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Zum Guten Hirten - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 3. Oktober 2014
Experte
bubafant
283
71
29
2Speisen
4Ambiente
3Service
23 Fotos4 Check-Ins

Eines muss man der Hirtin ja lassen, sie kämpft um ihr Lokal wie ein Löwe. Nachdem ich mich vor einiger Zeit zu einem meiner eher raren Kommentar hinreißen habe lassen, hat sie nett geantwortet hat und ihre Worte quasi mit einer 'Einladung' abgeschlossen. So – ich wurde noch nie 'persönlich angesprochen' und fand es nur fair, mir wirklich persönlich ein Bild zu machen.

Gut, von außen kenne ich es zur Genüge, und viele haben es auch sicherlich via Medien gesehen, also nur kurz zum Ambiente. Ich nenne es schönbrunn-gelbes Anwesen auf weiter Flur mit Arbeitsplatz für Polizisten mit Radarpistole. Sorry, is so. Eigentlich rund ums Haus gibt es Parkplätze (vorbildlich: ein ausgewiesener Behindertenparkplatz), bei Starkregen sind einige aufgrund von Großlacken nicht benutzbar. Der Namenszug auf der Giebelwand ist weithin gut lesbar und durch einen Torbogen betritt man einen Innenhof. Hier findet man einen Spielplatz in der Ecke, vor der großen Fensterfront sind einige Tische und Stühle in der Wiese aufgestellt. Sehr gepflegte Flora.

Da der Eingang etwas versteckt hinter einem Hausvorsprung ist, weist ein kleines Schild darauf hin. Vom Gangbereich mit Gewölbedecke zweigen die Stufen hinauf zu den Sanitärräumen und nach unten in die Vinothek ab. Gegenüber die Zugänge zu den Gasträumen. Da die Fahrzeuge am Parkplatz sicher nicht ohne Menschen hergekommen sind, überrascht es uns, quasi keine Gäste vorzufinden (ich denke, es gab eine geschlossene Veranstaltung - und die Autos wurden nicht für mich platziert ...) und nehmen im ersten Raum mit direktem Zugang vom Innenhof Platz. Wir versuchen uns mehrmals bemerkbar zu machen, aber es ist auch niemand hinter der Theke. Also kurzer Rundumblick – Tische und Stühle aus Holz, Polsterauflagen. Am Tisch kleines weißes Tuch, Menage, und herbstlich angehauchte Deko. In der Ecke ein Kamin, die Deckenlampen sehr originell mit Hufeisen gestaltet – ein wunderschön weiß getünchter Gewölberaum.

Ein unabsichtliches Rücken des Sessels am Fliesenboden samt dazugehörigen Geräusch bringt uns doch noch einen Kellner und in weiterer Folge die Speisekarte. Die gefällt mir ausnehmend gut, dicke Seiten mit Passepartout in einer Holzleiste verschraubt, obenauf eine stilisierte Lederhose. Es gibt leider noch immer keinen Internetauftritt, den mittels Transparent vor den Toren ausgeflaggten Wild(schwein)Wochen trägt man z.B. mit Reh-Pastete, Wild-Cremesuppe, Wildragout, Rehschnitzel, Wildschweingeschnetzeltem und Maronireis Rechnung.

Weiters bekommt man hier Beef-Tartar, Schafkäse im Speckmantel, Schwammerl-Polenta, Gemüse-Schnitzel, Schweinsschnitzel, Steirisches Backhuhn, Bauern-Cordon-Bleu, Surschnitzel, Hühnerschnitzel, Tafelspitz, Hirtinnen-Spieß, Fiakergulasch, Knödel mit Ei, Blunzn, Goldbrasse, Zander, belegtes Brot, Bretteljause, sowie Buchteln, Topfenknödel, Schoko-Mousse und Palatschinken.

