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Albertina Passage - Dinner Club - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 1. September 2014
Experte
dieBrotvernichter
67
17
18
5Speisen
4Ambiente
4Service

Es ist so wurscht WO oder von WEM gekocht wird. Aber das WIE und WOMIT ist wirklich wichtig für den guten Geschmack. Fleisch, Spinat, Kartoffeln und Ei waren die Hauptdarsteller. Einfache Zutaten. Aber hier hat's geklappt: mit ausgezeichneter Zutatenqualität wurde ausgezeichnet gearbeitet und zubereitet. Endresultat: es hat ausgezeichnet geschmeckt.

Und um den guten Geschmack geht's ja hier schlussendlich auch. Guter Geschmack bedingt nicht unbedingt exklusive Zutaten, aber welche mit Qualität und natürlich eine souveräne Küchenleistung. Das schafft die Mannschaft in der Albertina Passage locker mit links. Auch die Service-Burschen verstehen was von ihrem Fach.

Obwohl in der Albertina Passage natürlich ein Preisniveau herrscht, das nach exklusiveren Zutaten verlangt, sonst würd' sich jeder Gast g'frotzelt fühlen. Also werden die Gerichte für dafür noch mit einem Bisserl vom feinsten Zeug aufgemascherlt. Unser Gedeck (€ 3,00) kommt ohne Musik, weil nur der frühe Vogel fängt das Rind. Live-Musik auf der kleinen Bühne, die den Bug des großen weißen "Mutterschiffs" (der Bar) bildet, am schön in Szene gesetzten Piano geht erst ab 20.15h los. Wir sind schon um 19h am Start - weil so gegen 20.30h wollen wir's uns schon wieder vor unserer Heimwand auf der Couch gemütlich machen. Zweigängig geht sich das locker aus.

Kurz werden wir verleitet in die Verlängerung zu gehen, weil zum Einen die Clubatmosphäre den reiferen Mann in Partystimmung versetzt und uns zum Anderen, der junge Mann vom Service auf das heutige Abendmenü im Quartett hinweist. Klingt wirklich gut, trifft genau unsere Speisenfavoriten aus der Karte. Wie immer sind wir hungrig - und in Steaklaune. Daher sicherheitshalber nachgefragt, ob denn die Portionen trotzdem original bleiben. Wir würden's dapacken. Nein, die werden schon kleiner. Und das Steak? 250 Gramm, bleiben aber oder? Nein, das wird ein Lady-Cut. Oije, die Lady will aber kein Baby-Cut, sondern die Portion für wahre Frauen. 250 Gramm sind da gerade noch genug. Der (Gentle-)Man(n) an ihrer Seite ist von der Baby-Portion auch nicht begeistert. Wenn Steak, dann richtig. Also bestellen wir a la Carte und Nachspeise gibt's dann zu Haus' - wir haben da schon mal was vorbereitet. Schnell sind wir uns einig: für uns beide das Filetsteak mit sautiertem Blattspinat, Erdäpfelpüree und Cafe de Paris. Butter oder Sauce? Wir lassen uns überraschen.

Die Frühreife war vor kurzem noch ein Popeye-Fan und nimmt gleich doppelt Spinat: zur Vorspeise wird's cremiger Babyspinat mit einem Einstunden-Ei und Perigord-Trüffel. Der Möchtegern-Partytiger will den Gelbflossenthunfisch mit Sesamvinaigrette, Koriander und Quinoa. Dazu gibt's einen Sauvignon Blanc aus dem Loire-Tal 2012 (€ 5,50). Von dort her kommt eine starke Mineralik in den Sauvignon. Muss man mögen. Und zum Trüffelei wird's ein Riesling vom Topf aus dem Kamptal auch 2012. Das war ein guter Jahrgang.

Das Gedeck kommt klanglos mit dem Wein. Schmeckt aber trotzdem sehr gut. Es gibt lauwarm serviertes Brot. Eher was in Richtung Ciabatta. Einmal weiß und einmal dunkel mit Walnuss. In Dreiecke geschnitten und an den Außenkanten leicht knusprig. Das walnussgespickte ist besonders gut. Dazu wird uns noan-Olivenöl eingegossen und die Dosenflasche bleibt am Tisch. Brotnachschub kommt im Minutentakt und es ist kein Ende in Sicht - sehr gastlich. Das Öl ist von gewohnt guter Qualität. Pfeffer und Salz brauchen wir dazu nicht. Wein, Brot und Öl - Weib sitzt am Tisch und Gesang erst zur noch späteren Stunde. Weil die Musik beginnt mit dem Piano und das Ensemble wird dann erst nach und nach erweitert. Somit steigt der Lautstärkenpegel auch mit fortgeschrittener Stunde und ab Mitternacht wird's dann richtig laut: dann kommt ein DJ ans Mischpult und das Restaurant wird zur Partyzone. Anschaulich beschreibt uns der junge Mann vom Service dieses Szenario - mit so viel Begeisterung, dass die Partystimmung schon fast ansteckend wird. Aber nicht nur das, sondern auch die Speisen und die Weine beschreibt er uns ausführlich. Ein Verkäufer ist an dem Burschen verloren gegangen. Aber er ist auch hier wirklich gut positioniert - wir mögen seine lockere und trotzdem sehr höfliche Art. Wir sind gut aufgehoben.

