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Das Turm - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 20. September 2014
Experte
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215
47
28
4Speisen
3Ambiente
4Service
74 Fotos2 Check-Ins

„Das Turm“ ist ein Restaurant, das anscheinend an einem „verfluchten“ Ort ansässig ist, wiewohl es sich sowieso um keine ideale Lage (im 10. Bezirk) für ein hochpreisiges Restaurant handelt. Aber zu viele Köche, echte Könner, haben sich hier schon die Klinke in die Hand geben müssen. Chronologisch betrachtet stellt sich folgende Entwicklung des Restaurants-Standortes dar:

— 1. „Windows of Vienna““
— 2. „Brunners“ (Küchenchef Harald Brunner)
— 3. „das Turm 1“ (Küchenchef Bernie Rieder, erkochte auf Anhieb zwei Hauben!)
— 4. „das Turm 2“ (Küchenchef Jörg Domansky)
— 5. „das Turm 3“ (Küchenchef Heinz Perschan)

Erinnert irgendwie an die „Herr der Ringe“-Trilogie, die Turm-Trilogie von „das Turm“. Erschwerend zur sowieso nicht optimalen Lage kommt sicher auch noch dazu, dass sich „das Turm“ in einem Büroturm, dem Immofinanz-Tower des Wienerberg-„Business Park Vienna“, angesiedelt hat und sich große oder teurere Geschäftsessen, die früher durchaus sehr gängig waren, nunmehr sehr in Grenzen halten. Drei Gründe hierfür, die ich selbst auch aus meinem Berufsleben voll bestätigen kann, sind sicher das „Anti-Korruptionsgesetz“, das in Konzernen recht rigoros Bewirtungen von Kunden einschränkt, ganz besonders streng bei Kunden des öffentlichen Bereiches (Beamte, Bundesheer, etc.), das in Konzernen sehr übliche, konzerninterne „Compliance-Reglement“ und natürlich die Wirtschaftskrise im Allgemeinen. Große Unternehmen, auch das kann ich aus meiner früheren Tätigkeit unterschreiben, streichen längst schon exzessiv die Budgets für Geschäftsessen.

Über das Parkhaus „P2“, mit direktem Zugang zum Aufzug in „das Turm“, wird man durch ein sehr gutes Leitsystem bereits vom Parkplatz weg geführt. Zu Mittag kann man 2 Stunden und am Abend (ab 17:30h) sogar 4 Stunden lang gratis parken – Entwertung der Parkkarte im Restaurant. Im 21. Stock befindet sich die Bar-Lounge und im obersten Stockwerk, dem 21. Stockwerk, das Restaurant. Eines ist klar, bereits die Liftfahrt mit recht freier Sicht nach unten ist ein echtes Erlebnis, außer man leidet unter schwerer Klaustrophobie, dann wird es sehr sportlich.

Die Bar im 21. Stock ist im Inneren eine ganz „normale“ Cocktailbar bzw. Lounge. Auch der Außenbereich gestaltet sich nicht irgendwie besonders, im Gegenteil, wirkt der hintere, mit Baugitter abgesperrte, Außenbereich sogar wie eine Baustelle. Der „Freiluftblick“ über Wien ist natürlich imposant und beeindruckend, aber sonst ist die Bar-Lounge nicht sehr außergewöhnlich.

Das Restaurant in der 22. Etage, ohne Freiluftbereich und ein Nichtraucher-Lokal, wirkt da schon deutlich heimeliger. Einem netten, kleinen Empfang, an dem die unbedingt empfehlenswerte Reservierung abgefragt wird, folgen eine halbrunde Schank sowie ein halbrunder Speisesaal. Mahagonifarbene Vertäfelungen und gleichfarbiges Mobiliar, dazu passend der Fußboden, vermitteln dem Gast eine angenehme und stimmige Atmosphäre. Bei näherer Betrachtung muss man jedoch leider feststellen, dass eigentlich das gesamte Interieur schon deutliche Abnützungsspuren hat – es ist eben nicht mehr ganz „taufrisch“, wenn auch gepflegt und sauber. Besonders eines „2-Hauben“-Restaurants unwürdig sind die Sesselbezüge aus hellem Leder, diese sind bereits sehr offensichtlich verschmutzt und sogar teilweise unappetitlich.

