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der Ringsmuth - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 29. Mai 2014
Experte
bubafant
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4Speisen
4Ambiente
4Service
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Jeden Mittwoch gibt es im der Ringsmuth eine Kochtopfsafari (EUR 33,00). Dabei werden ab 18:00 Uhr sechs Überraschungsgänge serviert. Es gibt derzeit wohl kein zweites Lokal, das zentraler am öffentlichen Verkehr teilnimmt: In einem Eckhaus gelegen - vom Eingang weg blickt man direkt auf die drei roten Buchstaben "ÖBB" und das geschwungene Dach des neuen Hauptbahnhofs. Leicht verblasstes SchönbrunnerGelb an der Fassade, fast zwischen jedem der vielen Fenster eine grüne Tafel mit den aktuellen Speiseangeboten. Seitlich gibt es eine große Tür mit einem direkten Zugang zum Gastgarten, wir haben reserviert und treten ‚offiziell‘ übers Eck ein. Die Reservierung wird sofort gefunden, und man führt uns durch einige Räume in das Innere des Komplexes, bis hin zur Terrasse.

Ein wunderschöner Ort, diese Terrasse. Holzboden, ein formatfüllendes Bild eines mediterranen Lavendelfeldes. Die Tische mit weißem Tuch eingedeckt. Der Paarläufer und sämtliche Stühle in einem warmen Beerenton. Gefaltete Stoffserviette, Ascher, Gewürzmühlen und aktuelles Weinangebot. Gegenüber den Nachbarhäusern schirmt man sich mit Holzelementen und Deko ab. Die Glasüberdachung wird durch Stoffbahnen geschickt versteckt, durch manche Schlitze blitzt das neu gebaute Gebäude der ÖBB Zentrale durch. Ein solches Kleinod würde man hier nicht vermuten.
Wir haben richtig Glück mit unserem Kellner, charmant, versiert, nicht gekünstelt und mit Freude bei der Arbeit. Sieht man heutzutage nur mehr selten. Routinierte Fragen nach einem Aperitif und Getränkevorlieben allgemein bis hin zu einer gelungenen Weinempfehlung (Cuveé Colloredo 2011, Hagn, Mailberg, EUR 4,20).
Innerhalb kürzester Zeit füllt sich die Terrasse, und leider müssen Gäste ohne Reservierung abgewiesen werden.

Das Gedeck (EUR 1,90) wird sehr originell serviert. In einer verschließbaren Holzkiste mit Sichtfenster liegen einige heiße Steine, darauf das ofenfrische Gebäck. Einziger Kritikpunkt: drei Stück für zwei Personen. Dazu auf einem Dreiecksteller hoch aufgetürmt gespritzt – Kümmelbutter. Anfangs noch etwas hart, wird sie schnell streichfähig. Gut gesalzen, dezenter Kümmelgeschmack inside – zu viele Körndln obenauf.

Wir haben schon so einige Menüabfolgen inklusive Überraschungsmenüs genießen dürfen. Hier erleben wir eine Premiere, die uns nicht so gut gefallen hat – niemand hinterfragt, ob es Allergien, Intoleranzen oder Ekel gegenüber diversen Speisen gibt. Es liegt auch keine Menüfolge auf, das wäre nicht so schlimm, wenn die diversen Kellner beim Servieren der einzelnen Gänge nicht so murmeln und nuscheln würden und sofort auf und davon sind.

Vulcano-Trüffel mit Melonen
Der Vulcano-Schinken in Scheiben geschnitten. Für mein Verständnis etwas zu dicke Scheiben, aber es geht noch, die kleinen Fleischscheiben sind sehr zart, lassen sich mit der Gabel auseinanderziehen. Mit einem Ausstecher sind Kugeln aus der Melone geschnitten, Schnittlauch und Pfeffer obenauf. Keine Offenbarung, aber ein ganz guter Start.

Meeresfrüchtesalat
In einem netten, geschwungenen Glasschälchen mit einem (gewollten) Loch im Rand serviert, erinnert das Ganze doch ziemlich an jene Shrimps-Cocktails aus den Achtzigerjahren. Neben dem Salatblatt finden wir hier Muscheln (nebst etwas Sand …), Paprika, Ei, Zwiebel und Cocktailsauce mit wieder vielen Schnittlauchröllchen. Trotz Zweifel ist dieser Gang sehr erfrischend. Aber doch irgendwie etwas einfallslos.

Lardo vom Wollschwein
Aufgepimpte Bruschetta. Auf einer kleinen angetoasteten Scheibe Weißbrot liegen leicht marinierte Tomatenstücke und darauf zwei Scheiben vom Lardo. Die Tierrasse habe ich erst beim Servieren des Ganges am Nebentisch verstanden, aber egal, von welchem Lebewesen, ich hätte mir aktiv niemals einen solchen Gang bestellt. Zugegebenermaßen ist es weniger schlimm als befürchtet, im Gegenteil, es ist schlichtweg fad.