Gegen 19.20h kommt schon unsere Vorspeise. Flott - so passt das für uns heut' wieder gut. Am Teller ist das Filet vom Gelbflossenthunfisch (€ 18,00) in rechteckigen Scheiben angerichtet. Dünn von Außen angegrillt und innen roh mit schön kräftig roter Farbe. Ausgezeichnete Fischqualität. Der schmeckt sogar der Anti-Fisch-Fraktion. Kein eisenartiger Nachhall im Mund. Sehr guter Geschmack - Sesamvinaigrette und Koriander passt perfekt für die asiatische Aromennote und ist dementsprechend leicht würzig abgeschmeckt. Lauwarm am Teller - so kommt der Geschmack auch gut durch. Besser können wir's uns nicht vorstellen.

Das Trüffelei (€ 18,00) ist aber der aromatische Volltreffer an diesem Abend. Schon beim Servieren riecht man leicht herben Waldboden - mit dezenter Knoblauchnote: die wirklich großzügige Portion vom Perigordtrüffel, die dem Ei eine schwere Krone aufsetzt. Wir Trüffeljunkies sind angefixt - die Freude über den guten Stoff ist riesig. So einen Berg hatten wir in einem Restaurant noch nie am Teller. Das einstündig gegarte Ei badet in dem fein gehäckselten Babyspinat in heller Cremesauce. Die Jugendlichkeit schmeckt man dem Blattgemüse förmlich an. Rundherum noch Trüffel-Espuma. Ein naturidenter Aroma-Schaum aus der iSi-Obersflasche, der's zum Glück nicht geschafft hat den wahrhaftig natürlichen und auch optisch sehr präsenten Perigord-Trüffel zu verdrängen. Die kleine Unterstützung hat ihm also nicht geschadet. Durch unsere Trüffelaffinität wissen wir, dass fast immer nachgeholfen wird und wir kennen den Unterschied sehr gut. Wir wissen die Großzügigkeit hier zu schätzen und nehmen die Aromazugabe als "nettes" Zusatzprogramm. Chemie-Trüffelaroma hat bei uns einen Ausnahme-Status in der Welt der Zusatzstoffe, die wir mit sonst sehr strengem Regiment regieren. Trüffelöl-Entzug ist leider schon mehrmals fehlgeschlagen. Die Vorspeise war für uns beide so gelungen, dass der eine bei der anderen nicht nur gekostet hat sondern gleich mitgegessen.

Und dann kommt da ein warm rauchiger Duft hinter den dunklen Vorhängen hervor. Holzkohle, man riecht die ganz dezent angenehm bis zu unserem Tisch. Gute Lüftungsanlage, die Rauchschwaden bleiben nämlich in der Küche und vernebeln wahrscheinlich gerade unsere Filetsteaks (€ 29,00). Während die am Holzkohlengrill liegen bekommen wir unsere Weine. Einmal was Kräftigeres für ganz Starke: Joiser Cuvee (Zweigelt, Blaufr., Merlot € 7.50) vom Altenburger 2011 und was Runderes für ganz Zarte: Merlot Reserva 2012 von Cono Sur (€ 7.50) aus Chile. Volltreffer.

Und kurze Zeit später sind auch die Steaks schon bei uns am Tisch. Zügiges Tempo. Gutes Zeitmanagement in der Küche. Schadet dem Fleisch überhaupt nicht. Außen - das Fleisch schön karamellisiert - eine ordentliche Kruste, spür- und hörbar, wenn man mit dem Messerrücken darüber streift. Geschmacklich ganz klar: sensationell. Typisch rauchig. Innen medium-rare, so haben wir's beide gern. Schön elastisch weich und saftig. Fleischsaft bleibt im Fleisch und traut sich kaum auf den Teller zum sautierten Blattspinat. Diesmal der erwachsene. Und zum hübsch aufgespritzten Erdäpfelpüree. Der Blattspinat im satten dunkelgrün. Gut buttrig abgeschmeckt - angedünstete Schalotten, wenig Knoblauch, sicher ein Hauch Muskat - rund aber würzig. Das Püree hat die optimale Konsistenz. Recht locker aber trotzdem noch cremig. Feinste Struktur. In zwei extra Schüsserln kommt noch eine dunkle Sauce. Cafe de Paris? Nein, sicher nicht. Das wär' was helles, cremiges. Keine Butter am Teller und zum Glück auch nicht auf dem Steak. Diese Sauce ist stark zwiebellastig, leicht süß aber trotzdem ordentlich herzhaft. Da war sicher was Alkoholisches als Geschmacksvertiefer im Spiel. Aber kein Cafe de Paris. Egal, wie auch immer - eine kräftig reduzierte Sauce. Zum Steak & Co hat sie einfach gepasst.

