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Hermes - Labstelle in der Hermesvilla - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 29. August 2014
Experte
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3Speisen
3Ambiente
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38 Fotos1 Check-In

Mit dieser Lage, mit diesem historischen Gebäude und diesem Ambiente, da ist man als Gastwirt wohl vorerst einmal gesegnet. Aber natürlich wird hier die Pacht nicht gering sein, und natürlich ist es ein saisonales Geschäft, da der Lainzer Tiergarten zumeist nur bei Schönwetter besucht wird und sehr große saisonale Schwankungen im Besucherandrang bestehen. Des Weiteren stelle ich mir die Gratwanderung, wie richte ich das Lokal überhaupt aus, auch nicht sehr einfach vor, sollte man doch einen Spagat zwischen gehobenerer Küche, dem Ambiente entsprechend, aber auch typischer „Jausenstation“ für Ausflügler und Familien schaffen. Selbstverständlich zu leistbaren Preisen für Frau, Mann und Kind(er).

Über die Hermesvilla muss man nicht viele Worte verlieren, ein bauliches Juwel das „Schloss der Träume“, wie sie von Kaiserin Elisabeth, der berühmten Sisi, genannt wurde. Kaiser Franz Joseph, der Sisi die Hermesvilla um 1886 schenkte, wollte eigentlich damit erreichen, dass seine sehr reiselustige Frau endlich mehr Zeit in Wien verbringen würde. „Hermes“-Villa deswegen genannt, weil vor dem Prachtbau im Garten „Hermes der Wächter“ in Form einer Statue errichtet wurde.

2011 wurde die Hermesvilla generalsaniert und danach bis 2013 von der Familie „Artner“ betreut bzw. bis 2013 als Restaurant „Artner in der Hermesvilla“ betrieben – ohne nachhaltigem Erfolg. Dann folgte im November 2013 der Wechsel zum jetzigen Betreiber, Michael Ramssl, der hier nun das Restaurant „Hermes“ bzw. die „Labstelle in der Hermesvilla“ betreibt.

Besonders positiv zu bemerken ist die recht hohe Affinität zu heimischen und qualitativ hochwertigen Grundzutaten im „Hermes“. Das Fleisch wird ausschließlich aus Österreich stammend verwendet, das Wild stammt natürlich von vor Ort aus dem Tiergarten und somit wird es direkt verarbeitet – frischer geht es nicht. Die verwendeten Kräuter stammen aus eigenem Anbau, Marmeladen und alle Desserts werden hausgemacht. Eigentlich beste Voraussetzungen für einen lukullischen Genuss.

In das Lokal kann man entweder vom Gastgarten aus eintreten oder vom eigentlichen Restauranteingang an der rechten Seite der Hermesvilla über einen stilvollen, kleinen Aufgang. Durch ein „Doppel-L“ gelangt man dann in den Restaurantbereich, jedoch passiert es schnell, dass man dann schon fast in der Küche steht – einen klassischen Empfang gibt es im „Hermes“ nicht.

Die Reservierung per Telefon klappte sehr freundlich und problemlos. Beim Eintreffen zur vereinbarten Zeit jedoch, wurden wir mit den Worten „das Wetter hat plötzlich umgeschlagen, und plötzlich sind alle Gartengäste ins Lokal gelaufen, ich muss erst einmal schauen, wo noch ein Tisch frei ist“ empfangen – sehr unprofessionell, das „Reserviert“-Schild ist doch schon seit geraumer Zeit erfunden.

Wir wurden an einen Zweiertisch geführt und sofort von großem Lärm empfangen. Herumtollende Kinder, Unterhaltungen der anwesenden Gäste, Geschrei, Geplärre und alles noch verstärkt durch die architektonisch bedingte, fürchterliche Akustik – sehr hohe und kahle Räume, nüchtern, minimalistisch und kaum schallgedämpft eingerichtet. Offensichtlich gibt es zwei Haupträume im „Hermes“ – Lärmpegel ident – und zumindest einen Nebenraum für geschlossene Veranstaltungen und Feiern. Das Interieur besteht aus massiven Holztischen in diversen Größen, weiß lackiert, und recht bequemen Holzstühlen bzw. eher modernen Bänken.

Zu trinken hatten wir ein „Beck's Blue Alkoholfrei (EUR 2,90 / 0,33l), ein „Weitra-Bräu“ (EUR 2,90 / 0,33l), einen „Espresso Doppio“ (EUR 3,80) und einen „Kleinen Espresso“ (EUR 2,30). Die Getränke waren völlig in Ordnung, der Kaffee leider schlechtes Mittelmaß, überhaupt keine Crèma und relativ dünn. Sehr schade, weil der Kaffee aus einer tollen Rösterei, „Alt Wien“, 1040 Wien, Schleifmühlgasse 23, bezogen wird (Link).

