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die metzgerei - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 14. Juli 2014
Experte
bubafant
283
71
29
4Speisen
4Ambiente
5Service
31 Fotos1 Check-In

Sonntag mittags von der Westbahn in Hütteldorf ausgespuckt und Hunger. Unsere Wahl fällt auf die metzgerei. Essen. Trinken. Genießen. Auf der Homepage erfährt man, dass es die metzgerei am jetzigen Standort erst seit März in dieser Form gibt. Man ist übersiedelt von der Baumgartner Höhe und hat das ehemalige 'Gasthaus zum Hugo' übernommen. Explizit wird auf die Nahebeziehung zur Schinkenmanufaktur Gissinger verwiesen, der Fleischlieferant für die metzgerei (Link, Mittwoch und Freitag vormittags für den Einzelhandel geöffnet).
Das Lokal befindet sich in einer Häuserzeile, nur der farbenfrohe, mintgrüne Anstrich samt den vielen Schiefertafeln mit den Angeboten und den Laternen mit Bier-Logo verrät schon von weitem, dass man hier richtig ist. Das Schild als Überkopfaushang mit dem Schweinchen zieht sich als Corporate Identity durch und via Toreinfahrt würde man direkt in den Hof-Garten gelangen.

Lediglich eine Stufe beim Eingang, und man befindet sich direkt im Lokal. Sehr gediegen, viel Holz, und im Hintergrund die Theke. Die Chefin wacht über dem Reservierungsbuch, runzelt die Stirn, wir haben nicht reserviert und bekommen gerade noch den letzten freien Tisch zugewiesen. Wir folgen dem Kellner an den Sanitärräumen vorbei (sehr sauber und entzückend möbliert, sowie mit Frauenhand dekoriert), gehen durch den Innenhof, der hier zum Gastgarten umfunktioniert ist, passieren die offene Küche, dekoriert mit vielen Kräutertöpfchen, und betreten einen Extraraum am Ende des Ensembles. Hier finden rund 25 Gäste Platz, klassische Wirtshausmöblierung, allerdings mit viel Stoff und Gespür für Farben. An den weißen Wänden hängen wirkliche lustige Unikate, wie z.B. ein Bild mit diversen Schöpf- und Servierlöffeln, kobaltblaue Gugelhupf Formen und ein Spiegel mit aufgeklebten Besteck, sowie Blechwerbeschilder und einige schwarz-hochglänzende Tafeln mit den aktuellen Angeboten. Auf dem Bord der umlaufenden Sitzbank stehen gepimpte Milchkannen, Kräutertöpfchen und einiges mehr.

Die Seite zum Innenhof hin lässt sich mittels Terrassentüren komplett öffnen, und der Gastgarten geht nahtlos in den Gastraum über, bzw. umgekehrt. Vor allem sehr luftig. Ankommende Gäste können sich nicht entscheiden, ob sie einen Tisch im Freien, oder im Raum haben wollen, worauf der Kellner vorschlägt, "zwei draußen, zwei drinnen, er ist da flexibel". ;-) Im Hof selbst Biergartenbestuhlung, für meine Begriffe sehr eng gestellt, natürlich will man jeden Winkel ausnützen. Teilweise Überdachung mit Kunststoffelementen.

Die Tische mit weißem und grünem Tuch wirken durch die zusätzlich aufgestellten grasgrünen Papierservietten sehr fröhlich, Messer und Gabel, sowie Menage, Windlicht und Deko sind auch am Tisch. Sofort bekommen wir die Speisekarten, etwas kleiner als A4 und quadratisch, nettes blau, hebt sich von den sonstigen Einheitsfarben ab. Unter der Rubrik Schmankerl gibt es z.B. unter anderem Beiriedschnitte vom Waldviertler Weiderind, sautierte Kalbsnieren mit Spargel, Cognac und Pinienkernen, Ragout vom Wildschwein mit Chorizzo und Kräuter-Brandteig-Gnocchi, rosa gebratene Entenbrust, Carpaccio vom Wirlschwein-Leberkäs, Beef Tartar mit Asmonte, Wurzelkarpfen, Erbsenschaumsuppe mit Minze, Pastinaken-Birnen-Suppe, Hirnpofesen als Suppeneinlage. Für alt-österreichische Küche stehen gratinierte Rahm-Schinkenfleckerl, Wiener Backfleisch vom Beiried, Rindsgulasch vom 'Gschnatter' und gekochtes 'Mageres Meisel' mit den klassischen Beilagen. Die Entscheidung fällt richtig schwer.
Beim Bestellen von Bier stehen wir vor der Wahl zwischen dem Ottakringer 'Original' (neu seit Februar 2014, gebraut nach einem über 100 Jahre alten Rezept, bernsteinfarben mit einer speziellen Malz-Hopfen-Mischung) und dem 'herkömmlichen'. Es wird uns das Original nahe gelegt, da es sehr beliebt ist.