So, nach Halbzeit unserer Safari bin ich richtiggehend enttäuscht. Für das bisher gebotene brauche ich nicht in ein von Gault Millau ausgezeichnetes Lokal gehen. Aber – die Hoffnung stirbt zuletzt, und es kann eigentlich nur noch besser werden.

Ziegenfrischkäse auf Wildkräutersalat
Das Glasschälchen mit dem Loch drinnen kennen wir schon. Die Wildkräuter sind nur im Namen wild, schmecken eher nach nichts. Mariniert mit mildem Balsamico-Dressing, daher erträglich. Dafür böckelt der Frischkäse. Extrem aber. Sehr gewöhnungsbedürftig. Als Topping gibt es kleingeschnittene eingelegte Tomaten und ein Blätterteigstangerl, an dem irgendwelche Kräuter einge(ver)brannt sind.

Nach 'quälenden' vier Gängen offenbart sich uns nun endlich das Highlight des Abends:
Geschmorter Kalbstafelspitz
Die zwei Fleischstücke sind mitunter vom feinsten, was ich in letzter Zeit bekommen habe. Fein geschmort, das Messer schneidet sanft durch, als wäre es Butter. Das Safterl dazu ein Gedicht. Die Rösterdäpfel sind in einem Schöpfergupf serviert, jedes einzelne geriebene Erdäpfelstifterl ist leicht angeröstet und alles zusammen an der Außenhülle noch einmal extra nachgebraten. Die leicht bissfest gedünsteten Karotten schmecken so gut und ‚echt‘ wie schon lange nicht mehr.
Dieses Gericht würde ich mir jederzeit a la carte bestellen und nach allem Schwelgen, ahhs und mmmhms sogar eine sechs vergeben, wenn es eine solche gäbe.

Vor dem Dessert werden wir gefragt, ob wir eine kleine Pause einlegen möchten. Das geht in Ordnung, denn die Küche hat mit dem gut besuchten Haus sicher alle Hände voll zu tun. Den Kaffee möchten wir bitte dazu serviert haben.
Es kommt ein Holzbrett mit drei Öffnungen, in denen jeweils ein schokoladiges Krokanteisstanitzel steckt. Erdbeere, Walnuss und Mango. Sehr feines Eis, extrem cremig und fruchtig, bzw. nussig. Einzig – schon beim Servieren fängt es zum tropfen an. Das heißt – nach der Urgenz unserer Kaffees – schnell schlecken und schmausen. Nichtsdestotrotz rinnt es unweigerlich am Stanitzel entlang durch das Loch auf die Tischdecke. Beim Abservieren finde ich den Schmäh, ich soll meine Serviette zum Saubermachen hergeben weniger lustig.

Fazit: Ich bin mir nicht ganz schlüssig. Eigentlich wäre die Speisenperformance eine astreine drei. Allerdings sticht der Hauptgang für mich dermaßen heraus, dass es das upgrade gibt. An Service und Ambiente gibt es kaum etwas zu bemäkeln. Unser Kellner hat uns immer im Blick und schaut nach und auf uns. Anderen geht es nicht ganz so gut. Beim Bezahlen warten wir dann etwas auf die Rechnung, bekommen zum Abschied aus der Küche zwei Pralinen, weiße Schokolade, leicht gekühlte Cremefüllung. Die Geschirrkultur ist gut, allerdings ist manchmal etwas weniger mehr. Bei der Weinempfehlung wird nicht nur an unserem Tisch auf den teuersten Wein verwiesen. Vielleicht begeben wir uns wieder einmal auf Safari, denn irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass man in diesem Haus mehr kann.

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Kommentare (1)

am 29. Mai 2014 um 12:33

Den Tafelspitz unterschreibe ich sofort, auch die Einschätzung des Kellnertums deckt sich mit der meinen. Schade, dass das Filet in solche Ranken geschnipselt wurde. Deine - wirklich gelungene - Bewertung streicht auch mein Hauptproblem mit unserem Stammlokal deutlich hervor: mangelnde Konstanz! Ich warte noch immer geduldig, dass hier endlich einmal das volle Potential ausgeschöpft wird und zwar regelmäßig.

Zum "extremen Böcken" - das spricht vor allem bei Ziegenkäse für mangelnde Stallhygiene. Da ist unter Umständen Vorsicht geboten!
Mein Ziegenfrischkäse war damals schwer in Ordnung, den deinen hätte ich eventuell reklamiert (ist jetzt aus der Ferne schwer einzuschätzen). Trotzdem hat der gute Ringsmuth hier ein kleines Minus in meinem Kopf bekommen, bei den Zutaten gehe ich dort nämlich durchaus von konstant hoher Qualität aus.

Danke für diese gelungene Rezension!

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der Ringsmuth
Johannitergasse 1
1100 Wien
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