Für die Speisen hatten wir einen Gutschein für ein dreigängiges Menü, bestehend aus:
----- Vorspeise: Luftgetrockneter Wildschweinschinken mit Marillen-Chutney
----- Hauptspeise: Wildschein-Rückensteak mit Erdäpfelpürée
----- Nachspeise: Hausgemachter Mohr im Hemd

„Luftgetrockneter Wildschweinschinken mit Marillen-Chutney, Brot-Chip und Blattsalaten“
Der Wildschweinschinken war ausreichend dünn geschnitten und hatte einen wunderbaren Geschmack, zart und doch deftig zugleich, leider jedoch etwas sparsam serviert. Das hausgemachte Marillen-Chutney war gut, hätte aber durchaus schärfer sein dürfen, der Blattsalat äußerst gut mariniert und frisch. Der Schwarzbrot-Chip wurde leicht mit Knoblauch parfümiert und passte wunderbar. Ein glattes „SEHR GUT“, fast ausgezeichnet.

„Wildschein-Rückensteak mit Erdäpfelpürée und Speckfisolen auf Pfefferrahmsauce“
Das Fleisch von deutlich merkbar guter Qualität wurde auf den Punkt gebraten – wunderschöner rosa Kern. Leider waren aber trotzdem drei von vier Stücken etwas zäh, was vermuten lässt, dass das Fleisch eiskalt und nicht temperiert gebraten wurde. Das Erdäpfelpürée war lauwarm und hatte bereits eine dicke Haut an der Oberfläche, also recht lange schon am Teller angerichtet vor dem Servieren, und fast geschmacklos – weder nach Erdäpfel noch nach Butter, schon gar nicht nach Muskat schmeckend. Die Speckfisolen schmeckten tadellos, waren aber ebenfalls nur mäßig heiß. Die Pfefferrahmsauce wurde handwerklich gut gemacht, ein paar Pfefferkörner mehr hätten es aber durchaus sein dürfen. In Summe kann ich daher nur ein „MÄSSIG“ geben, gut gemeint sogar.

„Hausgemachter Mohr im Hemd mit Vanilleeis“
Der Schokoladenkuchen war tatsächlich hausgemacht, flaumig, nussig und sehr schokoladig ohne aufdringlich süß zu sein. Schön, dass es dazu echtes Schlagobers gab, schade, dass das Vanilleeis nicht hausgemacht war. In Summe gebe ich aber gerne ein „SEHR GUT“ hierfür in diesem Rahmen und auf diesem Niveau.

In Summe gebe ich den Speisen ein gutes „GUT“, da man eben beim Hauptgang deutlich schwächelte, und 10 Punkte in Summe für die Speisen ergeben eben gerundet nicht mehr als im Durchschnitt 3 = gut.

Beim Ambiente tut man sich recht schwer in der „Labstelle“. Eine tolle Lage, ein wunderschönes, stilvolles Ambiente, ein prachtvoller, herrschaftlicher Terrassen-Gastgarten mit Blick auf den Vorgarten der Villa, im Gastgarten eine eigene Schank, der hohe Erholungswert des Lainzer Tiergartens - all das würde die höchste Bewertung befürworten. Dem gegenüber stehen aber ein extrem hoher Lärmpegel im Lokal, kein hoher Wohlfühlfaktor in den Gasträumen mit kaum vorhandener Einrichtung und recht geschmacklose, stillose Sanitäranlagen mit bunten, kitschigen Wänden sowie WC-Türen, die unten und oben offen sind in Raststätten-Qualität. Daher kann ich in Summe für das Ambiente leider nur ein „GUT“ geben – schade.

Beim Service ist es für mich deutlich leichter, denn der Fauxpas der Reservierung, ein sehr schleppender Service, der permanent das Besteck mit einiger Verzögerung erst nach dem Servieren der Speisen bringt, der erlaubt einfach nicht mehr, als ein „MÄSSIG“ zu geben. Man war weder unhöflich oder unfreundlich, aber auch kaum beim Gast und wirkte leicht überfordert.

Fazit: durch das Angebot von recht günstigen Flammkuchen – sahen alle sehr gut aus, waren aber sehr dünn - findet man wohl auch eine familienfreundliche und leistbare Variante der Labung. Sonst sind die Preise nicht günstig und daher als Ausflugslokal ein eher teures Vergnügen für Familien. Zusätzlich finde ich aufgrund des Erlebten das Preis-/Leistungsverhältnis nicht gerechtfertigt, weil zu teuer. Das Lokal ist völlig behindertengerecht – eigene Sanitäranlage sowie ein Treppenlift sind vorhanden. Man bietet außerdem noch diverse gefüllte Picknickkörbe für den Wandertag durch den Lainzer Tiergarten an und kann bis 11:30h (Sommeröffnungszeit) im „Hermes“ frühstücken. Von mir gibt es leider nur eine bedingte Empfehlung, wegen des Restaurants extra herfahren würden wir definitiv nicht.

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Kommentare (2)

am 3. September 2014 um 09:35

Stimmt ja, HrMann - Danke schön!
Gerry

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am 1. September 2014 um 22:19

HGL und somit dein tausendstes "Lesenswert"! Gratulation zu diesem Meilenstein :)

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Hermes - Labstelle in der Hermesvilla
Hermesvilla
1130 Wien
Lainzer Tiergarten
Speisen
Ambiente
Service
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3 Bewertungen
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