Erbsenschaumsuppe mit Minze und Gervais Nockerl (EUR 4,80)
Hübsch serviert in einer ovalen Porzellanschale, an den Rändern hochgezogen. Ich persönlich würde diese Schale 'stand alone' auf den Tisch bringen, denn die Kombination kleine Untertasse mit einer Lage Raschelserviette zerstört den feinen Eindruck. Die Suppe ist aufgeschäumt, einige Bläschen sind gerade am Zerplatzen, noch sehr heiß. Die Farbe ist nicht sehr intensiv 'erbsgrün', aber vom Geschmack mehr als das. Sehr starkes Erbsenaroma, die Minze obenauf passt sehr gut dazu. Erst als ich auf den ‚Klumpen‘ am Schalenboden treffe, erinnere ich mich an das Gervais Nockerl, fein und cremig. Das Paket Suppe-Nockerl-Minze ist perfekt. Sehr gut.

Kräftige Rindsuppe mit Leberknödel (EUR 3,20)
Präsentation der Suppe wie bei Erbse, die sehr dunkle Brühe dampft noch und entfaltet schon beim ersten Löffel das volle Aroma. Der Leberknödel ist nicht übermäßig groß, aber ausreichend. Flaumig und die richtige Kompaktheit zugleich, gut gewürzt. In der Suppe noch viel Gemüse Julienne und jede Menge Schnittlauch obenauf. Sehr gut.

Bei einer Hauptspeise folgen wir der Empfehlung des Kellners:
Schweinskarree, mediterran gefüllt, auf Reis (EUR 8,50)
Das Fleisch ist fein mit Kräutern, Schinken, Pilzen und Gemüse gefüllt, gerollt und nach dem Braten in Scheiben aufgeschnitten. Gutes intensives Safterl dazu, fast etwas zu wenig. Der Reis in der richtigen Konsistenz gekocht und gesalzen. Mit vielen frischen Kräutern (mutmaßlich aus den Töpfchen bei der Küchenzeile) dekoriert. Sehr gut.

Geröstete Leber vom Jungstier mit g’schmackigem Zwiebelsafter'l (EUR 9,50)
Eine ziemlich große Portion. Alleine nur von der Leber. Diese ist in verschieden große Stücke geschnitten, gut angebraten, an den etwas dickeren Stellen innen fast leicht rosa. Eine guter Saft mit gedünsteten Zwiebelstückchen dazu, obenauf eine große Menge gerösteter Zwiebel und ein paar Schnittlauchröllchen. Sehr gut. Einzig der Teller, auf dem die Leber serviert wird, gefällt mir nicht, grauweißes Holzdesign, sieht fast etwas billig aus. Sorry.
Als Beilage kann man sich von Reis über Nudeln oder Erdäpfeln, sowie Salaten nach Wunsch und Laune dazu bestellen. Hätte ich gewusst, dass die Portion so groß ist, hätte es solo auch gereicht. So gibt es noch einen Erdäpfelsalat (EUR 2,60) dazu. In der Schale, die wir schon von der Suppe kennen. Noch leicht lauwarmer Erdäpfelsalat, diesmal ohne roten Zwiebel, dafür stiftelig geschnittene Radieschen. Das schmeckt sehr erfrischend, entspricht aber nicht meiner Vorstellung (m)eines Erdäpfelsalats, leicht süsslich, etwas Salz und roter Zwiebel ! Gut.

Es wird zwischenzeitlich nachgefragt, ob alles in Ordnung ist und auch beim Abservieren noch einmal, ob es denn geschmeckt hat. Ja hat es. Wir liebäugeln noch mit etwas Süßem und verlangen noch einmal eine Karte. Der Kellner bringt eine und übernimmt auch gleich die Beratung mit O-Ton – "meine Lieben (!), wirklich beliebt ist der gratinierte Rhabarber, leider hamma keinen Rhabarber mehr und wir haben es einfach mit Erdbeeren abgewandelt, schmeckt fast noch besser". Auf die Nachfrage der Portionsgröße und der Andeutung derselben mit beiden Händen entscheiden wir uns für eine Portion für zwei (überhaupt kein Problem) mit Kaffeebegleitung.

Gratinierte Erdbeeren mit Sorbet (EUR 5,80)
In einer kleinen Quiche-Auflaufform wird das Objekt der Begierde in die Mitte unseres Tisches gestellt. Mascarpone mit viel Vanille samt Punkterln, Erdbeerstücke darin, überbacken und vielleicht sogar mit einem 'Brulée-Flammenwerfer' bearbeitet. Staubzucker und mittig ein Gupferl Erdbeersorbet (inkl. obligatem Minze-Stämmchen). Diese kleine, nein schon große Kalorienbombe schmeckt herrlich. Ein perfekter Abschluss, vielen Dank. Da wir die Form fast besenrein auslöffeln kommt beim Abservieren die Replik: Ah danke, fast schrankfertig, so sauber.
Der Cappuccino wird auf Nachfrage mit Schlagobers serviert. Mit viel Schlagobers, auch hier die launige Bemerkung des Kellners: "Mehr Schlag is ned gaungan – i hob mi eh bemüht".
Ziemlich sicher sind diese Meldungen jahrelang erprobt und in Fleisch und Blut übergegangen. Wir mögen so etwas trotzdem sehr !

