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Gallo d'Oro - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 22. August 2014
Experte
bubafant
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2Speisen
3Ambiente
2Service
21 Fotos1 Check-In

Das 'Gallo Rosso' im Kaiserbahnhof in Laxenburg kennen wir zur Genüge. Patron Francesco Dimmel hat nun im ersten Bezirk den edleren Hahn, das 'Gallo d'Oro' eröffnet. Zwecks Bekanntmachung gibt es via Gutscheinportal ein fünfgängiges Menü, wahlweise Fleisch oder Fisch. Problemlose telefonische Reservierung.
Mittags gibt es ein wechselndes Drei-Gang-Menü um rund EUR 8,- und einen Businesslunch. Ebenso täglich gibt es ein Pizzamenü (Pizza nach Wahl, und wahlweise Salat oder Tagessuppe oder Dessert) um EUR 8,-. Abends Candle-Light-Dinner. Die Weinkarte kann man unter Link einsehen.

So prächtig sich der Kaiserbahnhof präsentiert, so ist meiner Meinung nach die Location in Wien, obwohl in der Nähe der Oper, nicht so prominent (gewählt). Ein Eckhaus, sowohl Touristen als auch Einheimische rennen ohne einen Seitenblick vorbei. Der kleine Schanigarten auf der Operngasse besteht überhaupt nur aus zwei Hochtischen mit ein paar Stühlen, die ohne jegliche Abgrenzung einfach am Gehsteig stehen, seitlich vom Ansichtskarten- und Zeitschriftenangebot der Trafik nebenan begrenzt. Ums Eck, in der Elisabethstraße, wurde das Firmenlogo lediglich in Form von zwei Transparenten angebracht, mittig über die wunderschönen großen Fenster. Spray-Attacken und geborstene Scheiben zeugen von einem offensichtlichen Vandalen-Problem.

Nach dem Betreten des Lokals steht man unmittelbar neben der Bar, ein paar Tische. Über ein paar Stufen geht es weiter, an der Fensterfront entlang eine Reihe Zweiertische, im Inneren sind eher kleine und enge Nischen mit Gewalt komplett möbliert worden. Eine Glasfront teilt das Lokal, hier befindet sich eine Art Antipasti-Buffet, von dem der Kellner das Schälchen mit den Oliven bestückt. Ich hoffe nicht, dass in diesem Bereich geraucht werden darf, denn es gibt rote und grüne Aufkleber zum Thema Rauch. Ums Eck geht es tiefer in das Haus hinein, deutlich schlechtere Beleuchtung, viele Sitzgelegenheiten und eine weitere Bar. Wo es zu den Sanitärräumen geht, kann man nur aufgrund großer Lebenserfahrung erahnen, Beschriftung gibt es keine. Eine steile und zudem äußerst schlecht ausgeleuchtete Treppe in den Keller. Zum Teil sind die Wände hier roh. Nach dem Öffnen der Tür wähnt man sich im falschen Film. Eine riesige ‚Vorhalle‘ mit Becken links und rechts, dahinter komplett verspiegelt, sodass sich alles zigmal wiederholt. Ein ansehnlicher Jüngling groß auf plakatiert. Und gleißendes Licht, man erblindet fast. Was für ein Stilbruch, in den Gasträumen, der Versuch edel und gediegen zu sein, hier herrscht nüchterne Moderne.

Wir sind die ersten Gäste und können beim Tisch frei aus den Zweiertischen auswählen. Viel weißes Tuch, ein paar Gläser, Besteck für die ersten Gänge, gläserne Gewürzmühlen, Grünzeug und Kerze. Obwohl die Speisenabfolge vorgegeben ist, bekommen wir die Karte. Die Getränkekarte müssen wir extra ordern, und die sorgt an diesem Abend mit ihrem Gummiband auf der hinteren Seite mehrmals für abstürzendes Besteck. Angeführt sind nur Flaschen (vom Wein), und für das offene Angebot muss man gesondert nachfragen. Cabernet Sauvignon und Itynera schlagen sich mit EUR 3,90 und 4,20 zu Buche. Der ½ l SodaZitron in der Karaffe mit EUR 3,40, was für extrem stilles (Leitungs?)Wasser mit Zitronat mutig ist.
Zwischenzeitlich wird das Gedeck gebracht, ein Körbchen mit schon etwas eingetrocknetem Weißbrot (vom Antipasti-Buffet im Zwischenraum) und ein kleines Schälchen dunkle Oliven mit kleinen Ess-Löffelchen. Es kommt nicht oft vor, dass das Gedeck unangetastet bleibt, diesmal ist es so.

Antipasti Gallo d'oro (verschiedene gegrillte Gemüsesorten, mariniert mit Basilikum und Essig, kalt serviert, EUR 10,10)
Je ein kleines Stück/Scheibe von Zucchini, Melanzani, Paprika, Champignon und eine aufgefächerte Artischocke. Bei diesen Preisen werde ich Gemüsebauer! Das Gemüse ist stellenweise (auf der Unterseite serviert) verbrannt und mit viel zu viel Öl überträufelt.