Auf das erste Service-Hoppala folgt jetzt gleich das nächste. Dass wir da sind weiß man hoffentlich, denn wir sind im Besitz von Speisekarten. Die Wartezeit von rund einer Viertelstunde ohne Bild und Ton wird glaubhaft mit einem Notfall entschuldigt, wir sind knapp am Weggehen gewesen. Über den Tisch werden schon kritische Blicke getauscht. Aber ab nun geht’s flotter weiter.

Karotten-Mais-Cremesuppe mit Chili und Kurkuma (EUR 4,20)
Ein großer tiefer Biolek-Teller bis zum Kragen mit Suppe gefüllt. Die Farbe ist jetzt nicht so hübsch, aber es kommt ja auf die inneren Werte an. Nur die Werte kann ich nicht ausmachen, die Suppe ist nicht wirklich cremig, sondern eher etwas bröckelig, das kennt man vom Mais. Allerdings vermisse ich sowohl den Geschmack von Karotten, als auch von den gelben Körnern, es ist alles mit den Gewürzen zugedeckt, daher mutmaßlich auch die Farbe. Schlicht und einfach erschlagen. In der Mitte befinden sich batzweiche Croutons und ein Riesengupf Schlagobers. Also, danke, wer braucht das ? Was bleibt von der Riesenportion – ein gefüllter Magen und etwas Schärfe im Abgang. Auf die Frage des Kellners beim Abservieren, ob es unseren Geschmack getroffen hat (eine neue Formulierung für uns), kann ich nur ein 'danke' japsen.

Hirschbraten auf Wild-Wacholdersauce, Rotkraut, Kroketten und Preiselbeer-Birne (EUR 15,60)
Ein vollgepackter Teller. Mit Fleischstücken wird hier nicht gegeizt, und die sind auch wirklich sehr gut. Warum musstet ihr diese mit (den letzten Resten ?) des Schlagobers beglücken? Wild mit Schlag, hatten wir wirklich noch nie. Die Kroketten sind ja ganz offensichtlich Convenience, Birne und Preiselbeeren mit Sicherheit auch nicht selbst gemacht (Preiselbeeren selbst gemacht sind Luxus – würde ich auch nicht jedem geben). In der Mitte noch eine Orangenscheibe und ein Gupf Rotkraut. Ich durfte kosten und würde die Sauce eher in die Ecke mit Wein stellen, vielleicht sind aber auch einfach alle Aromen durcheinandergekommen, weil alles mit der Unmenge an Sauce Kontakt hat.

Geröstete Leber mit Petersilerdäpfel (EUR 8,90)
Auch hier wieder eine extrem große Portion – macht nix, ich liebe Leber. Ein Kranzerl von Erdäpfeln mit Petersilie in Trockenform, in der Mitte die Leber. Optisch wunderschön, wie gezeichnet, fast jedes Stück das gleiche Dreiecksformat. Mit Genuss mit der Gabel mittenhinein und – HART ! Entweder ein phänomenaler Zubereitungsfehler oder falsch aufgewärmt. Und nicht ein Stück, nein alle. Die Sauce ist sehr sämig, allerdings auch ordentlich gepfeffert. Wie heißt es so schön, Hunger ist der beste Koch – und ich habe aufgegessen. Vergnügen war es allerdings keines.