Umso positiver fällt aber auf, dass man die Tischanordnung im „das Turm“ endlich wieder einmal angenehm luftig gestaltete, sodass man für ein romantisches Dinner intimer ist und bei Bedarf auch ohne Störung anderer Gäste den Tisch verlassen kann. Die Hintergrundmusik war übrigens auch stets in sehr angenehmer Lautstärke. Die hier angebotene Küchenrichtung in „ein Eck“ zu drängen fällt absolut nicht leicht, ich würde sie mit teilweise regional, traditionell neu interpretiert, modern und sehr detailliert bezeichnen. Wir waren bisher schon zweimal im „das Turm“, wobei ich von unserem ersten Besuch nur die Fotos inkl. Beschreibung hochgeladen habe.

Beide Besuche waren sehr spannend, man hatte auch keinerlei Information im Vorfeld, was überhaupt serviert wird, recht kreativ, manchmal gewagt und teilweise mit einer Unmenge an Zutaten und Aromen auf nur einem Teller. Abermals hatten wir uns per Internet auf der Seite von „das Turm“ einen Gutschein für ein „6-Gänge Candle-Light-Dinner inkl. Couvert & Aperitif“ unter dem Motto „Verliebt in Wien“ (EUR 69,00 / Person) besorgt, den es nun schon seit 2013 zu erwerben gibt. Wir wurden von einer „alten“ Bekannten, einer irrsinnig netten und legeren Tirolerin aus dem Inntal begrüßt und zu unserem Tisch, ein wunderschöner Fensterplatz wurde für uns gerichtet, geführt. Der Ausblick, jetzt über das südliche Wien, war natürlich herrlich. Unser Tisch, sehr bequem und großzügig Platz bietend, war sehr nett und herzlich eingedeckt – das Besteck und die Gläser sehr korrekt, aber doch auch nicht strengstens nach Vorschrift.

Den Aperitif hatten wir im Vorfeld in der Bar-Lounge im Freien, einen Stock tiefer, zu uns genommen.

Einmal den „Ipanema“: ein alkoholfreier Cocktail bestehend aus einem ausgezeichneten Thomas Henry-Ginger Ale (Link), Limetten und braunem Zucker wurde serviert – sehr guter Geschmack, wunderbar gekühlt und sehr erfrischend.

Einmal einen „Strawberry-Wodka“ bestehend aus Wodka, Erdbeerpürée, Limetten und Braunem Zucker, der ebenso gut gekühlt und schmackhaft serviert wurde.

Unsere sonstigen Getränke bestanden aus einem „Beck's Blue Alkoholfrei“ (EUR 3,90 / 0,33l), einem „Apfel-Himbeer-Prosecco“ (EUR 6,50 / 0,1l) sowie einem für die beste Ehefrau von allen sehr gut empfohlenen „Weißen Riesling Federspiel Domäne Wachau“ (EUR 5,40 / 1/8l), einem ausgezeichneten „Espresso Doppio“ (EUR 4,30) sowie einem „Grappa Riserva dell’Ornellaia“ (EUR 9,40 / 0,02l), der mindestens drei Jahre in gebrauchten Ornellaia-Fässern gelagert wird. Tolle Aromen, herrliche Nase, aber nicht ganz so samtig weich im Abgang, wie erwartet.

Derzeit hat „das Turm“ folgende Auszeichnungen:
„À la carte“ — „Sehr gute Küche; einfallsreiche, kreative Leistungen,…“ – 76/100 Pkt.
„Falstaff“ — eine Gabel, 83/100 Pkt.
„Gault Millau“ — zwei Hauben bei 15/20 Pkt.

Unter diesen Bedingungen und auf diesem zu erwartenden Niveau wird „das Turm“ daher von mir bewertet.

Das Gedeck bestand aus Roggenbrot, Nussbrot & Französischem Weißbrot, dazu französische Salzbutter und Paradeiserbutter. Die absolut ausgezeichneten Brotsorten stammten allesamt von „Steinerbrot“ in Tulln (Link). Da die beiden Butter jetzt kein besonderes innovatives Highlight waren, wenn auch sehr gut, gibt es für das Gedeck nur ein „SEHR GUT“ (4).