Ein kleiner Fehler passiert dann auf der Rechnung: der junge Mann hat uns Musik (2 x €6,00) verrechnet, die wir nicht in die Ohren bekommen haben. Wir reklamieren zwar und es wird storniert - besprechen aber mit ihm: weil er so freundlich engagiert ist, soll er sich das Storno als zusätzliche Trinkgeldaufbesserung behalten.

Kurzweiliger aber gelungener Abend. Weil: top Essen, top Wein und top Service. Essen ist für uns mehr - und muss es auch sein - als pure Nahrungsaufnahme. Immer und überall. Ob zu Haus', im Wirtshaus, bei Familie, Freunden oder im nobleren Restaurant. Wenn man wo zu Gast ist, dann soll sich der Gastgeber ordentlich Mühe machen: in der Küche und Rundherum. Vor allem, wenn man dafür bezahlt. Die Qualität betreffend Zutaten und Zubereitung muss stimmen. Das ist mit Aufwand verbunden. Aber dann schmeckt's uns auch genauso ausgezeichnet, wie die Krautfleckerl bei unserer (Schwieger-)Oma.

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Kommentare (3)

am 2. September 2014 um 16:44

Ooooch, widmet ihr doch so viel von eurer "doch sehr wertvollen Lebenszeit" um diverse Fotos hochnäsig zu kommentieren...

BTW: "schade, dass du das aber selbst praktisch nie beherzigst" - ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, trotz mehr als nur zahlreicher Personen, die von mir schon bekocht wurden, je für euch gekocht zu haben. Woher nehmt ihr dann diese abermals überhebliche Weisheit? Aus dem gleichen Fundus wie eure "Brotweisheit"?

Wie man in den Wald hineinruft...

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Experte
215
47
am 2. September 2014 um 10:04

uc0grrrrr, du musst ja unsere Bewertungen im wahrsten Sinn des Wortes "lesenswert" finden. Vielen Dank für deine Korrekturhilfe der Schreibweisen, du bist im Buchstabieren ja schon ein ganz Großer.

Du erlaubst: das "Oije" bleibt wie es ist.

Gelbflossenthunfisch: haben wir zum ersten Mal gegessen. Wir essen Fleisch oder Fisch jeweils nur einmal pro Woche - dann doch meist auswärts. Und da hat bei uns dann die natürliche Lebensweise vom Tier (Wildfang oder Wild) Priorität. Wegen uns ist da sicher noch keine Tierart in Gefahr. Aber vielleicht schaffen wir's - dank deines Hinweises - unseren raren Fleisch-/Fischkonsum auch noch artenschutztechnisch zu optimieren. Schön, dass du das in der Theorie so gut beherrschst - schade, dass du das aber selbst praktisch nie beherzigst.

angefixt: Link

Chemie-Trüffelaroma: Trüffel ist ein Pilz der sein Aroma (Geruch/Geschmack) von Natur aus mit sich bringt. Fakt ist, dass Trüffelaroma nicht so gut fettlöslich ist und daher für mehr Intensität chemisch nachgeholfen wird. Als Produkt dann als Trüffelöl zu finden. In eigentlich allen Trüffelölen sind künstlich/synthetisch hergestellte organische Verbindungen, die das natürliche Aroma des Trüffels am Gaumen simulieren sollen. Hochwertigere Varianten sind zwar "naturident" hergestellt, kommt aber alles aus dem Labor. Soweit sind wir informiert. Uns reicht das. War das jetzt auch für dich verständlich oder? Falls nicht, findest du sicher Literatur dazu.

Du verstehst auch sicher, dass wir nicht so viel unserer doch sehr wertvollen Lebenszeit diesem Forum widmen können und schon gar nicht für deine Feindseligkeiten aufwenden wollen.

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Experte
67
17
am 1. September 2014 um 21:15

Bitte um Aufklärung für niedere Allgemeinfressende "Nichtgourmets", die keine Ahnung haben von gutem Essen.
Was bedeutet bitte:

- "Loire-Thal", ich kenne nur das "Loire-Tal"
- "Oije", ich kenne nur "Oje" oder "Ojeh"
- "naon Olivenöl", ich kenne nur "noan"-Olivenöl
- warum eßt ihr Gelbflossenthunfisch, der auf der "Roten Liste" der gefährdeten Arten steht, obwohl euch ja, wie hier so oft nachzulesen, die "Herkunft und Nachhaltigkeit" der Lebensmittel doch soooo wichtig sei?
- was bedeutet eigentlich "angefixt"?
- was ist "geheckselter Babyspinat", meint ihr "gehäckselt"?
- "Chemie-Trüffelaroma", das ihr so liebt, was ist das bitte genau?

Danke!

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