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Yummy House - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 30. Juli 2014
Update am 5. Februar 2015
Experte
langnan
58
16
21
4Speisen
2Ambiente
5Service

Habe mit meiner Frau am Vormittag das chinesische buddhistische Tempel "Fo Guang Shan" in der Sechshauser Strasse besucht. Ein Tempel ist vielleicht nicht sehr passend, schliesslich ist hat das Gebäude äußerlich gesehen keinerlei asiatische Merkmale. Der Gründungsmeister von "Fo Guang Shan", Meister "Xing Yun", heute 88 Jahre alt, zählt zu den renommiertesten Buddhisten und brachte den "humanistischen Buddhismus" zu unzähligen Menschen weltweit. Da es hier sich um ein Restaurant-Forum handelt, werde ich nicht mehr Worte über Kultur und Buddhismus schreiben. Wer Interesse über chinesische Kultur hat, kann auf Wikipedia darüber nachlesen Link bzw. einfach mal zum Tempel in der Sechhauser Strasse 50, 1150 Wien kommen und sich persönlich erkundigen. Neben Buddhismus werden diversen Kursen angeboten, z.B. Kochen, Teezeremonie, Meditation, Tai-Ji oder Chinesisch-Kurse. Montags ist Ruhetag, ansonsten von 10:00 bis 17:00 geöffnet.

Nach dem Besuch machten wir uns auf dem Weg zum Yummy House. Haben schon viel darüber gehört, das es dort wirklich authentische nordwest-chinesische Küche gibt. Meine Frau kennt sich gut mit diesem Kochstil aus, ihre Großmutter und Vater kommen aus einer der Provinzen.

Paar Vorworte über Nordwesten Chinas. Die Region umfasst ungefähr von der inneren Mongolei bis nach Provinz Xin-Jiang, wo die Turkvölker (Moslem) Chinas leben. Also Schweinefleisch bzw. Meeresfrüchte sind hier eher Fehl am Platz. Ebenso werden die Vegetarier nicht wirklich begeistert sein. Die Küche wird dominiert von Rind, Lamm und Wild. Als Hauptspeise nimmt man meistens Mehl, also diversen Nudeln, Fladen, gedämpfte Teigformen. Gezogene Nudeln mit Suppe (chinesisch "La Mian"), welche Japaner (sagen "Ramen") auch gerne essen, diese Zubereitung stammt aus der nordwest-chinesischen Küche. Geschmacklich ist diese Küche eher einfach, sauer, scharf und Hauptsache deftig duftend. Auch bei einer Kombination von verschiedenen Gewürzen steht meistens nur ein Geschmack hervor.

Weiter im Lokal. Das Lokal ist wirklich unauffällig, klein eben. Die Inneneinrichtung einfach aber ganz ok. Seife im WC war aus. Die Speisekarte ist eine zweiseitige Karte, chinesisch und deutsch kombiniert. Man findet wirklich einiges an regionalen Köstlichkeiten, wie Lammspieße, Lamm mit Kümmel, Lamm mit Lauch, geschmorter Lamm, Big Plate Chicken "Dapanji", allerlei Nudeln usw. .

Zu den Speisen:

Morcheln mit Zwiebeln, 4,5€: Zwiebeln, Lauch, Knoblauch, der Nordwest-Chinese liebt das einfach. Ganz simpel wird der Zwiebel geschnitten, mit Morcheln (steht auf der Rechnung, habe es auch seit dem Kindesalter so gehört, aber die richtige Übersetzung wäre Judasohr oder Holunderpilz. Morcheln sehen anders aus.) gemischt und mit Sojasauce, Reisessig, Salz und Sesamöl abgeschmeckt. Einfach aber gut, außerdem sehr gesund.

Nudelsalat, 4,5€: Diese Übersetzung ist auch nicht ganz ok, aber was soll man auf der Rechnung schreiben, wenn's der Kunde nicht versteht. Auf chinesisch sagt man "Liang Pi", ist eine aus Stärke (meistens grüne Sojabohnen) gewonnene puddingartige Masse. Diese wird gekühlt, und entweder gewürfelt oder nudelartig geschnitten. Hier wurde sie mit geschnittene Gurken und eine dünne Sesam-Chili-Paste vermengt. Konnte mich nicht wirklich überzeugen, Konsistenz bisschen zu "al dente", die westlichen Gurken schmecken mir sowieso nicht, die Paste ist etwas zu scharf. Meine Frau hat es gemundet, aber wegen der Schärfe konnte sie auch nicht alles aufessen.

Lammfleisch mit Kümmel, 15€: Ein Klassiker und hier war er auch echt prima. Das Fleisch war gut ausgesucht, Fett und Mager in guter Proportion. Mageres Lamm ist ungeeignet. Fein im Wok auf den Punkt gebraten, eventuell bisschen zu klein geschnitten. Reichlich mit Chili, Zwiebeln und etwas Koriander garniert. Ein Stäbchen Lamm mit Koriander zusammen kauen, herrlich.

