11. Oktober 2014
Experte
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28
4Speisen
4Ambiente
4Service
36 Fotos2 Check-Ins

Wer eine Zeitreise machen und Erinnerungen aus der Jugend oder sogar aus der Kindheit wieder aufleben lassen will, der ist im Chinarestaurant „Kowloon“ bestens aufgehoben. Wirklich alle Klischees der früher so typisch kitschig eingerichteten Chinarestaurants werden hier bedient: Pagodeneingang, dickbäuchiger Buddha im Entree, Drachen, Löwen, goldene Holzelemente wie in einem Tempel, lampionförmige Lampen, goldverzierte Kassettendecken, Holz-Reliefbild und noch vieles mehr. Selbst den „echten“, massiven Warmhalteplatten aus Metall, die in einem dafür vorgesehenen Ofen vorher erst aufgeheizt werden müssen, begegnet man hier wieder – keine Stövchen. Es lebe der „Retro-Chinesis Austriacus“!

Vor dem Lokal wird bereits auf die günstigen, eigentlich schon unglaublich preiswerten Mittagsmenüs per Reklametafel aufmerksam gemacht. Vorspeise, wahlweise „Pikant-saure Suppe“ oder „Frühlingsrolle“, und eine Hauptspeise inkl. Reis gibt es im „Kowloon“ bereits ab sensationellen EUR 5,00. Links vom Lokaleingang befinden sich eine großzügige Garderobe, geradeaus der mit einer Glastür, leider aber immer offen, abgetrennte Raucherbereich und die Sanitäranlagen, rechter Hand der größere und prachtvoller geschmückte Nichtraucherbereich. Dunkles Holz dominiert bei den Stühlen und Tischen, die aber nett mit Stofftischtüchern eingedeckt sind, der Boden wurde mit majestätisch rotem Teppich ausgelegt. Die teilweise hellen Holzvertäfelungen, die großen Fenster und die weiße Wandfarbe machen das Lokal adrett hell und sehr gemütlich einladend. Alles wirkt akkurat picobello sauber und gepflegt. „Kowloon“ ist übrigens der größte Stadtteil von Hongkong und heißt meinem Wissen nach übersetzt „Neun Drachen“ – diese Drachen befinden sich auch an der Rückwand im Lokal (Nichtraucher-Bereich).

Sehr nett, fast schon herzlich wurden wir bei den letzten beiden Besuchen empfangen, und wir konnten uns den Tisch jeweils aussuchen. Auffallend viele Abholer und Stammgäste im Lokal gibt es im „Kowloon“ – ein sehr gutes Zeichen, wenn Gäste immer wieder kommen. Ein älteres Ehepaar, die Besitzer des „Kowloon“, teilen sich den Service bzw. die Schank. Rasch erhält man die Speisekarte gereicht, und abermals kommt „Retro-Feeling“ auf, findet man doch auch in der ledergebundenen Speisekarte die für chinesische Restaurants in den 80er-Jahren so typischen Gerichte wieder – als Beispiel wären nur die „Süß-Sauer“-Speisen genannt.

Zu trinken hatten wir „Clausthaler Alkoholfrei“ (EUR 3,10), „Lycheesaft mit Leitungswasser“ (EUR 2,50 / 0,5l), „Eistee mit Leitungswasser“ (EUR 2,20 / 0,5l) sowie jeweils einen sehr milden „Doppelter Espresso“ (EUR 2,80), der jetzt sicher nicht der hohen Kaffeekunst entsprach. Leitungswasser wurde übrigens nicht verrechnet.

➨ „Pikant-Saure-Scharfe Suppe“ (EUR 2,30):
Da war er wieder einmal, genau DER Geschmack aus der Jugendzeit. Sehr harmonisch ausgewogen die Würzung zwischen pikant, sauer und scharf servierte man die Suppe brennheiß und mit viel Einlage (Gemüsestreifen, Eierstich, Tofu-Würfel und etwas Fleisch,…) – einfach ein Traum, für mich habe ich die Suppe etwas nachgeschärft. Ein glattes „AUSGEZEICHNET“ (5) für eine Suppe unter dem Motto „wie früher“.

➨ „Hausgemachte Frühlingsrolle“ (EUR 2,20):
Die Frühlingsrollen werden hier noch tatsächlich hausgemacht und sind sehr großzügig groß gefertigt. Der Teig erinnerte mich irgendwie an frittierten Palatschinkenteig, außen relativ knusprig, aber nicht durchgehend, darunter weich und samtig, insgesamt aber sehr g’schmackig. Die Fülle, bestehend aus Weißkraut und Faschiertem, war wunderbar gewürzt und frisch. Somit gebe ich diesem „zeitgeschichtlichen“ Genuss ein „SEHR GUT“ (4).