Als Gruß aus der Küche servierte man „Gebratene Jakobsmuschel mit Avocado-Crème & Blutorange“ – eine absolut toll gelungene Komposition, die Muschel nicht durchgebraten, genau auf den Punkt, sehr harmonisch. Ein glattes „AUSGEZEICHNET“ (5) hierfür – auch für die kreative Präsentation auf zusammengedrückten Konservendosen.

1. Gang: „Beef Tartare mit blauem Himbeersenf und Papadam“
Der Hauptdarsteller, das Beef Tartare, war ausgezeichnet abgeschmeckt, da fehlte von den erforderlichen Hauptaromen absolut nichts, wenn es auch jedermann etwas anders würzt. Was man aber bemängeln muss, ist die Verarbeitung von so gutem Rindfleisch zu Mett, einfach viel zu fein faschiert und nicht gehackt - schade. Der Himbeersenf dazu war großartig, die unterschiedlichen Papadam aus hellem und dunklem Linsenmehl waren ausgezeichnet, das gelbe Kurkuma-Olivenöl ein netter Gag. Für diesen Gang gebe ich gerne ein glattes „SEHR GUT“ (4), die Höchstnote wurde mit der Fleischkonsistenz verhindert.

2. Gang: „Die Suppe Blubb - Crème-Suppe von der Topinambur“
Ein sehr schön aufgeschäumtes, leichtes Sommersüppchen wurde in einem auf dem Suppenteller gestürzten Glas serviert, und bei Heben des Glases machte es eben „Blubb“ und die Suppe ergoss sich in den Suppenteller. Ausreichend heiß, jedoch auch relativ mild, und der so typische Geschmack der Topinambur war nicht intensiv bzw. kräftig genug. Daher gibt es für diesen Gang auch nur ein „GUT“ (3) – da hätte man etwas mehr herausholen können.

3. Gang: „Das "Stunden-Ei" auf Kräuter-Polenta und Milchschaum“
Die Kräuter-Polenta war sehr gut und cremig gelungen, aber jetzt nicht unbedingt ein Highlight, weil doch recht einfaches Küchenhandwerk. Für das servierte „Stunden-Ei“, das wir auch schon bei unserem ersten Besuch im „das Turm“ hatten, fehlt mir der kulinarische Zugang, außer dass es halt ein Gag ist, ein Ei bei exakt 62°C eine Stunde lang weich zu garen. Aber geschmacklich und in der Konsistenz macht es keinerlei Unterschied zu einem „normalen“, gut pochierten Ei. Den Sinn darin finde ich insofern etwas fragwürdig, als man lobenswerterweise zwar ein BIO-Ei nimmt, dann aber wiederum dafür eine Stunde Energie zur Garung verschwendet. Und das lediglich für ein Ergebnis, dass man auch in etwa 2,5 Minuten erreichen könnte. In Summe gebe ich diesem Gang, der im „das Turm“ anscheinend einen Fixpunkt darstellt, leider nur ein „MÄSSIG“ (2), schon alleine wegen des sinnlos hohen „CO2-Footprints“.

4. Gang: „Sorbet von der Passionsfrucht“
An diesem Gang, der zu Neutralisierung dienen sollte, gibt es absolut nichts auszusetzen. Ein fruchtig-cremiges, erfrischendes und handwerklich sehr gut gemachtes Sorbet, weil keinerlei große Kristalle vorhanden waren. Ein glattes „SEHR GUT“ (4) für einen intensiven Passionsfruchtgeschmack.

5. Gang: „Gebratene Maishendlbrust, Liebstöckel-Püree, Zuckerschoten und Milchschaum“
Die Maishendlbrust war wunderbar saftig gebraten und noch zart rosa im Kern. Teilweise war die Haut richtig schön knusprig, das dazu gereichte Liebstöckel-Pürée ohne Fehl und Tadel. Ausgarniert mit einer wunderbar kräftigen Jus und sautierten Brunoise vom Kürbis. Ein toller und sehr gelungener Gang, bei dem man nicht viel besser machen kann, außer dass die Zuckerschoten geschmacklich untergingen. Daher gibt es für diesen Gang ein sehr gutes „SEHR GUT“ (4).