Lammspiesse, pro Spieß 1€, mind. 5€ Bestellmenge: Wollte eigentlich noch Lammniere auf Spieß bestellen, diese waren leider heute nicht vorhanden. Schade schade. Die Spiesse waren in Ordnung. Wen man Lamm mit Kümmel bestellt, kann man die Spiesse auslassen. Der Geschmack ist recht ähnlich. Das Fleisch ist durch das Grillen am Rand eher trocken, findet meine Frau. Aber für den kleinen Hunger und ein Schluck Alkohol auf jeden Fall geeignet.

Nudelsuppe mit Rindfleisch, 8,9€: angeblich hausgemachte gezogene Nudeln. Kurze Beobachtung nach dem Servieren....Hausgemacht auf jeden Fall, nur sind es Bandnudeln. Gezogene Nudeln sind normalerweise rund, erfordern viel Training. Wenn man's kann,wie hier auf youtube gezeigt Link , können die Nudeln hauchdünn gezogen werden. Auf dem Video zündet der Koch zum Schluss die Nudeln an um zu zeigen, dass sie alleine durch das Ziehen Wasser verloren haben und trocken geworden sind. Bandnudeln zu ziehen ist vergleichsweise einfacher, aber das ist keine Abwertung, schliesslich kann ich nicht einmal Bandnudeln ziehen. Die Schale ist wirklich gross, viel Suppe, eher wenig Nudeln. Rindgulasch gekocht und in Scheiben geschnitten. Auf der Suppe schwimmt Lauch und frischer Chiliöl. Man fragte, ob wir Reisessig wollten. Das ist typisch für Nudelgerichte aus Nordwesten, die Leute mengen gerne Essig bei. Ich nahm auch gerne den Essig, in der Hoffnung, dass er meinen Mund retten werde, schliesslich waren alle Gerichte bis jetzt schön scharf. Konsistenz der Nudeln war ok, Suppe ok, Fleisch gut aber wenig, Chiliöl duftete, der Chili war aber etwas angebrannt.

Zum Trinken hatten wir einmal Chrysanthemen-Tee 2,2€ und eine kleine Soda Zitrone 2,1€.

Service war sehr aufmerksam und freundlich. Man sah, dass meine Kanne Tee leer war (das Meiste habe ich verschüttet, die Kanne war nicht so handlich), bot sofort an Wasser nachzufüllen.

Fazit: Ein Restaurantbericht nach langer Zeit, war eine gute Erfahrung und empfehlenswert. Authentische Küche aus dem Nordwesten Chinas garantiert, fast keine Mutation in Richtung europäischer Geschmack. Bei der Bestellung unbedingt sagen wenn man nicht gern zu scharf isst. Die Portionen waren auch groß. Wer dort hingeht und Sushi isst ist selber Schuld.

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Kommentare (9)

am 31. Juli 2014 um 14:05

@neugierig: ach so, hab dich missverstanden. Dachte du wolltest "zwei Bier" sagen. "Liang Pi" bedeutet wörtlich "Kühle Haut/Schicht", in den USA manchmal auch "cold noodles" genannt, mehr zum nachlesen hier Link. Kann man auch selber machen und nach eigenem Geschmack würzen.

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16
am 31. Juli 2014 um 12:49

Meine Frage hat sich auf "liang pi" für den "Nudelsalat" bezogen.
Liang hätte ich mit 2 übersetzt, bei pi wirft mir der Googleübersetzer Leder aus.
Aber genug offtopic Kommentar von meiner Seite, bevor sich jemand darüber aufregt.
Nochmal danke für den Speichelfluß anregenden Bericht, ich warte schon gespannt auf den nächsten.

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6
am 31. Juli 2014 um 08:23

Danke, dass es euch gefällt.

@neugierig: Bier heißt auf chinesisch "Pi Jiu", nur "Pi" könnte je nach Betonung vieles bedeuten, z.B. Furz. ;).

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16
am 30. Juli 2014 um 21:07

Mein Chinesisch ist zwar praktisch nicht existent, aber 2 Bier kann ich bestellen. Was sind 2 pi? 6.28? ;)

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70
6
am 30. Juli 2014 um 20:50

Nach dem Bericht tut es mir doppelt leid, dass mir die Kellnerin dazumals um kurz nach 21 Uhr keinen Platz mehr geben wollte.
Ich glaube ich muss Ihr verzeihen.

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70
6
am 30. Juli 2014 um 20:10

Du schreibst immer sehr interessant!

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63
50
am 30. Juli 2014 um 19:11

HGL
Vor allem über die Zusatzinformationen habe ich mich sehr gefreut!

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107
33
am 30. Juli 2014 um 18:59

Das will was heissen, wenn langnan eine 4 für ein Chinalokal vergibt...;)

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152
83
am 30. Juli 2014 um 18:58

Auch hier ein HGL-Dauerabo und gleich morgen hin zum Mittagessen!

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Yummy House
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