Tortellini al Tartufo (hausgemachte Tortellini mit Trüffelsauce, EUR 14,90)
Das erste und leider in weiterer Folge auch das einzige Highlight an diesem Abend. Zwei Stück von der Nudel mit gutem Biss und einer sensationellen Sauce. Cremig, leicht dunkel im Geschmack, sehr harmonisch. Für mich hätte das ganze Menü aus einem großen Teller dieser Tortellini bestehen können. Jeden Bissen ganz langsam genießen. Wunderbar.

Sgroppino (Zitronensorbet, EUR 5,90)
Sehr einfallslose Präsentation im Sektglas mit Strohhalm und Longdrinklöffel. Optisch wie ein blasses Erdbeerfrappee, lt. Karte sollen Wodka, Prosecco, Zitroneneis und Pfefferminze enthalten sein, schmeckt allerdings nur bedingt erfrischend, eher schon etwas fad.

Filetto die Manzo con Patate (EUR 29,00)
Der Koch läuft in der Präsentation zur Hochform auf. Mit einem Holzspieß sind drei Erdäpfel auf dem Rinderfilet festgetackert. Rundherum etwas Sößchen, dazu Orangenscheiben und Kiwimark. Leider kann man beim Fleisch so viel falsch machen. Dieses arme Stück ist außen etwas knusprig, ca. 1 cm nach innen etwas vertrocknet und der Kern im Inneren sehr rosa, sehr blutig und beginnt sich unter dem Messer zu winden und würgen. Genuss ist das leider keiner. Die in der Speisekarte angekündigte Wahl der Sauce haben wir nicht, die Chili-Komponente im Safterl bringt wenigstens etwas Geschmack neben den Röstaromen.

Hausgemachte Pannacotta auf Passionsfruchtspiegel (EUR 5,90)
Auf dem größten Teller des Abends sitzt die kleinste Pannacotta der letzten Jahre. Die Wand ist nicht glatt, d.h. beim Stürzen hat sie sich gewehrt. Von einer Seite mit Kiwisauce zudeckt, darüber Mandeln gestreut. Das rotorange Fruchtmark kann ich geschmacklich nicht zuordnen, es reißt einen auch nicht vom Hocker. Der kleine Braune dazu schlägt sich mit EUR 4,00 auf der Rechnung nieder.

Fazit: Ich habe es schon anklingen lassen, das Ambiente wirkt bei mir nur auf den ersten Schein edel, im Detail liegt der Teufel, mein Sessel – an der Fensterfront, für jeden sichtbar – hatte ein großes Loch im Kunstleder auf der Sitzfläche. Das Wasserglas einen veritablen Sprung, und dieser wurde selbst beim Einschenken des Getränks nicht erkannt. Ein echtes ‚nogo‘. Die Wände in gelb und rot getüncht, riesige Abluftrohre ziehen sich durch den gesamten Raum. Extrem schlichte, fast schon lieblose Lampen. Wo ist hier der versprochene Prunk in Gold, wenigstens Murano-Lüster hätte ich mir erwartet. Das Sprichwort mit Sein und Schein trifft hier voll zu.
Bei den Speisen erscheinen mir die regulären EUR 120,- etwas hoch gegriffen. Vor allem bei der Küchenleistung beim Fleischgericht. Für nur einen wirklich guten Gang (Pasta) kann ich nicht mehr Punkte vergeben.
Nun zum Service, der Kellner kam uns bekannt vor, wir konnten aber nicht festmachen, woher. Im Laufe des Abends füllte sich das Lokal nur spärlich mit weiteren Gutschein-Kunden und zwei Tischen mit Touristen und Stammkunden/Freunden. Phasenweise wirkte das Lokal total verweist, wenn sich der Kellner lange im hinteren Bereich, wo auch die Küche ist, aufhielt. Es gab keine Nachfrage, ob man zwischen den Gängen eventuell eine Pause machen möchte, im Gegenteil, das Servieren wurde so getimt, dass sämtliche Gutschein-Kunden zeitgleich ausserviert werden konnten.
Empfehlung gibt es von mir diesmal keine.

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Kommentare (2)

am 24. September 2014 um 08:22

Warum Kiwimark und Orange zum Steak? Schmeckt das? Zur dunklen Sauce und Erdäpfeln?

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Experte
67
17
am 22. August 2014 um 17:49

Außerdem sticht man NIE in das Fleisch - weder beim Garen noch beim Servieren. Ein Anfängerfehler...schade für euch :-(
Bewertung natürlich HGL, what else...
Gerry

Gefällt mir2
Experte
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47
Gallo d'Oro
Operngasse 12
1010 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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30
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2 Bewertungen
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