➨ „Hummerchips“ (EUR 2,10):
Ja, nichts Besonderes an sich, aber bestechend wieder diese Frische der Speise, kamen die Hummerchips doch brennheiß, frisch frittiert an den Tisch. Die dazu gereichte Soja-Knoblauchsauce war sehr in Ordnung, aber nicht herausragend. In Summe ein glattes „SEHR GUT“ (4).

➨ „Kan Bian-Rindfleisch“ (EUR 8,50):
Hier wird das „Gan Bian“ oder „Gan Bien“ halt „Kan Bian“ genannt, es ist aber die gleiche Speise: trocken gebratene, knusprige Rindfleischstreifen mit etwas Gemüse und pikant-säuerlicher und scharfer Zubereitung. Leider sah das Fleisch knuspriger aus, als es tatsächlich war, die Fleischqualität jedoch war sehr gut. Serviert wurde das „Kan Bian“ mit Karotten, Paprika, Streifen vom Wurzelgemüse und Lauch samt üppiger Schüssel Reis (EUR 0,90), der übrigens sehr gut war. Leider konnte aber auch der Geschmack vom „Kan Bian“ nicht überzeugen, es fehlten einfach die für diese Speise so typischen Aromen: Süße vom Mirin, Schärfe von der Chilipaste/von Chilischoten und die leichte Säure vom Reisessig. Daher kann ich als „Gan Bian-Liebhaber“ und „Gan Bian-Oft-Genießer“ auch leider nur ein „MÄSSIG“ (2) geben.

➨ „Gebratene Nudeln mit Gemüse und Hühnerfleisch“ (EUR 6,50):
Eine üppige Portion mit wunderbar schmeckenden Nudeln und butterzart gegartem, saftigem Hühnerfleisch wurde serviert. Die Nudeln waren schön angeröstet aber trotzdem nicht zu weich, lediglich etwas mehr Gemüse wäre schön gewesen. Der besten Tochter von allen schmeckten sie aber „SEHR GUT“ (4).

➨ „Süß-Saures Schweinefleisch mit Reis“ (Menüpreis EUR 5,50):
DIE Speise aus meiner Jugend – Pflicht bei fast jedem damaligen Chinarestaurant-Besuch. Das Fleisch war mit gutem Backteig umhüllt und knusprig frittiert. Das Schweinefleisch hatte keinerlei Flachsen und war von sehr guter, g’schmackiger Qualität. Auch die Sauce weckte so manche Erinnerungen und war wunderbar abgeschmeckt – weder die Süße noch die Säure waren erschlagend, vielmehr ausgewogen und durch die zahlreichen Ananasstücke schön fruchtig. Ein glattes „SEHR GUT“ (4) von mir für diesen Genuss.

➨ „Gebackenes und flambiertes Eis“ (EUR 3,20):
Diese Erinnerung aus meiner Jugend hat sich bereits auf die beste Tochter von allen, wohl für immer unauslöschlich, ergo im ROM und nicht im RAM, übertragen. Auch hier schmeckte es ihr sehr gut, knusprige Hülle aus Kuchenteig und ein Standard-Vanilleeis im Inneren. Ein glattes „GUT“ (3), weil eben doch nicht hausgemacht.

Bei 26 Punkten für insgesamt sieben Speisen ergibt der Durchschnitt = 3,71 Punkte und daher ein glattes „SEHR GUT“ (4), das ich auch gerechtfertigt finde. Alle Speisen wurden TOP-frisch gekocht und zubereitet.

Für das Ambiente gebe ich in diesem Rahmen ebenfalls ein „SEHR GUT“ (4), als Raucher hätte ich aber nur ein Gut gegeben. Der Nichtraucherbereich ist deutlich größer, gemütlicher und schöner. Ich erhoffte mir genau dieses üppig kitschige Ambiente und bekam es zum Glück auch. Die Sanitäranlagen sind nicht mehr ganz modern, aber sauber und gepflegt.

Für den stets sehr netten, freundlichen und fast schon familiären Service gebe ich in diesem Rahmen und auf diesem Lokalniveau ebenfalls ein „SEHR GUT“ (4). Ich wurde immer freundlich und zuvorkommend bedient, Fragen wurden gerne beantwortet. Natürlich gäbe es im „Kowloon“, alles andere wäre ja fast eine Enttäuschung gewesen, bei Verlangen der Rechnung einen Pflaumenwein zur Verabschiedung.

