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Die Au - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 17. September 2014
Experte
bubafant
283
71
29
3Speisen
4Ambiente
4Service
17 Fotos1 Check-In

Severin Corti schreibt Ende des Vorjahres (Link)
– die Au – wo die Muff'n geht. Ich kenne das Sprichwort, weiß vorerst aber nicht, wie man es mit einem Lokal in Verbindung bringen kann. Francesca Habsburg siedelte 2012 die 'Thyssen-Bornemisza Art Contemporary', kurz TBA21 samt Gastronomie im Augarten an. Mutig, denn ich habe einige Zeit in der Nähe des Augartens gewohnt, diese Ecke des Gartens allerdings hat sich mir nie erschlossen. Wohl zur Steigerung des Bekanntheitsgrades gibt es eine Gutscheinaktion – es hat funktioniert, wir sind im Besitz eines solchen. Problemlose telefonische Terminvereinbarung (wir stecken am vereinbarten Tag im Stau und bei meinem Anruf meint man am Telefon, 'lassen sie sich Zeit, wir warten auf sie'. Ein kleiner Satz, aber man fühlt sich willkommen).

Bei unserer Ankunft bin ich mir noch immer nicht sicher, dass wir an der richtigen Ecke des Augartens gelandet sind, einzig eine kleine Tafel zeigt die Adresse und geradeaus voraus der Eingangsbereich des Museums, auf dem die Kurzform mit ihren Buchstaben und Ziffern angebracht ist. Nur Mut, seitlich daran vorbei befindet sich 'die Au', wohlweislich noch mit einem Steher davor, auf dem ebenfalls ‚AU‘ steht.
Den gepflasterten Weg zum altrosa Gebäude säumen Laternen (die man beim Verlassen in Dunkelheit durchaus benötigt), in den Bäumen hängen Luftballons.

Nach dem Entree (Rollstuhlrampe, obwohl kaum Niveauunterschied) in Glasbauweise befindet man sich in einem Raum, wie soll ich es beschreiben, am besten mit flügge gewordenen Teenager, der von der Verwandtschaft diverse Möbel für die erste eigene Wohnung bekommen hat: sehr charmant mixt man hier Stühle im Thonet-Style mit klassischen Wirtshaussesseln, sowie mit Fauteuils aus den 50er Jahren, wie so einiges aus dieser Epoche (Blumenständer, Bogenlampe) zum Einsatz kommt, ein sehr charmanter Mix.

Wir werden zu unserem reservierten Tisch auf der Terrasse gebracht. Auch hier herrscht ein kleiner Möbelmix, robuste Holztische und verschiedenfarbige Stühle, einzeln Plätze sind für das Dinner mit weißem Tuch gedeckt, und jetzt erschließt sich mir der Muff’n-Sager: der Serviettenring und die Kerzenhalter. Fühle mich wie in der Firma – sehr witzige Idee. Und - was ich auch schon für ausgestorben hielt: Tropfkerzen auf Weinflaschen – hier gibt es sie noch. Am Klemmbrett bekommen wir die Speisekarte – zum Mitschmökern und für die Getränkewahl. Und das Gedeck-Brett wird gleich eingestellt und sieht wirklich gut aus. Zwei Sorten Brot, ein dunkleres und ein helles mit eingebackenen Tomaten, sehr gut. In Fettpapier sind kleine Butterstücke eingewickelt, und im Gläschen gibt es einen Kürbiskernaufstrich.

Die reguläre Speisekarte für den Abend ist mit knapp zwei Seiten sehr überschaubar, neben einem Frühstücksangebot zum teilweise selbst zusammenstellen sind es untertags nur ein paar Gerichte, mehr Raum gewährt man da schon den Getränken, mit z.B. einer Unmenge an österreichischen Biersorten (Raschhofer, Hirter, Forstner, Bevog etc. ), sowie zwei aus Italien (Amacord und Del Borgo), Kaffee von Naber (mit Biofrisch, Soya- oder laktosefreier Milch) und Tees von Demmer. Lt. Karte kommen die Zutaten allesamt aus Wien und 600 km Radius, hauptsächlich Bio. Man bietet ein 3-Gang-Menü um EUR 29,- und eines mit vier Gängen um EUR 34,- an. Unser Gutschein umfasst ein Überraschungsmenü a la carte, und vorab werden allfällige Unverträglichkeiten oder Allergien abgefragt.

Avocado-Salat mit Wiesenkräutern, Mango, Limette, Chili und Kürbiskerndressing
Das Brett kennen wir schon vom Gedeck. Ich persönlich mag es weniger, wenn Flüssigkeiten auf Brettern serviert werden, aber denken wir das Beste. Ein kleines Häufchen sehr dezent marinierte Blattsalate, daneben eine Spalte Avocado mit etwas Dressing drüber gezeichnet. Ich mag grundsätzlich Avocado sehr gerne, aber etwas mehr Spritzigkeit an den Geschmackspapillen wäre perfekt gewesen.