6. Gang: „Ein Traum von der Kokosnuss und der Schokolade“
Das war nicht nur ein krönender Abschluss, das war ein echtes Highlight – eine Geschmacksexplosion aus verschiedensten Aromen und Texturen. Das Kokos-Eis in der Schokoladen-Schale war intensiver als so manche Kokosnuss selbst und hatte einen wunderbaren Schmelz. Intensiv schokoladige Krokants, bestes Nougat-Parfait, frisches Ananasragout und knusprig schmelzende Kokos-Baisers-Chips machten diesen Gang zu einem wahren Traum der Genüsse. Ein glattes „AUSGEZEICHNET“ (5) für diesen sehr aufwändig produzierten und äußerst kreativen Gang.

In Summe gibt es für die Speisen, bei 31 Gesamtpunkten für 8 Speisenbewertungen, im Durchschnitt 3,875 Punkte und daher ein glattes „SEHR GUT“ (4). Wir erlebten bei beiden Besuchen einen lukullisch sehr gelungenen und kulinarisch nicht alltäglichen Abend, wenn auch mit einigen Schwankungen in den einzelnen Gängen.

Für das Ambiente, es tut mir in der Seele weh, kann ich nur ein „GUT“ (3) geben. Natürlich ist die Aussicht beeindruckend, aber es gibt eben auch, wie eingangs erwähnt, einige Punkte, die einem „2-Hauben“-Restaurant absolut nicht würdig sind – sowohl im Restaurant als auch in der Bar-Lounge. Die Tischeindeckung war bei beiden Besuchen tadellos, herzlich und stimmig, die Sanitäranlagen waren völlig in Ordnung.

Für den Service, der sicherlich etwas legerer als in anderen Restaurants mit zwei Hauben agiert, gebe ich gerne ein „SEHR GUT“ (4), weil uns Herzlichkeit und Plauderei deutlich besser gefallen als stocksteifes, stoisches Servieren. Man war stets sehr aufmerksam beim Nachschenken der Getränke bzw. dem Wasser und gab eine kompetente und gute Weinempfehlung. Gebäck wurde unauffällig und unaufgefordert nachgereicht – man versicherte sich nur, ob wir überhaupt noch Gebäck wollten, wird es doch frisch aufgeschnitten. Auch die noch nicht so sattelfesten Lehrlinge im Service waren durch die Bank aufmerksam und bemüht, was uns sehr gefiel, ist doch „Training on the Job“ noch immer die beste Methode. Wir fühlten uns bei beiden Besuchen als sehr willkommene Gäste.

Fazit: für „das Turm“ gibt es von mir eine glatte, ehrliche Empfehlung mit ruhigem Gewissen. Nicht alltägliche, aber kreative und teilweise sogar recht mutige Geschmackskompositionen können hier erlebt werden. Das Ambiente ist ebenfalls ein „Höhenerlebnis“ und die Preise der angebotenen Gutscheine (siehe Homepage) sind absolut angemessen und gerechtfertigt. Täglich, von Montag bis Freitag, wird ein zwei- oder dreigängiger Business Lunch angeboten. Wir kommen sicher wieder in „das Turm“.

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Kommentare (3)

am 23. September 2014 um 11:33

Gerry - bitte korrigieren:
"Der Herr der Zwiebelringe: die Drei Türme"

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75
am 20. September 2014 um 12:39

Ich persönlich, so die Qualität stimmt, habe bei einer BIO-Maishendlbrust, BIO-Ente oder auch bei Wild überhaupt kein Problem damit - sie war ja auch nur zart rosa im Kern.

Für die beste Ehefrau von allen wird aber Geflügel und Wild sowieso stets durchgebraten.

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215
47
am 20. September 2014 um 12:11

HGL wie immer - nur Hühnerbrust, die nicht völlig durchgebraten ist, klingt für mich eher bedenklich denn kreativ ...

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