Fazit: Natürlich ist ein Lokal mit diesem Namen fleischlastig, es gibt neben ein paar Süßspeisen, wie Somlauer Nockerl, Schokoladenmousse oder Palatschinken (wegen Suppe und Süßes als Hauptspeise warat's) aber auch zwei fleischlose Gerichte, wie cremige Zitronennudeln mit Blattspinat und geschmorten Kirschparadeisern oder geräucherter Tofu in Sesampanade auf Karotten-Ingwer-Püree. Auch Innereien-Liebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Das vom Vorbesitzer errichtete 'Weing'wölb' wird genutzt und ist gefüllt mit Flaschen von Fuhrgassl Huber, Gobelsburg, Tschermonegg, Netzl, Wieninger, Aumann, Heinrich und vielen mehr, sowie ein paar südamerikanischen Vertretern und auch Moselwein.
Ich versteige mich dazu, die Chefin einfach eine Wuchtbrumme zu nennen, wer sie kennen lernen durfte, wird wissen, was ich damit meine. Die Herren im Service sind jeden Cent wert, ‚schupfen‘ den Laden mit Schmäh und dem richtigen Gespür für Menschen. Hier weiß jeder Bescheid, was die Küche macht und vor allem wie! Das perfekte Bindeglied und Schmiermittel.
Wir habe um rund EUR 50,00 herrlich gespeist, schade, dass die metzgerei nicht bei uns ums Eck ist, Wiederholungsgefahr.

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Kommentare (13)

am 15. Juli 2014 um 00:09

Danke, uc0gr. Ich war ein wenig verwundert, weil mein Klassenvorstand tatsächlich Mayerhofer hieß.

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48
22
am 14. Juli 2014 um 20:01

Plöschberger gilt NUR aus der Waltergasse beim Prof. Stefan Weber = Drahdiwaberl!

Link

I hob earm no g'hobt, den Stefan!
Gerry

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215
47
am 14. Juli 2014 um 18:41

Lieber Gerry,
ich hatte einen Plöschberger in der Schule,
und die Schwester davon in der Parallelklasse !
Kannst da noch mit ?
:-)
LG bubafant

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283
71
am 14. Juli 2014 um 18:31

Entschuldige, lieber cmling, aber das war eine mittlerweile mit Kultstatus versehene Parodie von Ö3-Radio (wie bei uns am Waltergasse-Gymnasium der "Plöschberger"!):

Link

"Mayerhofer, was is' mit du?..."

LG vom Gerry

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215
47
am 14. Juli 2014 um 18:18

Danke!
uc0gr, ich verstehe den Hinweis auf Mayerhofer nicht?

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48
22
am 14. Juli 2014 um 17:16

Unglaublich, aber wahr...ich darf einmal (wird wohl das letzte Mal in meinem Leben gewesen sein) den geschätzten cmling sprachlich korrigieren - ein Erlebnis für mich, wie seinerzeit meinen geschätzten Klassenvorstand, Hrn. OStR Dr. Kaiser Karl (er hieß wirklich so, der Professor Kaiser, ich hieß aber nie Mayerhofer), bei der schriftlichen Matura in Deutsch auf einen kleinen Fauxpas seiner Korrektur hinzuweisen.

Der Slogan hieß damals:
"Jede Godel, jeder Göd kauft die Firmungsuhr beim Schwödt!"

Gerry ;-)

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215
47
am 14. Juli 2014 um 14:52

cmling: Stimmt. Am Julius Tandler Platz gegenüber vom Franz Josef Bahnhof

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389
56
am 14. Juli 2014 um 14:42

Ich erinnere mich vage an eine Reklame, die man früher häufig in Straßenbahnen zu lesen bekam: "Jeder Godel, jeder Göd kauft die Armbanduhr beim Schwödt".

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48
22
am 14. Juli 2014 um 11:26

In Wien aber "Gödl" und "Göd" sagt der Weaner Bua, Gerry

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215
47
am 14. Juli 2014 um 10:17

Ich als Urmundl(Wiener) kenne natührlich den Ausdruck "a resche Godl". Aber auch die Bezeichnung Godel als Tauf oder Firmpaten.

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389
56
am 14. Juli 2014 um 09:14

Alphawoelfin, ja - jetzt wo du es sagst - kommt es mir auch bekannt vor.
Meine Wuchtbrumme ist nicht böse (wie in der Leseprobe), sie wünschte sich zwar, die Tische stünden nicht so eng, aber jegliche Probleme sind da, um gelöst zu werden, mit Witz, Charme und auch manchmal bestimmenden Worten. Und es kann ihr keiner gram sein.

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283
71
am 14. Juli 2014 um 09:02

@bubafant: Also im Südburgenland ist die "Godel" oder "Godi" die Taufpatin.

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88
16
am 14. Juli 2014 um 08:29

resch schaffe ich noch.
Godel habe ich gegoogelt (...)
Kommt nicht ganz hin, wobei die Trefferliste sehr mager ist, eben ganz im Gegensatz zu einer Wuchtbrumme :-)

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283
71
die metzgerei
Linzer Straße 179
1140 Wien
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Ambiente
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