Fazit: Liebe Hirtin, ich habe wirklich Hochachtung vor deinem Kampfgeist, dein Reich ist wirklich mit viel Liebe dekoriert worden und ich will mir gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit diese vielen Quadratmeter machen, abgesehen vom Ruf, der mit deinem Lokal unweigerlich verbunden ist. Beim Ambiente gibt’s von meiner Seite sowieso kaum etwas auszusetzen, dass die zu niedrigen Toiletten ein echtes "nogo" sind, wurde bereits besprochen.
Ich rate dringend zu einem Minimal-Internetauftritt. Glaub mir, mit dem richtigen Tool ist das ganz leicht und immer auf dem Laufenden zu halten.
Ob wir wiederkommen ?
Nein. Es hat mir zwar gefallen, aber nicht geschmeckt, und unter frischen Speisen stelle ich mir wirklich etwas anderes vor. Vielleicht kleinere Portionen, dafür weniger Zugekauftes und mit der ein oder anderen Raffinesse. Eine solche Schlagobers-Offensive ist seit Jahrzehnten nicht mehr 'state of the art'. Wie soll ich es sagen, auf der Karte klingen die Speisen (theoretisch) passabel, an der Ausführung mangelt es. Eine meiner Lieblingsspeisen ist mir für längere Zeit vergällt worden (metzgerei und Heimchen schau oba !). Im Bemühen noch etwas positives zu finden, das es wert wäre zu erwähnen, fallen mir leider auch gleich wieder die Unmenge an Zigarettenstummel auf dem dekorativem Weinfass beim Eingang ein, also ende ich hier. Leider.

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Kommentare (7)

am 8. Oktober 2014 um 10:21

Kann mich nur anschließen - wäre wirklich wünschenswert, wenn Gastronomen dermaßen mit Kritik umgehen und mit Gästen interagieren.
Man weiß, was man kann - und man erkennt, was besser gemacht werden kann.
Diese Fähigkeit haben nur wenige Gastronomen. Respekt!

Gefällt mir2
Experte
315
75
am 8. Oktober 2014 um 00:47

Liebe bubafant,

Für deinen passenden Spruch bleibt ab sofort eine Seite unseres Gästebuches reserviert (unter "Wie alles begann") damit du ihn vielleicht irgendwann einmal doch persönlich einschreiben kannst ;-)

Ich wünsche dir auch weiterhin viel Spaß und viel Genuß
bei deinen kulinarischen Ausflügen,

vielen Dank für deine freundlichen Worte,
ganz liebe Grüße, deine Hirtin

Gefällt mir3
2
2
am 6. Oktober 2014 um 20:30

Liebe Hirtin,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich kann hbg338 nur zustimmen - nicht jeder hier geht so souverän mit Kritik um.

Ich lass jetzt mal Andere den Weg zu dir machen und werde natürlich jeden Tag ein Auge auf euch haben - >;-)

Lass mich in dein imaginäres Stammbuch schreiben:
Hinfallen.
Aufstehen.
Krone richten.
Weiterkämpfen.

Alles Liebe und noch viel Kampfgeist
bubafant

Gefällt mir8
Experte
283
71
am 6. Oktober 2014 um 18:12

Ich werde, obwohl wie schon öfters zitiert bubafant hier das Maß der Dinge für mich ist und ich ihre Bewertungen schätze, trotzdem demnächst einmal hinfahren. Mir taugt die Art der Hirtin wie sie mit Kritik umgeht.

Gefällt mir6
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389
56
am 6. Oktober 2014 um 17:46

Servus bubafant,

vielen Dank daß ihr meiner Einladung gefolgt seid und unseren Gasthof besucht habt. Ich hätte euch gerne persönlich begrüßt, habe aber, wie öfters nach unserem Mittags-Geschäft, einen Außentermin wahrgenommen. Leider muß ich nun lesen, daß es an diesem Nachmittag wohl keine so gute Idee war, denn euer Besuch ist nicht im Ansatz zu dem von mir versprochenen Erlebnis geworden …

Drei Speisen die ich jedem Gast mit Überzeugung empfehlen würde, mein Herr Nico im Service vor Ort und trotzdem so durchgefallen.
Ganz ehrlich? Ich mußte deinen ausführlichen Bericht mehrmals lesen weil ich es gar nicht glauben konnte. Nach Rücksprache mit meinen Mitarbeitern, Durchsicht deiner Bilder und ein paar Tagen "Bedenkzeit" aber wird deutlich: An diesem Tag hat das ganze Team (und da nehme ich mich natürlich nicht aus) kleinere Fehler begangen, die sich insgesamt zu einem unbefriedigenden Ergebnis für beide Seiten summiert haben. Deine Kritik ist somit nicht nur sehr freundlich formuliert, sondern in vielen Punkten auch berechtigt.