Fazit: eine unbedingte Empfehlung von meiner Seite für das „Kowloon“, ein im wahrsten Sinne des Wortes klassisches China-Restaurant. Mehr als nur ausreichend große Portionen, üppige Mittagsmenüs zu extrem günstigen Preisen, alle Speisen frisch gekocht und heiß serviert – das alles gibt es im „Kowloon“. Kein Buffet mit AYCE, kein Teppanyaki, kein Sushi und das ist im „Kowloon“ die genau richtige Küchenlinie und gut so. Wir kommen sicher immer wieder.

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Kommentare (9)

am 13. Februar 2015 um 21:43

Gestern hab´ich es wieder getan!
Vorher wollte ich mir im Internet die inzwischen vertraute Speisekarte ansehen. Schmecks. Weg.

Natürlich ging ich trotzdem hin.
Aber gefragt hab ich schon, warum plötzlich auf der hp keine Speisekarte mehr verfügbar sei.
Antwort des Besitzers: Es hätte Leute gegeben, die essen waren und anschließend daheim Preise auf der hp verglichen hätten. Es hätte sich jeweils nur um 10 oder 20 Cent-Differenzen gehandelt.
Also weg mit der Speisekarte. (Danke ihr lieben Mitmenschen - zuerst fressen, DAHEIM Preise vergleichen und dann zum Telefonhörer greifen - natürlich anonym!)!

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am 30. Jänner 2015 um 00:59

Am Do war ich wieder da - Suppe Nr. 12 und Huhn mit Bambussprossen und Pilzen.
Pilze - ich erwartete Champignons aus der Dose (zum auf die Seite schieben). Nein! Es gab Morcheln!
Dazu bestellte ich den Reis (den ich eigentlich net mag) und ersuchte um die Knoblauchsauce die normalerweise zur knusprigen Ente serviert wird. Kriegte ich. Ich bekam Hühnerfleisch mit einigen (wenigen) Erbsen und ganz vielen Morcheln, die ich liebe.

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am 21. Jänner 2015 um 11:50

Magic:genau das hatte ich auch am Naschmarkt letztens.
Tipp - lieber gleich in die Neubaugasse!

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315
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am 21. Jänner 2015 um 11:02

Gestern war ich wieder dort. Das Essen hat geschmeckt, wie immer, aber:

Es gibt 2 Arten Frühlingsrollen; diese kleinen vegetarischen aus dem TK und die große "Rolle" hausgemacht.
Ich entschied mich für die selbstgemachte mit Fleisch. Was ich kriegte lässt sich nur schwer beschreiben. Ein Viereck flaumiger ca. 3 mm dicker Teig, Maße in etwa 10 cm x 7 cm. Gefüllt war dieses Ding mit etwas (wirklich nur etwas) grob geschnittenem Kraut und Spurenelementen von winzigen faschierten Fleischklümpchen. Mit einem Mikroskop wäre man gut bedient.
Also, so gut es mir hier schmeckt, würde ich diesen Teigfleck bei einem Erstbesuch serviert bekommen, nein ich käme nie wieder.

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am 1. November 2014 um 18:30

Die einen essen Gansl und die anderen, wie ich, essen knuspriges Wuli. Mit dieser Knoblauchsauce auf Sojabasis war das gestern wieder die kulinarische Erfüllung.

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50
am 16. Oktober 2014 um 01:09

Du, der ist am Abend auch fast leer, leider.
Vielleicht (hoffe ich mal für die Besitzer) machen sie am Flohmarkt-Samstag einen Super-Umsatz. Verdient hätten sie es.

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63
50
am 15. Oktober 2014 um 22:22

Für mich ist dieses Lokal einfach ein Kulturgut. Die Speisen sind hier keineswegs das Nonplusultra der chinesischen Küche, aber diese Unperfektheit im positiven Sinne mit Erinnerungen aus der Vergangenheit machen dieses Lokal für mich so gut. Hoffentlich bleibt es noch lange erhalten. Mir tut es weh, wenn mittags der Laden manchmal so leer ist...

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83
am 15. Oktober 2014 um 21:57

Ich hab´s schon wieder getan!
Knusprige Ente superior.

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50
am 11. Oktober 2014 um 23:52

Muß nächste Woche mal wieder hin.

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Kowloon
Linke Wienzeile 62
1060 Wien
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