Melonen-Paprika Kaltschale mit Garnele
Das Brett, die Dritte. In einem beschlagenen Rexgläschen kommt die Kaltschale. Auf dem Deckel liegt der kleine essbare Teil der Garnele, sie selbst im Mantel und mit Augen liegt als Panzer daneben. Was mir hier besonders gut gefällt, nach dem Abstellen des Brettes am Tisch wird der Deckel abgehoben und neben die Kaltschale gestellt. Das Süppchen selbst ist sehr fruchtig und die Komponenten kommen gut zur Geltung. Im Abgang, und da ist die Schale quasi schon fast abserviert, kommt hintergründig Pfefferschärfe hoch.

Weißer Pfirsich-Sorbet mit Prosecco und Ribisel
Serviert im Wasserglas ist das Gemenge schon fertig. Ich kenne es so, dass erst am Tisch der Prosecco drüber gelehrt wird. In diesem Fall ist das Sorbet schon etwas vom Alkohol durchsetzt, und wir sputen uns mit dem essen. Geschmacklich ist das Pfirsich-Aroma sehr gut, Extra-Obst hätte ich keine gebraucht.

Beim Hauptgang gilt es bereits eingangs, die Entscheidung Fisch oder Fleisch zu treffen. Und so bekommen wir in diesem Fall beides.
Einmal eine Beiriedschnitte auf cremiger Polenta und geschmolzenen Cherrytomaten, und einmal ein Forellenfilet auf cremiger Polenta mit Zwiebel-Jus. Das Fleisch ist sehr gut gebraten, leicht knusprig mit rosa Kern, der Fisch sehr dünn und eher leicht gedünstet. Die cremige Polenta ist der Hammer, davon würde ich sofort eine Hauptspeise essen. Die geschmolzenen Tomaten sind noch an der Rispe, und das Abkletzteln wird zum Massaker. Sowohl das Safterl als auch der Jus sind sehr konzentriert und gut. Leider, leider kommen beide Gerichte viel zu kühl zum Tisch, haben womöglich auf das Ausservieren gewartet und das ist sehr schade.

Joghurt Panna Cotta mit Erdbeeren
Der dritte Gang im Glas – eine sehr kompakte, aber auch sehr gut gelungene Panna Cotta, dezenter Vanillegeschmack. Obenauf Erdbeerstücke und das dazugehöre Mus mit Minzeblättchen. Die Portion ist gerade richtig groß, und mit dem Abschlecken des Dessertlöffels sind wir richtig schön satt.

Fazit: Die Tendenz bei den Speisen ginge fast gegen vier, aber weil der Hauptgang leider nur lauwarm war und allgemein etwas Würze fehlte und die Gesamtfolge des Menüs ‚kühl‘ war, tendiere ich bei den Speisen doch zu Gut, wenn auch alles andere gepasst hat. Wir haben sowohl die äußerst sanfte Würzhand, als auch das Temperaturproblem angesprochen und sind auf Interesse an der Kritik gestoßen.
Die Location ist einfach toll. Im Hochsommer stelle ich es mir noch schöner vor, denn gegen Ende unseres Aufenthalts ist es immer dunkler geworden, und außer den Kerzen gibt es auf der Steinterrasse nur die Beleuchtung am Haus, das ist meiner Meinung nach für den Verzehr von Speisen zu wenig. Es gibt auch noch eine Holzterrasse am Haus, die mutmaßlich bei höherer Auslastung geöffnet wird.
Das Service ist schwer in Ordnung, zwar etwas eigen im Tonfall, aber jedes Wort ist ernst und herzlich gemeint. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Schade, dass ich nicht mehr hier wohne, eine Extraanreise ist die Au allemal im Sommer wert, bei einem Spaziergang im Park können die zu sich genommenen Kalorien verwertet werden, ob ich mich im Winter im Innenbereich wohlfühlen würde, müsste ich ausprobieren.
Bleibt noch der einzige Punkt zu erwähnen, der uns etwas bitter auf der Zunge zum liegen kam – lt. Speisekarte erlaubt man sich ab 18:00 Uhr das Gedeck mit EUR 2,50 zu verrechnen. Auf unserer Rechnung standen wahrhaft EUR 6,50 Gedeck pro Person – das entspricht schon einer kleinen Hauptmahlzeit und fällt fast unter Abzocke.

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Kommentare (2)

am 17. September 2014 um 20:10

Ja.
Die Wahrheit ?
In der Dunkelheit haben wir Schasaugerten es leider nicht ganz so gut/genau gesehen ...

Gefällt mir2
Experte
283
71
am 17. September 2014 um 20:01

2,50 auf der Karte, 6,50 auf der Rechnung?
Würde ich nicht bezahlen.

Gefällt mir5
Experte
48
22
Die Au
Scherzergasse 1a
1020 Wien
Speisen
Ambiente
Service
26
39
35
4 Bewertungen
Die Au - Karte
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