Service: Kellner Nico kommt in den Schankraum , hört Stühle rücken und begrüßt euch. Auch wenn Nico den Eindruck hatte, ihr wäret eben erst eingetroffen, hätte die Frage "ob ihr denn eh´ noch nicht zu lange wartet" nicht geschadet, schließlich war er gerade einige Minuten im 1. Stock um ein Buffet für unsere Seminar-Gäste aufzubauen.
Auch der besagte "Notfall" ereignete sich ebendort. In Kenntnis aller Details und um keinem unserer Gäste auf den Schlips zu treten nur soviel dazu: Unachtsamkeit und Höhere Gewalt, Nico trifft prinzipiell keine Schuld an der Wartezeit. Trotzdem wäre doch jetzt erst recht eine passende Erklärung angebracht gewesen.

Küche: Ich habe über das Wochenende meine geliebte Karotten-Maiscremesuppe mehrmals am Tag getestet, und es stimmt. Sowohl Farbe als auch Geschmack und Konsistenz ändern sich über den Tag im Wasserbad merklich. Mir war das so nicht bewusst. Der Schlagobers-Gupf sollte eigentlich ein Deko-Klecks mit 3 Croutons DARAUF sein, und wegen der Menge, … aber dazu später noch.
Beim Hirschbraten sollte übrigens gar kein Schlagobers dran sein, und ein derart überfüllter Teller entspricht nicht meinen Vorgaben. (Bild ohne Text). Die Kroketten nicht selbst zu machen war eine falsche Entscheidung von mir, dies habe ich aber bereits geändert.

Den Härtegrad der Leber kann sich mein Koch nicht erklären, er meint er hat alles so gekocht wie immer, und gekostet hat er auch - was ich nach deinem Bericht ja wohl BEIDES nicht hoffe. Im Ernst, unsere Geröstete Leber wird sehr selten beanstandet, ist fast so etwas wie unsere zweite "Haus-Spezialität". Sehr sehr ärgerlich das Ganze.

Zu deinem Fazit: Neben den gängigen Produkt-Zukäufen wie Ketchup, Marmelade oder Eis sowie die erwähnten Preiselbeeren und Birnen kommen noch Pommes und Wedges, das wars dann aber auch fast schon mit Fertigprodukten. Jede Sauce, jedes Dessert, jede Füllung wird von uns frisch hergestellt. Die Schlagobers-Offensive und die generelle Größe der Portionen entspricht wie gesagt nicht meinen Vorgaben und Bedarf einer dringenden Nachschulung meiner geschätzten Küchen-Mitarbeiter, die es offensichtlich manchmal zu gut meinen.

Die dringend benötigte Internet-Präsenz ist ein eigenes Kapitel, dazu vielleicht ein andermal.

Abschließend möchte ich mich bei euch für den misslungenen Nachmittag und unsere mangelhafte Vorstellung entschuldigen, schade um euer verpatztes Essen, schade um unsere vergebene Chance euch zu begeistern.

Das Schlusswort @HelmuthS: Auch wenn die Chance ist vergeigt, die Hirtin kämpft … und sich verneigt

In diesem Sinne, ganz liebe Grüße, Eure Hirtin

Gefällt mir16
2
2
am 3. Oktober 2014 um 22:53

Doch Vorsicht, Hirtin, wenn Bubafant etwas schreibt, liest man es.

Gefällt mir5
Experte
92
38
am 3. Oktober 2014 um 19:10

Ui, die Antwort DerHirtin folgt sogleich, woart nur ;-)

Gefällt mir3
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75
Zum Guten Hirten
Gutenhof 12
2325 Himberg
Niederösterreich
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